Donnerstag, 28. September 2017

Mit schlechtem Beispiel voran!

 

Lutz lässt es hängen

 

 

Durch einen unverhofften Kurztrip in die Niederlande wurden Erinnerungen an den ehemaligen Handwerker und jetzigen Cannabisbauern Lutz geweckt, der in der Vergangenheit in seinen vier Wänden unter etwas widrigen Umständen Hanfpflanzen für den Eigenbedarf züchtete. Mit einem kleinen Abstecher nach Rotterdam und einem zuvor getätigten Anruf bei dem freundlichen Altachtundsechziger konnte der spontane Plan, Lutz erneut einen Besuch zwecks Überprüfung der aktuellen Sachlage abzustatten, direkt in die Tat umgesetzt werden, was zu dem folgenden Bericht über die nicht ganz sachgemäße Growing-Methode des ausgewanderten Anbauers führte. Lutz lässt es hängen und geht mit schlechtem Beispiel voran.

 

Während der derzeitig weiterhin wachsende Markt an Utensilien für den Cannabisanbau@Home mittlerweile für nahezu jeden regelmäßig gefüllten Geldbeutel erschwingliche Angebote bereithält, hält sich Lutz weiterhin lieber an die von ihm selbst gebastelten Aufbauten und eingesammelten Einzelteile, die von ihm in sorgfältiger Kleinstarbeit und mit viel Zeitaufwand in die Räumlichkeiten seiner Wohnung installiert wurden. Zum einen stehen unter einigen Leuchtstoffröhren im Badezimmer im Wachstum befindliche Klone seiner dort ebenfalls geparkten Mutterpflanze, zum anderen befinden sich in einem ansonsten komplett ungenutzten Zimmer bis zu zwanzig in der Blütenphase befindliche Hanfgewächse unter einer 400-Watt-Natriumdampflampe auf ungeschützten vier Quadratmetern Raum.

 

…trauriger Anblick…

 

Lutz lässt seine Pflanzen – die in der Regel in üblichen 4-Liter-Plastikblumentöpfen stehen – ohne Zelt oder Growkammer gedeihen und schützt diese – im Falle der im Bad stehenden Stecklinge – nur mit einem alten violetten Vorhang aus Stoff.

Die Blüten produzierenden Gewächse hingegen stehen einfach offen im leeren Raum und werden großzügig von einem kleinen 12-Watt-Ventilator in seichten Winden gewiegt. Ansonsten nutzt Lutz an technischem Equipment weiterhin nur eine einzige Zeitschaltuhr für die Zwölfstundenschicht der ausgewachsenen Blüten-Ladies, da er seine von einer Sensi Seeds Super Skunk Züchtung geklonten Stecklinge konsequent unter einer 24-Stunden-Dauerlichtbestrahlung hält. Treu geblieben ist er sich auch beim gefühlvollen Anwenden der Terra Bloom und Terra Grow Dünger von Plagron, die ohne die Nutzung von ph- und EC-Messgerät eine derartige Behandlung verlangen. Glücklicherweise hat Lutz auch gelernt, dass gute Startbedingungen von Vorteil sind, weshalb er mittlerweile auch auf die Qualitätserde des Herstellers zurückgreift. Ebenso ist der Pufferfaktor dieser Erde bei seiner etwas unsachgemäßen Behandlung der Düngemittel ein Vorteil, der vor größeren Schäden durch selbst verursachte Überdüngung schützen kann.

 

Alle zwei bis drei Tage verlangen die reifenden Mädchen im „Wohnzimmer“ nach frischem Wasser, das mit wenigen Milliliter der Terra Bloom Substanz zusammen in einer Gießkanne vermengt wird. Die im Wachstum stehenden Cannabisdamen im Bad hingegen benötigen nur alle 3 – 4 Tage frisches Nass mit noch weniger Terra Grow Düngemittel, sodass Lutz in unrhythmischen Abständen seine Versorgungstätigkeit aufzunehmen hat, während er täglich die tatsächlichen Bedingungen jeder einzelnen Pflanze überprüfen muss. Schließlich sind die vielen Super-Skunk-Ladies nicht zeitgleich von ihm in die jeweiligen Stadien versetzt worden, weshalb unter allen Lichtern die unterschiedlichsten Reifegrade anzutreffen sind.

 

Mindestens zwei verschiedene Generationen stehen in der Blütenproduktion, während Mutti und Stecklinge ebenfalls stets unterschiedliche Ansprüche besitzen. Somit muss Lutz sich nicht nur während des Anbaus mit ziemlicher Sorgfalt um die jeweiligen Bedürfnisse der verschiedenen Lebensphasen kümmern, er muss sich zwischenzeitlich auch immer wieder in häufigeren Abständen der Ernte einzelner Pflanzen widmen, die nach dem zeitfressenden Beschneiden von Blattwerk und Stängeln hängend Platz in Dunkelheit zum Trocknen benötigen. Während diese selbst auferlegte Tortur bei übermäßig gefülltem Zeitkonto noch zu entschuldigen wäre, ist der dadurch verursachte Einbruch bei Qualität und Erntemenge der aufwendig behüteten Sensi-Seeds-Sorte eine für Grower schwer zu verzeihende Mangelerscheinung, der eigentlich spätestens nach der ersten eingeholten Erfahrung schnellstmöglich entgegengewirkt werden müsste. Mit kleinen Handgriffen, leichten Umstellungen im Zeitmanagement und etwas Ingenieursgeschick nach einigen Einkäufen, ließe sich bei Lutz das Dilemma mit geringem Aufwand beheben, doch der eingefahrene Neu-Rotterdammer möchte seiner Methode anscheinend unbedingt treu bleiben.

 

…fröhlich rauscht die „Lüftungsanlage“

 

Weder in dem Einkauf eines abschließenden Grow-Zeltes noch in Licht reflektierende Folien möchte Lutz sein geringes Taschengeld investieren. Eine rauschende Lüftungsanlage mit Aktivkohlefilter wäre ihm viel zu auffällig – im Gegensatz zu den verströmenden Gerüchen. EC- und pH-Messgerät für eine Überprüfung der optimalen Düngeverhältnisse im Gießwasser extra anzuschaffen, erscheint dem sich auf seine Plagron-Erde verlassenden Hanfzüchter ebenfalls wieder zu aufwendig, da die unterschiedlichen Stadien der Gewächse nur minimale Mengen der jeweiligen Mischungen verlangen würden, davon aber verhältnismäßig viele. Eine Umstellung, die nur noch Pflanzen gleichen Alters in zwei verschiedenen Stadien unter das Licht ließe und somit Pflege-, Ernte- und Klonrhythmus auf einzelne überschaubare Termine läge, will Lutz lieber nicht durchführen, da Pflanzen dann vielleicht zu lange ungenutzt im Wachstum stünden und auch kein Leerstand auf einem freien Platz unter der Blütenlampe nach dem Ernten eines vereinzelten Gewächses entstehen soll. Bleibt die Trockenkammer aufgrund marginaler Ernteergebnisse daher einmal länger leer, hat Lutz jedoch keine größeren Probleme damit, bei Bekannten etwas selten vorhandenes Geld für gesund und professionell angepflanzte Cannabisknospen auszugeben. Für etwas nützliches Equipment zur Verbesserung seiner eigenen warmen wie feuchten Anzuchtbedingungen, die ihm diesen regelmäßigen Gang ersparen könnten, sind ihm die Ausgaben dagegen weiterhin einfach zu hoch…

 

Lutz geht beim Cannabisanbau@Home somit weiter mit sehr schlechtem Beispiel voran, weshalb nicht nur die Gesetzeslage hierzulande verbietet, vergleichbare Vorhaben in dieser unschönen Form in die Tat umzusetzen. Der Anbau von Marihuana ist leider insgesamt immer noch in recht vielen Ländern verboten, überprüfe daher vorher deine Grenzen!

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