Montag, 1. April 2019

Zoll sucht Experten für die Vernichtung von Cannabis

Beschlagnahmtes Cannabis lässt Bundesasservatenkammer aus allen Nähten platzen

 

Sadhu van Hemp

 

 

2018 war ein gutes Jahr für Polizei und Zoll. Die Jahresinventur der Bundesasservatenkammer ergab, dass der Lagerbestand konfiszierter illegaler Drogen ein neues Rekordniveau erreicht hat. Genaue Zahlen über die aufbewahrten Mengen wurden aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt. Aus gut informierten Kreisen ist jedoch zu erfahren, dass derzeit mehr als 100 Tonnen Marihuana und Haschisch im Straßenverkaufswert von rund einer Milliarde Euro eingelagert sein sollen. Der zuständige Amtsleiter bestätigte auf Anfrage des Hanf Journal die Zahlen nicht, spricht aber von einer „nicht unbeträchtlichen Menge Cannabis“, die die Behörde an ihre Kapazitätsgrenze bringt.

„Wir mussten Anfang des Jahres zwei zusätzliche Lagerhallen anmieten“, erläutert Oberzollwart Heiko Wiedmann die logistische Herausforderung, die enormen Mengen beschlagnahmter Hanfpflanzen ordnungsgemäß und sicher bis zum Abschluss des jeweiligen Strafverfahrens aufzubewahren. „Das Problem ist das Volumen des konfiszierten Roh-Marihuanas. Die Polizei erntet immer mehr illegale Hanfplantagen ab – also komplette Pflanzen mit Blattwerk und allem drum und dran. Letzten Herbst wurden ganze LKW-Ladungen mit Freiland-Hanf aus dem ganzen Land angeliefert, die wir aus Platzmangel auf dem Zollhof in Containern zwischenlagern mussten.“

 

Ebenso problematisch wie die Lagerung stellt sich die Vernichtung der beschlagnahmten Drogen dar. „Wir kommen einfach nicht mehr nach“, sagt Wiedmann. „Laut Umweltschutzverordnung sind alle illegalen Drogen im Abfallbeseitigungswerk getrennt zu verbrennen, wobei bestimmte Tageshöchstmengen nicht überschritten werden dürfen. Bei den Mengen Cannabis, die übers Jahr von den Gerichten zur Vernichtung freigegeben werden, ist es rein rechnerisch gar nicht möglich, alles ordnungsgemäß und vorschriftsmäßig zu verbrennen.“

Wiedmann und seine Kollegen sehen sich vor einer schier unlösbaren Aufgabe, zumal die Flut der in Deutschland beschlagnahmten Hanfpflanzen nicht abebben will.

 

Doch die Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so ließen sich die Beamten der Bundesasservatenkammer von den amerikanischen Kollegen der „Drug Enforcement Agency“ (DEA) inspirieren, die das lästige Problem der Marihuanaverbrennung einfach an Franchise-Nehmer outgesourct haben. Wichtigste Voraussetzung zum Erhalt einer Lizenz zur Grasvernichtung ist der Nachweis, mindestens tausend Pfund pro Stunde sach- und fachgerecht verbrennen zu können.

Da hiesige Umweltrichtlinien das Verbrennen derartiger Mengen verbieten, jedoch die Methode der Vernichtung von Cannabis durch externe Dienstleister organisatorisch und wirtschaftlich vernünftig ist, suchten Wiedmann und seine Kollegen nach einer anderen Lösung – und die glauben sie nun gefunden zu haben. Statt nur einer handvoll Sondermüllentsorgern die Lizenz zu erteilen, will die Bundesasservatenkammer auch Privatunternehmer am Geschäft teilhaben lassen.

 

Auf der Vergabeplattform der Bundesasservatenkammer können Interessenten seit 1. April Bewerbungsunterlagen einreichen, um an der internationalen Ausschreibung für Cannabis-Verbrennungs-Lizenzen teilzunehmen. Grundvoraussetzung für Erteilung einer Genehmigung ist der Besitz eines handelsüblichen Ofens, der die Emissionsgrenzwerte einhält und täglich mindestens 1,3 Kilogramm Cannabis verbrennen kann. Pro abgeliefertes Kilogramm Marihuana-Asche erhält der Lizenznehmer aus der Staatskasse eine Vergütung in Höhe von 420 Euro.

 

9 Antworten auf „Zoll sucht Experten für die Vernichtung von Cannabis

  1. Harald

    Die sind sich doch für nichts zu schade! Gott, wie armselig. Dafür hat der Staat Geld,. So etwas bezeichnet man als Korruption im ganz großen Stil.

  2. Otto Normal

    1 Kg Marijuana-Asche ist 420 Euro wert! OMG! Ich habe die immer im Aschenbecher abgetippt und im Hausmüll entsorgt. Da habe ich ja ein kleines Vermögen weggeworfen!

  3. Der Vertreter

    Wie gesagt, das schlimmste daran, dass Cannabis illegal ist – ist, dass viele Polizisten der festen Überzeugung sind – das wäre richtig, was die da tun.
    Wenn ich durchsucht werde wegen „Illegaler Drogen“, dann teilen die mir direkt schon mit, dass ein kleines bisschen Cannabis schon ausreicht, um mir eine große Strafe zu geben. (hachja, der Freund und Helfer)
    Ich belächel sie natürlich, da ich mein Gras immer zuhause lasse. Trotzdem habe ich große Verachtung gegenüber Polizisten und das zeige ich auch ganz gerne.
    Die kennen mich nicht und wissen gar nichts über mich – wollen einfach nur direkt kontrollieren, weil ich ein Kapuzen Pullover trage und Jogginghose. Wollen einfach nur jemanden erwischen und bestrafen um selbst sagen zu können, man hätte was guten getan.
    Dabei würden die NUR MIR schaden – wobei ich ja eigentlich gar nichts tuh und nicht kriminell bin.
    Ich rauche einfach nur gerne Cannabis.

    Das Thema regt so auf

  4. Sebastian Huber

    Kein Problem, ich kann mich schon um die rechtmäßige Entsorgung kümmern, wenn es denn sein muss.

  5. Rainer Sikora

    Ich kann jetzt schwer abschätzen,ob es sich hier um einen Aprilscherz handelt,finde es aber schlimm wenn soviel abgegriffen wurde.Derartige Probleme mit Lagerung und Verbrennung zeigt, wie unfähig unsere „Freunde“ doch sind.

  6. Moham Ran

    Ich hätte wohl eine Bong, die schüffte die 1,3kg.
    Müssen nur alle in den Park kommen und mit, ähm, vernichten.

    Irgendwo auf der Welt ist immer 420, schönen 1. April 🙂

    Oh, schon 2.?! Verdammtes Haze Lag.^^

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