Dienstag, 11. Februar 2020

Cannabis-„Fachgeschäft“ in Krefeld gebustet

Vier Männer und eine Frau sollen aus einem Kiosk heraus mit Cannabis, Kokain und Amphetamin gehandelt haben

Bild: Freeimages / Christian Kitazume
Bild: Freeimages / Christian Kitazume

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

Gestern teilte die Krefelder Polizei in einer Pressekonferenz mit, dass Ende Januar ein Schlag gegen eine mutmaßliche Drogenhändler-Bande gelungen sei. „Kiffen macht doof“, witzelte der Leiter der Ermittlungskommission über den Mut, die Entschlossenheit und die Dreistigkeit der Beschuldigten, die in der Krefelder Innenstadt aus einem Kiosk heraus die örtliche Klein- und Straßendealerszene mit Cannabis und anderen psychoaktiven Substanzen versorgt haben sollen.

 

Wie so oft war Verrat der Auslöser der Ermittlungen. Im Juni 2019 bekam die Krefelder Polizei einen Tipp aus Düsseldorf, dass besagter Kiosk ein Drogenumschlagplatz sei. Wer den Hinweis gegeben hat, ob ein Polizeispitzel oder ein Verräter, teilte die Polizei nicht mit. Doch statt zum Schutze der Bevölkerung den Kiosk umgehend zu schließen und zu versiegeln, entschied sich die Polizei, die Betreiber der illegalen Cannabis-Abgabestelle gewähren zu lassen, um möglichst viel Belastungsmaterial gegen die Drogenbande zu sammeln. Der Kinder- und Jugendschutz hatte deshalb nicht oberste Prämisse, obwohl sich in unmittelbarer Nähe ein Gymnasium befindet und die Gefahr bestand, dass die Kioskbetreiber im Beobachtungszeitraum ungehindert Schüler in den Laden locken und dort haschgiftsüchtig machen. Inwieweit die Polizei die Schulleitung des Hannah-Arendt-Gymnasium, sowie den Elternrat und die Schülervertretung im Vorfeld über die tickende Zeitbombe in der Nachbarschaft eingeweiht hat, war nicht zu erfahren.

 

Die Krefelder Polizei gründete die Ermittlungskommission „Popey“ – in Anlehnung an das Geschäftsschild über dem Eingang des Kiosk mit dem Namen „Smoki“ (sic). Darauf sind zwei Abbildungen des rauchenden Popeye zu sehen. In der Folge packte die Polizei das ganz große Besteck aus. Zivilfahnder legten sich auf die Lauer und modernste Überwachungstechnik kam zum Einsatz. Bei Wind und Wetter wurde akribisch aufgezeichnet, was sich vor dem Kiosk in der Hubertusstraße abspielt. Ob auch Lockspitzel eingeschleust wurden, die fiktive Drogengeschäfte einfädelten, um die Cannabis-Fachhändler noch tiefer hineinzureißen, wurde auf der Pressekonferenz nicht mitgeteilt.

 

Bis Ende Januar setzte die Ermittlungskommission „Popey“ das Puzzle zusammen. Stück für Stück konnten die handelnden Akteure identifiziert und die Strukturen aufgedeckt werden. Der Kiosk diente offenbar zur Bestellung der Ware. Die Übergabe fand in einer Wohnung in einem Nachbarhaus statt. Laut Polizei gab es auch eine Art „Drive-in“, denn häufig fuhren Kunden mit hochwertigen Autos vor, die ohne auszusteigen direkt am Wagen bedient wurden. Auch wollen die Polizisten gesehen haben, wie Straßendealer mit leeren Bauchtaschen in den Kiosk hineingingen und mit gefüllten wieder herauskamen.

 

Ende Januar hatte die Polizei genug ermittelt und es kam zum Bust. 15 Objekte wurden durchsucht, und die fünf Beschuldigten im Alter von 22 bis 28 Jahren kamen in Untersuchungshaft. Der Umfang der beschlagnahmten illegalen Substanzen konnte die Erwartungen nach den umfangreichen Ermittlungen jedoch nicht erfüllen. Lediglich 7,6 Kilogramm Cannabis und 50 Gramm Kokain im Wert von insgesamt rund 80.000 Euro wurden sichergestellt. Die illegalen Rauchwaren seien in geruchsdichten Dosen für Babynahrung aufbewahrt worden.

Nach ersten Schätzungen soll die Bande Cannabis im dreistelligen Kilogrammbereich gedealt haben, was durchschnittlich rund zehn Kilogramm pro Woche ergibt.

 

Dass es sich bei den Beschuldigten um nicht ganz so freundliche Gesellen handelt, zeigt der Umstand, dass die Polizei eine Schreckschusspistole, zwei Gaswaffen, eine Machete, zwei Schlagstöcke und vier Schlagringe sicherstellen konnte. Damit ist der Straftatbestand des bewaffneten bandenmäßigen Drogenhandels erfüllt, was mit mindestens fünf Jahren Haft bestraft wird. Alle Festgenommenden stammen aus Krefeld und sind teils einschlägig vorbestraft.

 

9 Antworten auf „Cannabis-„Fachgeschäft“ in Krefeld gebustet

  1. Hans Dampf

    Also im Express ist von 50 Kilo Koks die Rede. Und dann von 80000€. Irgendwie passt das nicht so richtig zusammen. Auch das ganze Geschreibsel im HJ von fehlenden Jugendschutz,Eltenrat oder auch tickende Zeitbombe usw. Und das die Gefahr bestand, dass die Betreiber Schüler in den Laden locken und sie Haschgiftsüchtig zu machen? Was soll der Unsinn. Mann Sadu, dass kannst du doch besser. Bei Dealerei in dieser Größenordnung versteht die Staatsmacht keinen Spaß. Wie kann man auch die Straßenszene derart offen mit Stoff versorgen. Gerade wenn auch noch Pulver dabei ist.
    Muss den Leuten doch klar gewesen sein, dass das nur eine Frage der Zeit sein kann. Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen.
    P.S.: Und genau wegen solcher Geschichten braucht Deutschland eine umfassende Legalisierung. Dann könnten wir alle etwas davon haben und nicht nur der Schwarzmarkt und die Bullen ihren Spaß.

    Lieber Hans Dampf,

    „Auch 50 Gramm Kokain …“ berichtet die „Westdeutshe Zeitung
    Der Fehler dürfte angesichts der Größenordnung (50 Kilo) beim „Express“ liegen, zumal diese Menge Kokain sicher mehr wert ist als die angegebenen 80.000 Euro.

    Ich halte es für keinen Unsinn, darauf hinzuweisen, dass die Polizei den Betrieb monatelang weiterlaufen lässt und damit billigend in Kauf nimmt, dass die Schüler des Gymnasiums in Versuchung geführt werden. Als betroffener Elternteil würde ich mich schon fragen, warum das Jugendschutzgesetz, das den Prohibitionisten als Hauptargument dient, in diesem Fall einfach in den Hintergrund tritt. Könnte ja mal gerichtlich geklärt werden, inwieweit diese Polizeipraxis zulässig ist. Schlagen wir sie mit ihren eigenen Mitteln.

    Gruß
    SvH

  2. Hermes

    Die Welt erscheint einem so einfach ,
    und doch ist sie so kompliziert!
    Gibt das Hanf frei.
    Er gehört uns allen ,
    so, wie die ganze Natur.
    Jedermann hat ein Recht darauf es für sich zu nutzen., überall!

  3. Andi

    Den Polizisten sollte man wegen Beleidigung anzeigen.Kiffen macht doof.Was sagen die Cannabispatienten dazu?

  4. R. Maestro

    Makaber, aber es hat alles positive wie negative Seiten:
    Solange sie sich dort an so etwas aufgeilen, können sie nicht nach Bayern kommen und mutmassliche Händler erschiessen.
    Den Begriff „Dealer“ vermeide ich bewusst. Er zielt bei vielen auf eine Verurteilung und Abwertung ab. Diese viele haben es nicht realisiert, dass JEDER Händler ein Dealer ist!
    Und JEDER geht fast täglich zu einem Dealer.
    Sei es der Bäcker, Metzger, Supermarkt, …….. .
    Ich verfluche nicht den ersten Joint, es hat aber auch zur Folge sich zu fragen, ob wir nicht alle verarscht werden.
    Viele sind dahingehend zu beneiden, dass sie sich in Stupidität respektive Dummheit baden, in ihrer geistigen Einfältigkeit den Mist von Ludwig und Konsorten glauben und jeden Konsumenten pauschal verurteilen.
    JEDER Konsument, welchen ich bisher kennengelernt habe, hat sich definitiv mehr Gedanken um das Thema Hanf, Rauschmittel oder das Leben gemacht als die Blindlinge, welche noch nicht verstanden haben, dass sie, wir alle, nur Mittel zum Zweck sind.
    Fast beneidenswert, die Narren, welche noch glauben, Order von oben hätte hier etwas mit Sozialverträglichkeit, Gesundheit oder Moral zu tun.

  5. R. Maestro

    Unsere Christlich Demokratische Union Deutschlands und die Christlich-Soziale Union hat sich gut angepasst. An kirchlich propagierten Gutglauben.

    „In dir steckt ein guter Christ“ sprach der Mönch, als er seinen Schutzbefohlenen fickte!

  6. R. Maestro

    Last but no least.
    Der Satz von Harald geistert mir noch im Kopf herum:
    Hanf ist zu billig, zu hilfreich, es ersetzt zuviel!
    Es stimmt total und komplett!

  7. Hans Dampf

    @Sadhu van Hemp,
    vielen Dank für die schnelle Rückmeldung.
    OK, Unsinn ist ein vielleicht ein bisschen übertrieben. Doch wie kommst du darauf, dass billigend in Kauf genommen wurde das Schüler in Versuchung geführt werden? Diesbezüglich wurde in den Berichten nichts erwähnt, sodass es sich wohl eher um eine Mutmaßung deinerseits handelt. Auch wenn der Verkauf nur leicht versteckt abgelaufen ist, wurde bestimmt nicht an jedem verkauft. Und an Schüler schon gar nicht. (Mutmaße ich mal.) Aber grundsätzlich gebe ich dir recht. Das mit der Zulässigkeit der Polizeipraxis und dem fehlenden Jugendschutz ist eine interessante Frage und sollte geklärt werden.
    Du sollst wissen ich halte deine/eure Arbeit für sehr wichtig und wertvoll und bin mit den Jahren ein echter Fan geworden. Weiter so.
    Ja, schlagen wir sie mit ihren eigenen Mitteln.

  8. HARDO

    ALSO LEGAl cannabis wäre besser denn alk ist doch noch mehr giftig und dabei voll legal ? LG

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