Montag, 25. Februar 2019

Polizei stürmt Konzert von RAF Camora und Bonez MC – wegen Cannabis und Kokain

Megarazzia in München zielt auf Danceball-Musiker ab, trifft aber nur 90 von 13.000 Fans

Bild: nokomai / freeimages

 

Sadhu van Hemp

 

Am Freitag war Großkampftag der Münchener Polizei im Anti-Drogenkrieg. Kriegsschauplatz war die Münchener Olympiahalle, in der das Rapper-Duo Bonez MC (33) und RAF Camora (34) gemeinsam mit der „187 Strassenbande“ vor 13.000 Fans auftrat. Sinn und Zweck der Razzia war die Bekämpfung der Drogenkriminalität – also vornehmlich die Jagd auf Cannabis- und Kokainkonsumenten. Während die Musiker auf der Bühne das Publikum bespaßten, stürmte eine „spezialisierte“ Einsatzhundertschaft den Veranstaltungsort, unterstützt von der Verkehrspolizei und Kripobeamten des Dezernates für Rauschgiftdelikte. Insgesamt soll die Polizei bis zu 150 Einsatzkräfte in die nächtliche Offensive gegen die Künstler und deren Fans geschickt haben. Der Einsatzbefehl der Münchener Staatsanwaltschaft zielte somit ausschließlich auf Konsumenten ab.

 

Nachdem alle Ausgänge der Olympiahalle gesichert waren, kämpften sich die Freunde und Helfer der Polizei zum Backstage-Bereich vor, um im Umfeld der Musiker nach illegalen Drogen zu suchen. Auf dem Parkplatz sollen nach Angaben der beiden Rapper rund 70 Beamte die Tourbusse „zerlegt“ haben. Über Instagram teilte Bonez MC mit, dass er und RAF Camora nach dem Auftritt über Stunden festgesetzt und gefilzt wurden. Den von der Polizei erhofften Drogenfund bei den beiden Künstlern soll es jedoch nicht gegeben haben. „Schönen Gruß an die Polizei in München. Ihr wart zu sechzigst oder siebzigst in unseren Bussen. Glaubt ihr echt, wir nehmen Drogen? Schikane!“ RAF Camora ergänzte: „So etwas bringt nix. Es ist nur Promo für uns.“

 

Die Polizei hingegen spricht von einem Erfolg. Im Backstage-Bereich und im Tourbus seien Kokain und Cannabis sichergestellt worden. Die Rapper widersprechen der Darstellung der Polizei, dass im Tourbus Drogen gefunden wurden. Um die Razzia dennoch als großen Schlag gegen die Drogenkriminalität zu verkaufen, verweist die Polizei auf etliche vorläufige Festnahmen und Beschlagnahmungen geringer Mengen illegaler Betäubungsmittel. Die Leidtragenden des staatlichen Willküraktes waren demnach wieder einmal mehr die Konzertbesucher. Fans des Reggaemusikers Hans Söllner wissen bereits seit Jahrzehnten ein Lied davon zu singen, dass die Polizei Konzerte von unliebsamen Musikern mit Vorliebe ins Visier nimmt.

Die Bilanz diesmal: „Wir verzeichnen etwa 60 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und 30 Anzeigen wegen Verkehrsdelikten im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen“, teilte der Pressesprecher der Münchener Polizei mit. Die Razzia war bereits länger geplant, da es Hinweise gab, dass auf Konzerten des Bürgerschreck-Duos illegale Drogen konsumiert werden.

 

Der Mammut-Einsatz der Münchener Polizei ist alles andere als ein Erfolg und eher als Reinfall zu werten. Denn der Plan von Polizei und Staatsanwaltschaft, die „Proll-Rapper“ medienwirksam als böse „Drogis“ hinzustellen, ging nicht auf. Außer Spesen nichts gewesen – und das auf Kosten der Steuerzahler, zu denen auch mehrere Millionen unbescholtene Cannabis-Konsumenten zählen.

Das Konzert am Samstag in Wien mit 14.000 Besuchern ging ohne Polizeirazzia über die Bühne.

 

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12 Kommentare
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Karli
5 Jahre zuvor

Vielleicht wäre die Jagd im Bundestag erfolgreicher gewesen? 😉

Otto Normal
5 Jahre zuvor

@Karli
Ja sicher, aber das wissen unsere Volksverräter schon zu verhindern. Die Suche würde dort auch nicht viel bringen weil dort nichts gefunden werden DARF.

Der Vertreter
5 Jahre zuvor

Ich wurde gestern auch von der Polizei lächerlicherweiße durchsucht.
Der Grund war sofort “Weil Drogen im Umlauf sind”
Wir hatten nichts dabei, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der “Freund und Helfer” mir für 1 Gramm eine fette Strafe reindrücken wollte. Der hatte sich schon so gefreut!
Als Belohnung, habe ich mir die 4 Gramm später über Tage hinweg reingezogen.
Super lächerlich das Verbot, ich mach da nicht mehr mit. Belächele die Cops auch nur noch und lasse sie fühlen, dass es irgendwie schwachsinnig ist, was die da tun. Wegen Kleinkram immer so einen Ärger zu verursachen und noch zu glauben sie täten das “Richtige” – Man ey!

Der vom Finanzamt
5 Jahre zuvor

Geil dafür zahle ich gerne mächtig Steuern!
Diese Möchtegern Musiker die verleiten nur Minderjährige!

R. Maestro
5 Jahre zuvor

Geil, immer wieder Kommentare von Erfahrenen zu lesen, welche mehr Einblick/Durchblick haben, als über die reine Existenz des § 29 BtMG hinaus. 🙂

LG, Maestro.

Karli
5 Jahre zuvor

@ Otto Normal
Hoppla, da hatte ich nicht dran gedacht. 😉

Spandi21
5 Jahre zuvor

Alles sinnlos was die Polizei und so machen… Diese Rapper sind erfolgreicher als ihr.. Ihr wollt doch nur selber die Drogen nehmen deswegen beschlagnahmt ihr doch die Drogen nur weil ihr nix ranbekommt müsst ihr sowas sinnlose machen.. Wenn ihr damit nicht klar kommt das man Drogen konsumiert dann habt ihr halt Pech ganz einfach.. Das ist doch denen Sache was die machen oder nehmen das ist doch ihr Leben und nicht euers also kümmert euch nicht darum kümmert euch lieber um andere sachen wie Mörder und so…

187 Strassenbande BESSTE LEBEN
BONEZ MC, RAF CAMORA, ihr seid die besten auf Erden

Rainer Sikora
5 Jahre zuvor

Für die Polizei spielt es keine Rolle wen sie bestraft,und was sie damit anrichtet.Hauptsache ihre Existenzberechtigung wird gefördert,durch Anzeige und Anklage,warum auch immer.

Da wo du dein Gras kaufst
5 Jahre zuvor

Garnicht sinnlos.. Hammergeil. Was die Bullen machen.
ego pusher
Show.
Image.
Schlagzeilen.

Ihr zerreißt euch das
maul. 😀

Läuft bei RAF wa. 😀

buri_see_käo
5 Jahre zuvor

Der vom Finanzamt zahlt sicher auch gerne mächtig Steuern für die dadurch wegen wirtschaftlicher Existenzvernichtung herbeigeführten H4-Klienten. Und gerne² zahlt er wohl auch zur Speisung der Superreichen (Manager) Steuern, denn die exorbitanten Zahlungsmittelbezüge dieser Kaste wird nicht nur von den sie beschäftigenden Unternehmen geleistet, nein der Michel machts. Das KStG umfasst min./ca. 1500 Artikel – da wühle ich mich (erstmal) nicht durch, der vom Finanzamt vielleicht?, wäre doch interessant, wie hoch prozentual abgesetzt werden kann. Die Kinder, die Kinder gehören zu Zeiten von Rapper-Konzerten längst ins Bett. Die Kinder, die Kinder (bei uns die der Frau, aus einem Ausland mit anderer Sprache und Schrift) hätten sowas bei mir nie nötig gehabt, die Kiffe lag immer unverschlossen, und sie wussten immer… Weiterlesen »

R. Maestro
5 Jahre zuvor

Der Beitrag ist zwar nicht neu, trotzdem gut und informativ:

19:05 Uhr, ntv, heute, “Rohstoffwunder Hanf”.

Ewa
5 Jahre zuvor

Danceball Musiker…
Ist das wenn man seine Eier rhythmisch zur Musik klatschen lässt???