Montag, 26. März 2018

Cannabis-Aktivist schockt Niederländer

 

 

Suizidversuch während Parlamentsdebatte sollte die Öffentlichkeit wachrütteln

 

 

Cannabis

 

 

Ein Abgeordneter der rechtsliberalen Regierungspartei VVD stand gerade am Rednerpult und sprach zum Thema „Bekämpfung der organisierten Kriminalität“, als sich ein Hanfaktivist von der Besuchertribüne in den halb leeren Sitzungssaal der Tweeden Kamer stürzte. Der 65-Jährige, der sich einen Strick um den Hals gebunden hatte, überlebte den Sprung mit leichten Blessuren. Offensichtlich war das Seil zu lang bzw. nicht richtig an der Balustrade befestigt.

Der Vorfall ereignete sich vergangenen Donnerstagnachmittag. Bei dem Mann handelt es sich um Hans Kamperman aus Groenlo in der Provinz Gelderland, der in den Niederlanden kein Unbekannter ist. Seit Mitte Januar kampiert der ältere Herr gemeinsam mit seinem Mitstreiter Darpan van Kuik vor dem Haager Parlament, um für die Freigabe des Anbaus von medizinischem Cannabis für jedermann zu protestieren.

 

Den friedlichen Widerstand ausgelöst hatte ein im Dezember ergangener Schuldspruch gegen Kamperman – wegen des Besitzes von fünf Hanfpflanzen, die für Herstellung von Cannabisöl für bedürftige Patienten vorgesehen waren. Vorausgegangen war ein überfallartiger Besuch von der Polizei, die in seinem Gewächshaus mehr als die „erlaubte Menge“ entdeckt und beschlagnahmt hatte. „Sie nennen mich jetzt den Pablo Escobar aus Groenlo“, sagt Kamperman, weil er laut Gerichtsurteil mit großen Mengen Cannabis gehandelt haben soll.

 

Der Hanffreund befindet sich schon länger im Clinch mit „Vater Staat“. Die Behörden stufen seine Investition von 2,5 Millionen Euro in ein Einkaufszentrum nach dem „Bibob Act“ als „unredlich“ ein, da bei ihm der Verdacht „krimineller Aktivitäten“ bestünde. Laut Kamperman sei das aber nicht der Grund seines Suizidversuchs gewesen. Ebenso wenig hätte die Verurteilung im Dezember, die ein Einreiseverbot für Kanada nach sich zog und somit sein Engagement für ein Naturschutzgebiet unterbindet, den Ausschlag für seine Verzweiflungstat gegeben.

 

„Das kam mir plötzlich in den Sinn“, sagt Kamperman, der auch einen Brief an Ministerpräsident Mark Rutte geschrieben hatte, der unbeantwortet blieb. „In diesen zwei Monaten habe ich etliche Petitionen eingereicht und nie etwas gehört. Die Abgeordneten waren überall um mich herum, als ich dort saß.“ Aus der Ignoranz der Parlamentarier erwuchs schließlich Kampermans Entschluss, sich mit einem Strick um den Hals mehrere Meter tief in den Plenarsaal zu stürzen. Auf Facebook kündigte er den Suizid an. Er wolle die Politiker wachrütteln, damit die Kriminalisierung der medizinischen Cannabiskonsumenten ein Ende findet. Kamperman wirft den Parlamentariern vor, die Rechtsstaatlichkeit auszuhebeln und die Menschenrechte zu verletzen. „Die Tabakindustrie verursacht fünf Millionen Todesfälle pro Jahr durch die Zugabe von krebserregenden Stoffen, von denen alle im Rahmen des Strafrechts erlaubt sind. Cannabis wird kriminalisiert, während es die Erde retten kann und für viele Menschen eine Medizin ist. Ich tue das für die Erde und die Menschen. (…) Ich wäre gerne bei Euch geblieben. Ich hatte ein erfülltes Leben, für das ich dankbar bin.“ Abschließend bittet Kamperman, den Legalisierungskampf fortzusetzen und seine Petition zu unterstützen.

 

Inzwischen wurde der Hanfaktivist aus dem Krankenhaus entlassen. Er bedauert, dass die Abgeordneten seinen Suizidversuch miterleben mussten. Doch der Protest vor dem Parlament soll weitergehen. Denn der Plan der Regierung, die Hanfpflanze unter staatlicher Kontrolle zu halten und den Anbau pharmazeutischen Kapitalunternehmen zuzuschanzen, ist für Kamperman und seinen wackeren Mitstreiter Darpan van Kuik nicht hinnehmbar.

 

4 Antworten auf „Cannabis-Aktivist schockt Niederländer

  1. cannuser

    Krasse, definitiv keine lasche Aktion! Wann nimmt die Willkür endlich ein Ende? Der fiktive ‚Hank‘ muss und sollte der einzige bleiben, der in diesem Kampf mit seinem Leben bezahlt hat.

  2. Lotus

    Oh man,zum Glück ist ihm nix passiert…
    Was muß noch alles passieren bis die Politik einlenkt,
    die Menschen fordern ihr Recht auf Freiheit ein,
    aber man ignoriert uns einfach,
    man wendet Argumente einfach gekonnt ab un beugt Gesetze nach Lust und Laune,
    dann ist es auch kein Wunder,wenn mal jemand zu krasseren Protestaktionen greift,
    wobei ich hoffe das wir uns als Menschen für unsere Rechte auch auf anderen Wegen Erfolgreich behaupten können als mit solchen Aktionen, da mit so einem Thema nicht zu spaßen ist.
    Ich Respektiere zwar seinen Kampfgeist,kristisiere aber seinen Leichtsinn,ich denke wir können es besser machen als so,auch wenn wir verzweifelt sind,aber ein Suizidversuch geht schon entschieden zuweit.
    Deswegen hoffe ich mal das so etwas nicht nochmal vorkommt.

    Peacezeichengruß

  3. Rainer Sikora

    Die Medien werden nicht allzusehr darauf reagieren.Vielleicht wird irgendwo noch darüber berichtet.Aber das war es auch schon.So gerät das Ganze schnell wieder in Vergessenheit.

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