Samstag, 27. Juli 2019

Klimaschutz über allem?

Die Lektüre von „Szenen aus dem Herzen – Unser Leben für das Klima“ lässt Fragen offen


Es gibt wohl wenige Personen, die in letzter Zeit so im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung standen wie die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Selten wurde einer einzelnen Person in solch jungem Alter so viel mediale Aufmerksamkeit zu Teil. Greta Thunberg hat es definitiv verstanden, diese Aufmerksamkeit für ein ihr am Herzen liegendes Thema einzusetzen, das uns alle betrifft und das uns allen ein wichtiges Anliegen sein sollte. Greta setzt sich für den Klima-Schutz ein wie keine andere. Sie sprach vor den Wirtschaftsführern in Davos und wollte, dass diese aufgrund ihrer Aussagen Angst bekommen und die Wirtschaftspolitik umweltfreundlicher gestalten. Sie initiierte die allwöchentlichen Schulstreiks für das Klima, die in Deutschland jeden Freitag stattfinden beziehungsweise stattfanden. 

Der Ruhm und der Kampf für die gute Sache besitzen jedoch auch ihre Schattenseiten. Greta wurde von vielen Großkopferten aus Politik und Wirtschaft vehement kritisiert, da ihre umweltpolitischen Forderungen zu überzogen, nicht durchführbar und auf Lasten der ohnehin schon Armen betrieben würde. Im Netz „dissen“ Trolls und Personen des eher nationalpopulistischen Spektrums Greta auf eine Art und Weise, die nicht nur nicht fair ist, sondern eindeutig unterhalb der Gürtellinie verläuft. Wer diesbezüglich Zweifel oder Fragen hat, der sollte sich mal die entsprechenden Kommentare auf Facebook und auf anderen sozialen Kanälen anschauen. 

Nun hat Greta im S. Fischer Verlag noch eins drauf gesetzt und mit „Szenen aus dem Herzen – Ein Leben für das Klima“ ein Buch über ihr Leben herausgebracht. Die Frage ist, ob sie sich damit einen Gefallen getan hat, denn das Buch argumentiert nicht nur streng klima- und umweltpolitisch, sondern ist in erster Linie ein psychologisch-voyeuristisches Buch, dessen Lektüre beinahe schon weh tut. Denn in erster Linie ist das Buch von Gretas Mutter verfasst worden, die in allen Einzelheiten Krankheiten, Probleme und Zerwürfnisse der Familie Thunberg offenlegt. Man mag darüber streiten, ob es als Prophylaxe gegen Angriffe von Rechts nicht gut ist, von sich aus alle Schwächen aufzudecken, aber in dieser Detailliertheit und Offenheit hätte es meines Erachtens nicht des Seelen-Stripteases der Familie Thunberg bedurft.
Zum Inhalt: Greta Thunberg gilt ja bekanntlich als die junge Klimaaktivistin, die die Mächtigen das Fürchten lehrt. Das Buch „Szenen aus dem Herzen – Unser Leben für das Klima“ ist ihre ganz persönliche Geschichte und die ihrer Familie. Aber es ist vor allem eine Geschichte über die Krise, die uns alle betrifft.

„Szenen aus dem Herzen“ erzählt vor allem aus dem inneren Kern der Familie: Zum Beispiel, wie die Eltern Malena und Svante mit Gretas Asperger-Syndrom und den Krankheiten ihrer Schwester Beata umgehen. Und: wie Greta zum ersten Mal vom Klimawandel hörte und sie seitdem nicht mehr aufhören konnte, über dieses die Menschheit bedrohende Problem nachzudenken. Das Buch erzählt, wie sie ihre kleine Schwester Beata und ihre Eltern davon überzeugt, für das Klima zu kämpfen. Die schwedischen Celebrity-Eltern beschließen daraufhin, nicht mehr zu fliegen und überhaupt ihre gesamten Lebensgewohnheiten grundlegend zu ändern – für das Klima und für die Zukunft.
Das Buch reicht bis zu Gretas erstem Schulstreik im August 2018 und erzählt, wie Greta Thunberg die wurde, die sie heute ist – Vorbild, Inspiration und Ikone des Klimaschutzes.

Der Verlag fügte der Buchwerbung noch eine Mitteilung der Familie hinzu: 

»Vor der Veröffentlichung dieses Buchs haben wir festgelegt, dass das Geld, das wir damit eventuell verdienen, an Greenpeace, WWF, die Institution für tiergestützte Pädagogik und Therapie Lära med djur, den Schwedischen Naturschutzverein und dessen Jugendumweltorganisation Fältbiologerna, den Verein für Menschen mit Beeinträchtigungen Kung över Livet, Kinder in Not und die Tierschutzorganisation Djurens Rätt geht.
Und so ist es.
PS: Das haben Greta und Beata entschieden.
«

Damit wollen die Thunbergs natürlich möglichen Vorwürfen vorgreifen, dass sie das Buch aus Profit- und Profilierungssucht geschrieben hätten.

Diese Vorwürfe werden aber – dafür muss man kein Hellseher sein – dennoch auftauchen. Und Kritik wird das Buch ebenso erfahren, diese meines Erachtens zu Recht. Selten fiel mir die Bewertung eines Buches so schwer. Auf der einen Seite beinhaltet das Buch viele wichtige, paradigmatische Aussagen in Sachen Klimaschutz und Umweltpolitik. Auf der anderen Seite werden wiederholt und massiv Zusammenhänge postuliert, die in dieser Form fragwürdig sind. Gretas Mutter postuliert beständig, dass der Turbo-Kapitalismus und die umweltzerstörerische Art zu leben kausalursächlich für die zahlreichen Erkrankungen der Familie (die Mutter hat ADHS, die Töchter Asperger, Autismus etc.). Dieser Kausalnexus scheint mir in dieser Form nicht gegeben zu sein. So bedauerlich die Klimapolitik und die Umweltzerstörung auch sein mögen: Wir können beiden nicht die Schuld für ganz persönliche, auch genetisch bedingte Krankheiten geben. Bezüglich der Schlussfolgerung, dass viel für Klimaschutz und gegen die Umweltzerstörung getan werden muss, gehe ich wieder konform. „Szenen aus dem Herzen“ ist insofern an dieser Stelle nur bedingt zur Lektüre empfohlen, es sei denn, man ist ein eingefleischter Greta-Fan. Vielversprechender klingt das in „Szenen aus dem Herzen“ angekündigte Buch, das sich dann ausschließlich dem umweltpolitischen Tun von Greta widmet. Dafür hat die Mutter bereits hier eine Steilvorlage geliefert, denn viele wesentliche Einsichten in Sachen Umweltschutz und Klimapolitik hat sie an dieser Stelle bereits vorweggenommen.

Christian Rausch

10 Antworten auf „Klimaschutz über allem?

  1. Georg Elser

    Der durch den Menschen beschleunigte Klimawandel hat einen sehr langen Rattenschwanz , dessen ausmass sogar die Friday for Future Demonstranten übersehen . Wo sind die Feinstaubmasken bei den Demos ? Tausende Demonstrierende Schüler mit Feinstaubmasken , da bekommen sie alten Alkoholiker schnell große bedenken .
    Wenn giftige Chemikalien, aus Handelsüblichen Produkten der Pharmaindustrie , die DNA ungeborener schädigen können , dann bekommen die bestimmt später, nicht nur mal eben kleinen schnupfen .
    Die vielen Pharmaskandale der letzten Jahre, sind das Testament dieser Pharmamafia .
    Nur ein Toter Pharmavertreter ist ein guter … .

  2. Jo

    Hanf kann eingesetzt werden um das Klima nachhaltig zu verbessern. Man müsste nur überall Samen ausbringen.
    Warum dazu nichts erwähnt wird ist mir allerdings Rätselhaft. Und über die tollen Eigenschaften dieser Pflanze in bezug auf den Klimawandel erhoffe ich mir in Zukunft mehr Artikel.

    Legalisierung jetzt! Denn es geht um Menschen und die Natur.

  3. R. Maestro

    Warum haben wir hier noch keine(n) neue(n) Drogenbeauftragte(n)?

    Hat man noch kein geeignetes Mietmaul gefunden?

    Vermutlich! Muss wohl so sein!!!

  4. R. Maestro

    @Horst Ebert
    Es hat sehr viel mit Hanf zu tun.
    Vor dem bescheidenen Verbot bestand das meiste aus Hanf. Aus nachwachsendem, verrotbarem Rohstoff.
    Dies wäre nachhaltig, nicht das politisch geförderte, subventionierte Leben in einer Kunstwelt, Matrix.
    Ausbläser versuchen uns zu vermitteln, man könnte allein damit existieren, überleben.
    Was nicht stimmt.

  5. Rainer Sikora

    Der Kapitalismus ist sehr wohl ein Grund die Pflanze zu untergraben unterbinden,und hat viel Natur zerstört.Die Geldgeier nehmen auch keine Rücksicht auf andere.Krankheiten sind koleteralschäden,weil bei denen immer das Geld an erster Stelle steht.

  6. R. Maestro

    ALLES läuft mittlerweile auf Kapitalismus heraus.
    Dies Ziel in den Augen, vergisst meisster jegliche Moral, jeden Respekt vor lebenswertem Leben oder zumindest humanem Sterben.
    Die Gier hat unserer Politik jegliche Empathie geraubt.
    Ein Tier bekommt einen Gnadenschuss.
    Der Mensch wird bis zum Letzten ausgenommen, bis zum Ableben.
    Humanität? Diese ist längst tot. Wie die Moral!
    Wenn Ärzte um (m)ein Leben kämpfen, und Bullen sehen wie einen ficken können. Dann weiss ich, wovon ich spreche!!

  7. Ralf

    “ Gretas Mutter postuliert beständig, dass der Turbo-Kapitalismus und die umweltzerstörerische Art zu leben kausalursächlich für die zahlreichen Erkrankungen der Familie (die Mutter hat ADHS, die Töchter Asperger, Autismus etc.). „……..ist!
    Das fehlt hier, ich hab`s ergänzt, kann passieren.
    Natürlich kann der erbarmungslose Sozialdarwinismus auch genannnt Turbokapitalismus oder Neoliberalismus bei denen psychische Krankheiten auslösen, die nicht mit der Kraft ausgestatttet sind, die Ängste und Frustrationen, die er verursacht, einfach so wegzustecken. Wer leugnet, daß burn out und/oder erhöhte Selbstmordraten, ADHS……usw. mit dem eiskaltem Materialismus und seiner dadurch immer sinnnloser werdenden Art zu leben zusammen hängen, versteht nicht viel von der von ihm verursachten Krankheit dieser Welt.
    Im Übrigen stimme ich mit den anderen Kommentatoren überein daß dieses Thema sehr viel mit Hanf zu tun hat. Ich habe aber das Gefühl daß der Autor entweder wenig informiert ist oder den Bogen zu einem FREIEN HANFANBAU, wie er von vielen, zusammen mit mir, schon jahrelang als ECHTE LEGALISIERUNG gefordert wird, mit Absicht nicht schlagen will.

  8. R. Maestro

    Diese morallose, selbstherrliche, korrupte Rotte.
    Man sehe sich nur mal Lügde an!!!

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