Montag, 3. Januar 2022

Was war, was kommt – in Sachen Cannabis

(P)Review 2021/2022 von Sadhu van Hemp

Cannabis feuerwerk-neujahr-sylvester-party

 

 

Das abgelaufene Jahr ist schnell erzählt: Dritte Coronawelle, Lockdown, vierte Coronawelle. Zwischendurch gab es ein bisschen Sommerfrische, Fußball-Europameisterschaft mit Zuschauern, Olympiade ohne Zuschauer, eine seit zwanzig Jahren überfällige Kapitulation Deutschlands im völkerrechtswidrigen Krieg gegen das afghanische Volk, eine Bundestagswahl und zum Schluss noch ein Ex-Vizekanzler, der nach der Pensionierung von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin befördert wurde.

 

Begleitet wurde das Ganze vom nicht enden wollenden Krieg gegen die Hanfpflanze und deren Konsumenten. Abermals sind rund eine Viertelmillion zumeist brave Bürger und Bürgerinnen wegen des Verstoßes gegen das Hanfverbot aktenkundig geworden. Nicht wenige sind in der Folge der Kifferverfolgung vor dem Kadi, auf dem Arbeitsamt, im Jobcenter, vor dem Familiengericht, im Zuchthaus, in der Irrenanstalt und im Leichenschauhaus gelandet. Alles in allem also ein gutes Jahr für alle, die vom Unglück der Prohibitionsopfer profitieren.

 

Und das Schöne war, die Cannabis-Freunde haben den gegen sie gerichteten Staatsterror auch 2021 hingenommen, ohne auch nur einen Mucks von sich zu geben. – selbst als am 6. März der 19-jährige Haschbruder Qosay Khalaf in Delmenhorst nach einem brutalen Polizeieinsatz qualvoll sterben musste, nur weil er sich einer Kontrolle wegen Cannabisbesitzes entziehen wollte. Nichts war zu hören von den selbsternannten Hanfaktivisten, kein Aufschrei, kein Protest und noch nicht mal eine an die Hinterbliebenen gerichtete Beileidsbekundung oder eine kleine Spende in Form eines Grabgestecks.

Die Performance der Hanfgemeinde, in eigener Sache für mehr Gerechtigkeit und gegen Polizeiwillkür zu kämpfen, war 2021 erbärmlich: Schweigen im Walde – von Flensburg bis Passau.

 

Der Einzige, der Mut und uneigennütziges Engagement zeigte, war Jugendrichter Andreas Müller aus Bernau. Unermüdlich zeigte er mediale Präsenz, besonders im Vorfeld der Bundestagswahl und auch danach, um den Verfechtern der Cannabis-Prohibition ins nicht vorhandene Gewissen zu reden. Im Sommer entdeckten auch die späteren Wahlsieger das Thema Cannabis-Freigabe. Plötzlich tönte es aus den Reihen von FDP, Grünen und auch SPD, dass die Prohibition nicht zielführend ist und neue Wege in der Cannabis-Politik zu gehen sind. Als die CDU/CSU im September ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis einfuhr und sich eine rotgelbgrüne Regierungskoalition abzeichnete, schien auf einmal alles möglich. Der Jubel war dann auch entsprechend groß, als der Koalitionsvertrag vorlag und gewiss wurde, dass die neue Regierung die Absicht hat, „die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften einzuführen.“

 

Und was hat sie sich gefreut, die Hanf-Community! Vorneweg jene im Fall Qosay Khalaf schweigenden Legalisierungsaktivisten, die sich bis heute einbilden, das Umdenken in den Köpfen der politisch Verantwortlichen sei die Folge ihres Engagements in den sozialen Netzwerken. Berauscht von der Aussicht, schon morgen mit Cannabis legal umgehen und vor allem Geld verdienen zu können, wurde ausgeblendet, dass die neue Regierung überhaupt keinen Plan zur zeitnahen Umsetzung ihrer Absichtserklärung hat. Kritiker des Ampelmurkses wurden stante pede aus den eigenen Reihen als Defätisten diffamiert – schließlich sei ja der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach.

 

Erst kurz vor Weihnachten ließ die neue Regierung die Katze aus dem Sack – und weg war er, der in der Hand geglaubte Spatz: Die Cannabis-Legalisierung muss warten, da die Corona-Pandemie Priorität hat. Und da die Corona-Langzeitdauerkrise auch 2022 andauern wird, dürfte klar sein, dass das neue Jahr für die Hänflinge beginnen wird, wie das alte endete. Auch 2022 werden die Hanffreunde kriminalisiert, stigmatisiert und diskriminiert. Binnen Jahresfrist werden rund eine Viertelmillion zumeist brave Bürger und Bürgerinnen wegen des Verstoßes gegen das Hanfverbot aktenkundig werden. Nicht wenige werden vor dem Kadi, auf dem Arbeitsamt, im Jobcenter, vor dem Familiengericht, im Zuchthaus, in der Irrenanstalt und im Leichenschauhaus landen … kurz gesagt, es bleibt alles wie gehabt.

 

 

11 Antworten auf „Was war, was kommt – in Sachen Cannabis

  1. Johann

    Auch 2022 können eifrige Polizisten darauf hoffen, ihre Sporen mit der Jagd auf Kiffer zu verdienen.

    Einfach nur traurig. Wann findet dieser Wahnsinn endlich ein Ende?

  2. Ramon Dark

    Der angebliche Vorrang der Coronapolitik ist wie diese selbst auch noch zusätzlich ein geschicktes Ablenkungsmanöver. Dahinter verstecken sich u.a. rot-gelb-grün angemalte aggressive NATO-Kriegspolitik gegen Russland und China, längerfristiger Sozialabbau, Klinikschliessungen, verstärkte Zerstörung des Gesundheitswesens zugunsten der Grosskonzerne sowie zu Lasten der Beschäftigten und vieles destruktive mehr, was Vorrang vor der Cannabislegalisierung hat. Die kommt wohl erst, wenn die leeren Kassen keinen anderen Ausweg mehr lassen oder geht vielleicht sogar ganz im nuklearen Winter unter.

  3. Harry Anslinger

    Gehörige Naivität der Ampel
    Hier ging es doch wohl primär um eine Frage der legalwirtschaftlichen Gestaltung , da hätte doch der Herr Habeck sich als Zuständiger für die Umsetzung angeboten, denn angesichts der Coronanummer war dieser Verlauf vorhersehbar, zumal Herr Lauterbach nur widerwillig der Legalisierung zugestimmt hat.
    Warum nur das Gesundheitministerium? Warum nicht gleich die bayrische Staatskanzlei.
    Grüner Tiefschlaf?
    Und wer da nicht für Scholz als Kanzler gestimmt hat oder sich krank gemeldet hat ist ja nun um eine Person bei der SPD klarer, der Rest wird wohl auch von der selben Partei gewesen sein, gut möglich wg der Legalisierung..
    Das hätte auch den Grünen klar sein müssen, einen Sonderbeauftragten oder eigenen Minister für die Legalisierung zu vereinbaren wäre der einzige Weg weg von den Bremsern gewesen.
    Den meisten Spezialdemokraten wäre so eine lautlose und schmerzfreie Lösung wie in Portugal eh lieber , nur die Geldgeilheit der FDP war da davor.
    Die haben jetzt aber wohl gemerkt, das verlorene Märkte nicht allein durch eine Legalisierung über Nacht sich in üppig sprudelde Geldquellen verwandeln, daher auch keine Eile mehr, die Früchte ernten sie eh erst 2-3 Regierungen später. Und dann noch steuerfreier Eigenanbau, wo bleibt da der Profit?
    Und mal ehrlich , am Ende können wir froh sein, wenn eine Lösung wie in Malta in den nächsten 4 Jahren kommt, mehr ist nicht zu erwarten, da haben sich jetzt wohl zuviele wirtschaftliche Interessengruppen dazwischengehängt , angefangen bei der Pharmalobby, den Banken und Börsen und allen anderen Profiteuren der bisherigen Gesetze. Eben doch schon ein echter Narcostaat, diese Republik.
    Eher läuft es auf Portugal hinaus, da können sie in Bayern weiter schikanieren und in S-H fröhlich -frei kiffen, da jukts niemanden.
    Et blievt al biem alen , nicht war , Herr Habeck , danke.

  4. buri_see_käo

    Da kommt noch was, aus einer Antwort zu meinem Geburtstag, gestern: Das Beverfge wird seine Vorausschau der im Geschäftsjahr 2022 zur Entscheidung angestrebten Verfahren auf einer Pressekonferenz am Abend des 22.2.2022 bekannt geben und sodann ab 23.2.2022 auf seiner Homepage veröffentlichen. Suchen muss man dann nach:
    2 BVL 3/20 (Bernau)
    2 BVL 14/20 (Münster)
    2 BVL 5/21 (Parsewalk)
    Sollten o.g. Entscheidungen nach der LT-Wahl in Niedersachsen (09.10.22) liegen, können wir für den Fall, dass die reaktionäre Mehrheit im BR überwunden wurde, mit einer „In die Tonne Kloppung“ rechnen; die Fortsetzung der Schwulemjagd dererseits hat für Klarsicht gesorgt. Wenn alles im Plan bleibt, bin ich ab 2023 Rentner, dann kann die Cannabis-Legalisierung gern‘ erst im nächsten Leben stattfinden.
    mfG  fE

  5. Otto Normal

    @Buri

    „Wenn alles im Plan bleibt, bin ich ab 2023 Rentner, dann kann die Cannabis-Legalisierung gern’ erst im nächsten Leben stattfinden.“

    Achso, ist das dann nicht mehr so schlimm in den Knast zu kommen wenn Du erstmal Rentner bist oder wolltest Du ab dann ohnehin mit dem Konsum aufhören?

    @Ramon
    „Die kommt wohl erst, wenn die leeren Kassen keinen anderen Ausweg mehr lassen oder geht vielleicht sogar ganz im nuklearen Winter unter.“

    Nein sie kommt gar nicht erst auf die Agenda. Wegen Corona und weil so viele so unsolidarisch sind sich nicht die Giftspritze setzen zu lassen. Hauptsache coronafrei ins Grab.

  6. buri_see_käo

    @ Otto Normal, ab dann will ich überwiegend in ปางหัา (BangHa), im äußersten Norden THs sein. Dort haben wir ein fürs Haus (z.Zt. nur Geräteschuppen) vorgesehenes Wohngrundstück und einen Acker mit Mango-Bäumen, zwischen den Bäumen soll dann noch Obst- und Gemüseanbau betrieben werden. Die hemmungslose, immer mehr forcierte Kifferjagd hat mich hier keine Ziele entwickeln lassen.
    mfG  fE

  7. Otto Normal

    @Buri
    Ich beneide Dich!
    Vielen Dank für das heraussuchen der Aktenzeichen beim BVG.

    Ich glaube das die Klagen auch 2022 liegengelassen werden.

    Hier kann man sehr gut erkennen welche Erosionen die 32 Jahre lang andauernde CDU-Herrschaft an unserem Staat angerichtet hat.

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