Montag, 15. April 2019

Cannabis-Wahnsinn in Bayern

Amtsgericht Lindau straft schwerbehinderten Armutsrentner wegen 000,63 Gramm Haschisch ab

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Der Anti-Hanf-Krieg auf deutschen Boden flammt wieder auf – besonders im Freistaat Bayern. Seitdem „wir es geschafft haben“, mit massiver Polizeipräsenz die Flüchtlingskrise zu meistern, nutzen die Strafverfolgungsbehörden die freigewordenen Kapazitäten zur fröhlichen Kifferjagd. Überall und nirgends liegen sie auf der Lauer, die Hüter des Gesetzes, bewaffnet mit Urinkontrollstreifen und Latexhandschuhen, um die zu selektieren, die sich nicht an das Hanfverbot halten. Wer sich im öffentlichen Raum bewegt und nur den Verdacht des Anscheins eines Cannabis-Konsumenten erweckt, hat beste Chancen auf ein gerüttelt Maß Polizeischikane.

 

Wie sich das anfühlt, erst von der Exekutive und dann von der Judikative wegen des Besitzes eines Krümels Haschisch abgewatscht zu werden, durfte ein 60-jähriger Mann in Lindau erfahren. Der Horror begann am Abend des 9. Januar auf dem Bahnhof des Inselstädtchens, als der Mann aus Maierhöfen kommend Richtung Friedrichshafen umsteigen wollte. Polizeibeamten erschien der Reisende verdächtig, und es kam zu einer Routinekontrolle im Bahnhofsgebäude. Was die Polizei nach der Computerabfrage der Personalien dazu veranlasst hat, den Mann auf illegale Genussmittel zu filzen, ist unklar. Der 60-Jährige war bis dato nicht als Straftäter in Erscheinung getreten und in seinem Leben nur wegen zwei Verkehrverstößen aktenkundig geworden. Allerdings ist er Mitglied in der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“.

 

Die Leibesvisitation förderte schließlich ein Krümelchen Haschisch zu Tage, das der zu seinen Eltern reisende Mann im Behälter eines Schokoladen-Überraschungseis aufbewahrte. Die Feinwaage der Polizei wies ein Gewicht 0,63 Gramm aus.

Doch statt den Mann mit einer Strafanzeige auszustatten und nach Friedrichshafen weiterreisen zu lassen, witterten die Beamten einen ganz großen Fang. Der „Schwäbischen Zeitung“ berichtete der 60-Jährige, dass es „bei dichtem Schneefall“ postwendend zurück nach Maierhöfen ins Allgäu ging, wo die Polizeibeamten seine Wohnung auf den Kopf stellten. Der Wunsch der Polizei, der internationalen Cannabis-Mafia eine schwere Niederlage zu bereiten und sich einen Landesverdienstorden zu verdienen, ging jedoch nicht Erfüllung. Kein noch so kleiner Haschgiftkrümel war zu finden. Und so blieb es bei einem Strafantrag wegen des Besitzes eines Haschpieces in der Größe einer Erbse.

 

In jedem norddeutschen Bundesland wäre das Verfahren gegen Zahlung eines kleinen Bußgeldes eingestellt worden – doch nicht so unter weißblauem Himmel. Letzten Mittwoch kam es zum Strafprozess im Amtsgericht Lindau. Die Staatsanwältin sah nach der Beweisaufnahme keinen Zweifel, dass sich der Angeklagte nach Paragraph 20 Betäubungsmittelgesetz eines Vergehens schuldig gemacht hatte, und verlangte Satisfaktion in Form einer Geldstrafe von 1800 Euro.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten forderte in seinem Plädoyer die Einstellung des Verfahrens, indem er sich auf ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts berief, wurde aber vom Richter eines Besseren belehrt. Eine Einstellung sei nur möglich gewesen, wenn der Angeklagte mit einer blütenreinen Weste auf der Anklagebank gesessen hätte. Die Einträge wegen der beiden Vergehen im Straßenverkehr reichten aus, den Delinquenten nicht zu verschonen und wegen des Besitzes von 0,63 Gramm Haschisch zu verurteilen.

Das Gericht blieb in der Strafzumessung unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Am Ende wurde der Schuldspruch mit 30 Tagessätzen à 15 Euro garniert. Die Strafe wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Die Prozesskosten hat der 60-Jährige zu tragen.

 

Der eigentliche Skandal ist jedoch, dass zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt wurde, dass der Angeklagte seit einem schweren Verkehrsunfall vor 40 Jahren unter epileptischen Anfällen leidet und zu 90 Prozent schwerbehindert ist. Laut seiner Aussage hilft bereits die Einnahme geringer Mengen Cannabis gegen die akut auftretenden Schmerzen. Auf die mühselige Suche nach einem Arzt, der in Bayern medizinische Cannabisblüten verschreibt, hatte sich der schwerkranke Mann, den Vater Staat mit einer Rente von 420 Euro vom Hungertod abhält, erst gar nicht begeben.

 

16 Antworten auf „Cannabis-Wahnsinn in Bayern

  1. Otto Normal

    Die SDP spielt in Bayern nur eine Statistenrolle. Die CSU stört das auch nicht weiter, weil die Tatsache das man die SPD theoretisch in Bayern wählen kann, was selbstverständlich so gut wie niemand in Bayern tut da die Leute dort zu anständig dafür sind, den Anschein von demokratischen Verhältnissen mit einer politischen Vielfalt erwecken soll und auch tut.

    Aufgeklärte, fortschrittliche denkende Menschen des 21. Jahrhundert wissen natürlich schon längst das dem nicht so ist und in Bayern eine der übelsten Stammtischdikaturen Deutschlands herrscht.

    Denn auch wenn Preußen die Bayern im Juli 1866 bei Königsgrätz besiegte gelang es in der Folgezeit leider nicht preußische Rechtsstaatlichkeit in Bayern zu entwickeln. Das wirkt bis heute nach. Auch im 21. Jahrhundert ist Bayern was Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte angeht noch ein Entwicklungsland.

    Nachdem die beiden Drogenbeauftragten Dyckmanns und Bätzing – obwohl sehr professionell in Verbreiten von falschen Informationen zu Cannabis und Volksverhetzung – es nicht geschafft hatten der Führerin die entscheidende Meldung „Deutschland ist nun Kifferfrei“ machen zu können, entschloss man sich zu einer härteren Gangart und holte sich die Hardlinerin Marlene Mortler von der CSU dazu. CSU … Christlich Soziale Union … allein der Name dieser Partei ist Gotteslästerung. Früher waren es die leute von der „SS“ aber nachdem wir den Krieg verloren haben und Deutschland geteilt wurde, wurden auch die beiden SS geteilt, eins davon ging nach Dresden im Osten. Deshalb gibt’s es jetzt auch nur noch ein S und dieses ordentlich eingeklemmt zwischen den Buchstaben C und U.

    Der Rest der Geschichte, angefangen von ihren stümperhaften Versuchen weiterhin mit Lügen und Falschinformationen – Neusprech „Fakenews“ – die Volksmeinung zu manipulieren bis hin zur Dolchstoßstory als ihr eigener Sohn, trotz ihrer verzweifelten aber erfolglosen Versuche ihn korrekt zu erziehen, auch noch Opfer des Teufelskraut wurde und ihr auf überraschende Art und Weise in den Rücken fiel, indem er damit die die Sinn- und Wirkungslosigkeit der Politik seiner Mutter bewies, ist wohl bekannt.

  2. Siegbert

    Das verschlägt mir immer wieder die Sprache und man fühlt sich irgendwie mit den anderen Kiffern in Deutschland unter sich – Irgendwie juckt es leider die wenigsten, ob das legal oder illegal sein soll. (Bzw. bildet sich niemand eine eigene Meinung dazu)
    Und warum? Zu viel Angstmacherei, es ist ne Droge, und fertig heißt es doch! Deutschland sollte sich von der EU abheben und durchziehen.
    Aber bei den Politikern zur Zeit, da ist es mir lieber manchmal, davon nichts zu wissen.

  3. Rainer Sikora

    Solche Vorkommnisse zeigen auf,wie weit wir von einer Legalisierung entfern sind.In anderen deutschen Bereichen verschärft sich die Hatz auch immer weiter.Demonstrationen können schön sein oder spaß machen,das war es aber auch schon.

  4. Ralf Med

    Freunde, dieses Urteil, was jetzt bekannt ist, ist eigentlich normal in Bayern und BW, solche Fälle gib es mehr als einmal im Jahr !

    Allerings gibt es dennoch, leider wenige, Cannabis Urteile im gleichen Gebietsraum als sehr milde Urteile, aber analog leider sehr wenige sachliche vernüftige Richter, im allgemeinen und besonders in Süddeutschland !!!

  5. Gerrit Haase

    Sauerei, welcher Staatsanwalt, welcher Richter, die Herrschften kann man sicher namentlich nennen, was ein Gesindel!

    Auch in Bayern sind 6 gr Eigenbedarf möglich, wenn keine Fremdgefährdung vorliegt, wovon man in diesem Fall ohne tiefergehende Details wohl ausgehen kann.

  6. jim

    Gott, haben diese Polizisten und Staatsanwälte kein Schamgefühl? Was stimmt nur mit unserer Welt nicht .. woher kommt dieses böse Verhalten nur? Was haben diese Leute davon, einen Menschen dermaßen zu drangsalieren und zu bestrafen?

  7. Jemand

    @Was sie davon haben ?
    Anerkennung! Sie haben sich gegen das „böse Rauschgift“ Cannabis eingesetzt und damit Deutschland ein Stück „sicherer“ gemacht und irgendwie auch Kinder gerettet oder so (wie auch immer das gehen soll…)
    Kiffer jagen ist halt einfacher als Einbrecher Terroristen und andere (echte) Verbrecher!
    Schnelle Erfolgserlebnisse für führungshörige hirnlose Schreibtischtäter bei Polizei und Gericht!
    Gewaltenteilung ? In der Theorie schön und gut!
    Wenn aber 2 von 3 dieser „geteilten Gewalten“ der dritten bedingungslos hörig sind kann man sie genausogut auch gleich abschaffen!

  8. wendy

    Diesem Freisler-Verschnitt gehört in die Fresse gehaun.
    Hier in diesem Drecksstaat hilft nur noch Selbstjustiz.

  9. amigo de maria

    Dafür darf man in Bayern als CSU Generalsekret mit besoffenem Schädel Menschen totfahren und schwer verletzen (ca.1983 Otto Wiesheu-Bewährungsstrafe!!),um dann 10 Jahre später dort Verkehrsminister zu werden.
    So ist es eben,das schwarzbraune Gesindel….

  10. Patrick

    Dunkeldeutschland. Mittelalter im 21. Jahrhundert. Kranker scheiß. Das die nachts ruhig schlafen können. Die sollten sich was schämen. Kein Wunder das die Achtung vor denen im Keller ist. Vor allem wird der arme Kerl jetzt wohl jedes mal schwer nervös und ängstlich sein wenn der solche Vögel sieht. Man man man. Mich haben die Schergen vor 15 Jahren wegen nem gramm auch behandelt als wenn ich kleine kinder fresse. Richtig übel. Dumme Politiker in Funktionen wo sie nichts zu suchen haben werden das Problem am Leben halten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.