Dienstag, 24. April 2018

New Yorker Senatorin für bundesweite Cannabis-Freigabe

 

 

Kirsten Gillibrand fordert ein Treffen von Justizminister Jeff Sessions mit Opfern des War on Drugs

 

 

RE-Legalisierung in Sicht
Artwork by mark marker

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Wenn die Demokratische Partei für die kommende Präsidentschaftswahl die richtige Personalentscheidung trifft und US-Präsident Trump bis dahin die Welt in Ordnung lässt, wird sich 2020 möglicherweise eine Frau auf den Weg ins Weiße Haus machen. Kirsten Gillibrand heißt die Dame, die als Senatorin des Bundesstaat New York im Kongress schon jetzt die Krallen ausfährt und jede Gelegenheit nutzt, Donald Trump und seine Kalfaktoren als dumme Schuljungen dastehen zu lassen.

 

Jetzt hat die 51-jährige Rechtsanwältin einen offenen Brief an Justizminister Jeff Sessions geschrieben, in dem sie den Hardcore-Prohibitionisten auffordert, sich einer offenen Diskussion über den Sinn und Zweck des Cannabis-Verbots zu stellen. Sessions ist hinsichtlich der voranschreitenden Re-Legalisierung des Hanfes uneinsichtig und auf Krawall gebürstet. Auf das Anliegen der Mehrheit der US-Amerikaner nach einer bundesweiten Cannabis-Freigabe reagiert der 71-Jährige mit Vorliebe zynisch – und das auf unterstem Niveau. So witzelte der weißhäutige Republikaner, dass er den Ku-Klux-Klan immer für „okay“ hielt, „bis er herausfand, dass dessen Mitglieder Marihuana rauchten“.

 

Für die eloquente Kirsten Gillibrand ist der Einfaltspinsel Sessions ein leichtes Opfer, um es im politischen Geschäft vorzuführen. Letzten Sonntag appellierte die Mutter von zwei Söhnen an das nicht vorhandene Gewissen des Justizministers: „Ich bitte um ein Treffen mit mir und Personen, deren Leben durch die Gefängnisstrafe wegen eines geringfügigen Marihuana-Deliktes irreparabel geschädigt wurde. Die Auswirkungen des Freiheitsentzugs dauern ein Leben lang. Inhaftierte Männer und Frauen können nicht wählen, haben keinen Anspruch auf Sozialwohnungen und finden nur schwer Arbeit. Das Stigma, das mit diesen Gefängnisstrafen verbunden ist, erstickt alle Lebenschancen künftiger Generationen schwarzer Amerikaner.“

 

In New York gab die Senatorin überdies eine Pressekonferenz, um ihrer Forderung nach einer bundesweiten Cannabis-Legalisierung Nachdruck zu verleihen: „Unser Justizsystem ist nicht in der Lage, farbige Männer und Frauen zu schützen. In der Realität würde mein 14-jähriger Sohn wahrscheinlich anders behandelt werden als seine schwarzen oder lateinamerikanischen Schulfreunde, wenn er mit Marihuana erwischt wird.“ Deshalb müsse Justizminister Sessions von Angesicht zu Angesicht mit New Yorkern sprechen, die wegen des gescheiterten Drogenkrieges gelitten haben. “Es ist an der Zeit, dass die Vereinigten Staaten den Besitz von Cannabis legalisieren, und ich fordere alle New Yorker auf, ihre Stimme zu erheben und sich mir anzuschließen, um unser Justizsystem zu reformieren.“

 

Zudem verlangt Gillibrand von Sessions, die tolerante Drogenpolitik der Obama-Regierung fortzusetzen. Das Cole-Memorandum müsse in Kraft bleiben, um die US-Staatsanwälte weiterhin davon abzuhalten, das Bundesverbot für Marihuana in Colorado, Kalifornien und anderen Staaten, wo es legal und reguliert ist, durchzusetzen.

 

Kirsten Gillibrand scheint die neue Generation Demokratischer Politiker zu sein, die endlich begreift, dass der War on Drugs längst verloren ist und die Mehrheit der US-Amerikaner ihren Frieden mit der Hanfpflanze machen will. Im November steht die smarte Politikerin in New York zur Wiederwahl – und es sieht gut aus, dass Gillibrand im Amt bestätigt wird und in der Demokratischen Partei zur Nr. 1 aufsteigt. In jedem Fall haben die Antidrogenkrieger mit der resoluten Frau eine ernstzunehmende Gegnerin, die kein Blatt vor den Mund nimmt und keck voraussagt, dass Marihuana in den USA in einigen Jahren legal sein wird – vielleicht schon 2020.

 

3 Antworten auf „New Yorker Senatorin für bundesweite Cannabis-Freigabe

  1. Rainer Sikora

    Ein Haufen Wenns und Abers, aber auch Fragen sowie einige Jahre,trennen auf der anderen Seite des großen Teiches von diesen Zielen.Eigentlich gibt es kaum wirkliche Fortschritte im Krieg gegen die vielen Buhmänner.

  2. Ralf

    Die wichtigste Frage für mich ist: Kommen dann auch alle Justizopfer dieses verbrecherischen Krieges gegen die eigene Bevölkerung frei und werden rehabilitiert? Von Entschädigung für ertragenes Leid und traumatisierte Familien will ich gar nicht erst reden!

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