Freitag, 25. Januar 2019

“Hanf heilt“ von Wernard Bruining

Die Wiederentdeckung einer uralten Volksmedizin


Man nennt ihn den »Potfather« der Hanfszene, Wernard Bruining, den 1950 geborenen »Hanfaktivisten der ersten Stunde«, der 1973 den ersten Coffeeshop in Amsterdam eröffnete, seit 1979 mit dem planmäßigen Anbau von Gras in  Gewächshäusern Erfahrungen sammelte, 1985 »Positronics«, Europas ersten Growshop mit angeschlossenem Restaurant und eigener Zeitung ins Leben rief und 1994 den Verein »Mediviet« gründete, der die Förderung des medizinischen Gebrauchs von Hanf zum Ziel hat. Heute arbeitet er hauptsächlich als Autor.

Wenn also irgendjemand Ahnung hat, was es mit Hanf im Allgemeinen und den verschiedenen Anwendungsgebieten von Cannabis im Besonderen auf sich hat, dann Wernard Bruining.

Wie der Titel schon sagt, handelt dieses Buch vor allem von dem medizinischen Aspekt von Marihuana und ist als solches eine wertvolle sachliche Informationsquelle für Diskussionen mit halsstarrigen Unverbesserlichen, die heute noch an das Märchen der süchtig machenden Droge glauben, die unschuldige Kinder ins Verderben reißt. Der Hauptteil des Buches sind 45 Fallbeispiele von schwerkranken Menschen – von chronischen Schmerzen über multipler Sklerose und Parkinson, Epilepsie, Schleudertrauma, sogar Schizophrenie bis hin zu Krebs – denen die sogenannte Schulmedizin nicht mehr helfen konnte, THC und/oder CBD aber zumindest vorher unvorstellbare Linderung brachte, wenn nicht gar Heilung. Im Anhang beschreibt Bruining exakt, wie man vor allem aus Homegrown-Gras qualitativ hochwertiges Hanföl selbst herstellen kann, weswegen gleich am Anfang unter dem Impressum ein Haftungsausschluss davor warnt, diese Rezepturen in Deutschland anzuwenden, da dieses ja idiotischerweise in diesem Land immer noch verboten ist und deshalb unzählige Kranke weiter leiden müssen, obwohl ihnen geholfen werden könnte bzw. vor allem sie sich sogar selbst helfen könnten.

Warum dieses Buch aber für jeden ernsthaften Kiffer, der sich nicht nur zudröhnen will, sondern den gesellschaftlichen Wert und Nutzen von Hanf erkennt, ein absolutes Muss ist, findet sich im ersten Teil: »Warum Hanf verboten wurde«. Allein einige Kapitelüberschriften sprechen für sich, ihre Inhalte sind knapp und klar formuliert:


  • »Die menschliche Symbiose mit dem Hanf«: »Die Symbiose zwischen Mensch und Hanf hat eine uralte Tradition. … Hanf ist das älteste Landbaugewächs und wird vom Menschen seit 10.000 Jahren kultiviert.« Das muss man sich mal klarmachen! »Bis zum Verbot im Jahr 1937 enthielten 30 bis 40 Prozent der Medikamente in den Apotheken Cannabis als Basiszutat. … Diese Medikamente … waren relativ preiswert und niemals schädlich«. Und heute, nach dem Verbot im Auftrag der Chemieindustrie, sind sie unbezahlbar und in den Nebenwirkungen schädlicher als im Nutzen.
  • »Die Entstehung des Verbotes«: Genaue Beschreibung der Zusammenarbeit von Chemieindustrie, Medien und Kirchen.
  • »Hearsts Feldzug gegen den Hanf«: ein Krimi, bei dem einem das Messer in der Tasche aufgeht und man fassungslos zur Kenntnis nehmen muss, dass sich bei vielen unserer heutigen meinungsmachenden Medien bis heute nichts geändert hat. Der Großverleger Randolph Hearst wollte in den USA seine Zeitungen nicht auf Hanfpapier drucken, sondern aus mit Holz aus seinen Wäldern produziertem Papier (das viel schlechtere Qualität hat), um noch mehr zu verdienen. Also musste Hanf verboten werden.
  • »Nachteile des Hanfverbotes« und »Vorteile bei Aufhebung des Hanfverbotes«: sachliche, unaufgeregt und vor allem überhaupt nicht agitierend oder gar missionarisch geschriebene reine Informationen und Daten, die jedem erlauben, sich seine eigene Meinung zu bilden. Nur ein Beispiel: »Das Recht beruht auf dem Gedanken, dem anderen keinen Schaden zufügen zu dürfen. Strenge Gesetze, die etwas unter Strafe stellen, bei dem niemand zu Schaden kommt, sind Hinweise auf eine Diktatur. … Der einfache Bürger lernt zu diskriminieren: Menschen, die andere Drogen nehmen als man selbst, sind minderwertige Menschen. Diese Denkweise … führt zu einer verhärteten, asozialen Gesellschaft.« Bei Aufhebung des Verbotes: »Da es für Kriminelle geringere Einnahmen gäbe, hätte die Justiz wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die wahre Kriminalität.«
  • Selbst Kapitel wie »Göttliche Wahlfreiheit« sind kein esoterisches Gesumse, sondern das Gegenteil: »Wahlfreiheit fordert Bekehrungsverbot«, mehr noch »Bekehrung führt zu Zwang und Faschismus«, also Erinnerungen an elementare Menschenrechte und Pflichten: auch pro Hanf soll nicht bekehrt werden! In der Wahlfreiheit, auch der Genussmittel, »unterscheidet sich der Mensch vom Tier«.
  • Brandaktuell für Deutschland: »Drogenbekämpfung ist moderner Glaubenskrieg« – in diesem Kapitel wird der historische Zusammenhang bis zurück zu den Kreuzzügen hergestellt. Es macht evident, dass nur sachliche, nüchterne Informationen die Debatte weiterbringen, auch keine glühenden Pro-Jünger etwas nützen.
  • »Jeder nimmt Drogen«: »Nach Auslegung der WHO sind eigentlich alle Menschen Drogenkonsumenten, nur wird dies in der Regel nicht so aufgefasst. Jeder hat schon einmal eine Aspirintablette geschluckt, und das ist nun tatsächlich eine gefährliche Droge, die weltweit jährlich zum Tode von 13.000 Menschen führt.«
  • Genau in diesem Sinne überaus wertvoll: »Sinn und Unsinn von THC«, ja, auch viel Unsinn wird darüber verbreitet!


Darüber hinaus erinnert dieses Buch an die schlichte und ergreifende Tatsache, dass Hanf ganz unabhängig von seiner teilweisen Nebenwirkung als Rauschmittel, eine der reichsten und umfassendsten Nutzpflanzen ist, die es gibt, als was er bis Anfang des letzten Jahrhunderts auch genutzt wurde: von Klamotten bis Papier,  von Plastik bis Hanfseilen, von Autokarosserien bis Medizin: all das kann aus Hanf gemacht werden! Ein Foto zeigt den Autobauer Ford, der mit einem riesigen Hammer auf ein von ihm mit Hanf gebautes Auto schlägt – und nichts kaputt geht. Auch global politisch könnte Hanfanbau verarmten Bauern in den Länder der südlichen Weltkugel zu Einkommen verhelfen: da Hanf anspruchslos auch auf kargen Böden wächst, könnten sie ihn großflächig anbauen!

Das Überzeugende an diesem Buch ist seine unaufgeregte Haltung, leise und unaufdringlich kommt es daher und ist damit selbst ein praktisches Beispiel für die eigene Forderung des Bekehrungsverbots!

Zum Schluss noch ein Beispiel, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, weil ich seit Jahrzehnten vergeblich gegen die Verseuchung dieser wunderbaren Heil- und Erkenntnispflanze Cannabis durch Vermischung mit dem tödlichen Nervengift Tabak kämpfe. Bruining bringt es im Zusammenhang mit den Fragen: »Ist Cannabis schädlich? Macht es süchtig?«: Durch die »andauernde Propaganda gegen Hanf als süchtig machendes Mittel … entstehen Scharen von Menschen, die von sich selbst denken und behaupten, cannabisabhängig zu sein. Dass diese Menschen dabei jedes Mal ein Gramm Tabak rauchen, von dem man weiss, dass er extrem abhängig macht, und lediglich 0,2 Gramm Cannabis, macht diese Erkenntnisse nicht unbedingt glaubwürdiger.«

(PS: Leute: hört auf dieses göttliche Kraut zu versauen und zieht Euch den Tabakdreck wenigstens getrennt in die Lunge. Zur Wahlfreiheit gehört auch die Freiheit, sich umzubringen. Daher habe ich kein Problem damit und kein Mitleid mit denen, die qualvoll verrecken, weil sie meinten, das unbedingt nötig zu haben.  Was ich aber nie verstehen werde, ist, wie man sich damit freiwillig den wahren Genuss auf 2/3 oder die Hälfte runterschrauben kann, die klaren Bilder eliminiert, die reinen Emotionsflashs verpixelt und den Fluss der Kommunikation verzwirbelt.)

Christof Wackernagel

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