Montag, 17. April 2017

Skurriles in Sachen Cannabis aus Österreich

 

Gendarmerie entdeckt und zerstört Indoor-Gärtnerei für Cannabis in Wiener Neustadt

 

 

Immer wieder sorgt der gute alte Hanf für Pressemitteilungen der Polizei, die kaum zu glauben sind. Nicht selten handeln sich Heimgärtner, Dealer und Kiffer eine Strafanzeige wegen fortgesetzter Blödheit ein, und der Beobachter weiß nicht so recht, ob er nun weinen oder lachen soll. Andererseits drängt sich auch schon mal der Verdacht auf, dass die Polizei so manchen Fahndungserfolg bewusst mit einer Legende versieht, die hanebüchener nicht sein kann, um der Öffentlichkeit auch den letzten Zweifel an der aufgetischten Lüge zu nehmen. Das ist die große Stunde von „Kommissar Zufall“, der immer dann zuschlägt, wenn verschleiert werden soll, dass dem Zufall akribische Ermittlungs- und Spitzelarbeit vorausging.

 

Inwieweit der Pressemitteilung der Polizei über einen Bust in Wiener Neustadt zu glauben ist, bleibt in folgendem Fall also jedem selbst überlassen.

Am 12. April ging in der Polizeiinspektion Wiener Neustadt-Burgplatz ein Notruf wegen Lärmbelästigung ein, worauf eine Funkstreife ausrückte und die Sache in Augenschein nahm. Wieso die Gendarmen den Braten rochen und wie sie in die Wohnung gelangten, um das angetroffene Paar in flagranti zu erwischen, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Dafür gibt die Polizei die Geschichte zum Besten, wie es zu der Lärmerregung kam: Dem 38-jährigen Gärtner einer professionellen Indoor-Plantage soll das Missgeschick widerfahren sein, sich bei der Ernte mit einer Schere in den Oberschenkel zu stechen. Doch statt auf die Zähne zu beißen, soll der Mann wie am Spieß geschrien haben, bis ein Nachbar die Polizei alarmierte.

 

Das Ende vom Lied war, dass den Beamten in der Wohnung rein zufällig 65 Hanfpflanzen und 3,5 Kilogramm getrocknete Hanfblüten in die Hände fielen. Aber damit nicht genug: An der Wohnadresse des Paares in Wien-Liesing wurde noch eine weitere Anlage mit 30 Cannabispflanzen ausgehoben. Zudem fanden sich dort weitere 600 Gramm rauchfertiges Gras an.

Nach anfänglichem Leugnen gab der 38-Jährige zu, dem Gewerbe seit ungefähr drei Jahren nachzugehen. Einen Teil der Ernte will er verkauft, den anderen Teil selbst konsumiert haben. Die 40-jährige Partnerin gab den gelegentlichen Konsum von Cannabis zu. Nach der vorläufigen Festnahme wurde die Frau wieder mit einer Anzeige entlassen und der Mann in Untersuchungshaft genommen.

 

Alles in allem gibt die Darstellung der Polizei erheblichen Raum für Spekulationen. Dass sich der Profi-Hanfgärtner bei der Grasernte eine Schere in den Oberschenkel sticht und mal eben vor Schmerz das ganze Haus zusammenschreit, klingt wenig überzeugend. Ein handfester Beziehungsstreit, in dessen Verlauf die Schere den Weg ins Fleisch des Mannes fand, wäre da schon glaubhafter als Ursache für das Desaster. Vielleicht will die Polizei mit dieser Anekdote aber auch nur den Spitzel bzw. Verräter schützen, der das Pärchen ans Messer geliefert hat.

5 Antworten auf „Skurriles in Sachen Cannabis aus Österreich

  1. fred vom jupiter

    Vielleicht wollen die Bullen auch einfach verschleiern, dass die immer öfter Methoden zur Entdeckung solcher Anlagen benutzen, die nicht rechtens sind. Das denke ich mir jedenfalls auch fast jedes mal, wenn ich in der deutschen Presse wieder lese, dass angeblich Cannabisgeruch zur Entdeckung eines Anbaus geführt haben soll. Klar gibt es genug Grower, die dumm genug sind, ohne Filter zu growen, aber viel mehr gibt es Konsumenten, die keinen Geruchsfilter benutzen, bei denen es deswegen auch jeden Tag aus der Wohnung nach Gras stinkt, die aber komischerweise niemals Besuch von der Bullerei bekommen.
    Das stinkt doch buchstäblich was zum Himmel.
    Aber ist ja so, wenn man auf ein ordnungsgemäßes Verfahren scheißt, ist es sehr leicht, auf eine Menge Grower zu kommen. Und Bullen sind nun mal Beamte, deren wichtigstes Anliegen es ist, einen möglichst einfachen, sicheren Job zu haben. Da wird gar nicht lange echt ermittelt, aufgrund konkreter Verdachtsmomente.
    Einfach alle Leute einer bestimmten Stadt, die schon mal im Zusammenhang mit Cannabis aufgefallen sind, bei den Stromanbietern bezüglich eines besonders hohen Verbrauchs abfragen und dann mit Bestellern bei Onlingrowshops gegen checken. Dass Bullen und Staatsanwaltschaften z.B. bei Telekommunikationsanbietern auch ohne richterliche Beschlüsse, die es eigentlich für sowas bräuchte, ihr Glück versuchen, ist ja bekannt. Darum sollte das in dem Bereich auch zumindest vorstellbar sein – und dass viele Unternehmen es mit dem Datenschutz nicht so genau nehmen – gerade, wenn Behörden Anfragen stellen – wissen wir ja auch.
    Also fischt man sich einfach Cannabisten mit hohem Stromverbrauch heraus und/oder solche, die zudem noch Bestellungen bei Growshops getätigt haben.
    Dann ist man wenig später gaaaanz zufällig wegen einem ganz anderen Fall im Hause und stellt natürlich ebenso zufällig Cannabisgeruch aus der entsprechenden Wohnung fest.
    Den Rest kann man sich denken. Klingeln, klopfen, manipulieren, täuschen, lügen – und schon sind die Bullen in der Bude. Finden die nichts, erfährt nie ein Schwein davon. Werden die Ärsche aber fündig, wird daraus ein tolles Märchen für die Presse konstruiert, in dem natürlich nie ein Beamter auch nur irgendwas unternehmen würde, was nicht streng der Strafprozessordnung, dem Polizeigesetz oder sonstigen Gesetzen in der Art entspräche.

  2. Rainer Sikora

    Ich kann bestätigen daß die Polizei gerne den Geruch dazuerfindet.War in meinem Fall so.

  3. U-G

    Nach diesem Bericht aus dem Ausland, tiefstes Ausland genauso wie Bayern sehe ich mich gezwungen das zu Kommentieren.

    Austria-Ungarisches-K.u.K.-System haben doch gar kein Problem, sind doch schon in der EU, ihre Monarchie ist doch durch die EU schon gefestigt, also legitim.

    DAS FASCHO_SYSTEM gang und gebe.
    Verstehe ich als AussenStaatsbürger nicht.
    Was wollt ihr denn noch?
    Schauspiel?
    Hungerspiele?
    Muschis stinken nach Fisch, wenn sie vorher mit ihren Liebhaber gevögelt haben, das hat mir meine Nase verraten.

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