Cannabis ist an amerikanischen Hochschulen längst mehr als ein Randthema. Eine neue Untersuchung zählt 980 anrechenbare Cannabis-Kurse an 67 akkreditierten Colleges und Universitäten in 23 US-Bundesstaaten. Was vor wenigen Jahren noch vor allem in privaten Weiterbildungsangeboten stattfand, ist damit sichtbar im regulären Hochschulsystem angekommen.
Für die Studie wertete das Forschungsteam die Kataloge von 3.362 regional akkreditierten Hochschulen in den Vereinigten Staaten aus. Nur etwa zwei Prozent der untersuchten Einrichtungen boten passende Lehrveranstaltungen oder Programme an. Die absolute Zahl zeigt dennoch, wie stark sich ein akademisches Feld entwickelt hat, das lange von Prohibition, Stigma und fehlender Forschungsfreiheit geprägt war.
Landwirtschaft dominiert das Angebot
Am häufigsten beschäftigen sich die Kurse mit Landwirtschaft und Pflanzenproduktion. Dahinter folgen interdisziplinäre Angebote sowie Lehrveranstaltungen aus Wirtschaft und Gesundheitsberufen. Auch Chemie, Recht und öffentliche Politik gehören zum Spektrum. Besonders viele Programme fanden die Forschenden in Illinois, Colorado und Kalifornien – drei Bundesstaaten mit etablierten legalen Cannabismärkten oder langer Forschungstradition.
Die meisten Angebote führen allerdings nicht zu einem vollständigen Hochschulabschluss. Kurzzeit-Zertifikate dominieren, während Bachelor- und Masterprogramme vergleichsweise selten bleiben. Zudem konzentrieren sich viele Hochschulen auf einzelne Fachrichtungen. Die Verbindung von Anbau, Analytik, Medizin, Recht, Regulierung und Betriebswirtschaft steckt vielerorts noch in den Anfängen.
Ein neuer Ausbildungsmarkt entsteht
Auffällig ist, dass die erforderlichen Leistungspunkte bei vergleichbaren Abschlüssen relativ ähnlich ausfallen. Obwohl sich die Programme unabhängig voneinander entwickelt haben, könnten sich damit informelle Standards herausbilden. Ein landesweit einheitliches Curriculum gibt es bislang nicht.
Die tatsächliche Bildungslandschaft dürfte sogar größer sein als die erfassten 980 Kurse. Programme, bei denen Hochschulen mit privaten Bildungsanbietern zusammenarbeiten und Teile der Lehre auslagern, wurden in der Untersuchung nicht vollständig berücksichtigt. Erfasst wurden gezielt akkreditierte, anrechenbare Angebote innerhalb des regulären Hochschulsystems.
Für die Branche ist das mehr als eine kuriose Zahl. Legale Märkte benötigen Fachkräfte für Anbau, Qualitätssicherung, Laboranalytik, Medizin, Compliance und Unternehmensführung. Hochschulen reagieren darauf, bleiben aber bislang hinter der Breite des entstehenden Arbeitsmarkts zurück. Die Studie liefert erstmals eine systematische Bestandsaufnahme und damit eine Grundlage, um Wachstum und Ausbildungslücken künftig messbar zu machen.
Die Untersuchung erschien am 17. September 2026 in der Fachzeitschrift Natural Sciences Education. Autorinnen und Autoren sind Brenda King, Karla L. Gage, Steven Still und Jose F. Da Cunha Leme Filho von der Southern Illinois University beziehungsweise deren Cannabis Science Center. Zur Studie.
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