Montag, 28. Juli 2025

Medizinalcannabis im Überfluss – Preisverfall, Apothekendruck und Marktumbruch

Deutschlands Cannabis-Markt 2025: Patienten profitieren, Apotheken kämpfen

Leipzig, 10. Juli 2025 – Was lange als Versorgungsproblem galt, schlägt nun ins Gegenteil um: Deutschlands Markt für medizinisches Cannabis erlebt eine historische Trendwende. Seit Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes im April 2024 hat sich das System rasant verändert – mit spürbaren Folgen für Patienten, Apotheken und Hersteller.


Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich:

  • Importvolumen verdoppelt: von 32 auf 72 Tonnen pro Jahr
  • Verfünffachung der spezialisierten Apotheken: von 50 auf über 250
  • Preisrutsch: von 9,98 € auf 8,77 € pro Gramm in nur 14 Monaten

Was nach einem Segen für Patient:innen klingt, bringt für Apotheken und Anbieter neue Risiken mit sich.


Günstiger für Patienten – härterer Wettbewerb für Anbieter

Die erfreuliche Nachricht: Patient:innen profitieren. Mehr Verfügbarkeit, eine größere Sortenvielfalt und sinkende Kosten sorgen für Entlastung. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Auf Vergleichsplattformen herrscht ein regelrechter Preiskrieg – und nicht alle Marktteilnehmer halten Schritt.


Besonders deutlich zeigt sich das bei Produkten mit niedrigem THC-Gehalt: Hier fielen die Preise um bis zu 24 %. Hochpotente Sorten mit über 25 % THC verzeichneten dagegen „nur“ einen Preisrückgang von rund zehn Prozent. Marktkenner erkennen dahinter gezielte Preisstrategien der Anbieter – und erste wirtschaftliche Opfer.

„Wer dauerhaft unter Produktionskosten verkauft, riskiert die eigene Existenz“, warnt Stefan Fritsch, Geschäftsführer der Grünhorn Gruppe.


Apothekensterben auch im Cannabisbereich?

Neben dem Preisdruck wächst ein weiteres Problem: der Rückgang klassischer Apotheken. Laut ABDA ist ihre Zahl so niedrig wie seit 1978 nicht mehr. Die Folge: Neueinsteiger mit aggressiven Geschäftsmodellen treffen auf etablierte Anbieter mit Beratungskompetenz – ein ungleicher Wettbewerb.


Hinzu kommt: Medizinalcannabis ist ein sensibles Produkt. Hohe Lagerbestände, verfallende Ware und komplexe Lageranforderungen machen das Geschäft anspruchsvoll.

Regulierter Markt ja – aber bitte mit Planungssicherheit!

Trotz allem gibt sich die Branche kämpferisch. Der Markt konsolidiert sich, aber die Versorgung bleibt stabil. Dafür braucht es allerdings mehr als nur Marktlogik. Aus Sicht der Grünhorn Gruppe ist politische Verlässlichkeit entscheidend:

„Nur mit klaren Leitlinien schaffen wir eine sichere Versorgung und wirtschaftliche Stabilität“, so Fritsch.

Fazit: Goldrausch vorbei – jetzt beginnt das Feintuning

Der deutsche Markt für Medizinalcannabis steht an einem Wendepunkt. Die Zeiten der Mangelversorgung sind vorbei – doch mit dem Überangebot steigen auch die Herausforderungen. Jetzt sind kluge Strategien gefragt, um Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Qualität unter einen Hut zu bringen.

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Markus Seyfferth
5 Monate zuvor

Vom Preisdruck profitieren die Verbraucher natürlich… und die Einzelhändler wie Apotheken vor Ort geraten immer mehr unter Druck. Das wird leider kaum aufzuhalten sein, ist es doch so herrlich bequem, sich an einem Freitagabend übers Handy ein Fläschchen CBD-Öl zu bestellen… insbesondere für Leute auf dem Land sind Onlinehändler doch ein Segen. Wer will schon extra mit dem Auto zum Ladengeschäft, wenn ich auch online von zuhause aus bestellen kann?

Mattsinger
5 Monate zuvor

…das beste Gras ist das Eigene, Halleluja…

Barto
5 Monate zuvor

Nennt man auch freie Marktwirtschaft

hoizhax
5 Monate zuvor

Wo kommt das Zeug her, wer baut es an, wo wird es angebaut???
Good Manufacturing Practice, Gute Herstellungspraxis GMP?????
Wer kontrolliert das????
Soll man dem ganzen trauen??
Bei Homegrow weiß ich daß alles passst und es ist nicht so niedergetrocknet wie das Apothekenzeug.