Sonntag, 22. Dezember 2019

Willkommen in der Hanf-Küche

Was sind die Unterschiede zwischen Hanfsamenöl und CBD-Öl?


Während sich viele Dinge zum Positiven wenden, ist die öffentliche Aufklärung bezüglich Hanfprodukten weiterhin relativ gering, besonders was die Waren betrifft, die CBD enthalten. Da wir unserer Leserschaft jedoch schon häufig davon berichteten, dass CBD nicht keine psychoaktiven Effekte bewirkt, oder dass CBD kein medizinisches Marihuana ist, müssen wir uns in diesem Artikel mit den damit zusammenhängenden Fragen auch nicht mehr beschäftigen. Auf der anderen Seite, es gibt schließlich Dutzende Hanfprodukte auf dem Markt, sind einige möglicherweise leicht mit CBD-Hanföl zu verwechseln. Um die Dinge diesbezüglich ein wenig zu erläutern, schauen wir uns hier einmal eine der am häufigsten vorkommenden Substanzen und Gebrauchsformen an, die mit der uralten Cannabispflanze in Verbindung stehen – Speiseöl. Wir werden dabei auch erklären, wie derartige Öle sich im Vergleich zu CBD-Hanföl bezüglich der medizinischen und gesundheitsförderlichen Eigenschaften unterscheiden.

Nicht alle Öle werden auf gleichem Weg hergestellt

Beginnen wir mit dem Grundlegenden: In der Theorie, der weitestgehenden Kategorie, beinhaltet der Schrimbegriff Cannabisöl CBD-Hanföl, medizinische Öle, Speiseöle zum Kochen, industrielles Öl und so weiter. Ebenso zählen alle anderen Öl-Extrakte der Cannabispflanze dazu. Praktisch hingegen, wird der Begriff relativ selten genutz, schließlich ist er zu umfassend und undeutlich und könnte reichhaltiges THC-Öl genauso wie unschuldiges Hanfsamenöl zum Kochen bedeuten. Da man zwischen populärem RSO-Öl oder Hasch-Öl – das aus den Blüten der Cannabispflanze gewonnen wird – und aus dem aus Samen gewonnenen Hanfsamenöl unterscheiden möchte, ohne große Verwirrung zu stiften, differenziert man die unterschiedlichen Produkte bei der Benennung lieber. Selbst Nahrungsergänzungsmittel wie CBD-Öl fielen ansonsten in den Oberbegriff. Stattdessen wurde der Begriff „Hanföl“ übernommen, um sich auf ölige Substanzen zu beziehen, die aus Hanf in Industriequalität (Cannabis Sativa L. mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 %) gewonnen werden. Aber dennoch – es kann für Industrie-, Kosmetik- und Speiseöle sowie für CBD-Hanföle verwendet werden. Um dieses letzte Rätsel zu lösen und den Sachverhalt zu klären, wird der Begriff „Hanfsamenöl“ im Allgemeinen für die erste Produktgruppe verwendet. Was sind die praktischen Konsequenzen dieser letzten Einschränkung? Nun, es grenzt effektiv zwischen einer Gruppe von CBD-reichen Produkten (medizinischen Produkten und Nahrungsergänzungsmitteln) und der großen Gruppe von Hanfölen ab, die ihre Anwendung in der Industrie oder in der Küche gefunden haben. Wie wir sehen werden, beruht diese Unterscheidung nicht nur auf den Funktionskriterien – Hanföle werden auch ganz anders hergestellt als CBD-Hanföle. 

Under Pressure – wie wird Hanfsamenöl gewonnen?

Wie bereits erwähnt, findet man den grundlegenden Unterschied zwischen Hanf- und CBD-Ölen bereits in der Herstellung. Während CBD-Öle auf Hanfbasis die Extrakte der gesamten Pflanze sind (die Extraktionsmethode spielt hier eine untergeordnete Rolle, obwohl das reinste Produkt bei der superkritischen Kohlendioxidextraktion anfällt), werden Hanföle – ihr habt es bereits erraten – ausschließlich aus kalt gepresstem Hanfsamen hergestellt. Diese Produktionsweise hat Konsequenzen für die physikalischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften der Hanföle. Lasst uns hier einen Moment innehalten, um einen Blick auf die erste Gruppe der Qualitäten zu werfen und die weitere Verarbeitung von Hanfsamenölen zu verfolgen. Frisch gepresstes Hanföl ist eine dickflüssige bräunliche bis hellgrüne Flüssigkeit. Es hat einen nussigen Geschmack, etwas „grasiger“, wenn seine Farbe dunkler ist. In dieser Form wird es normalerweise zum Kochen verwendet, aber für andere Anwendungen wird es einer Raffination unterzogen.

Nach dem Raffinieren ist Hanföl klar und nahezu transparent mit einer hellgrünen Farbe. Der Geschmack wird sehr schwach und so wie der Geschmack verschwunden ist, sind auch die Vitamine und Antioxidantien im raffinierten Produkt verflüchtigt. Hanföle werden sowohl in kosmetischen Produkten als auch in industriellen Anwendungen verwendet – sie werden zur Herstellung von Farbstoffen, Farben, Schmiermitteln und sogar Kunststoffen verwendet. Das Interesse an der Verwendung von Hanfölen bei der Herstellung von Biokraftstoffen wächst ebenfalls.

Obwohl die industriellen Anwendungen von Hanföl interessant sind, ist es erwähnenswert, dass raffiniertes Öl einen großen Teil seiner Nährwerte und gesundheitlichen Vorteile verliert – somit wird es auch für uns recht uninteressant. Schauen wir uns daher nun die Eigenschaften vom nicht raffinierten Produkt an, das heißt, hauptsächlich von Speiseöl, damit es später mit denen von CBD-Hanföl verglichen werden kann.

Was sind die Vorteile von Hanfsamenöl?

Hin und wieder wird man auf die Behauptung stoßen, dass „Hanfsamenöl das neue Kokosöl ist“. Nun, wir sind keine Spezialisten auf dem Gebiet der Diät-Hypes, aber es muss zugegeben werden, dass daran tatsächlich etwas zu stimmen hat: Unraffinierte Hanföle haben eine Reihe von ernährungsphysiologischen Eigenschaften und sind ein einfaches einheimisches Produkt, das seit Jahrhunderten bekannt ist.

Der am häufigsten genannte Vorteil von Hanfölen ist ihr hoher Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega-3 und Omega-6. Diese Säuren werden auch „essenzielle Fettsäuren“ genannt – und das sind sie auch! Tierische (und menschliche) Organismen können diese Säuren nicht einfach selbst synthetisieren, daher muss man sich über die Nahrung mit ihnen versorgen. Omega-3- und Omega-6-Säuren spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Funktionen des Herz-Kreislauf- und Nervensystems, wirken sich auf den Zustand von Haut und Haaren aus und regulieren den Lipidhaushalt. Da Fisch die Hauptquelle dieser Säuren ist, ist die Auswahl der richtigen Pflanzenöle besonders wichtig für Veganer und Vegetarier. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren kommen in vielen verschiedenen Pflanzenölen vor, manchmal in erheblichen Mengen. Was Hanföl jedoch auszeichnet, ist das perfekte Verhältnis dieser Säuren – etwa 1: 3 (Omega-3 zu Omega-6). Dieser „Goldene Schnitt“ passt perfekt zu den Bedürfnissen des menschlichen Organismus, daher können Hanföle ein ständiger Bestandteil der Ernährung sein. Und dies ist beispielsweise bei anderen Pflanzenölen nicht immer der Fall – während Leinsamenöl einen höheren Anteil an Omega-3-Säure als Hanföl enthält, beträgt das Verhältnis dort von Omega-3 zu Omega-6 … 3: 1 – genau das Gegenteil des „Goldenen Schnittes”!

Hanföl enthält neben den essenziellen mehrfach ungesättigten Fettsäuren in optimalen Anteilen auch die Vitamine A und E, Magnesium und Zink.

Aufgrund seines reichen Nährwerts (sowie der relativen Verfügbarkeit – schließlich handelt es sich um ein einfaches heimisches Produkt, was zum Beispiel nicht über Kokosnussöl gesagt werden kann) gewinnen Lebensmittelprodukte aus Hanf immer mehr an Aufmerksamkeit. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Hanföl einen relativ niedrigen Siedepunkt hat und viele seiner Nährwerte nach dem Erhitzen des Öls über einer bestimmten Temperatur verloren gehen. Hanföl ist daher nicht zum Braten geeignet – es wird am besten roh verzehrt, zum Beispiel zu Salaten, Soßen und Dressings gegeben oder einfach mit einer Scheibe Brot gegessen.

Wie es bei den meisten Cannabisprodukten der Fall ist, hat Hanföl reiche ernährungsphysiologische Eigenschaften, und der Hype, der sich allmählich um dieses Produkt herum entwickelt hat, ist völlig verständlich. Bevor wir jedoch Hanföl zu einem weiteren Superfood erklären und damit beginnen, unsere Haare darin zu waschen, sollte man einige seiner Einschränkungen kennen. Eines der wichtigsten Punkte ist: Aufgrund seiner Zusammensetzung und Methode kann Hanföl in keiner Weise CBD-Produkte ersetzen!

Hanfsamenöl und CBD-Hanföl – was sollte ich wählen?

An diesem Punkt, nachdem sich einige Leser über die Vorteile von Hanföl informiert haben, wundern sich diese vielleicht – und was ist mit den Cannabinoiden, über die wir normalerweise so viel schreiben? Und das ist das Problem.

Es stellt sich heraus, dass Hanfsamen zwar eine fantastische Quelle für viele ernährungsphysiologische Inhaltsstoffe sind, sie sich jedoch durch einen eher geringen Gehalt an den wertvollen (insbesondere aus therapeutischer Sicht) Cannabisverbindungen auszeichnen – den Cannabinoiden. Infolgedessen enthält das aus den Samen gepresste Öl auch einen äußerst geringeren Gehalt an Cannabinoiden. Diese Eigenschaft ist direkt auf den Prozess der Biosynthese zurückzuführen, in dem die Cannabinoide hergestellt werden – ein Prozess, der erst einsetzt, wenn eine Pflanze zu wachsen beginnt (dies gilt umso mehr für THC – das psychoaktive Cannabinoid, das in Spuren in Hanfölen ganzer Pflanzen enthalten ist – Samen enthalten buchstäblich kein THC). Diese einfache Regel gilt auch für Cannabidiol – das am häufigsten vorkommende Cannabinoid von Hanf und dasjenige, das sich durch das reichhaltigste Spektrum an gesundheitsfördernden und therapeutischen Anwendungen auszeichnet.

An dieser Stelle ist die Frage, ob Hanföl oder CBD-Hanföl verwendet werden soll, bedeutungslos und das logische Äquivalent für die Entscheidung für Olivenöl oder Rizinusöl. Hanföle, einschließlich Speiseöle, und CBD-Hanföle sind zwei getrennte Produktklassen mit unterschiedlichen Anwendungen! Während die erste Gruppe sicherlich in einer Küche nützlich ist – ihr Nährwert und ihr ideales Fettsäurenprofil dienen unserer Gesundheit – wird die letztere Kategorie von Cannabisprodukten für ihre gesundheitlichen Vorteile verwendet. Formal handelt es sich entweder um ein Medikament (noch nicht auf unserem Markt) oder ein Nahrungsergänzungsmittel. Öle aus Samen zur Verbesserung der Gesundheit oder sogar für therapeutische Zwecke zu verwenden, wäre nicht wirklich praktikabel, genauso wie es irgendwie irrational wäre, spezielle CBD-Hanföle zum Kochen zu verwenden (geschweige denn aufgrund des Preises …).

Es gibt jedoch einen Anwendungsbereich, in dem sich das CBD-Hanföl erfolgreich (und im wahrsten Sinne des Wortes) mit dem zum Kochen verwendeten Hanföl mischen lässt. Alle Studien zeigen, dass Cannabidiol in der fetthaltigen Umgebung viel besser resorbiert wird – daher enthalten CBD-Kapseln häufig beispielsweise Sesamöl und CBD-Extrakte und einige Zusatzstoffe von Speiseölen. Im Fall von CBD-Hanföl mit besonders guter Qualität wird die zu bevorzugende ölige Umgebung wahrscheinlich selbst durch die reichhaltige Anwesenheit von CBD-Ölextrakten und anderen Cannabinoiden verursacht, aber es schadet nicht, den Fettgehalt Ihrer Mahlzeit vor der Einnahme von CBD zu erhöhen – zum Beispiel mit Hanföl. 

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Final ist es hier wichtig, das entscheidende Thema der CBD-Hanföle zu erwähnen – ihre Qualität. Während bei Hanfölen der Einsatz eines nicht raffinierten und kalt gepressten Produktes tatsächlich alle Ansprüche erfüllt und den optimalen Gehalt an nützlichen Inhaltsstoffen garantiert, ist dies bei Nahrungsergänzungsmitteln mit gesundheitsfördernden Eigenschaften wie CBD-Hanfölen nicht der Fall. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, auf die verwendete Extraktionsmethode, die Qualität und die Reinheit des Extrakts sowie auf den vollständigen Gehalt an natürlich vorkommenden Cannabinoiden zu achten.

Text von Robert Kania / Übersetzung aus dem Englischen von mze


Quellen:

C. Leizer, D. Ribnicky, A. Poulev, S. Dushenkov, I. Raskin : The Composition of Hemp Seed Oil and Its Potential as an Important Source of Nutrition

http://www.extsoilcrop.colostate.edu/CropVar/documents/oilseeds/alternative_oil/potential_of_hemp_seed_oil.pdf

Hemp Oil VS. CBD Oil: What’s the Difference?

http://www.chronictherapy.co/hemp-oil-vs-cbd-oil-whats-the-difference-2/?age-verified=b9d13f2d8f

M. Petrović, Ž. Debeljak, N. Kezić,P. Džidara PRelationship between cannabinoids content and composition of fatty acids in hempseed oils.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25306338

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