Samstag, 5. Februar 2022

CBD-Zigaretten bei schizophrenen Psychosen

Inhalation von CBD-Zigaretten bei schizophrenen Psychosen -

Die Inhalation von CBD-Zigaretten hilft bei schizophrenen Psychosen


von Franjo Grotenhermen

Im Jahr 2012 erschien eine erste Placebo-kontrollierte Studie von der Universität Köln mit 42 Patienten, die erstmals ein psychotisches Ereignis erlebt hatten. Dabei war CBD so wirksam wie eine Standardtherapie mit einem Neuroleptikum. 2018 zeigte eine britische Studie, dass orales reines CBD die Wirksamkeit einer Standardtherapie verbessern kann. 2021 zeigte eine Studie aus der Schweiz, dass CBD eine Reduzierung der Dosis von antipsychotischen Medikamenten ermöglicht. Diesmal hatten die Untersucher CBD-Cannabiszigaretten, die in der Schweiz legal verfügbar sind, verwendet.


Die Studie aus der Schweiz


Laut dieser kleinen placebokontrollierten Studie mit 31 akut psychotischen Patienten, die von Mitarbeitern der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel durchgeführt wurde, benötigten die Teilnehmer geringere Dosen von Neuroleptika, wenn sie eine zusätzliche Behandlung mit CBD-Zigaretten erhielten. CBD-reiches Cannabis mit weniger als 1% THC wurde 16 Teilnehmern zusätzlich zur psychiatrischen Standardbehandlung verabreicht. Die CBD-Konzentration betrug 10 %. Die anderen 15 Teilnehmer erhielten Placebo-Zigaretten, also Hanfzigaretten ohne CBD und THC. Es fanden vier Untersuchungen während einer 4-wöchigen stationären Behandlung und 2 weitere Untersuchungen 91 und 175 Tage nach Beginn der CBD-Therapie statt.


Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen der Placebogruppe und der CBD-Gruppe in Bezug auf den Schweregrad der Symptome. Allerdings benötigten die Patienten in der Placebogruppe höhere Neuroleptika-Dosen. Die Autoren folgerten, dass „die vorliegenden Ergebnisse auf eine antipsychotische medikamentenschonende Wirkung von CBD-Zigaretten als Zusatztherapie bei akuter Psychose hindeuten könnten. Die geringe Teilnehmerzahl ließ jedoch keine weitere statistische Analyse zu“.


Die Studie aus Großbritannien


Bereits eine kontrollierte Studie von Mitarbeitern des Instituts für Psychiatrie des Kings College in London hatte gezeigt, dass CBD gut mit Standardtherapeutika kombiniert werden kann. Die Autoren schrieben, dass CBD eine vielversprechende mögliche neue Behandlung für Psychosen darstellt. In der Studie erhielten 88 Patienten 6 Wochen lang täglich entweder 1000 mg orales CBD oder ein Placebo, zusammen mit der bisherigen antipsychotischen Medikation. Patienten, die mit CBD behandelt worden waren, wiesen weniger psychotische Symptome auf als die, die ein Placebo erhalten hatten.
Die Studie fand heraus, dass Patienten, die mit CBD behandelt worden waren, mit einer größeren Wahrscheinlichkeit durch ihren Psychiater als „verbessert“ beurteilt wurden, und es gab Hinweise für eine bessere geistige Leistungsfähigkeit. Die Autoren folgerten in Ihrem Artikel, dass diese „Ergebnisse nahelegen, das CBD nützliche Wirkungen bei Patienten mit Schizophrenie hat. Da die Wirkungen von CBD offenbar nicht von einem Dopaminrezeptor-Antagonismus abhängen, konnte die Substanz eine neue Klasse für die Behandlung dieser Störung darstellen“.

Die Studie aus Deutschland


Die erste placebokontrollierten Studie mit oralen CBD bei psychotischen Erkrankungen wurde bereits vor mehr als 15 Jahren an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln durchgeführt. Erste Ergebnisse wurden bereits im Jahr 2005 bei einem Kongress der IACM (Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente) vorgestellt. 2012 erschien ein ausführlicher Artikel mit den Ergebnissen. Danach hatten 42 Patienten vier Wochen lang 800 mg orales CBD (Cannabidiol), und die andere Hälfte das Standardmedikament Amisulprid erhalten. Beide Behandlungen waren sicher und führten zu einer signifikanten klinischen Verbesserung, aber CBD verursachte signifikant geringere Nebenwirkungen. Da die Wissenschaftler nach der CBD-Gabe eine Zunahme des Anandamid-Spiegels im Blut fanden, folgerten sie: „Die Ergebnisse legen nahe, dass die Hemmung der Anandamid-Deaktivierung zu den antipsychotischen Wirkungen von Cannabidiol beitragen könnte, was einen vollständig neuen Mechanismus bei der Behandlung der Schizophrenie darstellt.“


Quellen:


Köck P, Lang E, Trulley VN, Dechent F, Mercer-Chalmers-Bender K, Frei P, Huber C, Borgwardt S. Cannabidiol Cigarettes as Adjunctive Treatment for Psychotic Disorders – A Randomized, Open-Label Pilot-Study. Front Psychiatry. 2021;12:736822.


Leweke FM, Piomelli D, Pahlisch F, Muhl D, Gerth CW, Hoyer C, Klosterkötter J, Hellmich M, Koethe D. Cannabidiol enhances anandamide signaling and alleviates psychotic symptoms of schizophrenia. Transl Psychiatry. 2012;2(3):e94.


McGuire P, Robson P, Cubala WJ, Vasile D, Morrison PD, Barron R, Taylor A, Wright S. Cannabidiol (CBD) as an Adjunctive Therapy in Schizophrenia: A Multicenter Randomized Controlled Trial. Am J Psychiatry. 2018;175(3):225-231.

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Mary Jane's
3 Monate zuvor

Als Betroffener einer paranoid halluzinatorischen Schizophrenie spielt man hier seit Jahren mit meinen Hoffnungen. Meine Medikamente haben gravierende Nebenwirkungen, die ich über die Zeit mittlerweile kenne, aber froh gewesen wäre, wenn mir CBD zur Verfügung gestanden hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette. Die Einbußen an Lebensqualität nur Aufgrund einer rückständigen Medizin ist schon sehr, sehr traurig. Schon gut, ich heul leise.

Haschberg
Haschberg
3 Monate zuvor

Auf was wartet man dann noch???
CBD-Medikamente sollten schnellstens allen Patienten mit Psychosen zur Verfügung stehen, zumal diese auch noch sehr nebenwirkungsarm sind und sogar zusammen mit anderen Medikamenten eingenommen werden können.
Der sinnlose Krieg gegen dieses hilfreiche Cannabinoid, welches nicht mal psychoaktiv wirkt, sollte umgehend beendet und diese Produkte jedem Interessenten ohne Hürden und auf Kosten der KK zur Behandlung angeboten werden.

Rainer
Rainer
3 Monate zuvor

Rückständig wäre besser,damals behandelte man noch mit Cannabis.

bico
bico
3 Monate zuvor

Psychisch Erkrankte haben eine Gemeinsamkeit mit Kindern und Jugendlichen -sie kosten den Staat mehr als sie beisteuern können. Deshalb werden keine neuen Lizenzen für Abrechnung bei der Kasse geschaffen und keine Lüftungsanlagen in die Klassenräume eingebaut. Es geht nur ums Geld. Wer es sich leisten kann geht zum privaten Psychiater und lässt seine Kinder nicht auf eine staatliche Schule gehen wegen den Symptomen um ihre Politik.