Mittwoch, 4. Oktober 2017

Vier Kilogramm Cannabis in einem Nachtzug

 

Schleierfahnder fahren Bahn.

 

Polizeieinsatz
Illu: marker/Hanf Journal

 

Dank strikt geführter Prohibition werden tagtäglich friedliche Menschen von der Polizei dabei erwischt, wie sie mit verbotenen Kräutern durch die Bundesrepublik schleichen. Ein vielversprechender Gewinn und ein steuerfreier Umsatz bewegen den Einen oder auch die Andere dazu, sich auf die schiefe Bahn zu begeben und allen potenziellen Gefahren des Schwarzmarkthändlerdaseins zu trotzen. Da dies nicht immer funktioniert, wurden am Wochenende vier Kilogramm Cannabis in einem Nachtzug von Schleierfahndern sichergestellt.

 

Von Italien nach München soll sich eine 35-jährige Frau auf der Reise befunden haben, als Schleierfahnder auf ihre Gepäckstücke aufmerksam wurden. Nach einer Kontrolle des mitgeführten Reisegepäcks wurden 4,2 Kilogramm Marihuana gefunden, was der Dame nun zum Verhängnis werden dürfte: Sie wurde festgenommen und dem Traunsteiner Kriminaldienst zur weiteren Sachbearbeitung übergeben. Nach anschließender Weiterreichung an die Kollegen vom Fachkommissariat Rauschgift der Kriminalpolizei wurde am Montag ein Haftbefehl seitens Ermittlungsrichter erlassen, welchen die Staatsanwaltschaft Traunstein zuvor forderte. Aufgrund der illegalen Einfuhr von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge hat die junge Dame somit nun ein ernsthaftes Problem, was die Herren von der Schleierfahndung anscheinend nicht direkt beim Aufspüren der verbotenen Kräuterware besaßen. Ob dabei die nigerianische Herkunft der Frau den Beamten einen kriminalistischen Hinweis verschaffte – oder doch wieder ein Hund seine verbeulte Nase zu tief in eine fremde Tasche stecken durfte – wird von den berichtenden Medien leider nicht erwähnt.

 

Dass verschleierte Beamte dank auftrieb verleihender Prohibition ihre gefundenen Drogenkräuter teilweise auch sehr gut selbst gebrauchen können, muss befürwortenden Prohibitionisten bei einer derartigen Polizeierfolgsstory dafür aber unbedingt unter die Nase gerieben werden. Dass Knast keine Lösung ist, ebenso.

6 Antworten auf „Vier Kilogramm Cannabis in einem Nachtzug

  1. rainer sikora

    Nie im Leben haben wir was in unserem Sinne von Jamaika zu erwarten.Auch jetzt nicht ein Ton zu vernehmen über Verbesserungsvorhaben.Weder medizinisch noch sonstwie.Ich glaube die wollen alle nicht.

  2. ADHSPatient

    @rainer sikora
    Also an die vollständige Legalisierung glaube ich selber auch nicht, dafür sind CDU/CSU zu mächtig. Eine wie auch immer geartete Entkriminalisierung halte ich definitiv für möglich.

    Das erste mal habe ich einen Ton dazu übrigens bei Anne Will gehört. FDP-Vize Strack-Zimmermann hat dort von sich aus angesprochen, dass die FDP die Legalisierung durchsetzen will. CSU-Mann Söder hat natürlich dagegen gehalten.

    Rauf und runter diskutiert wird das Thema Flüchtlingsobergrenze, was außer der CSU in der Jamaikakoalition niemand will.

    Wart doch einfach mal ab was hinten raus kommt bevor du dich in Pessimismus ergehst. Eine Situation mit zwei Legalisierungsparteien in einer Koalition gab es soweit ich mich erinnere noch nie. Im Merkelsprech ist das „Neuland“.

  3. ADHSPatient

    @rainer sikora
    youtube.com/watch?v=mWqdRgfUSoo

    Bei Minute 32 spricht Frau Strack-Zimmermann von der Legalisierung.

    Bei Minute 59 und 50 Sekunden (59:50) kommt „der Joint“ nochmals zur Sprache, wiederum durch Frau Strack-Zimmermann.

  4. X-KIFFER

    Koalitionsgespräche sind stets das gleiche (Trauer-)Spiel. Erst werden viele Forderungen von den einzelnen Teilnehmern gestellt. Dann werden die – ähnlich wie beim Skat die Karten – ausgespielt und abgelegt bis sich nur noch die Kernforderungen auf dem Tisch befinden. Es wäre nicht das erstemal (und leider auch nicht das letztemal) das die Legalisierung dann gemeinsam mit Forderungen der politischen Gegner aus dem Spiel genommen werden. Um beim Beispiel Skat zu bleiben: Der Megatrumpf Obergrenze sticht die Lusche Legalisierung. Die Forderung der FDP und der Grünen nach Legalisierung ist nur eine Farce. Beide Parteien hatten in den vergangenen Jahrzenten genug Gelegenheit die Legalisierung voranzubringen.

    Die FDP die sich die Liberalität auf die Fahnen geschrieben hat versteht unter „Freiheit“ vor allen Dingen eine Steuerbefreiung ihrer Klientel, nicht etwa das Grundrecht auf ein selbstbestimmtes Leben.

    Die Grünen haben gemeinsam mit der SPD das Hanfsamenverbot beschlossen, also eine extreme Verschärfung der Prohibition. Jetzt die Legalisierung zu fordern ist der Gipfel der Verlogenheit.

    Sehr viel Genugtuung bereitet mir das Wahlergebnis der AFD. Auch wenn die nicht gerade Legalisierungsbefürworter sind, so lehren sie zumindest den anderen Parteien das Fürchten. Manchmal muß man eben den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Das Auftauchen dieser rechten Partei hat sehr deutlich offengelegt wie undemokratisch das bisherige „Parteienkartell“ ist.

    Ich wünsche mir das die AFD beim nächstenmal 30% holt damit von da an JEDER Deutsche mit Angst einschlafen muß … genauso wie jeder Cannabiskonsument.

  5. ADHSPatient

    @X-KIFFER
    Ja, die Grünen haben mich auch in der Vergangenheit enttäuscht, ich setze keineswegs blinde Hoffnungen in sie.

    Ein tolles Beispiel dafür ist Kretschmann der einen harten konservativen Kurs als „grüner“ Ministerpräsident führt.

    Und wie du schreibst haben sie auch auf Bundesebene enttäuscht als sie an der Macht waren.

    In der Opposition haben sie allerdings das Cannabiskontrollgesetz auf die Tagesordnung gesetzt, und damit das erste Legalisierungsgesetz im Bundestag überhaupt.

    Ich denke, dass das Thema heute bei den Grünen wichtiger ist als zu Zeiten von Rot-Grün.

    Cem Özdemir ist Parteivorsitzender und dem glaube ich wirklich, dass ihm das Thema persönlich am Herzen liegt und nicht nur weil er sich einmal mit einer Pflanze hat ablichten lassen. Er hat mehrere sehr scharfe Pro-Cannabis-Reden gehalten.

    Bei der FDP hast du völlig Recht, dass sie immer die Liberalität vorgegeben haben zu vertreten und gleichzeitig Legalisierungsgegner waren. Das sagt viel darüber aus wie ernst diese Partei es mit liberalen Prinzipien nimmt. Deine Kritik ist berechtigt und wird von mir geteilt.

    Die Lage hat sich was die FDP angeht insofern geändert, weil es einen Parteitagsbeschluss gab, der mit 60% der Stimmen angenommen wurde, und seitdem ist die Bundespartei FDP auf Legalisierungslinie. Ob man das den einzelnen Akteuren an der Spitze nun abnimmt oder nicht, die Partei will die Legalisierung in der Mehrheit, sonst wäre der Beschluss nicht durchgekommen. Und die Verpflichtung der Parteioberen sollte es sein, die beschlossenen Ziele ihrer Partei falls möglich durchzusetzen oder sich ihnen zu nähern.

    Nun weiß ich natürlich, dass die FDP in der Vergangenheit Klientelpolitik gemacht hat, davon brauchst du gar nicht anzufangen. Sie hat aber auch andere Dinge erreicht, beispielsweise hat sie die CDU in der letzten Koalition an der Vorratsdatenspeicherung gehindert. Manchmal macht die FDP also tatsächlich etwas für Bürgerrechte.

    Ich kann deine Skepsis und die von den anderen hier verstehen, weil wir oft genug enttäuscht worden sind.

    Die Konstellation, die wir jetzt haben, hatten wir noch nie. Zwei Parteien, die die Legalisierung beschlossen haben, nehmen an Verhandlungen teil. Da kann man meiner Meinung nach mindestens Schritte in Richtung Entkriminalisierung erwarten.

    Was einen möglichen Kuhhandel mit der Obergrenze angeht sehe ich es gelassen. Vermutlich werden die Grünen bei den sicheren Herkunftsstaaten nachgeben und dafür wird die CSU auf ihre Obergrenze verzichten. Oder es wird eine symbolische Integrationsgrenze vereinbart ohne echte Zähne. Die werden sich irgendwie einigen. Die CSU braucht halt einen Erfolg, den sie für die Landtagswahlen verkaufen kann. Flüchtlinge sind das Topthema in Bayern und dementsprechend wäre die Beibehaltung der Cannabisprohibition dem geneigten CSU-Wähler relativ wurscht, solange die CSU irgendetwas (und sei es noch so klein) beim Thema Flüchtlinge gegen die Grünen durchsetzen kann.

    Kann ja sein, dass ich mit meiner Analyse daneben liege. Mich würde mal interessieren, was ihr hinterher zu mir sagen werdet, falls ich richtig gelegen haben sollte.

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