Montag, 31. Juli 2017

Wer finanzierte Berlins größte Cannabis-Plantage aller Zeiten?

 

Kronzeuge denunziert Kunsthistoriker als Investor, Finanzmakler und Verkaufsleiter

 

Cannabis
Photo Ruth Groth

 

Sadhu van Hemp

 

 

Der 7. Juli 2015 war ein guter Tag – für die Berliner Polizei. 130 bis unter die Zähne bewaffnete Beamte ritten seinerzeit in Berlin-Mariendorf ein und stürmten eine Lagerhalle in einem Gewerbegebiet. Und der Bust hatte es in sich, denn ans Tageslicht kamen 19.024 unter Kunstlicht gezogene Cannabis-Pflanzen. Will man der Pressemitteilung der Polizei Glauben schenken, dann soll kein Spitzel oder Verräter den wertvollen Hinweis auf den Monstergrow gegeben haben. Ein neugieriger Hausmeister soll es gewesen sein, der etwas gerochen haben will und sich bei weiteren Beobachtungen wunderte, dass sich der Dachdeckerbetrieb statt Ziegel und Dachpappe „Pflanzenschutzmittel und Blumenerde“ anliefern ließ. Verdächtig auch, dass die Fenster „sonderbar schwarz verklebt“ waren. Wie es auch sei, laut Polizei hatten die Cannabis-Gärtner auf einer Fläche von rund 800 Quadratmetern Haschgiftpflanzen im Handelwert von 7,5 Millionen Euro angebaut.

 

Im Mai 2016 wurden zwei der Hauptbeschuldigten wegen gemeinschaftlichen Handeltreibens mit illegalen Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu Freiheitsstrafen von sechs Jahren, drei Monaten sowie drei Jahren verurteilt. Die Beweise gegen den jetzt vor dem Landgericht stehenden Kunsthistoriker reichten damals nicht aus und die Anklage wurde fallengelassen.

 

Doch wie so oft gab sich die Staatsanwaltschaft mit der Einstellung des Verfahrens nicht zufrieden und ließ die Polizei weiter ermitteln. Und siehe da, nun hat sich einer der verurteilten Haupttäter nachträglich eines Besseren belehren lassen und sich als Kronzeuge zur Verfügung gestellt, um den mutmaßlichen Komplizen leicht verspätet seiner gerechten Strafe zuzuführen. Wieder einmal hat sich die Hartnäckigkeit der Beamten ausgezahlt, verurteilten Straftätern so lange im Knast auf die Pelle zu rücken, bis diese einsehen, dass die Staatsanwaltschaft erst dann einer vorzeitigen Entlassung auf Bewährung zustimmen wird, wenn wirkliche Reue erkennbar ist. Und dazu gehört nun mal, dass reiner Tisch gemacht und tüchtig gesungen wird.

 

Und so will die Staatsanwaltschaft endlich mit letzter Gewissheit wissen, dass der 55-jährige Angeklagte ab April 2013 die Anschubfinanzierung der XXL-Cannabis-Plantage gesichert haben soll. Auch besteht der Verdacht, dass der Charlottenburger nicht nur Eigenkapital investierte, sondern auch andere Finanziers mit ins Boot holte. Zudem wird dem Kunsthistoriker vorgeworfen, den Ankauf und die Anlieferung von Stecklingen, Blumenerde und Düngemitteln organisiert und die Gärtner geschult zu haben. Später soll er laut Anklage, die sich auf die Aussage des Kronzeugen stützt, den Verkauf der Ernte an einen unbekannten Großabnehmer übernommen haben.

 

Der Angeklagte wollte am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen keine Stellung beziehen. Am Mittwoch folgt dann der große Auftritt des Kronzeugen. Bleibt der Verräter bei seiner Aussage, wird das Gericht den Angeklagten schuldig sprechen und zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verdonnern. Zur Freude von Staatanwaltschaft und Polizei, die längst nicht fertig haben: Schließlich gilt es, den verurteilten Kunsthistoriker so lange in der Strafanstalt heimzusuchen, bis auch dieser Bösewicht „Reue“ zeigt – und die noch unbekannten Finanziers und Abnehmer ans Messer liefert.

 

5 Antworten auf „Wer finanzierte Berlins größte Cannabis-Plantage aller Zeiten?

  1. Lotus

    Und genau deswegen ,verkauft man auf der Straße gestrecktes oder verunreinigtes Haze aus Albanien,
    zu überteuerten Preisen,da die Konkurenz wieder mal veraten wurde.
    Komisch das immer wieder Leute verraten werden die ein sauberes Geschäft aufziehen.
    Andere Leute wiederrum verrecken an Kräutermischungen,
    und Patienten bekommen nicht alle ihre Medizin…
    naja scheint echt gut zu funktionieren das Volk so or schaden zu schützen mit der derzeitigen Politik.
    Frieden für alle…

  2. Fetales Alkoholsyndrom

    Kommt eine Merkel geflogen und landet im Papierkorb , sie hat mit Art 2 Grundgesetz gelogen und begeht mit Porsche , Alkohol und Tabak einen Massenmord .

  3. E.B.

    Jaja, der „unbekannte Großabnehmer“ – der bleibt auch weiter im Dunkeln oder schiebt ein Bauernopfer vor. Drum merke: Wo die Exekutive aufhört, da fängt die OK an. Hat alles seine himmlische Ordnung.

    Kein Diss an die Kollegen, ihr wisst ja selber, wo’s hakt, aber wenn ich voraussichtlich in eurem Sinn so stümperhaft, selbstgefällig und dazu noch mit unlauteren Mitteln von einem vorgeblichen Hausmeister mit offensichtlich verborgener Intention bedrängt werde, um einen mir unklaren Verdacht zu prüfen oder sonst Informationen über mich einzuholen, dann kommt es mir einfach hoch.

  4. Ralf

    Die Aussage des Verräters nutzt nur etwas, wenn er sich dadurch auch selbst belastet. Da dies hier wohl nicht der Fall sein dürfte, steht Aussage gegen Aussage, und der Staatsanwaltsarsch kann sich die unter Knastdruck zustande gekommene Aussage sonst wohin schmieren.

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