Montag, 25. März 2019

US-Golfprofi mit Cannabis gedopt

PGA-Tour-Spieler Robert Garrigus nach positivem Marihuana-Drogentest für drei Monate suspendiert

er läuft & läuft & läuft...
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Keine Satire von Sadhu van Hemp

 

 

Das oberste Gebot aller Sportler ist die Anerkennung und Einhaltung der Wettkampfregeln. Das nennt man Fairplay – und dazu gehört auch, auf die Einnahme verbotener „leistungssteigernder“ Substanzen wie Cannabis zu verzichten. Wer dennoch vor dem Wettkampf zum Joint greift, um sich aufzuputschen, der verstößt gegen das Reglement der World Anti-Doping Agency (WADA), die den Cannabis-Wirkstoff THC als verbotene Substanz listet.

 

Nun stellt sich die Frage, ob die Einnahme von Cannabis wirklich die sportliche Leistung des Athleten verbessert oder vielleicht eher schmälert. Bekanntlich wirkt Cannabis vor allem beruhigend und entspannend auf Körper und Seele, so dass es schwer vorstellbar ist, breit wie Harry sportliche Höchstleistung zu erbringen. Im Volksmund heißt es, Hasch macht lasch, und etliche Gefälligkeitsstudien renommierter Wissenschaftler belegen das. Und wer will leugnen, dass Kiffer einen ausgeprägten Hang zu Gelassenheit haben und nur ungern übereilt aus den Startlöchern kommen?

Kaum denkbar also, dass ein Formel-I-Rennfahrer hackedicht ins Cockpit steigt, um dann hellwach mit quietschenden Reifen durch jede Haarnadelkurve zu fliegen. Ob Boxer, Fußballer oder Cheerleader, Cannabis ist Gift für alle Sportarten, die von Tempo und Ausdauer leben.

 

Und doch – es gibt sie, die Ausnahmen von der Regel, also Sportdisziplinen, bei denen es gemächlich zugeht und die Ruhe in der Kraft liegt. Eine dieser gemütlichen Leibesübungen ist das Golfspiel, das selbst Hundertjährigen, die kaum mehr krauchen können, locker von der Hand geht. Wer einmal den Schwung heraushat und einigermaßen gucken kann, der benötigt nur noch ein ruhiges Händchen und genügend Gelassenheit, um in der Weltrangliste vorne mitzuspielen. Und das Schöne ist, es gibt auch Preisgelder zu gewinnen, die nicht von Pappe sind und so manchem Golfspieler ein Plätzchen auf der Sonnenseite des Lebens sichern.

Wie alle anderen Sportler sind auch Golfspieler bemüht, das Leistungslevel zu halten oder zu erhöhen. Vor allem geht es darum, im Wettkampf Ruhe zu bewahren und entspannt an die Sache heranzugehen. Deshalb bietet es sich für Golfer geradezu an, mit der Einnahme von Cannabis den erwünschten Zustand der inneren Ruhe herzustellen. Das Problem ist halt nur, dass Cannabis in der Dopingliste der Professional Golfers‘ Association of America (PGA) auf einer Stufe mit Ephedrin, Captagon und Kokain steht.

 

Dem amerikanischen Tour-Spieler Robert Garrigus wurde das Dopingmittel Cannabis nun zum Verhängnis. Ungeachtet dessen, dass Cannabis in vielen US-Bundesstaaten wie Alkoholika legal konsumiert werden darf, wurde der 41-Jährige wegen eines Dopingverstoßes für drei Monate gesperrt. Das harte Vorgehen des Ausrichters der wichtigsten amerikanischen Golftour ist erstaunlich, denn es ist das erste Mal, dass ein Profi der Tour wegen Dopings gesperrt wurde – und das wegen Cannabis. Verwunderlich auch, dass ausgerechnet Robert Garrigus, der 1997 seine Profikarriere als Golfspieler startete, ins Visier der Dopingfahnder geriet. Der Verdacht liegt nahe, dass die Tour-Bosse ein Exempel statuieren wollten, um klarzustellen, dass Kiffer trotz des Paradigmenwechsels in der Cannabispolitik im Golfsport keinen Platz haben. Zudem bot sich Garrigus quasi als ideales Opfer für eine Bestrafung an, da bekannt war, dass er in der Freizeit kiffte. Bereits 2003 hatte sich der Tourprofi wegen seines Drogenkonsums für dreißig Tage in eine Entzugsklinik begeben.

 

Für Garrigus kommt die Dopingstrafe zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da es um den Golfkünstler karrieretechnisch nicht gut bestellt ist. Derzeit rangiert Garrigus auf Platz 450 der Weltrangliste und sein letzter großer Sieg datiert aus dem Jahr 2010, der bislang auch sein einziger Titel auf der US-Tour war.

Sich dessen bewusst, dass die Erwerbstätigkeit als Golfspieler auf dem Spiel steht, heuchelte der Dopingsünder auf Twitter umgehend Reue. „Nach einer langen Periode der Abstinenz erlitt ich einen Rückfall und ein Dopingtest auf Marihuana fiel positiv aus. (…) Als erstes möchte ich mich bei meiner Familie, meinen Sponsoren, meinen Mitstreitern und der PGA Tour für mein Verhalten entschuldigen. Außerdem möchte ich bei meinen Fans um Verzeihung bitten, die mich in meiner Karriere unterstützt haben.“ Nun wolle er die Zwangspause nutzen, um Zeit mit der Familie zu verbringen und seine Abhängigkeit in den Griff zu bekommen.

 

Der Fall des Golfprofis Garrigus zeigt, dass die Cannabis-Prohibition in den USA mit der einhergehenden Stigmatisierung längst nicht überwunden ist und noch immer völlig unschuldige Menschen in Teufelsküche bringt.

 

6 Antworten auf „US-Golfprofi mit Cannabis gedopt

  1. Harald

    Der Schwachsinn hört nie auf. Diese Anti Lobby macht sich nur noch lächerlich. Es werden Schlüsse gezogen, wie man sie gerade braucht. Und wenn die halbe Welt das ganze Jahr zugedröhnt wäre, würde sie immer noch weniger Schaden verursachen als die sogenannten „Aufrechten“ in einer Woche.

  2. Hans

    Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass der Autor relativ wenig Ahnung hat von dem was er hier publiziert.
    Ich konsumiere täglich und treibe über den Tag verteilt 3 bis 5 Stunden Sport. Darunter Yoga, Kampfsport, Acrobatik, Laufen, Klettern, Highlinen usw.. Kiffen ermöglicht es mir teilweise überhaupt meinen Sport auszuüben. Mein Reaktionsverhalten, Konzentration und Leistung ist erhöht. Das mag zwar nicht auf alle zutreffen, aber auf manche tut es. Die Tatsache der Leistungssteigerung kann ich eindeutig nur bejahen.
    Dieses Klischee von faulen Kiffern ist sowas von alt. Schade, dass das hier weiter gefördert wird anstatt Faktenorientierte Aufklärung zu betreiben.

  3. Rainer Sikora

    Der Autor fügt bei seiner Hasch macht laschausführung die Gefälligkeitsstudien renommierter Wissenschaftler an.Es kommt auch auf die Sorte an,mit der man je nach Dosis und Turnphase welchen Sport betreibt.Verbesserung der Reaktionen und beschleunigtes Erfassen von Umständen und Ereignissen,halte ich aber für möglich.

  4. Alex

    Der Autor darf sich gerne bei mir melden, bin Golfprofi, habe eine Weltranglistenposition und könnte einiges richtig stellen…..und gerne auch mal eine Unterrichtsstunde (mit oder ohne canabinoider Unterstützung) geben.

  5. Otto Normal

    Dem Autor Sachunkenntnis vorzuwerfen halte ich für nicht angebracht. Der Artikel kritisiert ja gerade die Entscheidung gegen den Golfer. Daß Cannabis in den meisten Fällen ruhigstellt kann ich bestätigen. Zwar gibt es auch Fälle wo es anregt, besonders bei hohem THC-Anteil, aber die sind in der deutlichen Unterzahl. Deswegen habe ich es auch jahrzentelang abends konsumiert, gegen meine Hyperaktivität, quasi als Valiumersatz, weil es in erster Linie ein Beruhigungs- und Schlafmittel ist. Deshalb ist es auch so erfolgreich. Natürlich melden sich immer einige Ausnahmen wo es eben nicht so ist.
    Aber es bleiben dennoch Ausnahmen!
    Im übrigen kann er sich nicht selbst bei seiner Familie, Freunden und was sonst noch alles entschuldigen, sondern kann die anderen lediglich um Entschuldigung bitten. Aber von einem Golfspieler erwarte ich soviel sprachlichen Feinsinn nicht.

  6. Sadhu van Hemp Autor

    Ahoi allerseits!

    Zitat Hans: „Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass der Autor relativ wenig Ahnung hat von dem was er hier publiziert.“
    Ich schöpfe aus meiner Erfahrung als ehemaliger Leistungssportler und mehrfacher Deutscher Meister, der bei Wettkämpfen Selbstversuche vorgenommen hat.

    Zitat Hans: „Ich konsumiere täglich und treibe über den Tag verteilt 3 bis 5 Stunden Sport.“
    Ich habe in meiner aktiven Zeit als Profi nicht täglich geraucht, so dass die Toleranzschwelle niedrig war. Wäre ich Hochleistungskiffer gewesen, hätte mich die Tüte vor dem Wettkampf sicher nicht umgehauen. Es verhält sich wie bei Alkoholikern, die erst richtig funktionieren, wenn sie knülle sind. Alles Gewöhnungssache.

    Zitat Hans: „Dieses Klischee von faulen Kiffern ist sowas von alt. Schade, dass das hier weiter gefördert wird anstatt Faktenorientierte Aufklärung zu betreiben.“
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass an „diesem Klischee“ durchaus etwas dran ist. Vielleicht macht täglicher Cannabiskonsum nicht zwingend „faul“, wohl aber trägt er zur Entspannung und Entschleunigung bei. Nicht umsonst schwören hyperaktive Menschen auf die Wirkung des Heilkrauts.

    Zitat Alex: „Der Autor darf sich gerne bei mir melden, bin Golfprofi, habe eine Weltranglistenposition und könnte einiges richtig stellen.“
    Ich erhebe nicht den Anspruch des ausgewiesenen Golf-Experten. Insofern bin ich stets offenen Ohres, was Fachspezialwissen betrifft. Inwieweit Doping mit Cannabis dem Profigolfer dienlich ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich vermute mal, dass die entspannende und beruhigende Wirkung des Krauts behilflich sein kann.

    Zitat Alex: „… und gerne auch mal eine Unterrichtsstunde (mit oder ohne canabinoider Unterstützung) geben.“
    Ich weiß nicht. Hast Du denn soviel Geduld, für einen älteren Herrn durchs Unterholz zu kriechen und nach Golfbällen zu suchen?

    Zitat Otto Normal: „Im übrigen kann er sich nicht selbst bei seiner Familie, Freunden und was sonst noch alles entschuldigen, sondern kann die anderen lediglich um Entschuldigung bitten. Aber von einem Golfspieler erwarte ich soviel sprachlichen Feinsinn nicht.“
    Mein Fehler, lieber Otto Normal. Ich hätte den ersten Satz genauso übersetzen müssen wie den darauffolgenden. (to apologize = um Verzeihung bitten)

    Mit besten Grüßen verbleibt
    Euer Sadhu van Hemp

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