Samstag, 2. September 2017

Interview mit einem Cannabis-Barbier                

                          

Plattfuß hat zu viele Stiele.

 

 

Text: mze/Fotos: Bud Spencer

 

Erneut durften die heiligen Hallen des braunen Bärs Bud Spencer besucht werden, um über die einfachen Methoden des Cannabisanbaus einige Informationen einzuholen. Buddy mag Besuch zwar eher selten, wenn er die Türe jedoch aufschließt, strömt neben verräterischen Düften aber auch immer etwas ehrliche Herzlichkeit aus seinen Domizilen, welche seit einer knappen Dekade auch oft die Heimat hunderter Hanfpflanzen waren. Aufgrund dieser Erfahrungen und des freundlichen Wesens braucht man sich nicht vor dummen Fragen zu scheuen und darf das eine oder andere Tütchen Marke Eigenbau erwarten, lässt man sich auf ein urtypisches Q&A mit big Bud Spencer ein.

 

 

Ha Jo: Hey, da bin ich wieder einmal. Hi Buddy!

 

Bud: Schön dich zu sehen, altes Ha-Jo-Haus. Komm rein und genieße die fantastische Aussicht.

 

Ha Jo: Danke, Freund. Auch fein, dass du dich erneut dazu bereit erklärt hast, wieder Auskunft über dein leider noch immer illegales Treiben zu geben. Hast du nicht langsam Angst, dass deine falsche Fassade irgendwann einmal auffliegt? Nicht, dass ich dir einen Floh ins Ohr setzen möchte…

 

Bud: Ach, ne. Darüber haben wir ja bisher selten geredet. Aber o.k., wenn du vor den Ladies erst meine Attitüden sichtbar erkennen willst, dann sag ich dir, dass mir es mittlerweile wenig ausmachen würde, wenn da irgendwann die Blaulichter vor der Türe wären. Bei den geringen Mengen, die ich ausschließlich für meinen Eigenbedarf produziere, wäre es fast schon eher interessant zu sehen, was es tatsächlich für ein Strafmaß gäbe. Jetzt wo Cannabis anerkannte Medizin geworden ist, betrachten Richter die Thematik wohl hoffentlich den Umständen entsprechend. Ich war auch schon bei meiner Ärztin und wollte ein Cannabisrezept für ein chronisches Rückenleiden, aber bisher tut sich Frau Doktor noch schwer, da sie zu wenige Informationen über Dosierung und Anwendungsbereiche hat. Hoffentlich ändert sich das demnächst; aber allein aus diesem Grund sind meine Sorgen mittlerweile auf dem bisherigen Minimum angelangt. Ich lebe jetzt schließlich im Notstand, dank der neuen Gesetzgebung…

 

Ha Jo: Okay, das klingt zumindest für die eigene Psyche positiv, wenn man nicht mehr mit zu viel Angst vor dem Erwischtwerden durch den Alltag rauschen kann. Was könnte dir denn derzeit genau vorgeworfen werden, sollte man deinen alten Micro-Harvester während einer Wohnungsdurchsuchung öffnen und dich daraufhin anzeigen?

 

Bud: Zuviel vielleicht. Ich bin ja nicht immer mit der gleichen Pflanzenanzahl in der Blüte und auch die Stecklinge sind meist in der Überzahl, um Ausfälle zu kompensieren. Also vertrete ich auch die Meinung, dass man im Falle einer Legalisierung von Marihuana nicht die genaue Anzahl der Plants vorschreiben dürfte, sondern sich auf die genutzte Stellfläche und die Werte der Leuchtmittel konzentriert. Denn ob ich nun sechs oder zwölf Pflanzen in der gleichen Growbox züchte, wirkt sich nicht wirklich auf den Ertrag aus. Früher hatte ich oft nur einzelne Pflanzen in einem der Stoffkübel, heute packe ich da aber auch manchmal mehrere Steckis rein, sodass bei mir teils mehr als ein Dutzend Hanfdamen in die Blüte geschickt werden. Aktuell waren es sechs Super Skunk von Sensi Seeds in zwei Stofftöpfen a 3,5 Liter, vier Wappa von Paradise Seeds und vier unbekannte Samenpflanzen aus kommerziellem Weed, die zusammen auch jeweils zwei Töpfe pro Sorte erhielten.

 

Ha Jo: Also insgesamt 14 verschiedene Plants? Wow, die stehen alle zusammen in der kleinen Kiste bei 300 Watt Natriumdampflicht?

 

Bud: Yo, da – wie gesagt – der gesamte Platz für Wurzeln und Wachstum nach meiner Erfahrung viel entscheidender ist, ist die Ausbeute nach der Ernte nicht messbar größer, als wenn ich nur einzelne Exemplare pro Topf gesetzt hätte. Steckis wegschmeißen fällt mir schwer und so sehe ich dann einfach bei der Entwicklung zu und staune oft über die unterschiedlichen Ergebnisse bei gleicher Herkunft.

 

Ha Jo: Du meinst, dass sich Klone von derselben Mutter während des Wachstums und der Blüte nicht vergleichbar verhalten? Woran siehst du das und wie erklärst du es dir?

 

Bud: Das ist meist offensichtlich. Zwischen allen Exemplaren herrscht halt wie in der Natur Konkurrenz. Nur weil man eine Schwester neben sich stehen hat, wird man nicht auf die von mir gegossenen Düngemittel verzichten und diese den Familienmitgliedern spenden. Ich denke, dass sich einige Stecklinge – die ich ja ohne Mutterpflanze von den vorherigen Klonen klone – meist durch Zufall schneller entwickeln, oder ihnen durch Glück der bessere Stellplatz zugutekommt. Es ist aber schon verblüffend, wie unterschiedlich einige Gewächse aus demselben Wurf gedeihen können. So kann eine Pflanze derartig über die anderen Geschwister hinauswachsen, dass sie nur kümmerliches Wachstum bei den ausgeschalteten Konkurrentinnen zulässt, während sie die gleiche Menge Cannabisblüten produziert, wie zwei gleichgroße Schwestern im anliegenden Topf zusammen.

 

Ha Jo: Deine Mädels kämpfen also untereinander um das höchste Ansehen und gönnen sich gegenseitig keinen Erfolg, kommen im Endeffekt aber immer zum gleichen Ergebnis – weird.

 

Bud: Es scheint fast so und so seltsam ist das nicht. Sieht man im Wald genauso, wenn man richtig hinschaut. Die Hauptsache ist ja auch eher, dass die Pflanzen bis zur Ernte möglichst feste Blüten produzieren und man in regelmäßigen Abständen die erwartete Menge einfährt. Welche Knospe wo hängt, ist da absolut nebensächlich. Wichtiger ist, dass man seinen Düngezyklus einbehält, jeden Tag einmal nach den Mädels schaut und sich vergewissert, dass es ihnen an keinen lebensnotwendigen Dingen fehlt. Den Rest müssen die Damen unter sich ausmachen.

 

Ha Jo: Bist du dir da denn treu geblieben – oder besser gesagt den bisher genutzten Herstellern?

 

Bud: Soweit läuft hier alles nach dem alten und wohl auch mittlerweile recht bekannten Schema; auch gerne Trick 17 genannt. Ich schneide Triebe von den Pflanzen, die in die Blütenkammer wandern, und pflege daraufhin stets zwei Anzuchtbereiche in der gleichen Zeit. Heißt, dass ich alle drei Tage meinen GHE-Dreikomponentendünger ins Gießwasser mische und es nach dem Messen von EC- und pH-Wert an die meist schon durstigen Hanfpflanzen in der Blütenkammer vergieße. Die anwurzelnden Stecklinge hingegen benötigen in den ersten Wochen wenig Aufmerksamkeit in ihrem Gewächshaus unter dem anderen Bereich mit Leuchtstoffröhren. Eine tägliche kleine Lüftung wird aber auch von den abgeschnittenen Trieben verlangt. Ab der dritten Woche erhalten dann aber auch die frisch angewurzelten Steckis regelmäßige kleine Düngungen zusammen mit dem Gießwasser.

 

Ha Jo: Kannst du für Neulinge noch einmal die unterschiedlichen Lichtzyklen erwähnen?

 

Bud: Klar, das ist das Einfachste. Sollen die Hanfpflanzen blühen, stehen täglich zwölf Stunden Natriumdampflampenlicht auf dem Programm der Zeitschaltuhr. Dazwischen zwölf Stunden absolute und ungestörte Dunkelheit, die eine Spätsommernacht imitieren. Die Plants vermuten dann den Herbst vor der Türe und entwickeln ihre Blüten zur vollen Pracht, die eigentlich nach einer Befruchtung den Fortbestand der Spezies absichern sollen. Bei den vom mir genutzten Sorten sind in der Regel 55 Tage und Nächte nötig, bevor man sich an die Ernte der knackigen Buds machen sollte. Die abgeschnittenen Triebe, die sich in Quelltorfwürfeln zum Wurzelschlagen unter einer Gewächshaushaube wiederfinden, werden dagegen konsequent mit mindestens 18 Stunden Licht bestrahlt, welches von Leuchtstoffröhren gespendet wird. Die Jungpflanzen fühlen somit ständig den Drang in die Höhe zu sprießen, da ihnen ein dauerhafter Sommeranfang vorgegaukelt wird.

 

Ha Jo: Cannabiszucht heißt also eigentlich auch Pflanzenverarschung?

 

Bud: Höhöhö, ja, genau genommen, ist es das wohl. Man nutzt die natürlichen Verhaltensweisen der nichts ahnenden Gewächse durch technische Mittel brutal aus und versucht dabei auch noch ein Optimum an deren Produktionseffizienz herauszuschlagen. Ähnlich wie in der immer noch gern angewandten Massentierhaltung…

 

Ha Jo: Was schmeißen deine gequälten Zuchtkälber denn dann ungefähr nach den erwähnten 55 Tage Blütenphase ab? Ein Gramm pro Watt herauszuholen, ist in dem kleinen Eisenschrank wohl weiterhin eine utopische Forderung für alle Beteiligten, oder?

 

Bud: Da genießt der Gentleman und schweigt – circa 150 Gramm – gesagt sollte aber sein, dass sich die Kosten bei Weitem rentieren. Ich rechne nicht in Gramm pro Watt, sondern pro Euro, wenn ich meine monatlichen Stromkosten in den Homegrow miteinbeziehe.

 

Ha Jo: Dann liegst du tatsächlich noch unter den günstigen Kursen, die bald in Apotheken Uruguays von den dort angemeldeten Bewohnern verlangt werden, obwohl theoretisch ja sogar noch Platz nach oben wäre… der Anbau daheim lohnt sich dann wohl wirklich für dich…

 

Bud: Manchmal auch für andere – hier, dein Wappa!

 

Ha Jo: Superklasse, thank you, Bud!

 

Wir danken dem dicken Italiener erneut für seine kleine Unterrichtsstunde im vielschichtigen Themengebiet des privaten Cannabisanbaus und hoffen, dass unsere Berichterstattung keine Blaulichter auf dessen Fährte führt. Ebenso muss hier leider immer noch der rechtliche Sicherheitssatz vermerkt werden: Nicht nachmachen, Marihuana ist in manchen Ländern der Erde weiterhin verboten – vielleicht ja auch in deinem!

 

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