Montag, 14. September 2026

Promiradar: Seth Rogen macht Cannabis zur Wohnkultur

Seth Rogen zwischen Filmkarriere und Cannabismarke Houseplant

Seth Rogen ist längst mehr als Hollywoods sympathischster Kiffer. Beim Toronto International Film Festival steht der Schauspieler und Produzent aktuell mit gleich zwei gemeinsamen Projekten mit seiner Frau Lauren Miller Rogen im Rampenlicht. In der Komödie „Babies“, die am 12. September in Toronto Premiere feierte, spielt Rogen an der Seite von Anna Kendrick einen Mann, der mit seiner Partnerin über die Frage nachdenkt, ob beide wirklich Kinder haben wollen. Lauren Miller Rogen schrieb das Drehbuch, führte Regie und produzierte den Film. Gemeinsam produzierten die beiden außerdem „Tangles“, einen Animationsfilm nach Sarah Leavitts autobiografischer Graphic Novel über Alzheimer. Rogen übernahm darin zusätzlich eine Sprechrolle. Das Festival würdigt ihn 2026 zudem mit einem TIFF Tribute Award. (TIFF, People)

Für den Promiradar ist aber vor allem interessant, was Rogen abseits der Leinwand aufgebaut hat. Seine gemeinsam mit Evan Goldberg und Michael Mohr gegründete Marke Houseplant ist zwar aus der Cannabiskultur entstanden, verkauft heute jedoch längst nicht mehr bloß Rauchzubehör. Im Sortiment stehen Keramikaschenbecher, Grinder und Papers neben Möbeln, Teppichen, Vasen, Geschirr, Räucherstäbchen und Wohnaccessoires. Aus dem klassischen Prominenten-Merchandise ist schrittweise eine Designmarke geworden, die Cannabis als selbstverständlichen Bestandteil moderner Wohnkultur behandelt.

Wie konsequent Houseplant diesen Weg verfolgt, zeigt die neue Zusammenarbeit mit dem britischen Dufthaus Droplet. Der gemeinsam entwickelte Raumduft kombiniert rosa Pfeffer, Pfingstrose, Sandelholz und Kiefer. Rogen reiste dafür nach Grasse in Frankreich und stellte dort zunächst seinen persönlichen Duft zusammen. Droplet entwickelte daraus einen Reed-Diffuser in einem mundgeblasenen Glasgefäß, der bis zu drei Monate lang Duft abgeben soll. Verkauft wird das Stück für 45 US-Dollar. (Houseplant, Produktmitteilung)

Ein Raumduft mag auf den ersten Blick ziemlich weit von Cannabis entfernt erscheinen. Tatsächlich passt er jedoch exakt zu Rogens Strategie. Houseplant versucht nicht, möglichst viele Produkte mit einem grünen Blatt zu versehen. Die Marke übersetzt stattdessen Elemente der Cannabiskultur in Gegenstände, die auch in einem Designladen funktionieren könnten. Der Joint liegt nicht mehr zwischen Bierflaschen auf einem wackeligen Couchtisch, sondern neben einem handgefertigten Aschenbecher, einem gläsernen Grinder und einem Duftobjekt für 45 Dollar.

Damit betreibt Rogen auch kulturelle Normalisierung. Cannabis erscheint bei Houseplant weder als gefährliches Rauschgift noch als rebellisches Erkennungszeichen einer Subkultur. Es wird Teil eines bewusst eingerichteten Zuhauses – ähnlich wie Wein, Schallplatten, Keramik oder eine gute Kaffeemaschine. Das kann man als cleveres Premium-Marketing kritisieren. Gleichzeitig zeigt es, wie weit sich die öffentliche Darstellung von Cannabis in legalisierten Märkten bereits von den alten Klischees entfernt hat.

Andere Prominente versehen austauschbare Produkte mit ihrem Namen. Seth Rogen hat dagegen eine erstaunlich geschlossene Welt geschaffen, die zu seiner öffentlichen Person passt: humorvoll, ein wenig verspielt, sichtbar handgemacht und fest in der Cannabiskultur verwurzelt. Während er in Toronto als Schauspieler, Produzent und Festivalpreisträger gefeiert wird, verwandelt Houseplant sein bekanntestes Image Schritt für Schritt in ein dauerhaftes Kulturgeschäft. Aus dem Stoner-Komiker ist damit tatsächlich ein Cannabis-Kulturunternehmer geworden.

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