Montag, 4. Juli 2022

Russland: Cannabis-Schauprozess gegen US-Basketball-Star beginnt

Nach viereinhalb Monaten Untersuchungshaft wird Brittney Griner wegen des Besitzes von 0,7 Gramm Cannabis-Öl angeklagt

Cannabis
Bild: Sadhu van Hemp

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

In Russland haben Menschen, die wegen einer Eigenbedarfsmenge Cannabis von der Miliz gefangengenommen werden, nichts zu lachen. Erst recht nicht, wenn der Übeltäter dem Feindbild einer emanzipierten Frau entspricht, die obendrein schwarz, homosexuell, US-amerikanisch und ein politisch engagierter Basketballstar ist.

 

Brittney Griner war am 17. Februar, eine Woche vor Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, am Flughafen Scheremetjewo bei Moskau festgenommen worden. Bei der Einreise wollen Zöllner in ihrem Gepäck zum Konsum gedachtes Cannabis-Öl gefunden haben. Die zweimalige Olympiasiegerin und Profispielerin der Phoenix Mercury war auf dem Weg nach Jekaterinburg, wo sie in der Off-Season der WNBA beim russischen Club UGMK unter Vertrag steht.

 

Am Freitag begann nun der Schauprozess gegen die 2,06 Meter große Basketballspielerin. Fotos zeigen eine verängstigte Delinquentin, die wie eine Schwerbrecherin in Handschellen in den Saal des zuständigen Gerichts in Chimki im Norden Moskaus geführt wird.

Der Prozessauftakt war aber nur von kurzer Dauer: Zunächst verlas die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift, die Griner den Besitz von 0,7 Gramm Cannabis-Öl vorhält. Die Substanz gilt in Russland als Betäubungsmittel und ist unter Androhung einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren verboten. Die 31-Jährige erklärte, dass sie die Anklage gegen sie verstehe, sich aber vorerst nicht weiter äußern wolle. Laut der staatlichen Nachrichteagentur RIA-Novosti wurden nur zwei Zeugen vernommen. Zwei weitere Zeugen waren zur Verhandlung nicht erschienen. Das Gericht vertagte die Justizposse schließlich auf den 7. Juli.

 

Hinter den Kulissen streben die USA einen Gefangenenaustausch an, um eine schnelle Freilassung Griners zu erwirken. Doch alle stille Diplomatie fruchtete bislang nicht, so dass die US-Regierung mittlerweile von einer „unrechtmäßigen Inhaftierung“ spricht.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow weist diesen Vorwurf zurück: „Tatsache ist, dass eine bekannte Sportlerin mit verbotenen Substanzen festgenommen wurde. Die russische Gesetzgebung sieht für solche Verbrechen Strafen vor.“ Die Festnahme könne daher gar nicht politisch motiviert gewesen sein.

 

Bei einem Haftprüfungstermin am Montag ordnete das Gericht die Verlängerung der Untersuchungshaft bis zum 20. Dezember an.

 

7 Antworten auf „Russland: Cannabis-Schauprozess gegen US-Basketball-Star beginnt

  1. LoboBobo

    Jetzt mal ganz ehrlich,wie dumm ist die Basketballerin denn,selbst wenn es Vapepens sind,muss sie damit rechnen erwischt zu werden.Ob wir solche Maßnahmen für gerecht halten oder nicht,Gesetze bei sowas sind ja meist eindeutig und wenn man sich in solche Gefahr in Russland bring,muss man halt damit rechnen erwischt zu werden.

  2. Hans Dampf

    Ja, im Großen und Ganzen ist es OK hier in Deutschland.
    Wenn es nur nicht so viele Hirni‘s geben würde.

  3. Ramon Dark

    Das sind natürlich erheblich schlimmere Auswirkungen der Prohibition als bei uns, aber das dahinterstehende Prinzip ist das Gleiche In den USA gibts allerdings ähnlich rassistische Feindbilder, besonders natürlich in den reaktionäreren Bundesstaaten. Schliesslich wird dort neben dem geduldeten Abballern unschuldiger Schwarzer durch weisse Bullen seit neuestem allen Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper entrissen. Das trifft natürlich wieder hauptsächlich die ärmeren Bevölkerungsschichten, die sich keine Abtreibungsreise leisten können, also auch wieder überproportional viele Schwarze. Frauenfeindlichkeit und Rassismus sind leider in unterschiedlicher Ausprägung noch überall in der Welt zu finden, auch bei uns (deutlich sichtbar z.b. beim racial profiling der Polizeikontrollen, beim Mord an Oury Jalloh in Polizeigewahrsam usw.)Ausserdem breitet sich in den NATO-Ländern zur Zeit wieder verstärkt staatlich und medial gefördert das Feindbild „Russe“ aus (wie vor, während und nach den beiden letzten Weltkriegen). Russische Sportlerinnen, Künstlerinnen oder sonstige russischstämmige Personen sowie ihre Kontakte werden im Westen ebenso immer häufiger schikaniert -behördlicherseits und privat. Und Hanffreundinnen werden wie in Russland nach wie vor als Verbrecherinnen eingestuft, da ändert auch das vielleicht geringere Strafmass nichts daran .

  4. Chuwawa

    Wow, die arme Basketballerin lässt sich in Russland erwischen. Hätte auch in Dubai oder Bayern passieren können.

  5. Otto Normal

    Das hat nix mit Putin und seinem Krieg zu tun.

    Sie wäre in Deutschland ebenfalls verhaftet und vor ein Strafgericht gekommen.
    Allerdings hätte sie im amerikahörigen Deutschland einen Bonus für ihre US-Staatsangehörigkeit bekommen.

    In Rußland dagegen bringt ihr diese Staatsangehörigkeit eher einen kräftigen Malus ein. Verständlich wenn man bedenkt wieviel Verbrechen die USA in den letzten 50 Jahren begangen haben. Die Amerikaner werden mittlerweile in großen Teilen auf diesem Globus einfach nur noch gehaßt.

    @Ramon
    Wie recht Du hast. Die amerikanische (!) Nato rüstet zum endgültigen Schlag gegen der Erbfeind Rußland und die Bauernopfer sind wir Europäer. Die Nato war nie zu unserem Schutz da sondern zum Schutz der USA. Aber die meisten Lemminge raffen das nicht, alle freuen sich wieder mal den Russen eins auszuwischen, aber dieses mal kann es sein daß die EU-Länder sich selbst ins Knie geschossen haben.
    Wenn es zum Showdown kommt findet der 3. WK genau hier in Westeuropa statt und die Amis gucken aus der Ferne zu.
    Warten wir einfach mal den Winter ab.

  6. Ralf

    @Otto Normal
    Richtig, wäre ja nicht das este mal dass die Amis ihren Weltkrieg in Europa angezettelt hätten.

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