
Von der Reality-TV-Legende zum Cannabis-Befürworter: Ethan Zohn spricht offen über seine Erfahrungen mit medizinischem Cannabis und die Herausforderungen für Patienten im Profisport.
Wer Anfang der 2000er-Jahre regelmäßig Reality-TV schaute, kennt seinen Namen. Ethan Zohn gewann die US-Erfolgsserie „Survivor: Africa“ und wurde zu einem der bekanntesten Gesichter des Formats. Doch abseits der Kameras musste der heute 52-Jährige einen weit schwierigeren Kampf bestehen: den gegen den Krebs.
In einem aktuellen Interview spricht Zohn nun ungewöhnlich offen über die Rolle, die medizinisches Cannabis während seiner Behandlung und Genesung spielte. Seine Erfahrungen werfen gleichzeitig ein Schlaglicht auf die noch immer widersprüchliche Haltung vieler Sportorganisationen gegenüber Cannabis.
Kampf gegen den Krebs
Im Jahr 2009 erhielt Zohn die Diagnose eines seltenen Hodgkin-Lymphoms. Nach einer erfolgreichen Behandlung kehrte die Krankheit 2011 zurück. Es folgten intensive Therapien und eine Stammzelltransplantation. Für den ehemaligen Profifußballer begann damit die schwierigste Phase seines Lebens.
Wie viele Krebspatienten litt auch Zohn unter Nebenwirkungen der Behandlung. Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlafprobleme und psychische Belastungen gehörten zum Alltag. In dieser Zeit kam er erstmals mit medizinischem Cannabis in Berührung.
Heute spricht er offen darüber, dass Cannabis für ihn ein wichtiges Werkzeug war, um die Belastungen der Therapie besser zu bewältigen. Dabei gehe es nicht um Rausch oder Freizeitkonsum, sondern um Lebensqualität während einer extrem belastenden medizinischen Behandlung.
Cannabis und Sport – ein schwieriges Verhältnis
Besonders interessant ist Zohns Blick auf den Leistungssport. Obwohl Cannabis in vielen Ländern medizinisch oder sogar vollständig legal ist, behandeln zahlreiche Sportverbände die Pflanze weiterhin deutlich strenger als Alkohol.
Zohn berichtet, dass er während seiner Teilnahme an der beliebten „Survivor“-Jubiläumsstaffel „Winners at War“ sogar versuchte, eine Genehmigung für medizinisches Cannabis zu erhalten. Die Bemühungen scheiterten letztlich an den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Drehortes Fidschi.
Für ihn zeigt dieser Vorfall die Diskrepanz zwischen medizinischer Realität und regulatorischer Praxis. Während immer mehr Patienten von Cannabis profitieren, hinken viele Institutionen den gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher.
Fußball, Cannabis und Aufklärung
Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 startet Zohn nun gemeinsam mit dem Cannabis-Magazin High Times das neue YouTube-Format „Kicking Back“. Die Sendung soll Fußballkultur, persönliche Geschichten und Cannabis-Aufklärung miteinander verbinden.
Dabei möchte Zohn bewusst neue Zielgruppen erreichen. Sein Anliegen sei es, Vorurteile abzubauen und über die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis zu informieren – insbesondere im medizinischen Bereich.
Der ehemalige Profisportler sieht darin eine Chance, die Diskussion über Cannabis auf eine sachlichere Ebene zu bringen. Statt alter Klischees über Kifferkultur möchte er über Gesundheit, Regeneration und individuelle Freiheit sprechen.
Der Wandel im Spitzensport
Zohns Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Haltung vieler Sportorganisationen langsam verändert. Immer mehr Ligen und Verbände lockern ihre Cannabis-Regeln oder streichen Cannabis vollständig von ihren Dopinglisten.
Die Debatte dreht sich dabei zunehmend um die Frage, ob Cannabis tatsächlich leistungssteigernd wirkt oder ob die jahrzehntelangen Verbote eher auf politischen und gesellschaftlichen Vorurteilen beruhten.
Gerade ehemalige Athleten wie Ethan Zohn verleihen dieser Diskussion zusätzliches Gewicht. Sie sprechen nicht als Aktivisten, sondern aus persönlicher Erfahrung mit Krankheit, Leistungssport und medizinischer Behandlung.
Fazit
Ethan Zohn steht exemplarisch für eine neue Generation von Cannabis-Befürwortern. Sein Weg vom Reality-TV-Star über den Krebsüberlebenden bis hin zum Aufklärer zeigt, dass die Debatte längst nicht mehr nur um Legalisierung oder Freizeitkonsum kreist.
Für viele Patienten ist Cannabis vor allem eines: ein medizinisches Hilfsmittel, das den Alltag in schwierigen Lebenssituationen erleichtern kann.
Dass ein prominenter Sportler und Krebsüberlebender diese Perspektive öffentlich teilt, dürfte der Diskussion über Cannabis im Gesundheits- und Sportbereich zusätzlichen Rückenwind geben.
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