Mittwoch, 30. Mai 2018

Modellprojekt zur Abgabe von Marihuana in Gießen gefordert

 

Linksfraktion reicht Antrag zur Prüfung eines CSC ein.

 

Foto: Archiv

 

In der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen konsumieren Menschen trotz Cannabisverbot die potenten Blüten der auf dem Schwarzmarkt produzierten Hanfpflanzen genauso häufig wie im Rest der Republik. Da dieser Zustand offensichtlich nicht durch die bisher angewandte Strafverfolgungsstrategie zu verändern ist, fordern aufgeschlossene Personen schon eine ganze Weile einen zielführenden Umschwung in der Drogenpolitik, welcher Konsumenten vor Gefängnissen schützt und dem Staat mehr Möglichkeiten in der Suchtprävention bietet. So auch die Mitglieder der Linksfraktion in Gießen, die am 28.05.2018 einen Antrag stellten, der unter anderem die Überprüfung fordert, ob ein Cannabis Social Club zur Abgabe von Marihuana an Erwachsene in einem Modellprojekt in Gießen geeignet wäre.

 

In dem freundlicherweise vom Fraktionsvorsitzenden der Gießener Linken ebenso an die Agentur des Hanf Journals verschickten Antrag an den Stadtverordnetenvorsteher der Gießener Stadtverordnetenversammlung fordert die Linksfraktion den Magistrat dazu auf, eine „Ausnahmegenehmigung nach §3 BTMG Abs. (1) und (2) im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Modellprojekts zur kontrollierten Abgabe von Cannabisprodukten an Konsumierende in Gießen bei der Bundesopiumstelle zu beantragen“. Da zwischen vier bis fünf Millionen Bundesbürger regelmäßig Marihuana konsumierten – die jährlich über 100000 Strafverfahren verursachten – böten aus Sicht der Linken möglicherweise Cannabis Social Clubs – welche in Spanien, Belgien und Holland schon sichtbare Lösungsansätze aufzeigten – eine Option, der als gescheitert zu betrachtenden Prohibition sinnvoll entgegenzuwirken. Mit Cannabis Social Clubs könne man den Cannabiskonsum besser regulieren, würde dem kommerziellen Anreiz weitere Kundschaft anzuwerben, einen Riegel vorschieben; und besäße aufgrund der Straffreiheit direkten Kontakt mit bereits suchtgeleiteten Konsumenten, denen dann erstmals mit tatsächlichen Hilfsangeboten greifbare Unterstützung geboten werden könnte.

 

Damit die positiven Aspekte der eingereichten Forderungen verständlich werden, drängt die Linksfraktion in Gießen auf das Einhalten gewisser Punkte bei der Stellung des Antrags, über den folgend die Bundesopiumstelle entscheiden wird. So muss gewährleistet sein, dass eine Präventionsstrategie nur erwachsenen Konsumierenden einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang ermöglicht. Sichergestellt gehört, dass Kinder und Jugendliche vor jeglicher Rauschmittelüberlastung geschützt werden. Illegaler Handel muss durch den legalen Zugang eingedämmt werden können, während Behörden dadurch entlastet werden. Aus diesem Grund muss dazu auch die strafrechtliche Verfolgung von Cannabiskonsumenten außer Kraft sein, damit Teilnehmer eines Modellprojektes geschützt sind. Da dieser Modellprojektcharakter nicht übersehen werden darf, gehört eine wissenschaftliche Begleitung durch Fachexperten selbstredend zum angestrebten Plan der Linksfraktion in Gießen.

 

Gutes Gelingen gewünscht.

8 Antworten auf „Modellprojekt zur Abgabe von Marihuana in Gießen gefordert

  1. Lotus

    Toi,toi,toi,
    ich drücke die Daumen ,das es funkioniert…
    es wird langsam auch mal Zeit den ersten großen spührbaren richtigen Schritt zu machen,
    ich bin fest davon überzeugt ,das es ein voller Erfolg werden wird 🙂
    Wir haben auch lange genug darauf gewartet ,
    es wurde durch die Prohibition mehr Opfer in der Bevölkerung erzeugt, wie jemanden damit geholfen,
    ich denke alle betroffenen Menschen/Cannabisnutzer in Deutschland haben eine gute Veränderung redlich verdient,
    das ist nur das mindeste,nach so langer Zeit Krimi,Horror und Thriller…

    Peacezeichengruß

  2. Rainer Sikora

    Deutschland besteht aus Vorschriften, Verboten, Anordnungen,Bestimmungen,Anweisungen,Verfügungen und hohe Hürden die durch nützliche und unnützlicheRegeln alles aufhalten und blockieren.

  3. Otto Normal

    „[…] der als gescheitert zu betrachtenden Prohibition sinnvoll entgegenzuwirken.[…]“
    Der gescheiterten Drogenpolitik sinnvoll entgegenwirken kann nur eine sofortige umfassende Legalisierung von Cannabis und Entkriminalisierung der Konsumenten seien es medizinische oder Genußkiffer. Alles Andere ist gequirlte Scheiße! Ich bin absolut gegen Clubs zum Kiffen, denn damit müssen sich die Konsumenten verstecken als wenn sie Abschaum wären. Dann kann man auch gleich in die Niederlande auswandern, denn die gesamte Niederlande ist ein einziger Cannabis-Social-Club, aber einer in dem die Menschen frei sind, anders als in Nazideutschland.

    Aber ich mache mir keine Sorgen das die Scheißlösung „Cannabisclub“ Wirklichkeit wird denn:
    Der Antrag wird, wie alle Anträge davor die in die gleiche Richtung gingen, mit den gleichen verlogenen und angeblich alternativlosen Argumenten (Worthülsen und Phrasen), die davor auch angebracht wurden, ohnehin abgelehnt (dummgeredet bzw. totgelabert).

    Wetten das?

    @Rainer Sikora
    Deutschland besteht vor allem aus Lügenpresse, Volksverrätern, Kapitalisten und vielen Millionen kleinen dummen versoffenen Malochern, die das Geld erwirtschaften, welches den davor genannten in der fetten Arsch geblasen wird und die aber doof genug sind dieselben Volksverräter jedes mal aufs neue zu wählen.

  4. Bianca Mo.

    Unsere Haltung ist klar: Entkriminalisieren & für medizinischen Gebrauch legalisieren. Wir sind sehr gespannt, ob es in Gießen funktioniert und ein CSC gegründet werden kann! Wir können nur hoffen und Daumen drücken.

  5. U-G

    Nette Versuche um Cannabis zu entkriminalisieren. Mafia aenliche Strukturen koennten bei einer kompletten Legalisierung von Cannabis untergraben werden. Die Pharma und Chemie Mafia genauso. Da meine Angehoerige nun einem Palliativnetz angehoert und ich noch ein Notfallpaeckchen, im Notfall von heftigsten Schmerzen fuer 62euro, geliefert von einer Vertragsapotheke, bekam, waren Opiate die Mehrheit. Ich soll im Notfall eine 0800-Nummer waehlen und werde uebers Telefon geleitet wie ich beim Spritzen vorzugehen habe! Ein Danke an die Bundesopiumstelle, das ich als Laie meine Mutter zuspritzen darf, aber Cannabis so verteufelt wird! Aus Medizinischer Sicht habt ihr Politheinis glaub ich immer noch nicht verstanden das Menschen, ob klein oder gross, leiden. Das ist ein Staat von vielen in Europa und der ganzen Welt, die Waehler als unmuendige Heinis haelt. Wer sein eigenes Volk behandelt wie zu DDR Zeiten, wie kann ich Respekt vor ihnen haben. Eure Hymne ist Schall und Rauch. Artikel 1 ist am Ende, leider. Cannabis for ever. Give that plant free. Peace for everyone.

  6. Matze Riedl

    @Otto Normal,
    ich teile ihre Einschätzung bezüglich der Ablehnung nicht völlig. Hier in Gießen sind auch die Grünen mit in der Stadtregierung. Evtl können die Druck ausüben, damit der Genehmigungsantrag gestellt wird. Ob dann die Bundesopiumstelle den statt gibt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Wir versuchen jedoch politisch Druck aufzubauen, indem Anträge zu CSC in immer mehr Kommunen gestellt werden. Je mehr da auf allen politischen Ebenen, wie auch auf der Straße passiert, je mehr sich im wahrsten Sinne des Wortes bewegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich tatsächlich endlich etwas in Sachen Repression gegen Cannbiskonsumenten zum Guten wendet.

    Ich teile aber explizit nicht (!) ihre Aussagen bezüglich „Volksverrätern“ und „Lügenpresse“. Das sind genauso Worthülsen und Phrasen, wie sie dem politischen Gegner vorwerfen. Wer ist denn dieses öminöse „Volk“, was angeblich verraten wird? Ist eine Bevölkerung eines Nationalstaates nicht eine sehr heterogene Gruppe? Viele Millionen Menschen die alle unterschiedlich sind, in Interressen, Vorlieben, Glauben, Rauschverhalten und politischer Ausrichtung? Wie kann das „verraten“ werden? Doch letzlich nur indem ihm seine Vielfältigkeit abgesprochen wird.
    Und spiegelt sich das dann nicht auch in einer freien Presse wieder? Verschiedene Zeitschriften und Tagesblätter, in denen auch diese Vielfältigkeit der Meinungen auch repräsentiert sind? Es gibt einen nicht zu unterschätzenden Inhaltlichen, wie Meinungsvertretenden Unterscheid z.B. zwischen BILD Zeitung und Hanfjournal. Oder etwa nicht?
    Ich wäre jetzt kein Linker, würde ich nicht auch sehen, dass es Menschen und va. Großunternehmen gibt, deren Meinung deutlich mehr Gewicht hat als die vom Blumenhändler am nächsten Eck. Soviel Gewicht, so viel Drohpotential (Stellenabbau, Steuerflucht etc.), dass viele Politiker es nicht wagen gegen diese Interessen zu handeln. Das ist nun mal der Kapital-ISMUS. Im Feudal-ISMUS davor warens halt noch die Blaublütigen. Kann man gut finden. Muss man aber nicht.

    @Irgendwer
    Danke für den Link ins CannabisMedizinForum. Da habe ich einigens gefunden, was in der anstehenden Diskussion im Stadtparlament Verwendung finden wird :). Auf Kommunalerebene kann ich soviel ihrer Meinung sein wie ich will. Hilft nur leider nicht. Die Kommunen sind an die Bundesgesetzgebung gebunden. Daher der Antrag auf Ausnahmegenehmigung. Mehr geht auf der politischen Ebene leider, leider nicht. Aber es gibt ja zwei, drei Parteien die auch auf höheren Ebenen, zumindest nach Wahlprogramm, sich in ihre Richtung stark machen und entsprechende gesetgebenden Initiativen starten könnten.

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