Samstag, 20. Mai 2017

Interview mit dem Herausgeber der Las Vegas Tribune

 

Christian Rausch

 

 

Exklusives Interview mit dem Herausgeber der Las Vegas Tribune, Rolando Larraz und seinem engsten Mitarbeiter Chris Garcia, über den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, die Legalisierung von Medical und Recreational Marihuana in Nevada und die Drogenpolitiken der Kartelle nach der Legalisierung von Marihuana. Beide müssen sie es doch wissen, gehörten sie doch früher selbst der Organisierten Kriminalität an – wir berichteten bereits kurz in der März-Ausgabe. Der über 80-jährige Rolando war einst eng mit der Mafia in Las Vegas assoziiert und berühmte Show-Größen wie Sammy Davis Junior zählten zu seinem Freundeskreis. Chris „King Cuba“ Garcia gehörte einige Jahrzehnte später der gefährlichsten Straßengang der USA an: den Latin Kings. Sein Neffe King Felipe aka King Blood war einer der hochrangigsten und blutrünstigsten Mitglieder dieser Gang und wird aller Voraussicht nach nie wieder in den Schoß der Gesellschaft zurückkehren.

 

F: Erzähl ein wenig über den Wandel von Las Vegas, Rolando.

 

Rolando: Früher war Las Vegas eine sehr sichere Stadt. Ich habe weder meine Haustüre noch mein Auto abgeschlossen, weil ich sicher sein konnte, dass nichts passiert. So komisch sich das anhört, aber die Mafia hat Las Vegas sehr sauber gehalten. Die Leute aus ganz Amerika konnten hierher kommen, um tun und lassen zu können, was auch immer sie wollten: Glücksspiel, Drogen und wilde Orgien feiern. Alles wurde ihnen von dem Mob ohne Komplikationen bereitgestellt. Man musste auch keine Angst haben, überfallen zu werden. Heute ist alles viel schlimmer. Schauen Sie sich den Strip an. Der ist voller Drogensüchtiger und voller Kleinkrimineller, die nicht genau wissen was sie tun und die nur dem nächsten Dollar hinterherjagen. Das ist nicht mehr mein Las Vegas. Das ist einfach widerlich. Las Vegas geht so eindeutig vor die Hunde.

 

F: Chris, was denkst du über den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump?

 

Chris: Ich bin sehr glücklich über unseren neuen Präsidenten Donald Trump. Der alte Präsident, Barack Obama und die deutsche Kanzlerin Angelika Merkel sind in meinen Augen überzeugte Sozialisten oder sogar schlimmer noch: Kommunisten reinsten Wassers. Obama hat den Sozialismus studiert und Merkel ist in einem sozialistischen Staatensystem groß geworden. Trump hat sich hingegen gegen das republikanische und das demokratische Establishment gleich zweifach durchgesetzt. Und der Hauptgrund für seinen Sieg war in meinen Augen, dass er die Leute ernst nahm und ihnen nichts vormachte. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner beleidigen die Intelligenz des Volkes, indem sie es ständig offen belügen und falsche Wahlversprechen wie ein Mantra runterbeten. So etwas hat Trump nie getan. Er redet offen Klartext und meint auch, was er meint. Deshalb ist er gewählt worden. Ob er alles einlösen kann, was er verspricht, steht noch in den Sternen.

 

F: Was wird anders unter Präsident Trump, Rolando?

 

Rolando: Alles. Unter Trump wird es nichtmaterielle Anreize und genügend Gelder geben, damit die Menschen Geschäfte und Unternehmen gründen können. Er wird damit beginnen, die zerfallenen Innenstädte wieder aufzubauen. Das wird eine Weile dauern, aber er wird es schaffen. Trump ist für mich eine Art neuer Richard Nixon. Er wird allerdings auch Drogenschmuggler und Drogenhändler härter bestrafen lassen, als das unter der Vorgänger-Regierung der Fall war. Zum Glück habe ich damit nichts mehr zu tun, hahaha.

 

F: Wie wird die neue amerikanische Weltpolitik unter Präsident Trump aussehen, Chris?

 

Chris: Trump wird sich zu einem Großteil aus Europa zurückziehen. Wahrscheinlich wird er sich mit Russland gut verstehen. Putin und er mögen sich, sie verstehen sich einfach gut. Und wenn es schlecht für Europa läuft, werden Putin und Trump das gesamte Europa unter sich aufteilen. Das einzige große Problem, das Trump hat, ist China und das ist rein wirtschaftlicher Natur. Trump ist nach wie vor im nationalen Interesse sehr interessiert an den billigen chinesischen Produkten. Sobald er aber jemanden findet, der dieselben Produkte für denselben Preis oder günstiger produziert, dann wird er China fallen lassen wie eine heiße Kartoffel und platt machen. Noch vor seinem Amtsantritt hat er mit der Präsidentin aus Taiwan gesprochen. Warum tat er das wohl? Um China eine warnende Botschaft zu schicken und sich nach einem neuen Produzenten neuer Billiggüter umzuschauen. Und ich denke, es gibt genügend Akteure auf dem Weltmarkt, welche die Produkte für denselben Preis oder günstiger als die Chinesen herstellen können: Bangladesch, Vietnam und so weiter.

 

F: Der berühmt-berüchtigte mexikanische Kartellboss „Chapo“ Guzman, der sich inzwischen in US-Haft sitzt und der dem Vernehmen nach ein mustergültiger Häftling sein soll, der sogar Englisch lernt, soll den Taliban und dem Islamischen Staat (IS) massiv gedroht haben, wenn sie weiterhin seine Drogengeschäfte stören. Hältst du diese Gerüchte für glaubwürdig oder für Humbug und Mythenbildung?

 

Rolando: Absolut. Das stimmt ganz sicher, da gibt es keine Frage. Chapo Guzman hat sogar ausdrücklich gesagt, seine Männer werden die Islamisten jagen, sie grausam enthaupten und schänden. Das waren keine leeren Worte. Jede organisierte, kriminelle Großorganisation ist knallhart. Und Guzman ist ein kühner Geschäftsmann. Und derjenige, der seine Geschäfte stört, dem rückt er massiv auf den Leib, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn du das für grausam hältst, verrate ich dir noch was: Ich glaube, die kolumbianischen Kartelle sind sogar noch kaltblütiger als die mexikanischen. Und das will einiges heißen.

 

F: Chris, lass uns noch über die Legalisierung von medizinischem und Freizeitmarihuana sprechen. Gerade ist in eurem Heimatstaat Recreational Marihuana (also Freizeit-Marihuana, das jedem über 21 Jahren den Konsum erlaubt) legal geworden. Wird dies auch irgendeine Auswirkung auf die Politik der mexikanischen und kolumbianischen Drogenkartelle besitzen? Wie werden sie darauf reagieren oder ist das längst geschehen?

 

Chris: Zunächst einmal muss man sehen, dass die Legalisierung von Marihuana vor allem damit zusammenhängt, dass auch der Staat ein Stück vom Kuchen abhaben möchte. Die haben nämlich erkannt, wie viel Kohle da drin steckt. Es ist einfach ein Milliarden-Business. Die Kartelle haben ihrerseits die Legalisierung von Marihuana bereits vor über zehn Jahren kommen sehen. Die haben längst ihre Produktion, ihre Distribution und ihren Verkauf auf Teer-Heroin, Crystal und Crack umgestellt. Marihuana spielt in der Drogenpolitik der Kartelle keine nennenswerte Rolle mehr. Im Moment ist in den gesamten USA Heroin wieder schwer im Kommen, Dank der Kartelle. Heroin, Heroin, Heroin, überall ist Heroin. Die Kartelle verschenken das beinahe zu Dumping-Preisen, um die Leute anzufixen und sich Kundschaft zu sichern, die ihnen langfristig das Produkt abkaufen wird. Der große Unterschied zu früher ist in meinen Augen, dass es heute keine großen organisierten Banden wie die Latin Kings, die Bloods oder die Crips mehr gibt. Heute sind das alles einzelne Kids, die sich mehr oder weniger spontan zu sogenannten Gangs zusammenschließen, um ganz schnell an das große Geld zu kommen. Und dabei gibt es keine Spielregeln mehr. Und das bedeutet einen gnadenlosen Konkurrenzkampf. Das ist ein offener, gleichberechtigter Kampf aller gegen alle. Auf diesem Schlachtfeld gilt ausschließlich das Recht des Stärkeren und da gibt es keine Genfer Konvention oder die Vereinten Nationen. Und bei diesen Verteilungskämpfen um Drogen, Reviere und die Vorherrschaft im Drogengeschäft gibt es zahlreiche Tote. Die Kartelle sind heutzutage lediglich die Lieferanten, welche die amerikanischen Jugendlichen zu ihren Subunternehmern machen. Das ist eine völlig asymmetrische Junior-Partnerschaft, bei der die Mexikaner zwangsläufig die Hosen anhaben. Was dann vor Ort geschieht, geht sie nichts mehr an. Und wenn sie eingreifen müssen, dann hinterlassen sie eine Politik der verbrannten Erde. Auch als Warnung für die anderen, ihnen nicht mehr in die Quere zu kommen.

 

F: Seid ihr beiden persönlich glücklich darüber, dass Marihuana jetzt in Nevada legal ist?

 

Rolando: Ja, das ist eine großartige Sache. Aber ich persönlich bin zu alt dafür, hahaha. Meine Zeit in diesen Dingen ist vorbei. Sonntags gehe ich meistens zum Chor und in die Kirche.

 

Chris: Für mich hingegen ist das sehr schön zum ersten Mal in meinem Leben einen Joint rauchen zu können, ohne dabei eine Straftat zu begehen. Ja, Mann, das ist wunderbar. Eine großartige Sache. Nicht, dass mich das Gesetz früher davon abgehalten hätte, hahaha. Aber es ist dennoch toll, das jetzt legal tun zu dürfen. Diesen Schritt der Legalisierung von Marihuana sollten alle Länder dieser Welt gehen.

 

F: Vielen Dank für das Interview.

 

Rolando: Ich danke für das interessante Gespräch.

 

Chris: Wir haben dir zu danken.

3 Antworten auf „Interview mit dem Herausgeber der Las Vegas Tribune

  1. rainer sikora

    Wenn man bei guter Gesundheit ist weiß ich nicht wie man für das Kiffen zu alt sein kann.Selbst Helmut Schmidt rauchte immer noch Fluppen.

  2. Thomas Maier

    „Wenn man guter Gesundheit ist“. Kann man bei guter Gesundheit sein wenn man einerseits pro Cannabis und gleichzeitig pro Trump ist? Mich wundert nur dass sich mein Computer nicht schon alleine beim Darstellen dieses Satzes in den Runtime-Error verabschiedet :-))

  3. Ralf

    @Thomas Maier
    Da sind noch ganz andere Schoten drin, der Kerl ist total durchgeknallt und weiß garnicht welchen Schwachsinn er da redet. Den Nixon als guten Präsidenten darzustellen ist ja wohl das allerletzte, der hat das Geschichtsbewußtsein eines Fisches. Dieser durchgeknallte Kriegsverbrecher und Massenmörder Nixon hat durch die Eskalation des Indochinakrieges millionen Tote auf dem Gewissen. Er ist derjenige der auch den Krieg gegen uns in die Welt geschissen hat und der einzige Präsident der wegen Watergate in Schimpf und Schande vorzeitig davon gejagt worden ist. Er ist der Urheber des Leides den heute die Cannabisuser ertragen müssen, und die schlimmsten Hardliner in Washington sind Reps wie diese beiden Vollidioten.

    [… „Wir wussten, dass wir es nicht illegal machen konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein, aber indem wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren, und beides streng kriminalisierten, konnten wir diese Bevölkerungsgruppen schwächen. Wir konnten ihre Anführer festnehmen, Razzien in ihren Häusern durchführen, ihre Treffen auflösen, und sie Abend für Abend in den Nachrichten diffamieren. Wussten wir, dass wir logen, was die Drogen anging? Natürlich wussten wir das.“ …]

    Zitat: John Ehrlichmann, ehemaliger Nixon-Berater.

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