Dienstag, 23. April 2019

CBD und Alkoholismus

Über das Behandeln von Süchten mit Hanf.


Unter den vielen bemerkenswerten zuträglichen Eigenschaften von Cannabis lernen wir immer mehr über das Potenzial von CBD gegen Süchte wirksam zu sein. Glücklicherweise sind die Tage gezählt, in denen es paradox erschien, wenn man eine Sucht mit Cannabis behandeln wollte. Heutzutage weiß man eine Menge mehr über den größten medizinischen einsetzbaren Bestandteil – Cannabidiol – und weitere Studien spiegeln die vielversprechenden Ergebnisse wider. Es scheint sogar so, dass CBD dabei helfen kann, Alkoholismus zu behandeln, sowie auch denen Hilfe zuteil kommen lässt, die unter Tabak- oder anderer Drogensucht leiden. Wie es bei der bemerkenswerten Pflanze aber üblicherweise der Fall ist, ist der Effekt sehr vielseitig und facettenreich. Jedoch besteht hauptsächlich eine Verbindung zu den speziellen Mechanismen von Süchten, besonders im Bezug zum teuflischen Kreislauf des Verlangens und der Rückfälle. Lasst uns daher etwas genauer anschauen, wie CBD dabei helfen kann, Alkoholismus zu behandeln – sowie auch andere Süchte.

Ende März 2018 veröffentlichte Friedbert Weisse vom California Institute of La Jolla die Arbeitsergebnisse, welche er mit seinen Kollegen zusammen errungen hatte. Die amerikanischen Wissenschaftler studierten anhand von Ratten die Rückfallquote, welche durch Alkohol und Kokain ausgelöst wird. (Die Nager wurden konsequent zu einer Abhängigkeit getrieben, indem zuvor sie dauerhaften Zugang zu den Substanzen besaßen.) Die Ergebnisse der Forschung waren sehr vielversprechend und stimmten einheitlich mit den Resultaten aus anderen Studien überein – welche an Mensch und Tier durchgeführt wurden. Die Darreichung von CBD (in Form eines topischen Gels) ließ die Angst und den Stress effektiv senken, der mit dem Aussetzen des Konsums der zuvor eingenommenen Substanzen in Verbindung steht. (Auch stressige Situationen oder die neue Verfügbarkeit der Substanzen wurden überprüft.) Was wichtig ist, ist, dass der Effekt über viele Monate anhielt und sogar weit über die experimentelle Therapie hinausging. Natürlich bedeutet das nicht, dass die Süchte komplett ausgeschaltet und die Patienten geheilt wurden, doch um die Wichtigkeit der letzten Erkenntnis einschätzen zu lernen (ähnlich der anderen Studienergebnisse, die hier diskutiert werden), muss man zuerst die Mechanismen von Sucht verstehen lernen.

Was ist Sucht? 

Vorbei sind die Tage, in denen Sucht als ein ethisches Problem betrachtet wurde – man weiß mittlerweile, dass Sucht weder eine Sünde darstellt noch aufgrund schwacher Charakterzüge ausbrechen wird – es ist viel eher ein medizinischer Zustand.

Obwohl der Beginn und die Entwicklung der Sucht natürlich von der gesamten Bandbreite der äußeren Faktoren abhängen (soziale, kulturelle, ökonomische, Stoffexposition usw.), liegt es oft an der Quelle von fehlerhaften Neurotransmittern. Insbesondere bei einem auf Dopamin basierenden Belohnungssystem.  Simpel Zusammengefasst: Das Belohnungssystem eines Süchtigen ist hypersensibel. Wird eine solche Person einer Substanz ausgesetzt (oder auch einem Verhalten), welches das Belohnungssystem aktiviert, spürt der Abhängige eine derart starke Sensation von Erfülltheit, dass ein Abbruch der oft schädlichen Verhaltensweisen nahezu unmöglich wird. Die praktische Konsequenz für eine Person, welche für Süchte und Abhängigkeiten prädestiniert ist, ist, dass sie wesentlich schneller in eine krankhafte Abhängigkeit geraten kann als ein gesundes Individuum. Infolgedessen erscheint die große Mehrheit der Alkoholiker, Drogenabhängigen und Polydrug-Täter im medizinischen Sinne als süchtig – weil ihr Belohnungssystem nicht richtig funktioniert.

Natürlich darf in diesem Kontext jedoch auch nicht die Substanz selbst unterschätzt werden, da es davon viele mit unterschiedlichem Suchpotenzial gibt und diese auch die schädlicheren Nebenwirkungen mit sich bringen können (Tabak, Opiate z.B.). Aber selbst bei Substanzen wie Heroin werden „nur“ 15 Prozent der Nutzer davon dauerhaft abhängig – wovon alle dieser unglücklichen Individuen unter der Sucht leiden, die als der grundlegende medizinische Begriff verstanden wird, welcher etwas weiter oben im Text bereits erklärt worden ist.  Unter der Berücksichtigung von Verhaltensänderungen führt Sucht zu Symptomen wie dem dauerhaft nicht zu stillenden Verlangen, problematischem sozialen Verhalten, beeinträchtigten emotionalen Reaktionen, Schwierigkeiten bei der Beurteilung der eigenen Situation und letztendlich zu Rückfallsyndromen. Wie wir sehen können, ist es faktisch sehr schwierig Süchte ein für alle Mal zu „heilen“.

Das wird klar ersichtlich, betrachtet man den Begriff des „trockenen Alkoholikers“ oder „Antialkoholikers“, der nicht als „geheilt“ bezeichnet wird. Man sieht auch, dass bei den vielen Fällen von Süchten die Behandlungsziele auf die Symptome der Probleme gerichtet sind, anstatt auf die eigentliche Ursache. Dennoch sollte diese Herangehensweise nicht unterschätzt werden, da sie effektiv das Leben von Abhängigen retten kann.

Der Rückfall

Bevor wir uns auf die Rolle von CBD konzentrieren, die dieser Stoff aus Cannabis bei der Heilung von Suchtsymptomen spielen kann, sollten die Schlüsselmechanismen der Krankheit ein wenig erklärt werden – das schnelle Auftreten von Rückfällen. Wie man jedoch schnell erkennen sollte, ist eine Reduzierung des Rückfallverhaltens eine der vielversprechenden Eigenschaften eine CBD-Suchtthreapie.

Nur kurz nach dem Entzug von einer süchtig machenden Substanz entsteht das Verlangen nach diesem Stoff, was schnell zu einem Rückfall führen kann. Die chronologische Abfolge von Entzug, Verlangen und Rückfall stellt die größte Schwierigkeit bei den Behandlungen von Süchtigen dar. Aus diesem teuflischen Kreislauf entfliehen zu können, wird daher als Schlüsselelement in der Suchttherapie betrachtet. Zusätzlich zur Verhaltenstherapie kann ein Einfluss auf das Rückfallverhalten auf biologischer Basis unternommen werden, was äußerst hilfreich scheint. Der neurologische Mechanismus des Verlangens ist einem Ausgesetzt sein von Stress oder Angstgefühlen ähnlich. Dies funktioniert aber in zwei Richtungen: diese unangenehmen Situationen (Stessoren) dienen auch häufig als ein Auslöser für einen möglichen Rückfall.

Neben Stresssituationen, die ein Stichwort für einen Rückfall geben können, zählen beispielsweise auch schon das Erblicken der Substanz, oder nur eine Erinnerung an diesen Stoff, sogar nur eine Assoziation als Auslöser. Forschen fanden heraus, dass das Auftreten von Verlangen durch Glutaminsäure vermittelt wird – einem Neurotransmitter, der in hoher Konzentration im Hippocampus vorkommt; in einem Teil des Gehirns, welcher für das Erinnerungsvermögen verantwortlich ist. Aus diesem Grund können Rückfälle auch nach einer langen Zeit auftreten und alleine durch das Erwähnen von Alkohol oder Drogen ausgelöst werden. Und das ist es, was die Sucht so schwierig zu überwinden macht. Wie wir nun aber feststellen werden, kann Hanf und besonders CBD etwas Hilfreiches gegen dieses Verhaltensmuster beisteuern.



CBD und Abhängigkeit

So wie es häufig bei den vorteilhaften Eigenschaften von Hanf ist, ist auch der Mechanismus, über den CBD auf Patienten wirkt, ziemlich komplex. Cannabidiol kann bei der Behandlung von Abhängigkeiten auf drei bestimmte Hauptarten helfen. Als Erstes, wie schon bei präklinischer Forschung über Opiatsucht vermutet worden ist, reduziert CBD das gesamte Verlangen nach Stoffen, obwohl es nicht die Wirkungsweisen der jeweiligen Substanzen modifiziert – was im Gegensatz beispielsweise Methadon oder Spiral machen. Zusätzlich, nach der Gabe von CBD, wird der Kontakt zu der Substanz nicht mehr als derartig stressig empfunden, was die Rückfallquote effektiv senkt. Dies könnte faktisch damit zusammenhängen, dass CBD eine sehr geringe Menge von Glutamin enthält. (Cannabinoide beeinflussen somit nicht nur das Endocannabinoid System) Zweitens, eine der an besten bekannten Eigenschaften von CBD ist der Anti-Angst und Anti-Stress-Effekt. Und – wie bereits erwähnt – stellen Stress und Angstgefühle – zusammen mit dem direkten Kontakt zur Substanz – die stärksten Auslöser für Rückfälle dar.

Verringert man die stressigen Situationen, in welchen ein Abhängiger wieder zu seiner Droge greifen würde, kann CBD äußerst hilfreich dabei sein, den Kreislauf von Stress, Verlangen und Rückfall zu durchbrechen. Letztendlich, auch – wie schon zuvor beschrieben – ist es sehr schwierig davon zu sprechen, eine Sucht zu „heilen“. CBD wird sich aber vielleicht als hilfreiches Mittel beweisen, welches Abhängigen auf lange Sicht dabei dienlich sein könnte. Cannabidiol unterstützt die Regeneration des Nervensystems, welches durch Suchtverhalten verwüstet wird. CBD ist auch dafür bekannt neuroplastische Eigenschaften zu besitzen und kann so dazu beitragen, das überstimulierte Belohnungssystem eines Süchtigen wieder neu aufzubauen. 

Im Kontext zu Alkoholismus gibt es einen weiteren sehr wichtigen Aspekt bezüglich der Eigenschaften von CBD. Immer mehr Studien zeigen auf, dass Alkoholmissbrauch das Endocannabinoidsystem allmählich abbaut. Und genau dieses körpereigene System ist es, welche normalerweise dagegen wirkt sich exzessivem Konsumverhalten hinzugeben, indem es das Belohnungssystem herunter justiert. Exzessiver Alkoholkonsum fährt jedoch die Sicherungen des Endocannabinoidsystems herunter, indem es das natürliche Sicherheitssystem umgeht. In diesem Fall, falls der Körper versagt, muss Hilfe von außen angeboten werden. Eine Ergänzung mit aus Hanf gewonnenen CBD kann dabei helfen die Balance wiederherzustellen und zumindest einen gewissen Teil der durch Alkoholismus zerstörten Regionen reparieren. 

Am Ende sollte noch bemerkt werden, dass nach Aussage aktueller Studien, die Effekte von CBD auf das Reduzieren von Rückfällen für einen längeren Zeitraum bestehen bleiben – selbst über mehrere Monate trotz einer nur kurzzeitigen Behandlung. Zusätzlich weiß man, dass dieser Bestandteil aus Hanf natürlich und sicher ist und bereits relativ gut erforscht wurde. Natürlich, im Kontext zu Suchtmittelmissbrauch, ist es noch eine langer Weg für CBD als richtige Medizin anerkannt zu werden und daraufhin in regulären Therapien Verwendung zu finden. Derzeit sollten daher noch keine aus Pflanzen gewonnene Nahrungsergänzungsmittel (so wie CBD-Hanföl) einen Besuch bei einem Spezialisten ersetzen, doch die bislang gewonnenen Ergebnisse zeigen, dass Hanf möglicherweise eine große Hilfestellung für diejenigen bieten kann, die unter einer Sucht leiden.

Nicht nur bei Alkohol

Zusätzlich ist es Wert zu erwähnen, dass Hanf nicht nur im Kontext zur Alkoholsucht erforscht worden ist. Wie wir gesehen haben, stellt Sucht ein recht einheitlich wirkendes Verhalten dar, welches aufgrund eines gestörten Belohnungssystems hervorgerufen wird. In diesem Sinne muss CBD dabei hilfreich sein, gegen jede Form der Sucht wirksam angewandt werden zu können – hauptsächlich dadurch, weil die Rückfallquote vermindert wird.

Cannabidiol (und Hanf im Allgemeinen) wurde auch schon in etwas spezifischeren Zusammenhängen überprüft, wie der Sucht nach Tabak, Alkohol, Opioide (Cannabis geht eine besondere Synergie mit Opioiden ein, wodurch die Medikamentendosis und das Suchtrisiko reduziert werden) und selbst Marihuana. In all diesen Fällen waren die ersten Ergebnisse vielversprechend und ließen vermuten, dass CBD in der Zukunft eine unterstützende Funktion bei der Behandlung von Abhängigen einnehmen könnte. Noch recht wenig ist dagegen darüber bekannt, inwieweit Hanf dafür eingesetzt werden könnte, um Verhaltenssüchte erfolgreich einzudämmen – wie Sexsucht, Spielsucht oder Geldspielsucht. Man kann nur darüber spekulieren, dass die universellen Anti-Stress Eigenschaften von CBD ein Rückfallrisiko auch bei problematischen Verhaltensmustern verändern könnte. Dennoch – erst müssen bislang noch benötigte Studien darüber berichten können, dass Cannabis bei der Bekämpfung derartiger Süchte eine Rolle einnehmen kann.

*** Zum Schluss ist noch wichtig das Mantra zu wiederholen – die Tatsache, dass – nur weil einige Studien an Ratten und einzelne präklinische Untersuchungen an Menschen vielversprechende Resultate zum Vorschein brachten – Cannabis kein Wundermittel ist, welches Dies oder Das „heilt“. Zusätzlich darf man auch nie bei Cannabisprodukten von einer „Behandlung“ sprechen, da die hierzulande legal erhältlichen CBD-Öle einen Status als Nahrungsergänzungsmittel besitzen. Selbst wenn CBD einst „offiziell“ als eine Hilfe gegen den Kampf von Süchten wahrgenommen werden wird, so bleiben die Hanf-Nahrungsergänzungen nur eine effektive Substanz zur Unterstützung der medizinischen Therapien von Abhängigen. Eine umfassende professionelle Behandlung werden diese Mittel aus Hanf jedoch niemals vollständig ersetzen können. 


Quellen: Can the CBD Treat Addiction? CBD for Alcoholism: How Can Cannabis alleviate the Effects of Withdrawal Combating alcohol with CBD.
S. Elliott: New Study Confirms CBD Blocks opioid Reward, May Help TreatAddiction. Cuevas-Gonzalez, G. et al: Unique potential of cannabidiol treatment for the prevention of relapse of drug use are: Preclinical proof of principle. Neuropsychopharmacology, 2018. C. Hindocha: Cannabidiol is a Drug Useful for Treating Addictions? Martin Lee: Alcoholism and the endocannabinoidsystem. CJ Morgan Cannabidiol reduces cigarette consumption in tobacco smokers: preliminaryfindings. Non-psychoactive ingredient of cannabis could help addicts stayclean,Science Daily. M. Prud’homme and others: Cannabidiol as an Intervention for Addictive Behaviors: A Systematic Review of the Evidence.

2 Antworten auf „CBD und Alkoholismus

  1. R. Maestro

    Eine drogenfreie Gesellschaft will man ja auch gar nicht!
    Hauptsache der Staat verdient mit und Hanf wird niemals als Konkurrenz in Erscheinung treten.
    Die Panikmache bei Cannabis, wäre bei Alkohol angebracht.
    Aber im Süden insbesondere im Freistaat Reihern, äh, Bayern wird man ja richtiggehend ANGEFIXT daraufhin. Klar, die Alkoholsteuer kassiert der Staat, die Behandlungskosten zahlt die Kasse, respektive wir alle.
    Klar, ist Cannabis ein super Substitutions-Mittel. Schädlich ist dies natürlich für die Deppen, welche sehenden Auges Rauschgiftkonsum akzeptieren und befürworten, es ist zumeist die Kundschaft von morgen.
    Gelle, Dr. Thomasius?!
    Als Weinkenner, bzw. teils professioneller Rauschgiftkonsument zählt man was. Als Cannabis-Konsument ebenfalls. Da zählt man zu den Verbrechern.

    Und vorhin im TV: Landwirte sollen auf robustere Pflanzen ausweichen.
    Hanf wäre eine gute Alternative. Ein Konkurrent zu Hopfen. Damit schliesst sich der Kreis zur aktuellen Drogenpolitik.
    Reitet die Umwelt in die Vernichtung, sie wird sicher noch eine Legislaturperiode von Mutti und ihrem besten Gaul im Stall überleben. Was danach kommt ist ja scheißegal?!

    Die ganze „Natur“ ist mehr Chemie, als eben angebliche Natur. Beispiel: Baumwolle.
    Monsanto freut es, ebenso deren Aktionären und auch deren Korruptionsempfängern.

    Macht die Augen auf:
    Zum Profit einiger, scheisst man auf die Zukunft und die Umwelt aller.
    Eine sog. Fachfrau aus der bäuerlichen Landwirtschaft ebenfalls.

    Was hat Täuschland nach `45 gelernt? Verfolgung, Reduzierung, Ausgrenzung, Ideologien, …..
    Und nach Mutti und der Mortler wird es der Umwelt nicht besser gehen, da sie das Gegenteil forciert haben.
    Scheissegal, den Schein gewahrt, Gehalt und Pension gesichert, das reicht.
    Was juckt es die Eiche, wenn sich die Sau daran kratzt?!

    Und ehrlich: Unsere angeblich sinnvolle Drogenpolitik hat dem Begriff Jugendschutz jeglichen (moralischen) Wert genommen.

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