Mittwoch, 16. September 2026

10,2 Tonnen in drei Monaten: Deutschland treibt High Tides Cannabisboom

Internationale Medizinalcannabis-Logistik zwischen Kanada und Deutschland mit 10,2 Tonnen – Hanf-Journal-Beitragsbild

Der deutsche Medizinalcannabis-Markt wird zunehmend zum Geschäftsmotor internationaler Konzerne. Die kanadische High Tide Inc. meldet für ihre deutsche Tochter Remexian Pharma einen neuen Rekord: Im dritten Geschäftsquartal 2026 wurden 10,2 Tonnen medizinisches Cannabis in Deutschland vertrieben. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Anstieg von 62 Prozent, gegenüber dem unmittelbar vorherigen Quartal einem Plus von 35 Prozent.

Deutschland wird zum zweiten Wachstumsmotor

Remexian erzielte in den drei Monaten bis zum 31. Juli 2026 einen Quartalsumsatz von 38,2 Millionen kanadischen Dollar. Im vorherigen Quartal waren es 31,6 Millionen Dollar gewesen. Die Bruttomarge des deutschen Geschäfts lag nach Unternehmensangaben bei 26 Prozent. High Tide bezeichnet Remexian inzwischen neben der kanadischen Einzelhandelskette Canna Cabana als einen der beiden zentralen Wachstumsmotoren des Konzerns.

Besonders auffällig ist die Geschwindigkeit der Expansion. High Tide gibt an, dass Remexians Anteil am deutschen Medizinalcannabis-Markt innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Einstieg des Konzerns von 6,5 auf 10,5 Prozent gestiegen sei. Diese Angabe stammt allerdings vom Unternehmen selbst. High Tide räumt zugleich ein, dass umfassende Branchendaten nicht verfügbar seien. Die Marktanteilsberechnung ist deshalb nicht unabhängig überprüfbar.

Rekordumsatz für den Gesamtkonzern

Auch auf Konzernebene meldet High Tide Höchstwerte. Der Umsatz stieg im dritten Geschäftsquartal auf 198,8 Millionen kanadische Dollar – 33 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 53 Prozent auf 16,2 Millionen Dollar. Der operative Gewinn erreichte 8,7 Millionen Dollar.

Beim ausgewiesenen Nettogewinn von 12,7 Millionen Dollar ist eine genauere Betrachtung erforderlich. Nach Bereinigung um Wertveränderungen bei einer Derivatverbindlichkeit und einem langfristigen Vertragsvermögenswert verblieb ein angepasstes Ergebnis von 2,2 Millionen Dollar. Die Geschäftsentwicklung ist damit weiterhin positiv, der besonders auffällige Nettogewinn wurde jedoch erheblich durch buchhalterische Sondereffekte beeinflusst. Die vorgelegten Quartalszahlen sind zudem noch ungeprüft.

Der deutsche Markt verändert internationale Bilanzen

Die Zahlen zeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung Deutschland inzwischen für die internationale Cannabisbranche hat. Seit der rechtlichen Neuordnung im April 2024 sind die Importe und die Zahl privat behandelter Patienten deutlich gestiegen. Für ausländische Produzenten und deutsche Importeure ist daraus innerhalb kurzer Zeit einer der wichtigsten Medizinalcannabis-Märkte außerhalb Nordamerikas entstanden.

Remexian verfügt nach Angaben des Mutterkonzerns über Importbeziehungen in 19 Ländern. Für High Tide bietet das deutsche Geschäft damit nicht nur wachsende Absatzmengen, sondern auch Zugang zu einem internationalen Liefernetz. Der Konzern prüft bereits weitere Möglichkeiten in Europa, will bei möglichen Markteintritten aber nach eigener Aussage strategisch vorgehen.

Wachstum trifft auf politische Unsicherheit

Der Boom ist nicht ohne Risiko. High Tide selbst verbindet seine Wachstumsprognose ausdrücklich mit der Voraussetzung, dass sich der deutsche Rechtsrahmen nicht wesentlich verändert. Genau diese Voraussetzung ist keineswegs sicher. Die Bundesregierung diskutiert Einschränkungen bei telemedizinischen Erstverschreibungen und beim Versand von Cannabisblüten. Gesundheitsminister Carsten Linnemann begründet den geplanten Kurs unter anderem mit den stark gestiegenen Importmengen.

Damit treffen zwei Entwicklungen direkt aufeinander: Auf der einen Seite wachsen Patientenzahlen, Liefermengen und Unternehmensumsätze. Auf der anderen Seite steigt der politische Druck, den Zugang zu Medizinalcannabis wieder stärker zu begrenzen. Für High Tide und Remexian ist Deutschland bereits ein bedeutender Wachstumsmotor. Ob dieser Motor mit gleicher Geschwindigkeit weiterläuft, entscheidet deshalb nicht nur der Markt, sondern zunehmend die deutsche Gesundheitspolitik.

Die Rekordzahlen belegen vor allem eines: Deutschland ist längst kein unbedeutender Nebenmarkt mehr. Wenn ein einzelnes Unternehmen innerhalb eines Quartals mehr als zehn Tonnen Medizinalcannabis vertreibt und damit einen Umsatz von 38,2 Millionen kanadischen Dollar erzielt, beeinflusst die deutsche Regulierung inzwischen die Bilanzen internationaler Cannabiskonzerne.

Quelle: High Tide: ungeprüfte Ergebnisse des dritten Geschäftsquartals 2026, veröffentlicht am 14. September 2026

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1 Kommentar
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xhibo
20 Tage zuvor

> Im dritten Geschäftsquartal 2026 wurden 10,2 Tonnen medizinisches Cannabis in Deutschland vertrieben

Sind die Geschäftsquartale anders als Kalenderquartale? Das dritte Quartal ist ja noch nicht beendet