Donnerstag, 31. Dezember 2020

Cannabis-Legalisierung muss doch nicht sein

(P)Review 2020/2021 – Was war, was kommt

sadhu-hafen-feuerwerk
Bild:Freeimages/aila

Ein Beitrag von Sadhu van Hemp

2020 war wieder einmal mehr ein schönes Jahr für jene Zeitgenossen, die vom Krieg gegen den Hanf profitieren. Und damit sind nicht die gemeint, die aus welchem Antrieb auch immer Leben und Freiheit riskieren, um die Verfemten und Verfolgten der Cannabis-Prohibition zu versorgen. Diesen wackeren Menschen sei der Lohn der Angst gegönnt, und der Herr Himmel möge auch im neuen Jahr schützend seine Hand über unsere mutigen Brüder und Schwestern halten.

Nein, gemeint sind andere Kriegsgewinnler, und zwar jene charakterlosen Subjekte, die gesellschaftliche Anerkennung genießen, weil sie im menschenverachtenden Krieg gegen den Hanf entscheidend mitwirken und für diese unanständige Tätigkeit auch noch fürstlich entlohnt werden. Stellvertretend für diese Gattung Mensch steht die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die es wie keine andere im letzten Jahr verstand, das Hanfverbot dafür zu nutzen, um ihren Bekanntheitsgrad und den eigenen Marktwert im politischen Geschäft zu steigern. Finanziert wird die Eigenpromotion der CSU-Parteisoldatin durch das Budget, das das Bundesministerium für Gesundheit dem Geschäftsbereich der Drogenbeauftragten zur Verfügung stellt. Ludwig schöpft aus dem Vollen, um sich als Hardcore-Prohibitionistin auf Staatskosten ins rechte Licht zu rücken. Ja, die Ludwigsche blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Niemals zuvor konnte sie sich besser in der Öffentlichkeit selbstdarstellen, und es war nicht zu übersehen, dass sie sich darin gefiel, mit dem Thema Cannabis so viel Aufmerksamkeit zu erhaschen – und das bundesweit. Mit dem Hochmut eines Popstars bekleidet sie nun unter inflationärer Anwendung des Personalpronomens „ich“ das Amt der Drogenbeauftragten, und niemand ihrer Vorgesetzten und Untergebenen wagt es, den selbstinszenierten Personenkult der Dame zu stoppen. Ludwig darf alles – selbst wenn es noch so peinlich und kostspielig ist. Bestes Beispiel für die Hybris der Ludwig ist die geradezu narzisstische Eigenlobhudelei, die sie im „Jahresbericht 2020“ betreiben darf: Die aus Steuermitteln finanzierte Hochglanzbroschüre des drogenpolitischen Versagens ist mit 30 Photographien von Daniela Ludwig garniert und erinnert an eine Bewerbungsmappe für eine Misswahl. 

Keine Frage, das Hanfverbot fördert Ludwigs Karriere als Politikerin – und auch Lobbyisten. Sie ist die Schutzpatronin der Profiteure der Cannabis-Prohibition; sie gibt die ideologische Richtung vor und zieht die Fäden für jene Seilschaften aus Nichtsnutzen, deren Existenz vom Unrecht gegen die Hänflinge abhängt. Sie alle haben gut gelebt im letzten Jahr, die vielen Helfershelfer, die sich beruflich mit dem politisch gewollten Elend der Kiffer beschäftigen und dafür üppig honoriert werden. Und das Schöne ist, dass alle Anstrengungen der Prohibitionisten nichts nutzen und die kostenintensiv zu betreuende Drogenklientel wie Unkraut nachwächst. Daniela Ludwig ist die Koordinatorin dieses perversen Wirtschaftskreislaufes und zugleich die Hüterin darüber, dass alles so hübsch hässlich bleibt – auch 2021. Das abgelaufene Jahr war also alles andere als wegweisend, was einen Paradigmenwechsel in der deutschen Drogenpolitik betrifft. Bis auf ein paar Scheindebatten im Bundestag war kaum etwas zu hören von den Stimmen, die dazu aufrufen, Deutschland endlich mal zu Potte kommen zu lassen. Großes Schweigen herrschte auch in der drangsalierten Hanf-Community. Fast kam es einem so vor, als hätte sich das Thema Cannabis-Legalisierung von einem Tag auf den anderen erledigt.

Auslöser der plötzlichen Stille war die Corona-Pandemie, die im März mit einem Schlag all die verstummen ließ, die jahrzehntelang für die Hanffreigabe die Trommeln gerührt haben. Wie von selbst zeigten die von der Gesellschaft ausgegrenzten, unterdrückten und verfolgten Haschgiftverbrecher Solidarität mit Vater Staat im Kampf zur Eindämmung der Corona-Seuche. Obwohl die Hanf-Community allen Grund hätte, sich der SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zu widersetzen und als öffentlich angeprangerte Outlaws erst recht von der Versammlungsfreiheit Gebrauch zu machen, fügte sie sich der Staatsgewalt. Die Global-Marihuana-Märsche wurden fast alle abgesagt, wie auch die Hanfparade, die ersatzweise und gänzlich unbeachtet per Videokonferenz stattfand. Die Einsicht der Hänflinge, auf zivilen Ungehorsam zu verzichten und sich in der Pandemie verantwortungsbewusst gegenüber den Mitmenschen zu verhalten, ist löblich – nur leider wird es niemand von denen danken, die die Kiffer als unterbemitteltes Pennervolk verhöhnen und bis aufs Messer bekämpfen. Zudem schenkt die SARS-CoV-2-Verordnung den Strafverfolgungsbehörden alle Freiheiten, Kiffern und anderen Staatsfeinden mal so richtig auf den Zahn zu fühlen. Was bislang in der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland nicht für möglich gehalten wurde, ist jetzt zulässig. In der Berliner Corona-Verordnung vom 14. Dezember steht klipp und klar:

Durch diese Verordnung werden die Grundrechte der Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 Absatz 1 des Grundgesetzes), der Freizügigkeit (Artikel 11 Absatz 1 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) eingeschränkt.

Im Klartext heißt das, dass die Polizei legitimiert durch die Corona-Notverordnungen die Grundrechte der Bürger verletzten kann, indem sie beispielsweise einfach so in Wohnungen eindringt, nur weil ein wachsamer Nachbar einen Verstoß gegen die Kontaktbeschränkungen gemeldet hat. Doch nicht nur für die Strafverfolgungsbehörden sind 2020 paradiesische Zustände angebrochen. Schreien vor Glück können auch die Angst- und Spießbürger, die sich nach einer Welt von gestern sehnen, in der das linksgrün verkiffte Hedonistenpack keinen Platz hat. Endlich kann wieder auf andersdenkende und anderslebende Menschen eingedroschen werden. Die Meinungshoheit nehmen sich plötzlich die heraus, die die Bürgerrechte nur für sich selbst gelten lassen und kein Pardon kennen, wenn es um Ruhe und Ordnung geht. Auf einmal ist der Denunziant nicht mehr der größte Lump im ganzen Land, sondern der vorbildliche Bürger, der gehorcht und untertänig seiner Bürgerpflicht nachkommt. Der Ausbruch der Corona-Seuche hat die Konflikte des ohnehin schwierigen gesellschaftlichen Zusammenlebens noch einmal verschärft, mit der unübersehbaren Folge, dass die guten alten Ressentiments gegen die Killerdroge Hanf eine Renaissance erfahren.

Das Erbe des alten Jahres wird das neue Jahr schwer belasten. Die Chancen sind gering, dass die Hanf-Community an die Zeit vor Corona anknüpfen und sich schon bald wieder lautstark zurückmelden kann. Die politische Forderung der Cannabis-Freigabe hat kein Gewicht angesichts der vielen anderen Baustellen, die die Corona-Dauerlangzeitkrise nach sich zieht. Und was ist schon das Elend der kriminalisierten, stigmatisierten und diskriminierten Hänflinge gegen den drohenden wirtschaftlichen Ruin vieler Millionen Bundesbürger, die das Hanfverbot gutheißen und dulden? Nein, Priorität hat die Mehrheit der Bevölkerung, die ordentlich schubbern und stets konform geht. Der Fokus der Polit-Elite wird sich auf die systemrelevanten Gesellschaftsgruppen richten, denn die sind es, die die Schornsteine rauchen und den Rubel rollen lassen. Die Herkulesaufgabe der Politik anno 2021 wird es nicht sein, die Hänflinge von ihrem Stigma zu befreien. 

Die Hanf-Community wird 2021 also wieder einmal mehr in die Röhre gucken und sich in Geduld üben müssen – wegen pandemiebedingter Systemüberlastung. 

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DIE HANFINITIATIVE
1 Jahr zuvor

Zitat „Hajo“: […] Die Hanf-Community wird 2021 also wieder einmal mehr in die Röhre gucken und sich in Geduld üben müssen – wegen pandemiebedingter Systemüberlastung. […] „https://hanfjournal.de/2020/12/31/cannabis-legalisierung-muss-doch-nicht-sein/“ Ja… O.K. … nicht gut. 🙁 ABER deshalb kann ich doch trotzdem meine Neujahrsansprache an Frau Dr. Merkel halten? Oder lieber nicht? 😀 Wegen BND und NSA und so… ?! Nicht das die mir böse sind, wegen Geheimnisverrat und so… ? 🙁 An Frau Dr, Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Stand 31.12.2020: Irgendwann 2012… … keine Antwort – bis heute… […] Hanffreunde! es ist soweit. Apell aus Bayern – Kommentar #41: „http://hanfverband.de/index.php/nachrichten/aktuelles/1887-acm-oberverwaltungsgericht-muenster-patienten-duerfen-cannabis-zur-selbsttherapie-anbauen#comment-11509“ Liebe Frau Dr. Angela Merkel, bitte erklären Sie uns Hanffreunden Ihre Politik. Viele von uns verstehen nicht, warum es immer nur… Weiterlesen »

Snowflake
Snowflake
1 Jahr zuvor

Es werden jährlich Milliarden ausgegeben um unschuldige Menschen zu verfolgen, zu kriminalisieren, beauftragt von korrupten und gekauften Politikern, die wissentlich und ohne jegliches Gewissen tausende von Existenzen zerstören, obwohl sie es, wenn sie denn wirklich wollten diesen Zustand jederzeit beenden könnten. Die Ordnungshüter, in weiten Teilen unfähig, polieren mit diesen unschuldigen Opfern ihre ansonsten miserable Arbeit und Statistik auf und terrorisren auf unerträgliche Weise und höchst illegal einen guten Teil unserer Gesellschaft Ein ganz mieses Pack in diesem Zusammenhang sind die Grünen, die so tun als ob und wenn es darauf ankommt ziehen sie den Schwanz ein. Pauschal kann man sagen auch im Jahr 2020 hat die Korruption gesiegt. Führend im Bereich der Korruption sind allerdings CDU/CSU. Wenn man bedenkt… Weiterlesen »

M. A. Haschberg
M. A. Haschberg
1 Jahr zuvor

Ein weiteres Jahr der hässlichen Drogenprohibition geht zu Ende und ein neues bricht an.
Dennoch läßt sich die Legalisierung von Cannabis nicht aufhalten. In ganz Nordamerika werden zur Zeit Fakten geschaffen, die eine solche auf weitere Sicht unumgänglich machen.
Die wirtschaftlichen Interessen werden letztlich, wie in allen anderen Bereichen auch, den entscheidenden Impuls geben. Ich jedenfalls sehe Licht am Ende des Tunnels.
Eine so wunderbare Pflanze, die sogar bei Corona hilfreich ist und alten Menschen wie mir eine deutlich bessere Lebensqualität garantiert, läßt sich im aufgeklärten 21. Jahrhundert nicht auf Dauer verhindern.

gein
gein
1 Jahr zuvor

die werden nie zu Potte kommen weil -warum auch ? Unsere Politikerkaste guckt auf den Kontostand nicht darauf was der Pöbel will. Wer beim Thema Klimawandel raushaut ‚das hat sich der christlichen Ideologie unterzuordnen‘ -ein weltweites Problem das auf den Schultern der Jugend abgelegt wird von Leuten die sich eine Immobilie nach der anderen unter den Nagel reißen und damit nochmal nachtreten, der wird nicht Cannabis legalisieren. Kein Progressivismus mit GroKo. Diese Leute handeln so wie es für ihre Zukunft das beste ist, leider sitzen sie in Berufen die verantwortungsvolles Handeln vorraussetzen. Schaut euch die letzten Entscheidungen unserer Regierung (allem vorran von Horst Seehofer) an, dagegen ist Cannabis Legalisierung ein Vogelschiss -as we say it in german. Wir werden in… Weiterlesen »

Rainer
Rainer
1 Jahr zuvor

Wir werden so gut vor dem Tod geschützt,daß wir kaum noch leben können.

1 Jahr zuvor

Auch wenn sich in Deutschland nichts bewegt hat, war dieses Jahr gar nicht so schlecht, wie ich finde. Die Diskussion ist am Köcheln geblieben, Medien haben das Thema immer wieder aufgegriffen. So ziemlich jeder öffentlich-rechtliche Funk-Kanal hat wohl inzwischen mal was pro Legalisierung gebracht. Der DHV konnte seine Kampagnen weiter voranbringen. Alle konnten sich über Ludwigs Brokkoli lustig machen. Und international hat sich noch viel mehr bewegt, weil von langer Hand geplante Gesetzesänderungen und Neuklassifizierungen umgesetzt wurden. Der Druck von außen erhöht sich und der Prohibitionsapparat in Deutschland ist ein Dampfkessel, der kurz vorm Überkochen ist. Vielmehr sollten wir aufhören, uns an der Drogenbeauftragten abzuarbeiten, die – wie sich wieder mal ganz klar gezeigt hat – von ihrer Partei auf… Weiterlesen »

DIE HANFINITIATIVE
1 Jahr zuvor

To Greta (and all children worldwide) with LOVE 😀 +++ 6630507 +++ Tagebucheintrag +++ 6630507 +++ 01.01.2021 – 07:02 – Scriptgekritzel – Gedanken zur Quantenphysik der Liebe… {In meinen Träumen sehnt sich meine Liebe, sucht meine Liebe; sie sucht Geborgenheit – wie einen schützenden Mantel – sich zu entfalten und auszubreiten, – in diesem Moment, so wie das Magnetfeld die Erde umschließt. Dieser zarte „Schutzschirm des Lebens“ der „Großen Mutter“, deren Kind auch ich bin. Ein Kind das leben will, inmitten von Leben das leben will … 🙂 … Denn, weil wir leben, lebt das Universum. Weil wir lieben, liebt das Universum. … Weil wir das Universum sind. Nicht außen vor, sondern mitten drin und Teil davon. Die Natur. Vom… Weiterlesen »

DIE HANFINITIATIVE
1 Jahr zuvor

Liebe Neujahrsgrüße auch in die Schweiz und nach Österreich 😀 und lieben Dank, liebe Franziska Quadri für die stests vielen guten Infos und für Deine Kunst. 🙂 Deine Beiträge zu lesen erfreut mein Herz immer wieder. Liebste Grüße unbekannterweise. 🙂 […] Rückblick und Ausblick 2019 – ein ereignisreiches Jahr Veröffentlicht: Mittwoch, 25. Dezember 2019 Verfasst: Franziska Quadri Schon von Anfang 2019 an war MEDCAN gefordert und an allen Fronten im Einsatz. Auch während des Jahres nahm die Arbeit des Vereins nicht ab. Das Wissen der Patientinnen und Patienten war und ist sehr gefragt. Cannabis für die medizinische Anwendung ist inzwischen regelmässig in den Medien ein Thema. Dadurch steigt das Interesse bei der Schweizer Bevölkerung rasant. Keine Anlaufstellen bei Fragen Möchten… Weiterlesen »