
Die britische Food Standards Agency hält an ihrer 10-mg-Linie für CBD fest und schiebt mehrere Verfahren in die nächste Phase. Gleichzeitig fährt die EFSA in der EU einen deutlich vorsichtigeren Kurs. Für den europäischen Markt wird der Abstand damit größer.
Beim britischen CBD-Markt kommt wieder sichtbar Bewegung ins Verfahren. Auf dem offiziellen Register der Food Standards Agency sind derzeit 12.115 CBD-Produkte gelistet, die an Novel-Food-Anträge gekoppelt sind. Das Register umfasst Produkte, die am 13. Februar 2020 bereits auf dem Markt waren und für die fristgerecht ein Antrag eingereicht wurde. Produkte mit dem Status „Validated“ oder „Awaiting evidence“ können in England und Wales vorläufig weiter am Markt bleiben, während die Prüfung läuft.
Besonders wichtig ist jetzt, dass mehrere CBD-Anträge die Phase „Risk management“ erreicht haben. Das ist die Stufe, in der auf Basis der Sicherheitsbewertung über mögliche Risikomanagement-Maßnahmen beraten und eine Empfehlung an die zuständigen Minister vorbereitet wird. Für den Antrag RP-349 von Mile High Labs International führt die FSA-Datenbank genau diese Phase aus. In der zugehörigen Sicherheitsbewertung kamen FSA und Food Standards Scotland zu dem Schluss, dass der Antragsteller ausreichende Informationen vorgelegt habe, um die Sicherheit des isolierten CBD unter den vorgeschlagenen Verwendungsbedingungen zu belegen. Auch beim Antrag RP-427 wird in den offiziellen Unterlagen festgehalten, dass die Sicherheit unter den vorgeschlagenen Bedingungen als belegt angesehen wurde.
Ganz so einfach ist der Weg aber nicht. Andere Anträge scheitern weiterhin an den Datenanforderungen. In der Bewertung zu RP88/RP91 erklärten FSA und FSS ausdrücklich, dass die vorgelegten Unterlagen nicht ausreichten, um die Sicherheit des CBD-Isolats beziehungsweise des wasserlöslichen CBD-Isolats unter den vorgeschlagenen Bedingungen zu belegen. Das zeigt: Der britische Markt bewegt sich zwar vorwärts, aber die Behörde winkt die Anträge keineswegs pauschal durch.
Inhaltlich hält die britische Behörde dabei an ihrer bekannten Linie fest: Für hochreine CBD-Produkte wird mit einem provisorischen akzeptablen Tageswert von 10 Milligramm CBD pro Tag gearbeitet. In den Sicherheitsbewertungen wird zudem betont, dass dieser Rahmen nur für die konkret beantragten Anwendungen gilt und dass es Probleme geben kann, wenn Verbraucher mehrere CBD-Produkte parallel konsumieren und dadurch über diese Menge hinauskommen. Schwangeren und Stillenden, Menschen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten sowie weiteren besonders sensiblen Gruppen wird weiterhin von CBD-Konsum abgeraten.
Spannend wird der Blick nach Europa. Die EFSA hat im Februar 2026 eine deutlich niedrigere vorläufige Sicherheitsgrenze von 0,0275 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt, was bei einem Erwachsenen mit 70 Kilogramm ungefähr 2 Milligramm CBD pro Tag entspricht. Gleichzeitig verweist die Behörde weiter auf Datenlücken, unter anderem mit Blick auf Leber, endokrines System, Nervensystem und Fortpflanzungssystem. Damit liegt die EU-Linie derzeit deutlich unter der britischen 10-mg-Bewertung.
Zusätzliche Unsicherheit kommt aus dem Chemikalienrecht. In einem bei der ECHA veröffentlichten Harmonisierungsvorschlag wird für Cannabidiol eine Einstufung als reproduktionstoxisch Kategorie 1B sowie ein Warnhinweis für die Stillzeit vorgeschlagen. Das ist noch keine endgültige EU-Entscheidung, zeigt aber, wie umkämpft die regulatorische Bewertung von CBD in Europa weiter ist.
Die Entwicklung in Großbritannien ist deshalb mehr als nur eine nationale Meldung. Sie könnte den Abstand zwischen britischem und EU-Regelungsansatz weiter vergrößern. Für Hersteller, Händler und Verbraucher wird entscheidend sein, ob sich daraus langfristig zwei deutlich unterschiedliche CBD-Regime entwickeln.
Für das Hanf Journal ist die Geschichte besonders interessant, weil sie Regulierung, Wirtschaft und Verbraucherschutz zugleich verbindet. Der Nachrichtenwert liegt nicht nur in einzelnen Anträgen, sondern im größeren Bild: Großbritannien bewegt sich in Richtung Marktöffnung, während die EU bei der Sicherheitsbewertung deutlich vorsichtiger bleibt.
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