Montag, 21. September 2020

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach plädiert für Cannabis-Freigabe

Rekordanstieg der Drogentoten im ersten Halbjahr 2020 offenbart den Nonsens der deutschen Prohibitionspolitik

Cannabis
© Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), 2019-04-10-Karl Lauterbach-Maischberger-5321, Hintergrund, CC BY-SA 4.0

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

In Deutschland sind im ersten Halbjahr 2020 laut „Welt am Sonntag“ 662 Menschen an den Folgen des Konsums illegaler harter Drogen gestorben. Das sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 13 Prozent mehr. Somit scheint sich der Trend der letzten Jahre fortzusetzen: Bereits 2019 wurde mit 1398 Drogentoten der höchste Stand seit 2009 verzeichnet.

 

Anders als die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), die die gegenwärtige Prohibitionspolitik koordiniert und beherzt verteidigt, werden in den Reihen des sozialdemokratischen Koalitionspartners einige wenige Stimmen lauter, die die menschenverachtende Strafverfolgung von Drogenkonsumenten nicht länger hinnehmen wollen und das Sterben der kriminalisierten Suchtkranken als Folge staatlichen Versagens sehen.

Vorneweg stürmt derzeit der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der die verfehlte Drogenpolitik kritisiert, die auch seine Partei zu verantworten hat. Nun hat er angesichts des erschreckenden Anstiegs der Drogentoten eine schrittweise Freigabe von Cannabis und Kokain gefordert.

 

Das klingt erst einmal vernünftig und verschafft dem ambitionierten, aber bislang immer zu kurz gekommenen SPD-Mann eine Presseschlagzeile und darüber hinaus ordentlich medialen Gegenwind aus der konservativen und rechtsextremen Ecke. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass Lauterbachs Vorschlag nicht die Wurzel des Übels beseitigt. Zwar will er die Konsumenten von Cannabis und Kokain stufenweise entkriminalisieren, im Gegenzug aber die Hersteller und Händler konsequent als Straftäter verfolgen und einsperren lassen. Nur dadurch sei seiner Ansicht nach das Drogenproblem lösbar: „Die Entkriminalisierung führt dazu, dass man Abhängige besser erreicht. So können auch Sozialprogramme funktionieren.“

Kein Wort verliert Lauterbach darüber, wie die Konsumenten legal an Cannabis und Kokain kommen sollen. Ziel seiner drogenpolitischen Phantasien bleibt, den entkriminalisierten Kiffern und Koksern den Konsum zu verleiden – ganz so wie es auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert. Vorrangig sei eine Veränderung des Konsumverhaltens, und der Schwerpunkt sollte auf Prävention und Therapie liegen. Im Klartext bedeutet das, dass alle Kiffer und Kokser ein Fall für den Irrenarzt sind.

 

Zuletzt stellt sich die Frage, inwieweit die Forderung des selbsternannten Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach in seiner Partei überhaupt auf fruchtbaren Boden fällt. Wie die SPD wirklich tickt, zeigte sich letzten Mittwoch im deutschen Bundestag: Bündnis90/Die Grünen scheiterten im Gesundheitsausschuss mit dem Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes – auch dank der SPD-Abgeordneten, die gemeinsam mit den Kollegen der Union und der AfD gegen die Reform stimmten. (Erbärmlich war auch das Abstimmungsverhalten der FDP-Abgeordneten, die sich per Enthaltung aus der Affäre zogen und damit unter Beweis stellten, dass sie Taugenichtse in Sachen Cannabis-Freigabe sind.)  Einzig die Fraktion der Linken zeigte ein Herz für die kriminalisierten Hanfkonsumenten und unterstütze den Entwurf der Grünen.

 

Unterm Strich bleibt wieder einmal mehr die bittere Erkenntnis, dass die SPD den Kiffern nicht die Hand reichen will – auch wenn ein Karl Lauterbach groß herumtönt und das Blaue vom Himmel verspricht.

Es bleibt dabei: Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!

 

 

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DIE HANFINITIATIVE
1 Jahr zuvor

+++ 800 Milliarden bis zwei Billionen Dollar jährlich +++ 800 Milliarden bis zwei Billionen Dollar jährlich +++ 800 Milliarden bis zwei Billionen Dollar jährlich +++ … Bei den vielen (Bestechungs)-Geldern, die fließen (müssen), damit dieses “System” der “Prohibition” (mit seinen vielen Teil-Systemen und Verstrickungen) weiter funktionieren kann, wird es nicht leicht werden, mit einer menschenrechtskonformen Wieder-Legalisierung der wertvollsten Pflanze des gesamten bekannten Universums! (Es geht um nicht weniger, als um die Wiedergutmachung eines der größten Verbrechens an der gesamten Menschheit, durch die sogenannte “Prohibition”). Es sind diverse verknüpfte Systeme. Natürlich weiß das auch Prof. Lauterbach. Dennoch sollten wir alle Menschen unterstützen, die guten Willens sind und im System etwas zu “sagen” haben. Es ist und bleibt mühsam. Doch wir bewegen… Weiterlesen »

Lars Rogg
Lars Rogg
1 Jahr zuvor

Yeah Baby….der letzte Satz…der sagt alles…der letzte Satz !!!

Klaus
Klaus
1 Jahr zuvor

Lauterbachs Dolchstoß ins sozialdemokratische Nimmerland, dabei wär es jetzt so wichtig mehr Demokratie (legalize it) zu wagen… für freie Menschen in einer offenen Gesellschaft.

gein
gein
1 Jahr zuvor

Lauterbach war einer der Macher von Hartz 4, traut ihm nicht.
Hier gehts nur wieder um Stimmen Keschern, wenn die SPD was zu sagen fallen sie dem Wähler immer zu Gunsten des Kapitals in den Rücken -dürfte hinlänglich bekannt sein.
Wer auf GroKo Parteien hofft in Punkto Legalisierung soll sich nur angucken wer seit den 50ern konsequent Initiativen und Studien zur Legalisierung torpediert.
Ein Wolf im Schäferpelz ist das.

Gerd
Gerd
1 Jahr zuvor

habe was lustiges gefunden…
So läufts in Foren, die nicht in der Cannabis-Blase funkeln. Echt traurig. Politiker gewinnen immer und müssen nicht mal was tun.
https://hallespektrum.de/thema/ueber-cannabis-aufklaeren-aber-richtig-www-cannabisfakten-de-online/

Otto Normal
Otto Normal
1 Jahr zuvor

Dem letzten Satz des Artikels würde ich noch anfügen: “… und wer war dabei? Die grüne Partei!” denn die Grünen haben unter Rot/Grün um die Jahrtausendwende (jaaa lang ist’s her doch niemals vergessen!) für eine massive Verschärfung der Verfolgung von Cannabiskonsumenten gesorgt. Stichwort: Hanfsamenverbot. Zum Lauterbach muß ich sagen daß der – auch wenn er der feigen SPD angehört – ganz schön pfiffig ist: Er fordert nicht nur die Entkriminalisierung von Cannabis. Nein der gute Mann denkt auch an seine vielen Kollegen Abgeordneten, die sich tagtäglich im Parlament zu Tode langweilen und den mit rd. 12.000 EUR monatlich dotierten extrem harten Job nur noch unter Drogeneinfluß ertragen bzw. ausüben können, indem er gleichzeitig auch die Freigabe von Kokain fordert, damit… Weiterlesen »

Hermes
Hermes
1 Jahr zuvor

Er ist laut und lässt alles weiterlaufen,
bis der Bach zur Katastrophe anschwillt!

H'79
H'79
1 Jahr zuvor

Ja, SPD oder einzelne SPD-Promis, wann fangt ihr denn endlich mal an. Ihr regiert doch immerzu. Wieviel Strafanzeigen wegen Drogen nehmt ihr denn hin bevor ihr was Wirksames tut? Millionen oder doch nur wenige hunderttausend? Euer Vorsitzender hat noch vor Wochen signalisiert dass es ihm wurscht ist weil es bei ihm um die Ecke paar Kiffer zu geben scheint, die nach paar Monaten, in denen abends gelegentlich der Joint kreist, immer noch nicht trockengelegt wurden. Ich bekomme immer wieder neue Hiobsbotschaften von verlorenen Führerscheinen und Gerichtsverhandlungen zu Gehör – wegen Cannabisbesitz u. dgl.

Rainer
Rainer
1 Jahr zuvor

Lauterbach ist doch der,der es geil findet uns die Freiheit und die Menschen-und Grundrechte zu rauben?

grist
grist
1 Jahr zuvor

die SPD hat vor einer Woche gegen den Antrag der Grünen der Entkriminalisierung von Cannabis gestimmt. Sie sahen sich da im GroKozwang. Und dann so ein Artikel.
In Hamburg (wie hier ja selbst berichtet wurde) stimmten die Grünen gegen ein Projekt bei Cannabis.
Und so schließt sich der Kreis :weird face: