Mittwoch, 16. September 2026

Cannabis aus der Apotheke: Keine Verschlechterung der psychischen Gesundheit gemessen

Schweizer Apotheke bei der regulierten Cannabisabgabe – Hanf-Journal-Beitragsbild zur WeedCare-Studie

Eine neue Schweizer Studie liefert wichtige Daten für die Debatte über regulierte Cannabisabgabe: 374 regelmäßige Konsumenten erhielten im Rahmen des Basler Pilotprojekts WeedCare ein Jahr lang kontrollierten Zugang zu Cannabis über Apotheken. Die Konsumhäufigkeit nahm leicht zu, die konsumierte Menge blieb jedoch stabil. Gleichzeitig fanden die Forscher keine Verschlechterung der psychischen Gesundheit. Depressions-, Angst- und Problemkonsumwerte gingen im Durchschnitt sogar geringfügig zurück.

Ein Jahr regulierter Zugang

Die am 5. September 2026 in der Fachzeitschrift Drug and Alcohol Dependence veröffentlichte Untersuchung begleitete Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 35,8 Jahren; 81 Prozent waren Männer. Sie konnten regulierte Cannabisprodukte mit höchstens 20 Prozent THC in ausgewählten Basler Apotheken beziehen. Die Abgabe war mengenmäßig begrenzt und mit Beratung sowie wiederholten Befragungen verbunden.

Nach einem Jahr konsumierten die Teilnehmer Cannabis etwas häufiger als zu Beginn. Die insgesamt verwendete Menge stieg jedoch nicht. Das widerspricht zumindest der einfachen Annahme, ein legaler und kontrollierter Zugang müsse automatisch zu einem deutlich höheren Gesamtverbrauch führen.

Kleine Verbesserungen, aber kein medizinischer Beweis

Die durchschnittlichen Depressionswerte auf der PHQ-9-Skala sanken von 5,37 auf 4,53 Punkte. Auch bei Angstbeschwerden und problematischem Cannabiskonsum verzeichneten die Forscher statistisch signifikante, aber kleine Rückgänge. Besonders deutlich war die Verringerung des Problemkonsumwertes bei Teilnehmern, die bereits zu Studienbeginn zur Hochrisikogruppe gehörten.

Diese Zahlen dürfen nicht überinterpretiert werden. Der Anteil der Teilnehmer oberhalb klinisch relevanter Grenzwerte veränderte sich nicht signifikant. Beim möglichen problematischen Cannabiskonsum sank er beispielsweise von 32,7 auf 28,6 Prozent, statistisch war dieser Unterschied jedoch nicht eindeutig. Der Faktor Zeit erklärte zudem weniger als ein Prozent der gemessenen Unterschiede. Den weitaus größten Einfluss hatten stabile persönliche Unterschiede zwischen den Teilnehmern.

Keine Kontrollgruppe in dieser Auswertung

Obwohl das gesamte WeedCare-Projekt auch kontrollierte und randomisierte Studienteile umfasst, untersuchte die jetzt veröffentlichte Auswertung ausschließlich Personen mit Apothekenzugang. Eine gleichzeitig beobachtete Vergleichsgruppe ohne regulierte Abgabe wurde für diese Analyse nicht einbezogen. Deshalb kann die Studie nicht beweisen, dass die Apothekenabgabe die psychische Gesundheit verbessert oder problematischen Konsum reduziert hat.

Sie zeigt aber ebenso wenig die häufig prognostizierte Verschlechterung. Über den Beobachtungszeitraum von einem Jahr war der regulierte Zugang weder mit einer Zunahme psychischer Beschwerden noch mit einer wachsenden konsumierten Cannabismenge verbunden. Die Studienautoren formulieren entsprechend vorsichtig: Die Ergebnisse erlauben keine Kausalaussage, sprechen aber gegen eine erkennbare gesundheitliche Verschlechterung unter den Bedingungen des Pilotprojekts.

Ein relevantes Signal für Deutschland

Für Deutschland sind diese Daten besonders interessant, weil wissenschaftliche Modellprojekte zur regulierten Cannabisabgabe weiterhin nur schleppend vorankommen. Die Schweizer Erfahrungen zeigen, dass eine kontrollierte Abgabe mit Produktstandards, Mengenbegrenzungen, Beratung und wissenschaftlicher Begleitung praktisch umsetzbar ist. Ein Jahr Beobachtung ersetzt keine langfristige Risikobewertung, liefert aber deutlich mehr Erkenntnisse als politische Vermutungen über mögliche Folgen einer Regulierung.

Die Studie ist weder ein Freibrief für Cannabis noch ein Beweis für gesundheitliche Vorteile. Sie ist jedoch ein belastbares Argument gegen die Behauptung, ein legaler Zugang führe zwangsläufig zu mehr Konsummenge, mehr problematischem Konsum und einer schlechteren psychischen Gesundheit. Genau deshalb sollte Deutschland die eigenen Modellprojekte endlich ermöglichen, anstatt weiter über Risiken zu spekulieren, die sich wissenschaftlich untersuchen ließen.

Quellen: Fachstudie bei PubMed, veröffentlicht am 5. September 2026 · Bundesamt für Gesundheit zum WeedCare-Projekt

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