Mittwoch, 5. August 2026

Cannabis überholt Alkohol und Zigaretten: Historischer Wandel beim täglichen Konsum in den USA

Erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten konsumieren mehr Menschen täglich oder nahezu täglich Cannabis als Alkohol oder Zigaretten. Das zeigen aktuelle Daten der US-Behörde SAMHSA aus der National Survey on Drug Use and Health 2025. Die Zahlen markieren einen bemerkenswerten gesellschaftlichen Wandel im Konsumverhalten der Amerikaner.

Cannabis erstmals auf Platz eins beim täglichen Konsum

Nach den aktuellen Daten konsumieren rund 21,4 Millionen Amerikaner Cannabis an mindestens 300 Tagen im Jahr. Damit liegt Cannabis erstmals vor den klassischen Alltagsdrogen:

  • Cannabis: 21,4 Millionen tägliche oder nahezu tägliche Konsumenten
  • Zigaretten: 19,9 Millionen tägliche Raucher
  • Alkohol: 17,2 Millionen tägliche Konsumenten

Während Alkohol insgesamt weiterhin die am häufigsten konsumierte Substanz bleibt, hat Cannabis beim regelmäßigen täglichen Gebrauch erstmals die Spitzenposition übernommen.

Deutlicher Anstieg innerhalb weniger Jahre

Die Zahl der täglichen oder nahezu täglichen Cannabiskonsumenten ist zwischen 2022 und 2025 um rund 21 Prozent gestiegen.

Innerhalb von nur drei Jahren kamen rund 3,7 Millionen regelmäßige Konsumenten hinzu.

Auffällig ist dabei, dass das Wachstum fast ausschließlich von Erwachsenen getragen wird. Besonders Menschen ab 26 Jahren nutzen Cannabis deutlich häufiger als noch vor wenigen Jahren.

Alkohol bleibt insgesamt Nummer eins

Die neuen Zahlen sollten jedoch richtig eingeordnet werden.

Betrachtet man alle Konsumenten, liegt Alkohol weiterhin klar vorne.

Innerhalb des letzten Monats konsumierten:

  • rund 129 Millionen Menschen Alkohol
  • rund 43,8 Millionen Cannabis

Der Unterschied besteht also zwischen gelegentlichem und nahezu täglichem Konsum.

Zigaretten verlieren weiter an Bedeutung

Parallel setzt sich ein Trend fort, der bereits seit Jahren beobachtet wird.

Der Anteil der amerikanischen Bevölkerung, der Tabakprodukte konsumiert, sank von 20,1 Prozent im Jahr 2021 auf 15,9 Prozent im Jahr 2025.

Im gleichen Zeitraum stieg der allgemeine Cannabiskonsum von 13,2 auf 15,1 Prozent.

Die Zahlen deuten auf einen langfristigen Wandel der Konsumgewohnheiten hin.

Experten bewerten die Entwicklung unterschiedlich

Die Veröffentlichung der Daten hat erneut eine kontroverse Debatte ausgelöst.

Kritiker warnen vor hochpotenten THC-Produkten sowie möglichen Auswirkungen auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verkehrssicherheit. Andere Experten verweisen dagegen darauf, dass der Rückgang des Zigarettenkonsums als erheblicher gesundheitlicher Fortschritt bewertet werden müsse und fordern eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Substanzen.

Die aktuellen Daten selbst treffen jedoch zunächst keine Aussage darüber, ob Cannabis insgesamt gesundheitlich weniger oder stärker belastend ist als Alkohol oder Tabak. Sie dokumentieren ausschließlich das veränderte Konsumverhalten der amerikanischen Bevölkerung.

Auch die Arbeitswelt verändert sich

Eine weitere aktuelle Umfrage des Unternehmens Modern Health deutet darauf hin, dass insbesondere jüngere Beschäftigte zunehmend THC-Produkte zur Stressbewältigung nutzen.

Bei der Generation Z gaben mehr Befragte an, nach der Arbeit Cannabisprodukte zu verwenden als Alkohol zu trinken. Die Ergebnisse beruhen allerdings auf einer separaten Unternehmensumfrage und sind deshalb nicht unmittelbar mit den offiziellen SAMHSA-Daten vergleichbar.

Bedeutung für Europa

Auch wenn sich die rechtlichen Rahmenbedingungen in Europa deutlich von denen der USA unterscheiden, zeigt die Entwicklung, wie stark sich der gesellschaftliche Umgang mit Cannabis verändert.

Mit der Legalisierung in zahlreichen US-Bundesstaaten und neuen gesetzlichen Regelungen in Deutschland dürfte die wissenschaftliche Beobachtung solcher Konsumtrends künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Fazit

Die neuen SAMHSA-Daten markieren einen historischen Wendepunkt: Erstmals konsumieren in den USA mehr Menschen Cannabis täglich oder nahezu täglich als Alkohol oder Zigaretten.

Die Zahlen beantworten jedoch nicht die Frage, welche Substanz gesundheitlich weniger riskant ist. Sie zeigen vor allem, dass Cannabis inzwischen fester Bestandteil der gesellschaftlichen Realität geworden ist und damit auch Politik, Prävention und Gesundheitsforschung vor neue Herausforderungen stellt.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Ältester
Neuster Bewertung