Freitag, 25. September 2020

Israel: Reform sorgt für Schimmel, Moder und synthetische Cannabinoide in medizinischem Cannabis

Unangenehme Tatsachen über medizinisches Cannabis aus Israel

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Was Cannabis und insbesondere die Erforschung seiner medizinischen Eigenschaften angeht, ist Israel eigentlich der ganzen Welt voraus. So geschah es in Israel, dass Mechoulam das erste Cannabinoid isolierte. Eine neue Reform des Gesundheitsministeriums hat jedoch einige Probleme verursacht: von Schimmel bis hin zu synthetischen Cannabinoiden im Marihuana.

Der Aufstieg des medizinischen Marihuanas hat noch lange nicht geendet. Viel eher kämpfen wir Hanffreunde dafür, dass die medizinische Verwendung von Cannabis weiter ausgebaut wird. Beispiele wie in diesem Falle das Israelische lassen einem jedoch ein wenig mulmig zumute werden.

Umso wichtiger ist es, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Den Anfang macht die Reform selbst, welche wir uns an dieser Stelle anschauen wollen.

Die Reform des medizinischen Hanfes


Die Reform geht von der Medical Cannabis Association aus, welche zum dortigen Gesundheitsministerium gehört. Sie enthält Änderungen der Verordnung zu medizinischem Cannabis. Beabsichtigt war, dass Patienten in Zukunft leichter an ihre Medikamente gelangen können. Erfolge sind in dieser Hinsicht jedoch kaum zu verzeichnen.

Die Reform setzt sich aus zwei maßgebenden Teilen zusammen. Diese umfassen zum einen die Unternehmen und zum anderen die Patienten. 

Die Reform für Unternehmen


Auf der einen Seite sind Unternehmen stark von dieser Reform betroffen. So ist das Genehmigungsverfahren von medizinischem Cannabis geändert worden. Für Forschungsinstitute mit Bezug auf Hanf sowie für Apotheken wurde das Genehmigungsverfahren erweitert und präzisiert. Im gleichen Zuge hat man den Genehmigungsprozess für Entsorgungseinrichtungen für Cannabis sowie den Transport von Cannabis definiert.

Was das genaue Prozedere angeht, wurden weitere Änderungen getroffen. Diese sind jedoch sehr spezifisch und bringen uns an dieser Stelle nicht mehr weiter.

Die Reform für Patienten


Zu aller Anfang wird medizinisches Cannabis von der Liste der gefährlichen Drogen genommen. Stattdessen ordnet man medizinischen Hanf nun in dieselbe Kategorie ein wie andere verschreibungspflichtige Medikamente.

Darüber hinaus wird fortan unter bestimmten Bedingungen die Abgabe von medizinischem Marihuana in den Zuständigkeitsbereich von Ärzten fallen. Dadurch wird die Abgabe durch das Gesundheitsministerium nicht mehr in allen Fällen benötigt. 

Zusätzlich hat man vier Kriterien aufgesetzt, welche für den legalen Erwerb von medizinischem Cannabis notwendig sind.

  1. Kontrollierte und überprüfte Cannabisprodukte werden in Apotheken verkauft.
  2. Patienten müssen über 18 Jahre alt sein, mit Ausnahme von Kindern mit schweren Fällen der Epilepsie.
  3. Der Patient muss von einem spezialisierten Arzt registriert worden sein.
  4. Maximal kann man 40 Gramm medizinisches Marihuana je Monat verschrieben bekommen.

In bestimmten Fällen kann man medizinisches Cannabis bekommen, ohne über eine sogenannte IMCA-Lizenz zu verfügen. IMCA steht für„Israeli Medical Cannabis Agency”. In der Regel muss man über deren Lizenz verfügen, um medizinisches Cannabis legal kaufen zu können. Bei folgenden Erkrankungen geht es jedoch auch ohne:

  1. HIV
  2. schwerer Epilepsie bei Minderjährigen
  3. chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  4. onkologischen Erkrankungen
  5. neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, Parkinson und so weiter 

Soweit die Theorie. Was in echt stattgefunden hat, weicht um Welten von diesem Bild ab. Alle Änderungen waren dazu gedacht, die momentane Situation zu verbessern: Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten. Die Versorgung des Landes mit medizinischem Marihuana lief sehr schlecht und die Qualität des Grases war häufig unter aller Würde. Abgezogen wurden einige Patienten wie von traditionellen Dealern: Sie bekamen weniger Gras als auf der Packung ausgewiesen. Wir wollen uns im Detail anschauen, was da passiert ist, angefangen bei einem grausamen Beispiel, bei dem synthetische Cannabinoide ihr übliches Übel ausübten.

Synthetische Cannabinoide in medizinischem Gras?


Zum ersten Mal tauchten synthetische Cannabinoide in medizinischem Gras bei Doron Kleinberg auf. Hierbei handelt es sich um einen 40-jährigen Patienten aus Tel Aviv. Aufgrund von Fibromyalgie konsumierte dieser Patient bereits seit einigen Jahren medizinisches Marihuana.

Ohne sich viel dabei zu denken, konsumierte er sein Gras, wie er es zuvor schon Hunderte bis Tausende Male gemacht hatte. Nach sage und schreibe 5 Stunden traten die negativen Erscheinungen ins Bild: So ein Schwächegefühl, was kurze Zeit danach von einem Zusammenbruch gefolgt wurde.

Nachdem der Patient zwölf Stunden auf dem Krankenhaus verbracht hat, wurde ein Urintest durchgeführt. Dieser sprach positiv auf das sogenannte „Nice Guy” an. Dabei handelt es sich um den Vertriebsnamen eines synthetischen Cannabinoids, welches in Israel Popularität genießt.

Der Patient gibt an, noch nie in seinem Leben geraucht zu haben: Erst recht keine synthetischen Cannabinoide. Er habe die Medizin direkt vom Unternehmen erhalten und via des „Mighty” Vaporizers konsumiert. Als Nebenwirkungen eintraten, befand er sich in einem Café mit einem Freund.

Gerade mal einen Tag nach diesem Vorfall trat ein ähnlicher Fall auf. Vered Haber, eine 53 Jahre alte Frau, wurde ebenfalls aufgrund von Schwächeerscheinungen eingewiesen. Rund 4 Tage lang hat die Patientin zuvor an den Folgen des synthetischen Cannabinoids gelitten: Sie fühlte sich schwindelig, lethargisch in Händen und Füßen, immerzu schläfrig und hatte sogar eine verschwommene Sicht.

Wie im Fall davor fand man heraus, dass diese Frau unabsichtlich „Nice Guy” konsumiert hat.

Es ist eine Sache, ob man schlechtes Gras als medizinisches Marihuana verkauft. Synthetische Cannabinoide in Medikamente zu packen, die voraussichtlich in ihrer Großzahl von älteren Menschen konsumiert werden, sollte jedoch eine Straftat sein. Selbst wenn dahinter vollständige Verblödung und keine Bosheit steckt, sollte es strafbar sein, mit einer solchen Dummheit sein Leben anzugehen.

Probleme kommen öfter vor


Dieser Zwischenfall war anscheinend nicht der Einzige, den sich das Gesundheitsministerium Israels erlaubt hat. Als Reaktion auf die genannten und weitere Fälle weigerten sich einige Patienten, ihre Medizin zu nehmen. Das erscheint wie ein natürlicher Reflex des Menschen, der keine giftigen Chemikalien in sich aufnehmen will.

Erfahrung in diesem Bereich hat ein Israeli namens Isaac, der bereits seit mehreren Jahren medizinisches Cannabis konsumiert. Für ihn sei der Fund von synthetischen Cannabinoiden keine Überraschung gewesen. Ihm sei bereits medizinisches Marihuana voller Schimmel und Schädlinge verkauft worden. 

Häufig kommt es vor, dass das Produkt nicht die ausgewiesene Menge an Cannabis enthält. Hinzu kommt, dass qualitativ hochwertiges Gras wie ausgestorben erscheint: Der problematische Markt hat die Verfügbarkeit von besten Strains klar minimiert. Großen Einfluss auf diese Entwicklung hatte das Unternehmen Tikun Olam.

Kein Tikun Olam, kein Gras


Tikun Olam nennt sich einer der größten Produzenten von Cannabis in Israel. Rund 38.000 Menschen in Israel kriegen rezeptpflichtiges medizinisches Marihuana: Circa 16.000 davon beliefert Tikun Olam.

Am 1. April 2019 sollte die Reform in Kraft treten. Infolgedessen musste dieses Unternehmen seinen Sitz ändern. Aufgrund von Fehlern auf beiden Seiten geschah das nicht schnell genug, sodass die Produktion erst einmal aussetzen musste.

Selbstverständlich brachte das einige Nachteile für Tikun Olam ein. So werden die meisten Konsumenten über die Zeit ihre medizinischen Produkte von anderen Herstellern beziehen, nicht zu sprechen vom Schaden, den das Image des Unternehmens erlitt.

Anschuldigungen fallen auf beiden Seiten. Das Unternehmen kritisiert die Reform an und für sich, das Gesundheitsministerium die Umsetzung der Reform vonseiten Tikun Olams. So habe das Unternehmen doch schneller reagieren können, damit dieser Ausfall gar nicht erst vorkommt. 

Das wirkliche Problem zeigt sich jedoch an anderer Stelle. Am 1. April hatten bereits um die 5000 Patienten kein medizinisches Cannabis mehr im Hause. Innerhalb von einer Woche sollte ungefähr dieselbe Zahl seinen Vorrat verbrauchen.

Wenn wir von Cannabis Patienten sprechen, sprechen wir von todkranken Menschen, die ihr Glück und ihre Schmerzlosigkeit aus diesem Medikament beziehen. Wir reden von Krebspatienten im Endstadium. Andere chronisch kranke Menschen sind kaum dazu imstande, ihrem normalen Alltag nachzugehen, wenn sie ihr medizinisches Marihuana nicht haben.

Keine Aktion ohne Reaktion


Bar-Or heißt eine Gruppe von Aktivisten, die sich gegen diese Cannabis-Reform aussprach, sie wollten die Entwicklung der Reform stoppen. Sie beriefen sich darauf, dass die Cannabis-Reform gefährlich für Patienten ist.

In der Art und Weise, wie diese Reform erfolgt ist, mag das auf jeden Fall zustimmen. Es ist allemal verwunderlich, wie das israelische Gesundheitsministerium bei einer so wichtigen Reform derart schlampig vorgehen konnte.

Israel gilt als Vorreiter bei der Erforschung von medizinischem Cannabis. Der Rest der Welt (und insbesondere die Hanffreunde darunter) setzten immerzu große Hoffnung in dieses Land, auf dass es medizinisches Marihuana salonfähig macht und durchsetzt. Die grauenhafte Umsetzung der Reform lässt einige dieser Hoffnungen im Qualm ersticken, den das verursachte Chaos erzeugt hat.

Kanada oder die Niederlande könnten infolge dessen ihre Stellung verschärfen: Insbesondere, was die Erforschung des Hanfes angeht.

Neben diesen eher politischen Gedanken soll unser Mitleid an die Patienten Israels die letzten Zeilen dieses Artikels füllen. Medizinisches Cannabis spendet Trost, Schmerzlosigkeit, Hoffnung, Glück und noch vieles mehr. Wenn das medizinische Marihuana wegfällt, müssen Patienten gegebenenfalls auf schädlichere Medikamente umsteigen oder sich den Folgen ihrer Erkrankung komplett ergeben. Es handelt sich hierbei um ein Medikament, welches gebraucht wird und welches durchgehend verfügbar sein muss.

Hoffentlich werden andere Länder den Fehler Israels nicht wiederholen.

Ein Beitrag von Henrik Aulbach

Quellen:

https://www.timesofisrael.com/medical-cannabis-reform-leaves-at-least-5000-patients-with-no-medicine/
https://www.weedworldmagazine.org/2020/08/07/synthetic-cannabinoids-in-medical-cannabis-by-ziv-genesove/
https://www.canna-tech.co/the-israel-factor/israeli-medical-cannabis-reform/

Eine Antwort auf „Israel: Reform sorgt für Schimmel, Moder und synthetische Cannabinoide in medizinischem Cannabis

  1. Otto Normal

    All diese Probleme haben nur eine einzige Ursache:
    Die Angst, Hysterie und Panik die die Spießer Jahrzehntelang in die Welt getragen haben. Auch in Israel ist Cannabis nicht wirklich frei und legal. Es gibt immer wieder ein Gängelband welches diese Arschlöcher sich in ihren kranken Hirnen ausdenken und Cannabiskonsumenten am Ende doch noch zu tyrannisieren.
    Hat man das jemals von Bier gehört das die Flasche weniger enthält als angebenen?
    Bei allen Getränken ist klein bissel mehr drin weil der Produzent keine Lust auf Gerichtsprozesse hat und weils halt ein offen freier Markt ist im Gegensatz zu Cannabis.
    Oder hat jemand schon mal erlebt das in der Zigarettenpackung ein oder 2 Glimmstengel fehlen?

    Nur bei Cannabis, da gibt’s halt immer wieder solche Geschichten weil man einfach die korrupten Drecksfinger nicht von der Prohibition und der politischen Verfolgung lassen kann und weil sich die Konsumenten weltweit nicht wehren.

    In Zeiten der Weltraumfahrt und der Computer ist man nicht in der Lage die Patienten mit medizinischem Cannabis zu versorgen welches sauber ist?
    Einfach lächerlich!
    Das zeigt doch ganz deutlich: selbst dort gibt es immer noch Kräfte die gegen die Legalisierung sind und man eigentlich nicht wirklich will das medizinisches Cannabis zum Einsatz kommt.

    Bei dem Chemiedreck der Pharmaküchen hört an jedenfalls nie davon das mal aus Versehen Dioxin oder so was „reingefallen“ ist.

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