Sonntag, 3. November 2019

Deutscher Erfinder konstruiert Cannabis-Automaten

Eine Satire von Sadhu van Hemp


Noch ist es nur Gemunkel, dass die Niederlande sogenannte „Jointjematen“ zulassen wollen. Niemand weiß Genaues nicht, doch Insider sehen einen epochalen Wandel im Cannabisfachhandel voraus. Das Hanf Journal machte sich auf die Spur des Gerüchts, die in ein Sanatorium nach Berlin-Wittenau führte. Dort trafen wir Diplom Ingenieur Daniel Dübelmacher – den Erfinder des „Jointvollautomaten“.

Herr Dübelmacher, Sie sind der Schöpfer der „Jointbox 3000 kompakt“, für die Sie ein weltweites Patent angemeldet haben. Womit genau möchten Sie die Hanf-Community beglücken?

Also, das ist so: Vor etlichen Jahren verschlug es mich beruflich ins niederländische Städtchen Emmen, um im örtlichen Coffeeshop die Qualität der angebotenen Haschisch- und Marihuanasorten zu testen. Nach der Verkostung war ich natürlich wie alle anderen Probanden knalledicht und mein Magen knurrte vor Hunger. Der Zufall wollte es, dass ich plötzlich vor einem Automaten stand, an dem man Fastfood ziehen konnte, also Frikandel, Bitterballen, Pommes und solch Zeug. Für jemanden, der einen Fressflash hat und für den langes Anstehen an der Frittenbude zur Qual wird, war das genial. Der Automat brachte mich dann auf die Idee, so etwas auch für Joints zu erfinden.

Na nun, Herr Ingenieur, das ist ja kein so besonders sensationeller Geistesblitz. Zigaretten-Automaten gibt es, seit es die Zigarette gibt.

Das ist nicht vergleichbar. So eine Grastüte ist doch Frischware wie eine Tüte Pommes mit Mayo. So etwas könnt Ihr nicht einfach aus einem Zigarettenautomaten heraus verkaufen. Ein richtig schöner Joint muss von Hand frisch gewickelt werden. Alles andere wäre Unkultur und Frevel am guten Geschmack! Nein, mein Jointvollautomat funktioniert wie der Fressautomat in Emmen, alles frisch zubereitet und nur beste Zutaten aus biologischem Indooranbau.

Und Sie glauben ernsthaft, dass die Niederländer Ihren Jointvollautomaten genehmigen?

Aber ja! Nach ersten Telefonaten mit den zuständigen Behörden bin ich zuversichtlich, was eine flächendeckende Cannabisgrundversorgung in den Niederlanden durch meine Automaten betrifft. Ich will gar keinen Hehl daraus machen: Alle, denen ich meine Erfindung vorgestellt habe, waren hellauf begeistert.

Auch die Coffeeshop-Eigner?

Nee, die natürlich nicht! Die würden mir am liebsten den Hals umdrehen, ist doch klar! Ich breche deren Monopol und meine unschlagbaren Preise werden viele Coffeeshops ruinieren. Ich mache nämlich ehrliche Preise, und das mit Geld-zurück-Garantie bei Reklamationen.

Wie viel muss man denn dann für so einen Automaten-Joint berappen?

Kommt darauf an. Der „Little Kushy Junior“ kostet nur 99 Cent. Der „Extra long Haze Ultra“ liegt bei 2,49 Euro, und für die Dame gibt’s schon ab 1,49 Euro den „Chocolate Chili Kush Domina“. Der teuerste Joint ist der „Brains XXL-Damage King Size Family“ für 9,99 Euro. Ihr seht, mein Sortiment lässt keine Wünsche offen – und das für kleines Geld.

Das hört sich gut an. Sie scheinen ein Mann vom Fach zu sein, Herr Dübelmacher. Und wo werden die Jointvollautomaten aufgestellt?

Die Niederländer wünschen vor allem eine hohe Automatendichte an den Landesgrenzen, auf Tankstellen und Bahnhöfen. Auch die Duty-Free-Shops der Flughäfen und England-Fähren sollen bestückt werden. Fürs Erste sind 10.000 Automaten im Gespräch. Das ist schon ein beachtliches Auftragsvolumen, für das ich noch einen finanzstarken Investor suche.

Ach! Und diesen Investor glauben Sie zu finden?

Ich habe Anfragen namhafter Industrieunternehmen aus Kanada, Uruguay und den USA. Auch Interessenten aus den Niederlanden, Luxemburg und Nordkorea wurden bereits vorstellig. Ich tendiere aber eher zur Kooperation mit einer deutschen Manufaktur, die deutsche Wertarbeit abliefert und somit meinem deutschen Erfindergeist gerecht wird. Gestern hatte ich Besuch von zwei Start-up-Unternehmern aus Nordrhein Westfalen, die von der Landeregierung die Zusage bekommen haben, nach der Rodung des Hambacher Forst dort eine Produktionsstätte für die Massenfertigung des Jointvollautomaten in Betrieb zu nehmen.

Toll! Wirklich toll, was Sie uns hier erzählen, Herr Dübelmacher. Doch wie genau funktioniert Ihr Jointvollautomat eigentlich. Wie muss man sich das vorstellen? Ist das so eine Art Imbissbude oder Dixie-Coffeeshop?

Mann, Mann, Mann, Ihr seid aber auch selten phantasielos. (Dübelmacher stellt ein Modell aus Pappe auf den Tisch.) Hier, das ist mein Baby: die „Jointbox 3000 kompakt“. Zunächst könnte man denken, das ist ein Snack-Automat, wie man ihn in jeder Kantine findet. Insgesamt habe ich 999 Auswahlmöglichkeiten programmiert. Man wählt also die Nummer des gewünschten Joints, wirft Geld ein, und schon wird das entsprechende Gras in Papier gerollt – fertig ist das Rauchgerät. Der Vorgang dauert etwa zwei Minuten, bei XXL-Joints entsprechend länger.

Okay –! Das sieht hübsch aus, das Gehäuse. Und wie funktioniert die Box nun genau? Gibt’s dazu auch einen Konstruktionsplan.

Ja, sicher doch! Den behalte ich aber lieber im Kopf. Dort ist er diebstahlsicher. Hier in Wittenau gibt’s einfach zu viele Spione. Aber guckt hier! (Dübelmacher öffnet den Deckel des bemalten Schuhkartons.) Das ist die Maschine von innen. Das Ding funktioniert gänzlich ohne Stromzufuhr von außen. Ja, ja, Ihr seht richtig, das da in der Mitte ist das Modell eines Ergometers. Damit wird der Strom erzeugt, auch für die Lampen in der Growecke. Da staunt Ihr, was! Das Gras wächst vor Ort in der Box, wird automatisch geerntet, getrocknet, dann manikürt und schließlich zu Joints verarbeitet. Das ist ein in sich abgeschlossenes Öko-System, klimaneutral und geräuscharm.

Wie jetzt? Das ist alles? Keine weitere Mechanik und Elektronik. Und welche Maschine sitzt auf dem Heimtrainer, hegt und pflegt die Pflanzen und dreht die Tüten?

Wie doof seid Ihr denn? Das macht natürlich alles der Maschinist. Wer sonst?

Aha! Und der strampelt dann den lieben langen Tag auf dem Ergometer. Und wenn einer eine Münze einwirft, dann baut dieser Maschinist den Joint.

Genau so! Ihr habt es erfasst, Freunde. Genial, nicht wahr? Ja, ja, ich weiß: Ihr fragt Euch jetzt, wie sich das rechnet, wenn Personal in der Box sitzen und strampeln muss, damit sie funktioniert. Ganz einfach: In Deutschland wimmelt es doch vor Leuten, die sich widerstandslos als Billiglöhner ausbeuten lassen. Millionen Menschen warten nur darauf, endlich ein anständiges Einkommen zu erzielen, ohne sich krumm zu machen. Meine Erfindung garantiert gutes Geld und hält fit. Wer als Subunternehmer eine „Jointbox 3000 kompakt“ pachtet und betreibt, hat überdies nicht nur einen sicheren und gutbezahlten  Arbeitsplatz, sondern auch einen mietfreien Schlafplatz – und das auch schon mal in bester innerstädtischer Lage. Der Aufsteller ist immer seines eigenen Glückes Schmied und kann frei entscheiden, ob er lieber ganzjährig vor Schulen und Kindertagesstätten oder nur in der Sommersaison in Strand- und Freibädern betriebsbereit sein will. Ich denke, da werden sich genug Bewerber finden, für die der Job in der Jointbox ein Traumberuf ist. Einziges Einstellungskriterium ist, dass die Bewerber gerne kiffen und wissen, wie man einen Ergometer und Joints kurbelt. (Diplom Ingenieur Daniel Dübelmacher schließt den Schuhkarton und schiebt ihn beiseite.) So, und um Euch zu beweisen, dass man mich zurecht den Einstein von Wittenau nennt, erläutere ich Euch jetzt meine allerneueste Erfindung – den „Vapofix Highmat Deluxe“ für den gesundheitsbewussten Hanffreund. Gleiches Prinzip wie beim Jointvollautomat, nur dass man den Kopf in die Box steckt und ein Hanfdampfbad nimmt. Soll ich Euch das mal aufmalen?

Nee, nicht jetzt, Herr Dübelmacher! Ein anderes Mal vielleicht. Eine Erfindung genügt für heute. Kommen Sie, wir bringen Sie dann zurück auf Ihre Station.

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