Sonntag, 9. April 2017

Optionen über Optionen

 

Den Spieß einfach umdrehen, um ein halb leeres Glas zu befüllen.

 

 

Wie festzustellen ist, haben deutsche Cannabispatienten trotz Inkrafttreten des Gesetzes für Cannabis als Medizin weiterhin ein Problem. Weder Verfügbarkeit noch Finanzierung stehen auf stählernen Füßen und besonders die geballte Unwissenheit vieler Ärzte ist einer fachgerechten Versorgung mit Marihuanaknospen weiterhin im Weg. Zu leistende Aufklärungsarbeit seitens der Patienten wird verlangt, welche die übermäßigen Wartezeiten auf legale Schmerzlinderung missbilligend in Kauf nehmen müssen. Doch auch wenn das Glas aktuell somit noch immer halb leer zu sein scheint, ist die veränderte Gesetzeslage eigentlich eine Option für alle Cannabisbefürworter und Feinde der Prohibition, den Blickwinkel etwas umzustellen.

 

Alleine die öffentlich geführte Diskussion über medizinales Cannabis, die endlich alle über einen lange Zeitraum überhörten wissenschaftlichen Autoritätsargumente in den Köpfen ankommen lässt, darf nicht unterschätzt werden. Wenn Wirkungsweisen über die Substanz durch Forschung untermauert werden und auch hierzulande Anklang und Beachtung finden, dürfen vergleichbare Ergebnisse über die Vorteile der Legalisierung schlecht als blanker Unsinn abgeschmettert werden. Da mit der Wiedereinführung der alten Hanfmedizin auch insgesamt die Betrachtung über den zuletzt gern als „Einstiegsdroge“ bezeichneten Pflanzentyp komplett gewandelt wird, kann das Glas auch als halb voll betrachtet werden. Schließlich bieten sich jetzt erstmalig Optionen für alle mutigen Konsumenten, sich eine Sprechstunde beim Arzt zu buchen und dem Mediziner von den Vorteilen der Marihuanamedikation zu berichten, die einem seit Jahren beim Weitermachen hilft. Trotz Migräne, Schlafstörungen, ADHS oder sonst einer der vielen Volkskrankheiten in unserem Land, bei der das grüne Kraut überraschend gut wirken kann.

 

Selbst wenn Arzt, Krankenkasse oder Apotheke erst Steine in den Weg werfen sollten, kann ein Hilfe suchender Kranker sein neues Recht auf natürliche Arznei fordern, ohne gleich von der Polizei als Abhängiger in Gewahrsam genommen zu werden. Der Wechsel des behandelnden Mediziners ist keine Straftat. Hält man dann letztendlich das bedruckte Freifahrtscheinchen in den Händen, ist der tatsächliche Bezugsort der Cannabismedizin für den Moment immerhin für die gesünderen Kiffer zu vernachlässigen. Zumindest, bis die Preise in Apotheken ein vertretbares Niveau erreichen und Krankenkassen verständliche Kriterien zur Kostenübernahme entwickeln – die Verfügbarkeit des Krautes nicht vergessen. Alles Kriterien, die sich vorwärts entwickeln müssen und das Glas langfristig auffüllen werden.

 

Dass ein neues und wohl auch eher ungewolltes Gesetz von den derzeitig Regierenden wenig euphorisch, und damit auch dann gerne nicht ganz fehlerfrei umgesetzt werden wird, war schon vor dem 10. März 2017 abzusehen. Auch wenn es die an den Tag gelegte Handlungsweise nicht entschuldigt. Dass mit der geschaffenen Situation nun aber eigentlich auch hervorragend gearbeitet werden kann und die entwickelten Strategien zur Versorgung kranker Personen mit Cannabis von jedem halbwegs intelligenten Homo sapiens im Handumdrehen ad absurdum geführt werden könnten, beweist ein satirisches Gedankenmodell auf unserer vorletzten Seite (#207), welches das Glas dann sofort zum Überlaufen bringen würde.

 

Eure Redaktion.

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Chef
Chef
5 Jahre zuvor

Keine Kriminalisierung von freien Menschen!

hans furth
hans furth
5 Jahre zuvor

Weil ich das BfArM auf Absprachen und Korruption in einem Artikel hingewiesen habe, haben die sich bedankt und dann wohl ganz schnell die Ausschreibung zum Anbau veröffentlicht. Genau einen Tag nachdem sie mir geantwortet haben. Der Artikel um den es ging war kurz darauf offline, dann wohl verändert wieder Online. Aber ich hab noch den toten link im fb. Es ging darum dass eine Dame ergänzte, die Cannabisagentur werde die Genehigung erteilen. Dabei gabs noch gar keine Ausschreibung. Bauprojekte zum Anbau, ratet mal wo…. genau, in Bayern. Wer die Kommentare und Artikel um die es geht, lesen will, soll sich melden. ^^ Wann beklagt Ihr Aktivisten endlich diese offensichtlichen Absprachen und Korruption unter diesen Unionspolitikern. BfArM, Gröhe, Mortler, Bionorica, Mortlers… Weiterlesen »

Rainer Sikora
Rainer Sikora
5 Jahre zuvor

Unsere „Guten Politiker meinen es nur gut mit Cannabispatienten und wollen anderen helfen.Selbstlos setzen sich diese Gutmenschen für ausreichende medizinische Versorgung von Notleidenden ein.Eigentlich haben Mordler und Krähe einen hohen Posten im Vatikan verdient.Cdu Csu.

Fred
Fred
5 Jahre zuvor

Sehe ich ähnlich. Obwohl es noch mit der medizinischen Abgabe hapert, ( was nach meiner Ansicht Anlaufprobleme sind ) sind die Karten mit der Freigabe als Medikament völlig neu gemischt. Erstmalig seit Jahrzehnten gibt es legalen Hanf in Deutschland ! Und dieser Umstand wird sich über kurz oder lang positiv auswirken. Auf die Sichtweise der Bevölkerung sowie auch auf die Rechtsprechung. Man stelle sich einfach mal vor, Cannabis wird in Zukunft nur für ein paar Volkskrankheiten verschrieben. Z.b für Rückenschmerzen, Arthrose und Schlafstörungen. Damit hätten wir, zumindest theoretisch, ein paar Millionen potenzielle Cannabiskonsumenten, die sich beispielweise unter dem Einfluss einer Droge im Straßenverkehr bewegen. Wie sollte die Polizei jetzt bei einer Verkehrskontrolle den guten vom bösen Konsumenten unterscheiden ? Oder… Weiterlesen »

Fred
Fred
5 Jahre zuvor

…und das sich Cannabis durchsetzt, daran habe ich wenig Zweifel. Heute kam die nachstehende Meldung über Süchte in die Medien.

http://www.n-tv.de/19789465

1,9 Mio Medikamentenabhängige
1,77 Mio Alkoholabhängige

Wer dann noch von Abhängigkeit erzeugendem Cannabis faselt, der hat den Knall nicht gehört. Ein sehr interessanter Artikel, der auch das Risiko der Pharmaindustrie offenlegt. Die verkaufen ernsthaft 150 Mio Packungen Schmerz und Beruhigungsmittel pro Jahr. Und eben dieser Absatz steht auf dem Spiel.

J2
J2
5 Jahre zuvor

Ich bin mal wieder geheilt von jeder guten Hoffnung diesbezüglich. Alles Spiel auf Zeit, damit das Cannabisproblem endlich aus der Welt geschaffen wird. Wenn ich bis Juni keine Kostenübernahmezusage habe, ist doch die Sondergenehmigung ein umsonst bezahlter Augenwisch! Und so wird es kommen, den die Gerichte sind ja auch nicht die schnellsten. Am interessantesten ist aber der Zusammenhang der Doktorarbeit unserer Verteidigungsministerin mit dem Projekt „Spezyfische Eiweiße“ von Ottmar von Verschuer. Sollte jemand wissen wollen, anhand von welchen (un)menschlichen Experimenten wir noch heute „ärztlich“ behandelt werden, bitte vorsichtshalber schon im Voraus einen Psychiater zu konsultieren. Echt nichts für schwache Nerven.
Mal ehrlich: kann schon mindestens eine Person prallen, das das Graslegalisieren bei ihr geklappt hat?