Freitag, 24. Juli 2026

Neue Bundesstudie: Kein allgemeiner Drogenschub bei Jugendlichen nach Cannabis-Teillegalisierung

Eine neue repräsentative Bundesstudie liefert erstmals Daten aus dem ersten vollständigen Erhebungsjahr nach der Cannabis-Teillegalisierung. Das Ergebnis dürfte die politische Debatte neu beleben: Ein allgemeiner Anstieg des Konsums anderer illegaler Drogen unter Jugendlichen lässt sich nicht feststellen. Gleichzeitig zeigen die Zahlen neue Herausforderungen – insbesondere beim Kokainkonsum junger Erwachsener.

Mit der Einführung des Konsumcannabisgesetzes am 1. April 2024 wurde in Deutschland eine der größten drogenpolitischen Reformen der vergangenen Jahrzehnte umgesetzt. Kritiker warnten vor einem Anstieg des Drogenkonsums unter Jugendlichen und einem möglichen Einstieg in härtere Substanzen. Die jetzt veröffentlichte Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) liefert nun erstmals belastbare Daten aus dem ersten vollständigen Erhebungsjahr nach Inkrafttreten des Gesetzes.

Für die Studie wurden 7.001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren zwischen April und Juli 2025 repräsentativ befragt. Dabei untersuchte das BIÖG sowohl den Konsum von Cannabis als auch den Gebrauch anderer psychoaktiver Substanzen.

Keine Hinweise auf einen allgemeinen Drogenschub

Besonders interessant ist der Blick auf die weiterhin illegalen Drogen. Unter den 12- bis 17-Jährigen konsumierten im Jahr 2025 1,6 Prozent innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine der untersuchten illegalen Substanzen. Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt dabei keine statistisch signifikante Zunahme.

Auch bei der Lebenszeitprävalenz sowie beim regelmäßigen Konsum ergeben sich keine auffälligen Veränderungen gegenüber den vergangenen Jahren. Die Autoren der Studie kommen deshalb zu dem Schluss, dass sich der Konsum illegaler Drogen unter Jugendlichen insgesamt auf einem weitgehend stabilen Niveau bewegt.

Damit liefert die Untersuchung keinen Hinweis auf einen allgemeinen Anstieg des Konsums anderer illegaler Drogen nach der Cannabis-Teillegalisierung. Zwar erlaubt die Studie keine direkte Aussage über Ursache und Wirkung der Gesetzesänderung, sie widerspricht jedoch der häufig geäußerten Annahme eines kurzfristigen Drogenschubs unter Jugendlichen.

Cannabis bleibt die mit Abstand häufigste Substanz

Der Bericht behandelt Cannabis inzwischen getrennt von den übrigen illegalen Drogen. Hintergrund ist die Teillegalisierung seit April 2024.

Die Zahlen zeigen dennoch deutlich die gesellschaftliche Bedeutung der Pflanze:

12 bis 17 Jahre: 7,5 Prozent Lebenszeitkonsum, 6,1 Prozent Konsum innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
18 bis 25 Jahre: 47,9 Prozent Lebenszeitkonsum, 25,6 Prozent Konsum innerhalb der vergangenen zwölf Monate.

Im Vergleich dazu lag die 12-Monats-Prävalenz aller weiterhin illegalen Drogen bei lediglich 1,6 Prozent der Jugendlichen beziehungsweise 8,3 Prozent der jungen Erwachsenen.

Diese Unterschiede verdeutlichen erneut, dass Cannabis hinsichtlich seiner Verbreitung eine Sonderstellung einnimmt und sich nur eingeschränkt mit Substanzen wie Kokain, Ecstasy oder synthetischen Cannabinoiden vergleichen lässt.

Kokain entwickelt sich zum eigentlichen Sorgenkind

Während die Cannabisdiskussion weiterhin die öffentliche Debatte dominiert, zeigt die Studie an anderer Stelle eine deutlich dynamischere Entwicklung.

Bei den 18- bis 25-Jährigen stieg der Kokainkonsum innerhalb der vergangenen zehn Jahre erheblich an. Die Lebenszeitprävalenz erhöhte sich von 2,9 Prozent im Jahr 2015 auf 7,5 Prozent im Jahr 2025. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg der Anteil der Konsumenten von 1,2 auf 4,1 Prozent.

Aus Sicht der Autoren sollte dieser Trend künftig stärker im Mittelpunkt der Präventionsarbeit stehen.

Lachgas erstmals Bestandteil der Studie

Erstmals wurden auch Lachgas und Ketamin in die Drogenaffinitätsstudie aufgenommen.

Dabei zeigte sich insbesondere bei jungen Erwachsenen eine überraschend hohe Verbreitung von Lachgas. Rund acht Prozent der Befragten zwischen 18 und 25 Jahren gaben an, bereits Erfahrungen mit der Substanz gemacht zu haben.

Da diese Stoffe bislang nicht Bestandteil der Befragung waren, lassen sich daraus zwar noch keine langfristigen Trends ableiten. Die Ergebnisse verdeutlichen jedoch, dass sich der Drogenmarkt verändert und Präventionsangebote entsprechend angepasst werden müssen.

Differenzierte Drogenpolitik statt Pauschalurteile

Die neue Bundesstudie zeichnet insgesamt ein differenziertes Bild.

Sie zeigt weder eine drogenfreie Jugend noch bestätigt sie die Befürchtung, die Cannabis-Teillegalisierung habe unmittelbar zu einem allgemeinen Anstieg des Konsums anderer illegaler Drogen geführt.

Stattdessen verschieben sich die Herausforderungen. Während Cannabis weiterhin die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale beziehungsweise inzwischen teillegalisierte Substanz bleibt, gewinnen Kokain, Lachgas und andere psychoaktive Stoffe zunehmend an Bedeutung.

Für die politische Debatte bedeutet dies vor allem eines: Prävention und Regulierung sollten sich künftig stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren als an pauschalen Annahmen.

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