Donnerstag, 2. Juli 2026

Milliarden auf dem Spiel: Warum Schedule III die US-Cannabisbranche wirtschaftlich verändern könnte

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Washington D.C. – Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit derzeit vor allem auf die juristische Seite der laufenden DEA-Anhörung richtet, steht für viele Unternehmen eine ganz andere Frage im Mittelpunkt: Wie viel Geld bringt eine Neueinstufung von Cannabis tatsächlich?

Die Antwort könnte überraschend ausfallen. Denn eine Einstufung von Cannabis in Schedule III würde zwar keine bundesweite Legalisierung bedeuten – sie könnte jedoch Milliardenbeträge freisetzen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der amerikanischen Cannabisindustrie grundlegend verändern.

Das eigentliche Problem heißt § 280E

Für viele Cannabisunternehmen ist nicht der Verkauf das größte Problem, sondern das Steuerrecht.

Nach § 280E des amerikanischen Internal Revenue Code dürfen Unternehmen, die mit Substanzen der Kategorien Schedule I oder Schedule II handeln, einen Großteil ihrer normalen Betriebsausgaben nicht steuerlich geltend machen.

Während nahezu jedes andere Unternehmen Miete, Gehälter, Marketing oder Verwaltungskosten absetzen kann, müssen viele Cannabisunternehmen diese Kosten vollständig aus versteuertem Einkommen bezahlen.

Das führt in der Praxis dazu, dass profitable Unternehmen auf dem Papier enorme Steuerlasten tragen. Effektive Steuersätze von 60 bis 80 Prozent sind in der Branche keine Seltenheit.

Schedule III würde diesen Nachteil beenden

Genau hier liegt die wirtschaftliche Sprengkraft der geplanten Neueinstufung.

Würde Cannabis künftig unter Schedule III fallen, wäre § 280E auf viele lizenzierte Cannabisunternehmen nicht mehr anwendbar. Plötzlich könnten dieselben steuerlichen Regeln gelten wie für andere Unternehmen auch.

Die Folgen wären unmittelbar spürbar:

  • deutlich höhere Gewinne,
  • bessere Liquidität,
  • mehr Investitionen,
  • höhere Unternehmensbewertungen,
  • einfacherer Zugang zu Kapital.

Viele Analysten gehen davon aus, dass zahlreiche Unternehmen allein durch die steuerliche Entlastung wieder nachhaltig profitabel wirtschaften könnten.

Die Börse wartet auf ein Signal

Die Aktienmärkte verfolgen das Verfahren deshalb mit großer Aufmerksamkeit.

Bereits die Ankündigung der geplanten Neueinstufung hatte in der Vergangenheit deutliche Kursbewegungen bei zahlreichen Cannabisunternehmen ausgelöst. Anleger hoffen, dass die Branche endlich wirtschaftlich auf Augenhöhe mit anderen Industriezweigen agieren kann.

Zu den besonders beobachteten Unternehmen gehören unter anderem:

  • Curaleaf
  • Green Thumb Industries
  • Trulieve
  • Verano Holdings
  • Cresco Labs
  • Tilray Brands

Für viele dieser Unternehmen wäre die steuerliche Entlastung erheblich wichtiger als eine kurzfristige Ausweitung des Freizeitmarktes.

Banken könnten vorsichtiger Optimismus entwickeln

Auch der Finanzsektor beobachtet die Entwicklung genau.

Bislang scheuen viele Banken die Zusammenarbeit mit Cannabisunternehmen, da Cannabis nach Bundesrecht weiterhin als Schedule-I-Substanz gilt.

Eine Neueinstufung würde zwar nicht sämtliche regulatorischen Hürden beseitigen, könnte jedoch das Risiko für Finanzdienstleister deutlich verringern. Kredite, Unternehmensfinanzierungen und institutionelle Investitionen könnten dadurch einfacher werden.

Gerade größere Investmentfonds achten sehr genau darauf, wie Bundesbehörden Cannabis künftig rechtlich bewerten.

Forschung wird zum Wirtschaftsfaktor

Ein weiterer oft unterschätzter Punkt betrifft die wissenschaftliche Forschung.

Bislang gelten für Studien mit Cannabis äußerst strenge Genehmigungsverfahren. Klinische Forschung ist dadurch aufwendig und teuer.

Mit einer Einstufung in Schedule III könnten Universitäten, Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen deutlich einfacher arbeiten.

Neue Medikamente, standardisierte Extrakte und innovative Therapieformen könnten dadurch schneller entwickelt werden.

Davon würden letztlich nicht nur Unternehmen profitieren, sondern vor allem Patienten.

Auswirkungen bis nach Europa

Auch wenn die Entscheidung ausschließlich das amerikanische Bundesrecht betrifft, reichen ihre wirtschaftlichen Folgen weit über die USA hinaus.

Internationale Investoren orientieren sich häufig an regulatorischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Eine positive Entscheidung könnte zusätzliches Kapital in den gesamten globalen Cannabissektor lenken.

Davon könnten auch europäische Produzenten profitieren.

Deutschland gilt inzwischen als größter Markt für Medizinalcannabis in Europa. Internationale Hersteller investieren bereits heute verstärkt in Produktionskapazitäten, Forschung und Vertrieb. Eine wirtschaftliche Stabilisierung der US-Branche könnte diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen.

Kein Freifahrtschein – aber ein Wendepunkt

Selbst bei einer Neueinstufung bliebe Cannabis in den USA weiterhin eine kontrollierte Substanz.

Freizeitkonsum würde dadurch nicht automatisch bundesweit legal. Auch viele regulatorische Fragen blieben bestehen.

Dennoch könnte Schedule III den wohl größten wirtschaftlichen Einschnitt seit Beginn der staatlichen Cannabisregulierung markieren.

Während sich die öffentliche Debatte häufig auf die Frage konzentriert, ob Cannabis „legal“ wird, beschäftigt die Unternehmen eine ganz andere Überlegung:

Kann die Branche endlich unter denselben wirtschaftlichen Bedingungen arbeiten wie jedes andere legale Unternehmen?

Genau darüber entscheidet sich möglicherweise in den kommenden Wochen die Zukunft eines Milliardenmarktes.

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