Donnerstag, 12. März 2026

Polizei pro Cannabis

Zwischen Kritik und Realität: Polizeigewerkschaft warnt vor Rückabwicklung der Cannabislegalisierung

Bild/Collage: Su

Die Debatte um das deutsche Cannabisgesetz bleibt politisch aufgeladen. Während Teile der CDU eine Rücknahme der Legalisierung fordern, kommt ausgerechnet aus den Reihen der Polizei eine deutlich differenziertere Einschätzung. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht zwar weiterhin von einem „Mängelexemplar“, hält eine komplette Rückabwicklung jedoch für den falschen Weg. Damit bestätigt sich einmal mehr: Die Realität der Cannabisregulierung ist komplexer, als es manche politische Forderung vermuten lässt.

Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Alexander Poitz machte in einer aktuellen Stellungnahme deutlich, dass die ursprünglichen Ziele des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) grundsätzlich nachvollziehbar gewesen seien. Allerdings kritisiert die Polizeigewerkschaft den Weg dorthin als teilweise unvollständig und für Behörden schwer umsetzbar. Viele Regelungen seien für Polizei und Verwaltung nicht ausreichend durchdacht gewesen.

Diese Kritik ist nicht neu. Bereits während der Gesetzgebungsphase hatten zahlreiche Fachleute darauf hingewiesen, dass die deutsche Teillegalisierung ein politischer Kompromiss ist – und kein vollständig ausgearbeitetes Regulierungsmodell. Statt eines regulierten Marktes mit lizenzierten Verkaufsstellen setzte die Bundesregierung zunächst auf Eigenanbau und Cannabis-Anbauvereine. Genau hier sieht die GdP ein zentrales Problem.

Nach Ansicht von Poitz kann der Bedarf der Konsumenten durch private Pflanzen und Clubs kaum gedeckt werden. Diese strukturelle Lücke begünstige weiterhin den illegalen Handel. Mehr Konsumenten, größere Besitzmengen und neue Strukturen könnten paradoxerweise sogar dazu führen, dass der Schwarzmarkt indirekt gestärkt wird – zumindest solange legale Bezugsquellen fehlen.

Doch trotz dieser Kritik stellt sich die Polizeigewerkschaft gegen die Forderung nach einer kompletten Rückabwicklung der Reform. Eine solche Maßnahme würde nicht nur den bisherigen politischen und administrativen Aufwand zunichtemachen. Vor allem würde sie den illegalen Markt wieder zum alleinigen Akteur machen. Aus Sicht der Polizei wäre das eine staatliche Kapitulation vor der Realität des Cannabiskonsums.

Damit rückt ein Punkt in den Fokus, den auch viele Experten der Drogenpolitik betonen: Eine halbe Legalisierung löst die strukturellen Probleme nicht. Ohne kontrollierte Verkaufsstellen bleibt ein großer Teil des Marktes in der Illegalität. Genau deshalb spricht sich die GdP überraschend offen für eine stärker regulierte Lösung aus.

Ein staatlich kontrollierter Markt mit zertifizierten Verkaufsstellen sowie regulierten Import- und Logistikstrukturen könnte mehrere Probleme gleichzeitig adressieren. Neben möglichen Steuereinnahmen würde ein solches Modell vor allem für mehr Transparenz und Sicherheit sorgen. Produkte könnten kontrolliert werden, Vertriebswege wären nachvollziehbar, und die Polizei müsste sich weniger mit Kleindelikten beschäftigen.

Gleichzeitig weist die Polizeigewerkschaft darauf hin, dass die aktuelle Situation auch neue Aufgaben mit sich bringt. Kontrollen im Straßenverkehr, Präventionsarbeit und die Durchsetzung der teilweise komplizierten Regeln des Cannabisgesetzes sorgen weiterhin für zusätzlichen Aufwand bei den Behörden.

Die Stellungnahme der GdP zeigt vor allem eines: Selbst Kritiker des aktuellen Gesetzes sehen mittlerweile, dass ein vollständiges Zurück zur Prohibition keine realistische Lösung ist. Die Diskussion verschiebt sich damit zunehmend weg von der Grundsatzfrage der Legalisierung – hin zur Frage, wie ein funktionierendes Regulierungssystem aussehen könnte.

Für die deutsche Cannabispolitik bedeutet das vermutlich eine neue Phase. Nach der historischen Legalisierung im Jahr 2024 steht nun die praktische Weiterentwicklung des Systems an. Und ausgerechnet die Polizei bringt dabei einen Vorschlag ins Spiel, den viele Befürworter seit Jahren fordern: einen regulierten Markt statt eines halb legalen Provisoriums.

Die politische Debatte dürfte damit noch lange nicht beendet sein. Doch eines wird immer deutlicher – wenn selbst Polizeigewerkschaften nicht mehr auf ein vollständiges Verbot setzen, hat sich der gesellschaftliche Umgang mit Cannabis nachhaltig verändert.

Anmerkung der RED: endlich endlich endlich

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MicMuc
28 Tage zuvor

ACAB … daran wird sich bei allem bürgerlichen Süßholzraspeln nichts ändern; ihre rechtreaktionärautokratische Haltung wird als systemrelevante der Repression und des UnRechts bleiben …
Nichts wird vergessen, nichts wird verziehen!