Sonntag, 21. November 2021

SPD-Politikerin fordert Entkriminalisierung aller Drogen

Susana dos Santos Herrmann fordert eine portugiesische Drogenpolitik

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Krieg den Drogen: Nicht gerade erfolgreich. Eine Entkriminalisierung vielleicht schon.

Die Angst sitzt tief: Selbst jetzt, nachdem Staaten der ganzen Welt nach und nach Cannabis legalisieren; nachdem anhand wissenschaftlicher Untersuchungen von Versuchsgruppen und ganzer Bevölkerungen gezeigt werden kann, dass eine Legalisierung keine Gesellschaft der absoluten Kriminalität verfällt, fürchtet man vielerorts noch die “bekifften Massen” und hohe Jugendabhängigkeit im Zuge der bevorstehenden Legalisierung in Deutschland. Selbst die Entkriminalisierung leichter Drogen stößt hier oft noch auf harte Kritik. Und dabei zeigt die Geschichte: Eine harte, restriktive Drogenpolitik ist dabei ebenso widersprüchlich wie gefährlich – bereits die liberale Drogenpolitik der Weimarer Politik führte im Anschluss zu einem paradoxen und Amphetamin-befeuerten Feldzug gegen Drogen durch Nationalsozialisten.

Dass die Legalisierung, sollte sie intelligent umgesetzt werden, nun ein Ende vieler Strafverfolgungen bedeutet (neben anderen positiven Effekten), ist manchden dennoch nicht genug. Die SPD-Landtagsabgeordnete Susan dos Santos Herrmann kennt die Realität in Teilen ihres Wahlkreises, unter anderem dem Kölner Neumarkt: “Mit einer Cannabis-Legalisierung wären die Probleme am Neumarkt zum Beispiel nicht gelöst, denn am Neumarkt wird mit stärkeren Drogen gedealt.” Die Politikerin plädiert daher für eine Entkriminalisierung aller Drogen. Und das nicht nur auf Bundesebene; Ziel ist eine europäische Lösung.

Man könne sich, sobald die kleinen Fälle wegfallen, auf die großen Deals konzentrieren. Damit bezieht sie sich konkret auf das portugiesische Modell – hier wurde der Besitz (nicht aber der Handel) aller Drogen 2001 entkriminalisiert. Portugal hatte vor diesem Schritt ein massives Drogenproblem. Besonders im Vergleich zum Rest Europas waren die Zahlen erschreckend: Unter den zehn Millionen Einwohnern infizierten sich jährlich 2000 davon mit HIV – etwa die Hälfte davon durch Injektionen mit Spritzen.

Das lag auch an den 50 bis 100.000 Heroinkonsumenten Ende der 1990er. Seit 2001 ist die Anzahl an Drogentoten massiv gefallen (von den prozentual meisten zu den prozentual wenigsten im EU-Vergleich), die Kriminalität im Zusammenhang mit Drogen lag bei 70% aller Straftaten und liegt nun bei etwa 15% – unter dem Europäischen Durchschnitt. Auch die Zahl der Konsumenten hat sich im Vergleich zu den Jahren vor 2001 verbessert und scheint auch stabil niedrig zu bleiben. Das hat natürlich auch mit den Präventions- und Informationskampagnen zu tun, die Portugal zeitgleich zur Entkriminalisierung einführte. Die zuvorige “Sag einfach nein” Kampagne, war, ähnlich wie die die gleichnamige Kampagne Nancy Raegan‘s, auf wenig Erfolg gestoßen.

Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter unterstützt die Sichtweise Susana dos Santos Herrmann’s. Oliver Huth, Vorsitzender des NRW-BDK drückt sich klar aus: “Drogen wären nicht legalisiert, sondern weiter verboten”. Jedoch würde der Besitz als Ordnungswidrigkeit zählen – folgen wären weniger juristische Konsequenzen und Stigmata der Strafverfolgung, sondern eher Hilfestellung durch Hilfsvereine und Juristen. Huth argumentiert logisch, dass man einem Konsumenten bzw. Drogenabhängigen nicht einfach sagen kann: “Hör’ auf, das ist verboten.” Der Ansatz “Hilfe statt Strafe” scheint, auch nach den Erkenntnissen, sehr viel effizienter, logischer, und, zu guter Letzt, menschlicher.

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Harry Anslinger
Harry Anslinger
9 Tage zuvor

Unglaublich
Die Schweiz hat es getan! Cannabis legal ab 2022!!
Es wird, auch hier.
Die wollten wohl nicht erst auf uns warten, gut so.
Jetzt bin ich ja mal auf die Reaktion der Franzosen gespannt
http://www.nzz.ch/wirtschaft/legalisierung-von-cannabis-die-schweiz-waere-kein-solitaer-ld.1651230

Harry Anslinger
Harry Anslinger
9 Tage zuvor

Alles schön und gut
nur leider ist entkriminalisieren nicht legalisieren , und dann ist die portugiesische Regelung damals nur wegen Heroin zustande gekommen.
Die Kiffer werden dabei genauso gegängelt wie die Junkies, will mir nicht von einem Schnösel ein ” Das soll- man – nicht- blabla” anhören müssen oder ein Knöllchen dafür bezahlen, und der Stoff ist weiter illegal,
Trennung der Märkte geht so nicht.

Brock,Christian
Brock,Christian
9 Tage zuvor

Sowas wird in Deutschland nicht ko.men. Wir können froh sein,wenn die Leg. für Cannabis demnächst durch ist und anläuft. Reden ist leicht,machen muss es die Ampel endlich. Dann ist auch weiteres möglich

Haschberg
Haschberg
9 Tage zuvor

Selbst bei einer Legalisierung aller bislang verbotener Substanzen würde ich mein Konsumentenverhalten nicht ändern und mich weiterhin auf Cannabis beschränken, da mich dessen Wirkungsweise samt Heilpotential voll und ganz zufrieden stellen.

Substi(@substi)
9 Tage zuvor

Diese Position ist Schwachsinn! Drogen sind gefährlich und die Wenigsten können damit umgehen! Wer das fordert, könnte genauso gut auch Waffen erlauben!
Ich weiß wovon ich rede und die Experten, welche die völlige Legalisierung aller Drogen (Kokain, Heroin, Opium, Benzos, Meth….usw) fordern, sind dumme dumme Menschen, die keine Ahnung von Drogen haben! Wie kann man nur sowas fordern? Cannabis ok, aber harte Drogen; ist eine dumme Forderung!

Zuletzt bearbeitet 9 Tage zuvor von Substi
Smile Indica
Smile Indica
9 Tage zuvor

Saubere Drogen, zu normalen Preisen und die Welt ist eine andere. Friedlicher, ohne Beschaffungszwang, ohne Schudlbewußtsein, frei in den Entscheidungen. Übersetzt heißt das weniger Süchtige, weniger Nebenwirkungen und damit weniger Tote. Die Politik hat es tagein tagaus mit Drogen zu tun, aber immer negativ und immer hinterherlaufend. Das hat noch nie funktioniert und wird es auch niemals. Sehn und dann begreifen gehen aber nicht einher und bei der Politik fehlt die Intelligenz und ebenso der Gesatltungswille, damit liefert sie unsere Jugend ans Messer der Kartelle. Aber was will man auch erwarten??? Dazu noch einige Worte. Hast du ein Kilo bist du ein Eierdieb, Hast du zehn Kilo bist du kriminell, und hast du eine Tonne bist du gesellschaftsfähig!!! Wahre Worte… Weiterlesen »

Rainer
Rainer
9 Tage zuvor

Mit dem Portugisischem Model entfernen wir und verabschieden wir uns auch schon wieder von der in Aussicht gestellten Legalisierung.Hauptsache die Polizei ist damit einverstanden und zufrieden.

Otto Normal
Otto Normal
9 Tage zuvor

[…] folgen wären weniger juristische Konsequenzen und Stigmata der Strafverfolgung, sondern eher Hilfestellung durch Hilfsvereine und Juristen. […] Hilfestellung durch Hilfsvereine und Juristen gibt es doch schon längst. Einfach mal nach “MPU” googlen Herr Huth, da bekommen sie jede Menge Hilfen von spez. “Vereinen” und Sie finden auch Juristen die gerne “helfen” gegen Gebühr versteht sich. Die Trefferliste ist endlos, die Angebote überschlagen sich dort, jeder mag da gerne mit abkassieren. Da gibt es mehr von als Kakerlaken. […] Der Ansatz “Hilfe statt Strafe” scheint, auch nach den Erkenntnissen, sehr viel effizienter, logischer, und, zu guter Letzt, menschlicher. […] Wie wäre es mit “Freiheit statt Strafe! Hilfe bei Bedarf!” Immer diese aufgezwungene, erdrückende, verpflichtende Hilfe. Es gibt Menschen die sind… Weiterlesen »

Ramon Dark
Ramon Dark
9 Tage zuvor

Hilfe anbieten kann helfen, Hilfe aufzwingen schadet längerfristig. Was Cannabis (und eigentlich auch analog andere verbotene Substanzen wie z.B. Pilze) betrifft lässt sich eine vollständige Legalisierung und öffentliche Klarstellung der Vor- und Nachteile eigentlich relativ einfach durchführen(z.B. Cannabis-Modelle Kanada, Colorado usw.). Eine blosse Entkriminalisierung reicht für die Drogenproblematik wegen der Vergiftungsgefahren über den Schwarzmarkt und dem Jugendsschutz sowieso nicht aus, auch nicht bei harten Drogen. Deren legale Abgabe erfordert allerdings wegen dem hohen Suchtpotenzial und den weiteren Gesundheitsgefahren bei Konsum(z.B.Leberschäden durch Opiate/ Opioide u.a.) eine wesentlich stärkere medizinische, prophylaktische und staatliche Intervention als bei den weichen Drogen.

Substi(@substi)
9 Tage zuvor

Es ist ein Urban-Mythos, daß reiner Stoff ungefährlich zu konsumieren wäre! Ich habe ⅔ meiner Freunde durch zu reinen Stoff verloren und die Gefahr besteht im individuellen Suchtfaktor und des persönlichen Suchtpotenzials! Je reiner der Stoff, desto höher das Suchtpotential! Wer sich noch auf keiner Scene rumgetrieben hat, kann das nicht wissen und nicht alle kommen mit Suchtstoffen so klar wie einige Pilzliebhaber! Kokain, Heroin, Meth und Benzos möchtes Du nicht frei verkäuflich haben, glaub es mir! Der Mensch ist nicht für seine Vorsicht und Umsichtigkeit in Sachen Drogen bekannt…

Zuletzt bearbeitet 9 Tage zuvor von Substi