Samstag, 9. März 2019

Ein Besuch im Offshore-Cannabis-Park vor Norderney

Eine fast vergessene Satire von Sadhu van Hemp


Wenn es nach Henriette van Wiet und Nadine de Noise geht, kann Cannabis bis zum Sankt Nimmerleinstag verboten bleiben. Die beiden Start-up-Unternehmerinnen haben nämlich einen Weg gefunden, Cannabis im großen Stil legal anzubauen und zu verkaufen. Möglich macht das das internationale Seerecht, das jede staatliche Souveränität außerhalb der Hoheitsgewässer verbietet. Und so ging am 17. November der ausrangierte Öltanker „Exxon Valdez“ zwölf Seemeilen vor der ostfriesischen Insel Norderney vor Anker, um ab 1. Januar 2019 unter dem neuen Namen „Fryslân Ganja“ die Anrainerstaaten der Deutschen Bucht mit Cannabis zu versorgen. Das Hanf Journal stach in See, um mit den beiden Eignerinnen des Hanftankers ein Interview zu führen.

Moin Nadine und Henriette! Wie es aussieht habt ihr einen echten Coup gelandet. Ohne großes Aufsehen habt ihr den berühmten Unglückstanker Exxon Valdez für schlappe zwei Millionen Euro einer Abwrackwerft in Indien abgekauft – und wieder aufbauen lassen. Die Gesamtinvestition beträgt weit über drei Millionen Euro. Ziemlich hoher Einsatz für eine Geschäftsidee, die auf dem Kalkül einer fortdauernden Cannabisprohibition basiert.

Henriette und ich sind überzeugt, dass das Hanfverbot zu Genusszwecken in weiten Teilen Europas auf Jahrzehnte Bestand haben wird. Die Prohibitionsstaaten vollziehen gerade einen für unser Geschäft förderlichen Rechtsruck, so dass alles so schön hübsch hässlich bleiben wird und sich der Krieg gegen den Hanf eher verschärft. Der illegale Schwarzmarkt wird den Menschen in Europa also noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Somit ist es nur allzu logisch, Wege zu suchen, der Prohibition ein Schnippchen zu schlagen. Und was bietet sich da besser an, als in internationalen Gewässern dem millionenschweren Business nachzugehen. Dort gibt es kein Betäubungsmittelgesetz, keine Polizei und Justiz. Die Investitionen werden sich also lohnen und wenigen Jahren amortisiert haben.

Die „Fryslân Ganja“ hat eine Länge von 300 Metern und einer Breite von 50 Metern. Bei einer Seitenhöhe von knapp 27 Metern steht euch eine gigantische Anbaufläche zur Verfügung. Allein auf einer Anbauebene bei einem Ertrag von 500 Gramm pro Quadratmeter könntet ihr jährlich weit mehr als zwei Tonnen Gras ernten.

Wir starten mit drei Ebenen für den Anbau. (Henriette zeigt auf den Schiffsplan.) Die Pflanzen durchlaufen per Fließband alle Wachstumsphasen, steigen sozusagen automatisch von Ebene zu Ebene auf, bis sie erntereif sind. Auf der vierten Ebene findet dann die Trocknung, Verarbeitung und Verpackung statt. Der ganze Herstellungsprozess ist weitgehend computergesteuert und bedarf nur wenig Manpower. Wenn alles gut läuft, rechnen wir mit rund sechs Tonnen Gras, die uns jährlich einen Nettogewinn von zehn Millionen Euro einbringen werden.

Klingt alles schön und gut. Aber wie und an wen wollt ihr das Marihuana verkaufen? Soll das Zeug wie von Marokko nach Spanien mit Schnellbooten an Land gebracht werden?

Nein, Schnellboote werden unserseits nicht eingesetzt. Wenn es Abnehmer gibt, die das so machen wollen, gerne. Aber auf eigenes Risiko. Unser Konzept sieht etwas anderes vor. (Henriette und Nadine erheben sich und bedeuten uns, ihnen zu folgen.) Wie ihr seht, ist genug Platz für den größten Coffeeshop aller Zeiten. (Wir betreten eine mehrere Fußballfelder große Halle, in der unzählige Handwerker hämmern und schrauben.) Hier entsteht unsere Wohlfühloase mit gemütlichen Kifferecken. Diese Ebene ist Nadines Steckenpferd. Sie will den Besuchern eine Woodstock-Atmosphäre bieten. Es wird also Live-Musik und Partys geben. Eine Ebene unter uns richten wir für Langzeitgäste Schlafsäle mit über 1000 Doppelstockbetten und entsprechenden sanitären Anlagen ein. Und das Schöne ist, dass wir uns über alle Vorschriften wie Brandschutz und Hygiene hinwegsetzen können. Das spart enorm viel Geld und Nerven.

Das Konzept sieht also vor, den Großteil der auf eurem Tanker produzierten Rauchware noch an Bord an die Kunden zu bringen – und das zu entsprechenden Preisen.

Nein! Was denkt ihr von uns? (Henriette und Nadine schütteln den Kopf.) Wir machen ehrliche Preise. Bei uns beträgt der durchschnittliche Grammpreis um die fünf Euro. Der Verkauf von Cannabis ist letztlich nur ein Nebengeschäft. Kiffer abzuzocken ist unsere Sache nicht. Wir machen unseren Umsatz über die Bewirtung und Unterhaltung. Vom Automatencasino, Tattoo-Studio bis zum Erotikshop muss hier niemand etwas vermissen. Kommt mal mit, ich zeige euch mal, was wir auf dem Oberdeck planen.

(Henriette und Nadine geleiten uns ganz nach oben und führen uns bei schönstem Herbstwetter über das Deck.)

Die „Fryslân Ganja“ ist nicht nur ein Ort für junges Partyvolk, sondern auch für deren Eltern und Großeltern. Schließlich ist das Kiffen nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für erwachsene und reife Menschen, die es gemütlich und bieder mögen. Ober- und erstes Unterdeck bleiben deshalb den etwas zahlungskräftigeren Gästen vorbehalten, die nicht nur zum Kiffen und Partymachen unseren Tanker besuchen. Schließlich haben wir auch beste Nordseeluft zu bieten. (Nadine atmet einmal tief durch und lacht.) Ihr müsst Euch ein ganz normales Kreuzfahrtschiff vorstellen, nur mit dem Unterschied, dass es sich um einen vor Anker liegenden Tanker handelt. Alles in allem ist die „Fryslân Ganja“ für 3000 bis 4000 Tagesgäste ausgelegt. Die Infrastruktur wird alles umfassen, was ein modernes Passagierschiff benötigt: Wir werden sogar eine Krankenstation einrichten, um denen Erste Hilfe zu leisten, die sich übernehmen.

Das ist mächtig gewaltig! Aber wie sieht das praktisch aus? Wie kommen die Gäste an Bord und was soll so ein Tagesausflug in internationale Gewässer kosten?

Wir kooperieren mit einer großen niederländischen Reederei, die stündlich einen Katamaran zwischen Norddeich und der „Fryslân Ganja“ verkehren lässt. Die Fahrtzeit wird etwa 45 Minuten und der Preis 35 Euro betragen. Mit der Deutschen Bundesbahn verhandeln wir gerade über den Einsatz von Sonderzügen für das erhöhte Fahrgastaufkommen nach Norddeich. Geplant sind eine Nord-Süd-Verbindung ab München und eine Route von Osten kommend über Berlin, Hamburg und Bremen. Wer rechtzeitig die Holzklasse bucht, bekommt die Hin- und Rückfahrt für 19,90 Euro ohne Bahncard. Billiger geht’s kaum. Wer Luxus will, kann auch gerne mit unserem Helikopter-Taxidienst von überall anreisen. (Henriette legt uns einen Prospekt vor.) Obendrein erhält jeder Gast zur Begrüßung zwei Gramm Gras, einen Grinder, eine Geschenk-Kawumm, eine Schachtel Zündhölzer und eine halbe Tafel Hanfschokolade. Überdies bieten wir diverse Rabatte, Sparpreise und den Kauf zollfreier Waren an. Nicht zu vergessen unsere Happy Hour zwischen 7 Uhr 00 und 8 Uhr 00, in der wir alle Cannabis-Produkte zum halben Preis offerieren. Familien und Gruppen über 3 Personen gewähren wir auf alle Einkäufe und Dienstleistungen einen Nachlass von 25 Prozent. Zu guter Letzt erhalten alle weiblichen Gäste eine Gratis-Massage mit feinsten Hanfölen in unserem Hamam. Unsere Latino-Masseure werden die Frauenherzen höher schlagen lassen.

Und sonst? Gibt es irgendwelche Regeln?

Nein, nur eine Schiffsordnung, an die sich jeder Gast zu halten hat. Aus Sicherheitsgründen müssen alle männlichen Besucher einen Fitness- und Activity-Tracker am Handgelenk tragen. Hormongesteuerte junge Männer bergen ein hohes Risiko, schnell außer Kontrolle zu geraten. Dem müssen für vorbeugen. indem wir eine flächendeckende Videoüberwachung aller männlichen Personen vornehmen. Aus diesem Grunde gibt es auf der „Fryslân Ganja“ auch ein striktes Alkoholverbot. Ebenso untersagen wir den Konsum anderer psychoaktiver Substanzen. Wer über die Stränge schlägt, der wird umgehend von unserem bordeigenen Schnellgericht abgeurteilt und so lange in Gewahrsam genommen, bis die kostenpflichtige Abschiebung in deutsche Hoheitsgewässer erfolgt.

Das hört sich ja reichlich restriktiv an. Und wer setzt die Schiffsordnung durch? Und habt ihr gar keine Angst, von Piraten überfallen und ausgeraubt zu werden? Und was ist, wenn die Gäste meutern und den Tanker in ihre Hände bekommen?

Unsere Bordpolizei wird sich vornehmlich aus dem Rockermilieu rekrutieren. Derzeit läuft ein Ausschreibungsverfahren, und wie es aussieht, werden die Hells Angels das beste Angebot unterbreiten. Mit den Knaben an Bord dürfte sich die Sorge vor Piraterie bzw- Meuterei erledigt haben.

Eine letzte Frage: Wie es scheint, geht auf der „Fryslân Ganja“ soweit alles mit rechten Dingen zu. Was uns nur wundert ist, dass die Maschinen stillstehen und kein Schornstein raucht. Trotzdem habt ihr Strom. Wie geht das?

Tja, tut uns leid, aber das muss unser Geheimnis bleiben. (Henriette und Nadine blicken hinaus auf die offene See, deren Horizont mit Windkrafträdern verstellt ist.) Sagen wir mal so: Strom kommt ja bekanntlich aus der Steckdose. Und wie ihr seht, gibt’s davon eine ganze Menge hier in der Nordsee. So, Freunde, und nun laden wir euch in unsere VIP-Lounge ein und lassen uns ein bisschen von unserem Cannabisseuren verwöhnen. Und dann erzählen wir euch von unseren Expansionsplänen in der Ostsee und im Steinhuder Meer.

Nadine, Henriette, wir danken euch für dieses Gespräch und wünschen euch viel Erfolg bei eurem außergewöhnlichen Business.

10 Antworten auf „Ein Besuch im Offshore-Cannabis-Park vor Norderney

  1. Harald

    Geile Aktion!!!!!!!!! Bitte mehr davon!!!!!!!!! Fuck off Berlin!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. R. Maestro

    Cool.
    Dem weitgehend immer noch geltenden (Un-) Recht ein Schnippchen geschlagen.
    Daumen hoch! Geil!

  3. buri_see_käo

    Immerhin sind Henriette und Nadineso so illusionsfrei, dass sie annehmen, dass das Hanfverbot zu Genusszwecken in weiten Teilen Europas (und ganz besonders in Deutschland) noch auf Jahrzehnte Bestand haben wird. Sie scheinen aus den Niederlanden zu stammen, dann sollten sie mal eine Fahne ihres Landes mitnehmen. Internationale Gewässer gelten in erster Linie als Müllkippe, inklusive all dessen, was sich darauf und darin befindet. Die deutsche Marine wird kaum davon absehen, sowas mit militärischen Mitteln auszumerzen. Sie könnten ja bei Bedarf eine niederländische Fahne hissen, sind dann allerdings wieder der niederländischen Gesetzgebung unterworfen, aber die wird recht tollerant angewendet. Sie sollten einiges an Equipement dabei haben, würden sie sich auf Sichtkontakt verlassen wollen, würden sie längst weggeblasen sein. So richtig einfach ist es leider nicht, man sollte deutsche Aggressoren nicht unterschätzen… kennen wir doch? Da fällt mir ein: wie geht es denn in Luxembourg mit der Legalisierung voran?, hat Michel-Country schon interveniert?, Druck gemacht?, also mit Zahlungsmitteln, oder wie war das noch mit Clearstream im Juni 2018 ?
    mfG fE

  4. Robert Dawes

    Aj,
    Frischfleisch in den internationalen Gewässern!?
    Wusstet ihr beiden Göhren nicht das das mein Platz ist!?
    Sobald eure Anlage richtig läuft werde ich mal auf einen kleinen Besuch reinplatzen.
    Möglicherweise werde ich eure Security schon mal infiltrieren. Ihr wisst ich verkaufe ganz anderen Shit, mein Shit macht Leute gefügig…
    Hut ab Mädels vor eurem Mut.
    Lieb Grüße,
    Robert

  5. Sergio Enrique Villarreal Barragán (El Grande)

    Hola robert mi buen amigo,

    gut zu wissen das man Freunde hat.
    Ich bin auf der Suche nach einem neun Schiff, das ich geschäftlich benötige.
    Habe da von diesen beiden Hollandgirls gelesen die jetzt in Marijuana machen wollen….

    Lass von dir hören mein großer,
    EG

  6. Adolf Shittler

    ACHTUNG ACHTUNG!
    Hier gibts echte Verschwörer zu sehen!!! NUR HIER!!!!
    Die Kommentare von buri_see_käo und Robert Dawes zeigen schön was Sache ist!
    Pharmaindustrie und Alkoholindustrie haben die Nazi Trolle bezahlt um hier Angst und Schrecken zu verbreiten!
    Wer genau die Kommentar dieser beiden Menschen liesst wird erkennen dass versteckte Drohungen bzw auch ziemlich offensichtliche Drohungen kommuniziert werden!!!!
    Die konservative Nazie Elite kann nur noch mit den übelsten Tricks versuchen den Lauf der Dinge aufzuhalten!
    Weiter so, wir wissen wer Ihr seid!
    We don´t forgive, We don´t forget!

  7. buri_see_käo

    @Adolf Shittler, dann bemühe doch bitte die Suchfunktion des Hanfjournals.
    In sonstigen Suchmaschinen gibts Du bitte „fE_wob“ oder „ffje“ oder „Dieter De Hilde Brennt“ ein.
    Solltest Du bei der Suche durch übermäßige Werbe-Erghebnisse zugemüllt werden,
    versuche es doch mal mit „Ochseneierkrätze“.
    Verarsche, Bevormundung, Abzocke, Informationsvorenthaltung sind in DE Realität!
    mfG fE

  8. ertiueztiz

    Was zu beweisen war …
    Dumm gelaufen – die Nazi Lügentrolle antworten sofort, auch Sonntags vormittags…
    Die Trolle arbeiten immer, haben nie Freierabend.
    Schaut Euch die Kommentare an, …ein Mensch der etwas Grips im Hirn hat erkennt die Lügen Hetzer der Nazi Propagandisten sofort!
    Dieses Troll System antwortet immer, innerhalb von Minuten – für die bezahlten Nazi Trolle geht es um Geld, Politik und Ihre eigene Zukunft…
    Macht die Augen auf und erkennt die Nazi Troll Kommentare hier!

  9. mze

    Sind die ganzen Kommentare nun mittlerweile auch Satire?
    Anstatt ein bisschen abzulachen, feinden sich Hanfbefürworter bei nem Spaß-Artikel von Sadhu an.
    Da lacht dann wieder nur eine Gesellschaftsschicht -> die alten Prohibitionisten!

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