Sonntag, 12. September 2021

Cannabis, Kartons und die Kripo

Vier Jahre ermittelt die Polizei – weil da jemand wegen seinen Schmerzen kifft.

Cannabis
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Die Polizei in Bayern ist von einem anderen Schlag. Ermittlungen über mehrere Jahre und Bundesländer, Hausdurchsuchungen und Einsatz der Kripo. Das klingt nach einem Verbrechen im großen Stil; dafür lässt man schon gern Steuergelder springen. Wenn es nur so einfach wäre.

Der Fall: Ein 35-Jähriger hatte, nach eigenen Angaben, Abends regelmäßig drei bis vier Joints geraucht – gegen seine Schmerzen. Cannabis erhielt er durch einen Freund, per Post, aus einem anderen Bundesland. Als diesem nun beim Versand eine Unaufmerksamkeit passierte (man roch, was da versendet wurde), wurde die Polizei aufmerksam. Diese hatte zuvor Probleme, Absender und Zielperson zu verbinden – so fruchteten die seit 2017 laufenden Ermittlungen erst dieses Jahr. So berichtete kürzlich die Main Post.

Die Ermittlungen werden von der Zeitung als recht ordentlich beschrieben; wer genau liest, muss daran jedoch zweifeln. Die Kripo durchsuchte, nach wohl bemerkt Ermittlungen über 4 Jahre, im März diesen Jahres das Haus des Mannes und fand etwa 50 Gramm Cannabis „von sehr guter Qualität“ und weitere 189 Gramm aus Eigenanbau. Letztere waren wohl qualitativ minderwertig – die Kripo Freiburg scheint wohl zumindest in Fragen zur Qualität schnell helfen zu können.

Man habe, laut Main Post, so „akribisch“ gearbeitet, dass man zurück auf der Wache feststellen musste, einen ganzen Karton mit belastendem Material beim Verdächtigen vergessen zu haben. Leider war der richterliche Durchsuchungsbeschluss abgelaufen. Nun half nur noch: Nett nachfragen, ob der Verdächtige freiwillig den ihn belastenden Karton samt Inhalt übergeben würde. Vor Ort fand man auch tatsächlich den Karton – nur leider leer.

Die Beweislage war für die Staatsanwaltschaft dennoch klar. Der Mann, der gerne ein wenig rauchte, nachdem die Kinder im Bett waren, muss hinter Gitter. Ein Jahr Freiheitsstrafe, drei Jahre auf Bewährung und 1800 Euro Geldstrafe forderte die Staatsanwaltschaft. Immerhin gingen die Ermittlungen vier Jahre. Letztlich wurden daraus elf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 1800 Euro Geldauflage. Und das, obwohl der Mann nachweisen konnte, seit dem Fiasko einen völlig nüchternen Lebensstil zu führen und nun die ‚richtigen‘ Drogen gegen seine Schmerzen nimmt.

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6 Kommentare
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Rainer
Rainer
10 Tage zuvor

Verboten bleibt veboten.Hätte er ein Attest und ein Rezept gehabt,wäre er glimpflicher bestraft worden,weil die Bzugsquelle verkehrt war.

Hans Dampf
Hans Dampf
10 Tage zuvor

Die Vollverarschung und Verblödung der Menschen in Deutschland wird weiter gehen. Daran wird auch die kommende Wahl nicht viel ändern. Da bin ich mir leider ziemlich sicher. Cannabis und dessen Konsum ist unerwünscht und soll auch in Zukunft irgendwie verboten werden. Machen wir uns nichts vor. Bis wir hier zulande auch nur annähernd amerikanische Verhältnisse haben werden ist es noch ein weiter Weg. Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit wir in den nächsten ein bis zwei Jahren gänzlich unbehelligt und legal kaufen und genießen können. Seien wir also wieder einmal nicht zu enttäuscht, wenn die Politik nicht das hält was sie verspricht und machen das beste daraus. Mal gucken wo das ganze Affentheater noch hinführt und wie lange es… Weiterlesen »

Haschberg
Haschberg
10 Tage zuvor

Es ist einfach ungeheuerlich und im höchsten Maße unverantwortlich, einem Menschen sein wohltuendes pflanzliches Heilmittel zur Schmerzlinderung unter Strafandrohung zu entziehen.
In welch einem absurden Rechtssystem leben wir eigentlich? Solche Fälle gehören unmissverständlich zur Aufarbeitung an den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Wenn ich soetwas höre: „Herr Söder hat keinen Bock auf Opposition“.
Wir Millionen von Hanfkonsumenten haben keinen Bock mehr, unser Leben durch irrsinnige Verbote einer Heilpflanze von seiner menschenverachtenden und völlig unverhältnismäßigen Drogenpolitik zerstören zu lassen.
Daher ist es höchste Zeit für einen längst überfälligen Politikwechsel, der solche humane Scheusslichkeiten ein für allemal unterbindet.

Hans Dampf
Hans Dampf
9 Tage zuvor

,
ja du hast recht, es Ist Zeit für einen Wechsel in der Politik.
Doch darauf wird Deutschland noch lange warten müssen. Ich sage es nur ungern aber einen Paradigmenwechseln werden wir wohl nicht mehr miterleben dürfen.
Ich wünschte es wäre anders.
SCHANDE AUF CDU/CSU und SPD.

Otto Normal
Otto Normal
9 Tage zuvor

Das übliche Drama!

Interessant dabei ist, daß die Staatsanwältin den Einsatz der Bullen zwar als „nicht zu duldenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“ des Prohibitionsopfers verurteilte (was immer das auch juristisch bedeuten mag), aber dennoch ganz selbstverständlich auf eine Bestrafung des Delinquenten pochte.

„Tut nichts! Der Jude wird verbrannt!“
(aus: Nathan der Weise – 4. Akt – von Lessing)

Zuletzt bearbeitet 9 Tage zuvor von Otto Normal
Türauf
8 Tage zuvor

„die Kripo Freiburg scheint wohl zumindest in Fragen zur Qualität schnell helfen zu können“ Ja super lustig geschrieben und doch so traurig im Inhalt. Es ist halt heute echt nicht mehr Zeitgemäß Cannabis zu verbieten und zu verfolgen, aber es scheint doch so das wir grundsätzlich mit so ziemlich Allem verarscht werden. Was ist mit dem 9/11. Da wird man schief angeschaut von der Masse wenn man nicht so denkt. Es ist unglaublich, wtc7 hat nicht viele Trümmer vom Einsturz der grossen Türme abbekommen, dennoch ist es ausgebrannt offiziell , wobei man keinen Rauch sehen kann, und fällt dann in sich zusammen, also da gibts viele Sachen. Ich weiss nicht wer sich die ganze Scheisse ausdenkt, super manipuliert die Bevölkerung.… Weiterlesen »

Zuletzt bearbeitet 8 Tage zuvor von Türauf