
Während sich die Deutschen über schmelzende Kugeln Vanilleeis für 2,50 Euro ärgern, passiert auf dem Cannabismarkt genau das Gegenteil: Dort schmilzt nicht das Produkt – sondern der Preis. Und zwar mit einer Geschwindigkeit, die selbst erfahrene Branchenkenner überrascht.
Wer heute den Cannabismarkt beobachtet, könnte meinen, die Branche stecke in einer Krise. Produzenten kämpfen mit sinkenden Margen, Großhändler sprechen von Preisdruck und Investoren fragen sich, ob sich Cannabis überhaupt noch lohnt.
Die Antwort lautet: Ja – aber anders als gedacht.
Denn sinkende Preise sind offenbar kein Zeichen dafür, dass die Cannabiswirtschaft scheitert. Im Gegenteil: Sie sind ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass sie erwachsen wird.
Der Sommer der schmelzenden Preise
Während Eisdielen ihre Preise Jahr für Jahr erhöhen, erleben Cannabisblüten derzeit das genaue Gegenteil. Was gestern noch zehn Euro pro Gramm kostete, wird heute für deutlich weniger angeboten. Besonders im medizinischen Bereich beobachten Patienten seit Monaten einen intensiven Preiswettbewerb.
Für Verbraucher klingt das zunächst wie eine gute Nachricht.
Für Produzenten allerdings fühlt sich der Sommer eher nach einem Hagelsturm an.
Willkommen in der Marktwirtschaft
Viele Unternehmen hatten ihre Geschäftsmodelle auf die Preise der Anfangsjahre aufgebaut. Damals war Cannabis knapp, die Nachfrage riesig und fast jede Ernte fand problemlos einen Käufer.
Doch Märkte bleiben selten lange romantisch.
Immer mehr Produzenten drängen in den Markt, internationale Lieferketten funktionieren besser und moderne Anbaumethoden sorgen für höhere Erträge. Das Ergebnis kennt jeder Wirtschaftswissenschaftler seit Jahrzehnten:
Mehr Angebot bei gleicher Nachfrage bedeutet sinkende Preise.
Eigentlich keine Überraschung – trotzdem überrascht es erstaunlich viele.
Deutschland holt Kanada schneller ein als gedacht
Besonders spannend ist die Entwicklung in Deutschland.
Seit Inkrafttreten des Cannabisgesetzes hat sich der Markt für Medizinalcannabis rasant entwickelt. Neue Importeure, Telemedizin, Versandapotheken und internationale Produzenten sorgen dafür, dass Patienten heute eine Auswahl haben, von der vor wenigen Jahren niemand zu träumen wagte.
Der Wettbewerb wirkt – und Wettbewerb kennt bekanntlich keine Gnade.
Inzwischen finden sich bereits Blüten für rund vier Euro pro Gramm in deutschen Apotheken. Großhandelspreise bewegen sich teilweise sogar in Regionen um zwei Euro pro Gramm.
Vor wenigen Jahren wäre das kaum vorstellbar gewesen.
Das eigentliche Problem heißt Planung
Eine aktuelle internationale Analyse von Whitney Economics und dem Global Cannabis Network Collective (GCNC) kommt zu einem bemerkenswerten Schluss:
Nicht die fallenden Preise seien das Problem.
Das eigentliche Problem bestehe darin, dass Politik und Unternehmen regelmäßig so tun, als würden die hohen Anfangspreise ewig bestehen bleiben.
Dabei zeigen nahezu alle legalisierten Märkte denselben Verlauf:
- zunächst Knappheit,
- anschließend Investitionsboom,
- danach Überangebot,
- schließlich sinkende Preise,
- und am Ende ein stabiler Markt auf deutlich niedrigerem Preisniveau.
Mit anderen Worten:
Der Cannabispreis folgt weniger einer Achterbahn als vielmehr den ganz normalen Gesetzen der Marktwirtschaft.
Die Spreu trennt sich vom Hanf
Natürlich werden nicht alle Unternehmen diese Entwicklung überleben.
Wer hohe Produktionskosten hat oder seine Expansion ausschließlich mit den Gewinnen der Anfangsjahre kalkuliert hat, gerät schnell unter Druck.
Effiziente Produzenten dagegen könnten von der Marktbereinigung langfristig sogar profitieren.
Für Patienten wiederum eröffnet sich eine erfreuliche Perspektive: bessere Verfügbarkeit, größere Sortenauswahl und langfristig günstigere Preise.
Kein Grund zur Panik
Die Geschichte legaler Cannabismärkte zeigt immer wieder dasselbe Muster.
Kanada hat es erlebt.
Die USA erleben es.
Deutschland erlebt es gerade.
Und vermutlich werden nahezu alle europäischen Märkte diesen Weg ebenfalls gehen.
Vielleicht ist der sinkende Cannabispreis also gar kein Warnsignal.
Vielleicht ist er schlicht der Beweis dafür, dass Cannabis langsam zu einem ganz normalen Wirtschaftsgut wird.
Auch wenn das für manche Unternehmer ungefähr so schmerzhaft ist wie ein Eis in der Sonne.
Lesetipp
Wer tiefer in die ökonomischen Hintergründe eintauchen möchte, dem empfehlen wir ausdrücklich die ausgezeichnete Analyse von Javier Hasse sowie den zugrunde liegenden Bericht von Whitney Economics und dem Global Cannabis Network Collective:
„Pricing Compression And The Global Cannabis Market: Why Falling Prices Are Not A Crisis“ (Forbes)
https://www.forbes.com/sites/javierhasse
Die dort vorgestellte Studie liefert zahlreiche Daten und Grafiken zur Preisentwicklung in den USA, Kanada und Deutschland und gehört derzeit zu den fundiertesten Analysen dieses Themas.
ACHTUNG WERBUNG: noch billiger ist selber anbauen – in DE drei Pflanzen legal! am besten mit Samen von www.samen.bayern

















