Samstag, 12. September 2026

Grünhorn wird international – Kanadier steigen groß in Deutschlands Cannabis-Apothekenmarkt ein

Grünhorn wird international – kanadischer Einstieg in Deutschlands Cannabis-Apothekenmarkt

Der deutsche Markt für Medizinalcannabis zieht internationales Kapital an. Das kanadische Cannabisunternehmen Red White & Bloom Brands, kurz RWB, hat 62,63 Prozent an der neu gegründeten HEAL Europe Holdings übernommen. Über diese Beteiligung kontrolliert RWB nun indirekt 50,1 Prozent der Grünhorn Gruppe. Damit erhält ein börsennotiertes kanadisches Unternehmen einen beherrschenden wirtschaftlichen Einfluss auf einen der bekanntesten deutschen Anbieter im Geschäft mit medizinischem Cannabis.

Grünhorn ist dabei deutlich mehr als eine einzelne Versandapotheke. Zur Unternehmensgruppe gehören Strukturen für Apothekenbetrieb, pharmazeutischen Großhandel, Logistik, digitale Patientenvermittlung und die Abwicklung von Cannabisrezepten. Nach Angaben von RWB bearbeitete Grünhorn in den zwölf Monaten bis Ende Juli 2026 ungefähr 290.000 Verordnungen für Medizinalcannabis. Gemeinsam sollen die Unternehmen der neuen europäischen Plattform im gleichen Zeitraum mehr als zwölf Tonnen Cannabis abgegeben oder vertrieben haben. RWB weist allerdings selbst darauf hin, dass diese Zahlen von den beteiligten Unternehmen stammen, nicht unabhängig geprüft wurden und jeweils das gesamte Geschäft vor Berücksichtigung der neuen Beteiligungsquoten darstellen.

Die Konstruktion des Geschäfts ist komplexer, als es eine einfache Firmenübernahme vermuten lässt. RWB erwarb für einen nominellen Kaufpreis 62,63 Prozent an HEAL Europe Holdings. Diese Gesellschaft hält wiederum 80 Prozent an der Grünhorn Gruppe, woraus sich für RWB die indirekte Beteiligung von 50,1 Prozent ergibt. Zusätzlich gehören zur europäischen Plattform Beteiligungen an der britischen Privatklinik Zerenia und dem Unternehmen Leva HEAL. RWB kommt dort nach direkten und indirekten Beteiligungen auf einen effektiven Anteil von jeweils rund 61,3 Prozent.

Der nominelle Kaufpreis bedeutet jedoch nicht, dass die Expansion ohne erheblichen Kapitaleinsatz erfolgt. RWB hat HEAL Europe eine vorrangig besicherte Kreditlinie über bis zu 25 Millionen kanadische Dollar zugesagt. Davon waren zum Zeitpunkt der Unternehmensmeldung bereits 18,7 Millionen kanadische Dollar ausgezahlt. Der Kredit läuft drei Jahre, wird mit zwölf Prozent jährlich verzinst und ist durch Vermögenswerte der europäischen Holding sowie Sicherheiten beteiligter Tochtergesellschaften abgesichert. Die Kombination aus Mehrheitsbeteiligung und Kreditfinanzierung verschafft RWB damit nicht nur Kontrolle, sondern auch eine starke Position als Gläubiger.

Für den deutschen Cannabismarkt ist die Transaktion vor allem ein Zeichen seiner fortschreitenden Industrialisierung. Seit Medizinalcannabis im April 2024 nicht mehr als Betäubungsmittel behandelt wird, sind Verschreibung und Abwicklung deutlich einfacher geworden. Gleichzeitig wachsen Versandapotheken, Telemedizinplattformen, Großhändler und Logistikunternehmen immer stärker zu integrierten Versorgungsketten zusammen. Wer den digitalen Zugang zu Patienten, die Rezeptabwicklung, den Import, den Großhandel und die Abgabe über Apotheken miteinander verbinden kann, kontrolliert einen erheblichen Teil der Wertschöpfung.

RWB spricht deshalb nicht nur von einer Beteiligung an Grünhorn, sondern vom Aufbau einer europäischen Plattform. Deutschland liefert dabei das große und schnell wachsende Apothekengeschäft, während Großbritannien einen ebenfalls expandierenden privaten Medizinmarkt beisteuert. Know-how, Marken, Einkauf und Logistik sollen künftig über Ländergrenzen hinweg genutzt werden. Für Grünhorn kann das zusätzliches Kapital und eine stärkere internationale Einkaufsposition bedeuten. Zugleich stellt sich die Frage, wie unabhängig einzelne Apotheken und medizinische Plattformen bleiben, wenn Finanzierung, Großhandel, Patientenvermittlung und Abgabe zunehmend unter gemeinsamen Unternehmensdächern gebündelt werden.

Der Einstieg von RWB zeigt deshalb zweierlei: Deutschland ist inzwischen groß genug, um für internationale Cannabisunternehmen strategisch wichtig zu werden. Gleichzeitig beginnt die nächste Phase der Marktentwicklung, in der nicht mehr nur einzelne Blütenmarken oder Importeure um Anteile kämpfen, sondern ganze Versorgungsketten gekauft, finanziert und miteinander verbunden werden. Grünhorn wird international – und der deutsche Cannabis-Apothekenmarkt ein weiteres Stück globaler.

Quelle: Unternehmensmitteilung von Red White & Bloom vom 11. September 2026.

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