Dienstag, 18. April 2017

Coburger Taxifahrer verliert Nerven wegen Cannabis

 

Verkehrskontrolle eskaliert wegen eines Tütchens Cannabis

 

Bild: acscom / freeimages

 

Sadhu van Hemp

 

Droschkenkutscher sind in der Regel eher gemütliche Zeitgenossen, die während der Arbeitszeit spazieren fahren, Zeitung lesen und mit Mutti telefonieren. Doch ganz so stressfrei ist die Personenbeförderung mit Taxen nicht immer. Das, was der Kutscher am Straßenrand einsammelt, sind zwar Menschen und keine Schweine, aber nicht jeder hat eine gute Kinderstube genossen. „Bitte“ und „Danke“ kommt nicht allen Fahrgästen über die Lippen. Oft werden Chauffeure mit Sklaven und die Rückbank mit dem heimischen Sofa verwechselt. Zudem sind Taxifahrer in den Augen der Fahrgäste grundsätzlich Betrüger, die immer Umwege fahren – und das im Schneckentempo. Doch nicht nur der Quälgeist im Fond, der den Fahrer im Befehlston belehren und zum Rasen nötigen will, kann den letzten Nerv töten. Auch die anderen Automobilisten geben sich alle Mühe, dem Berufskraftfahrer die Arbeit schwerzumachen. Auf deutschen Straßen – der größten offenen Psychiatrie der Welt – haben Taxen den Status eines Verkehrshindernisses und stehen auf einer Stufe mit dem Drahtesel.

 

Ein Kutscher, der nach einer 10-Stunden-Schicht seine Groscheneinnahme zählt, weiß, was er getan hat. Die Augen sind müde, Rücken und Nacken schmerzen und das Nervenkostüm riecht nach Schweiß. Körper und Seele wollen nur noch Ruhe und Entspannung finden. Und so wundert es nicht, dass manch Kutscher auch schon mal eine Gute-Nacht-Tüte raucht, um einen tiefen und festen Schlaf nach dem alltäglichen Wahnsinn der Fahrgastbeförderung zu finden. Das Problem ist nur, dass ein Taxichauffeur, der sich mit Cannabis entspannt, von Amtswegen weder ein Kraftfahrzeug führen, noch Personen befördern darf.

 

Das dachte sich auch die Besatzung einer Funkstreife in Coburg, die am Sonntagmorgen auf dem Markplatz einen Taxifahrer einer allgemeinen Verkehrskontrolle unterzog. Ob der 42-jährige Kutscher gezielt oder nur rein zufällig auserwählt wurde, ist nicht überliefert, aber die Beamten wollen drogentypische Anzeichen bemerkt haben. Dieser Verdacht genügte den fränkischen Polizisten, sich die Tasche des Taxlers anzueignen, um das zu finden, was sie suchten. Das wiederum suchte der Taxichauffeur zu verhindern. Beherzt entriss er dem Beamten das Corpus Delicti. Im darauffolgenden Gerangel soll er mit der Tasche auf den Polizisten eingeschlagen und ihn mit „groben Ausdrücken“ beleidigt haben. Schließlich gelang es den Polizisten, den Widerstand leistenden Droschkenkutscher in Ketten zu legen, ohne ihn vorher zu erschießen. Das Tütchen Rauschhanf konnte aus der Tasche gefischt und sichergestellt werden.

 

Nun kommt auf den Taxler eine ganze Latte von Strafanträgen zu: Fahren unter Drogeneinfluss, Besitz von Suchtgift, Widerstand und Beleidigung. Sofern ein Beamter einen blauen Fleck davongetragen haben sollte, dürfte auch noch eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung, eine Schmerzensgeldforderung und ein Zahlungsbefehl wegen Verdienstausfalls folgen. Zudem wird der Kutscher alle Fahrerlaubnisse und die Anstellung verlieren.

 

Wir sehen, die bayerische Polizei weiß, wie man seinen Mitbürgern zum höchsten katholischen Fest christliche Nächstenliebe angedeihen lässt. Wünschen wir dem Unglücklichen, dass er dieses traurige Ostern seelisch verkraftet und das Amtgericht Coburg Milde walten lässt!

 

7 Antworten auf „Coburger Taxifahrer verliert Nerven wegen Cannabis

  1. heino

    Ich habe früher selbst mal Taxi gefahren und vorher einen Joint geraucht. Ich bin auch von der Polizei kontrolliert worden aber es ist nichts passiert. den Satz von Chef kann ich aber in der heutigen Zeit beipflichten. Früher anfang der 80er war das noch alles locckerer
    gruss heino

  2. hassaufdummheit

    SUCHTGIFT HAHAHAHA sind die Bayern rasselig.
    Oans zwoa g’suffa ! Ihr Suffbayern !

  3. danydanone

    Lieber Taxifahrer,
    bitte lassen Sie sich Cannabis als Medikament mit der Begründung verschreiben, dass andere Chemiekeulen und alkoholischen Getränke vollends ihre Wirkung verfehlten. Damit Sie als austherapiert gelten und ihrer Ehrlichen-Arbeit wieder nachgehen können werden.
    Zeit haben Sie armer Bazi nun dafür.

    Allerbeste Grüße,
    Danydanone

  4. Rainer Sikora

    Der gemeine Polizist ist der natürliche Feind des Kiffers.Schwer kommt es mir, vor diese Feinde zu lieben.

  5. Ralf Med

    Dem armen Taxler wünsche ich ein gutes Gelingen um diese Sache irgenwie zu Überwinden.
    Im Prinzip hat er ja eigentlich Glück gehabt, das er nicht weggelaufen ist, denn andere junge Menschen, zumindest in einem anderen Fall, schießen auch bayerische Polizisten in kürzester Enfernung – wohl ca. 5 bis 10m – in den Hinterkopf !!!

  6. U-G

    Es ist wieder “ Time for Fight“ für die arbeitende Klasse z.B. für die Taxifahrer einzustehen. Es ist auch wieder Zeit für mich, mein Schalke-Bier zu trinken. Wurde noch nie von Taxi Fahrern übern Tisch gezogen, denn sie sind angehalten den kürzesten Weg einzuschlagen, denn das ist ihr Service.

    Bayern ist für mich ein Tollwutstaat und der nicht geimpft ist gegen solche, läuft Gefahr in die Fänge von Marlene Mortlers Konsontern zu geraten.

    Schluss mit der CDU/CSU/AFD Politik in der BRD.
    Nicht nur in der Drogenpolitik EXTREM weit entfernt, sondern auch in der Armutspolitik ganz weit verfehlt. PFUI PFUI PFUI.!!!

    Und noch etwas muss ich hinzufügen.

    Da meine Angehörige sprich Mutter angewiesen ist auf einen Taxi-Schein, wird sie täglich zur Strahlentherapie regelmäßig, korrekt, zuverlässig und pünktlich dorthin gefahren!!!!

    Man bin ich angepisst von dieser Politik gegenüber den Kiffern im Allgemeinen, aber auch gegenüber den Konsumenten die das brauchen um ihre leiden zu lindern.

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