
Deutschlands Cannabis Social Clubs wachsen weiter. Inzwischen wurden bundesweit 455 Anbauvereinigungen genehmigt. Damit beginnt das im Konsumcannabisgesetz vorgesehene nichtkommerzielle Versorgungsmodell langsam eine Größenordnung zu erreichen, die auch für den gesamten deutschen Cannabismarkt relevant werden könnte. Eine Modellrechnung des Hanf Journals zeigt: Würden alle genehmigten Clubs bereits produzieren und durchschnittlich 133 Mitglieder mit jeweils 40 Gramm Cannabis monatlich versorgen, könnten die Anbauvereinigungen rechnerisch bereits zwischen 3,5 und 4,3 Prozent des gesamten deutschen Cannabisbedarfs decken.
Die Zahl der Anbauvereinigungen steigt kontinuierlich. Nach der aktuellen bundesweiten Erhebung stehen inzwischen 455 Genehmigungen insgesamt 896 eingereichten Anträgen gegenüber.
Damit ist mittlerweile mehr als die Hälfte der Marke von 1.000 beantragten Cannabis-Clubs erreicht – und auch die Zahl der tatsächlich genehmigten Vereinigungen nähert sich der 500er-Marke.
Von 413 auf 455 genehmigte Clubs
Noch im Frühjahr wurden bundesweit 413 genehmigte Anbauvereinigungen gemeldet. Inzwischen sind es 455.
Das entspricht 42 zusätzlichen Genehmigungen innerhalb weniger Monate und einem Wachstum von gut zehn Prozent gegenüber diesem Stand.
Gleichzeitig bleibt die Umsetzung regional höchst unterschiedlich. Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gehören zu den Ländern mit besonders vielen genehmigten Vereinigungen, während Bayern weiterhin deutlich zurückliegt.
Der föderale Flickenteppich bleibt damit bestehen.
Wie viel Cannabis könnten 455 Clubs produzieren?
Interessant wird es, wenn man die Zahl der Genehmigungen nicht nur als Verwaltungsstatistik betrachtet, sondern auf die mögliche Versorgung der Konsumenten überträgt.
Das Hanf Journal hat deshalb eine einfache Modellrechnung durchgeführt.
Wir nehmen dafür an:
455 genehmigte Anbauvereinigungen × durchschnittlich 133 Mitglieder = 60.515 Mitglieder.
Wenn jedes dieser Mitglieder durchschnittlich 40 Gramm Cannabis pro Monat über seinen Club bezieht, ergibt sich:
60.515 × 40 Gramm = 2.420.600 Gramm Cannabis pro Monat.
Das entspricht rund 2,42 Tonnen monatlich.
Auf ein Jahr hochgerechnet wären das rund:
29 Tonnen Cannabis.
Clubs könnten theoretisch bereits rund vier Prozent des Marktes bedienen
Damit lässt sich erstmals zumindest modellhaft abschätzen, welche Bedeutung 455 Cannabis Social Clubs für den deutschen Markt entwickeln könnten.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Evaluation des Konsumcannabisgesetzes wird der jährliche Cannabisbedarf Deutschlands auf rund 670 bis 823 Tonnen geschätzt. Darin sind allerdings sowohl Konsumcannabis als auch Medizinalcannabis enthalten.
Setzt man unsere hypothetischen 29 Tonnen Clubproduktion ins Verhältnis zu dieser Größenordnung, ergibt sich:
Bei einem Gesamtmarkt von 670 Tonnen würden die Clubs rund 4,3 Prozent des Bedarfs decken.
Bei 823 Tonnen wären es noch rund 3,5 Prozent.
Unter den genannten Annahmen könnten die derzeit genehmigten Cannabis Social Clubs also theoretisch bereits etwa vier Prozent des gesamten deutschen Cannabisbedarfs bedienen.
Eine Modellrechnung – keine Produktionsstatistik
Dabei ist eine Einschränkung entscheidend: Diese Rechnung beschreibt nicht die aktuell tatsächlich produzierte Menge.
Nicht jede der 455 genehmigten Anbauvereinigungen baut bereits Cannabis an. Manche Vereine befinden sich noch beim Aufbau ihrer Produktionsanlagen, andere warten auf baurechtliche Genehmigungen oder haben gerade ihren ersten Anbauzyklus begonnen.
Auch die angenommenen 133 Mitglieder pro Club und 40 Gramm monatlicher Bezug sind Modellannahmen. Tatsächliche Mitgliederzahlen und individuelle Abgabemengen unterscheiden sich erheblich.
Die Rechnung zeigt deshalb vor allem, welches Versorgungspotenzial bereits in der heutigen Clubstruktur steckt.
Was passiert bei 1.000 Clubs?
Noch interessanter wird der Blick in die Zukunft.
Würde Deutschland irgendwann 1.000 aktive Cannabis Social Clubs mit durchschnittlich jeweils 133 Mitgliedern erreichen, wären rund 133.000 Menschen über Anbauvereinigungen organisiert.
Bei durchschnittlich 40 Gramm monatlichem Bezug würden diese Clubs gemeinsam etwa 5,32 Tonnen Cannabis pro Monat beziehungsweise knapp 64 Tonnen pro Jahr benötigen.
Das entspräche – gemessen an der heutigen Schätzung des Gesamtbedarfs – bereits ungefähr 7,8 bis 9,5 Prozent des deutschen Cannabismarktes.
Bei 2.000 vergleichbaren Clubs würde sich dieser Anteil rechnerisch nochmals verdoppeln.
Damit wird deutlich, dass Anbauvereinigungen durchaus das Potenzial besitzen, einen relevanten Teil der Cannabisversorgung vom illegalen in einen kontrollierten Bereich zu verschieben.
Bürokratie entscheidet über das tatsächliche Potenzial
Die entscheidende Frage lautet deshalb inzwischen weniger, ob das Modell grundsätzlich funktionieren kann.
Entscheidend ist, wie viele der genehmigten Clubs tatsächlich produzieren können.
Baurecht, Sicherheitsauflagen, Dokumentationspflichten und unterschiedliche Anforderungen der Landesbehörden verzögern weiterhin vielerorts den Start.
Aktuelle Gerichtsentscheidungen zeigen zudem, dass einige behördliche Zusatzauflagen möglicherweise über das hinausgehen, was das Konsumcannabisgesetz vorsieht.
Jede Vereinfachung, die Clubs schneller vom Genehmigungsbescheid zur tatsächlichen Produktion bringt, könnte deshalb unmittelbar Auswirkungen auf den legalen Versorgungsanteil haben.
Clubs werden zu einem messbaren Faktor
Mit 455 genehmigten Anbauvereinigungen befindet sich Deutschland noch am Anfang dieser Entwicklung. Doch die Größenordnung beginnt interessant zu werden.
Unter der Annahme von durchschnittlich 133 Mitgliedern je Club sprechen wir bereits von potenziell mehr als 60.000 Menschen, die über diese Strukturen versorgt werden könnten.
Unsere Modellrechnung kommt bei einem durchschnittlichen monatlichen Bezug von 40 Gramm auf rund 29 Tonnen Cannabis pro Jahr.
Das wären theoretisch ungefähr 3,5 bis 4,3 Prozent des derzeit geschätzten gesamten deutschen Cannabisbedarfs.
Noch ist das keine tatsächliche Marktquote der Cannabis Social Clubs. Dafür sind zu viele genehmigte Vereine noch nicht vollständig operativ.
Aber die Rechnung zeigt, wohin die Entwicklung führen könnte.
Aus einigen Dutzend Pioniervereinen ist innerhalb kurzer Zeit eine Struktur mit mehreren hundert genehmigten Anbauvereinigungen geworden. Sollten Genehmigungen weiter steigen und bestehende Clubs ihre Produktion aufnehmen, könnten Cannabis Social Clubs in den kommenden Jahren einen zunehmend messbaren Beitrag zur legalen Cannabisversorgung in Deutschland leisten.
Und genau daran wird sich letztlich auch ein Teil des Erfolgs des Konsumcannabisgesetzes messen lassen: Wie viel Nachfrage kann dauerhaft aus dem illegalen Markt in kontrollierte, nichtkommerzielle Strukturen verlagert werden?

















