Mittwoch, 29. März 2017

Chef der Berliner Ärztekammer weiterhin für eine liberale Cannabispolitik

 

Gegen die missglückte Strategie des Drogenkriegs.

 

keine Lügen über Drogen
Bild: Archiv

 

Der Präsident der Berliner Ärztekammer hat sich im Interview mit der TAZ über den gesellschaftlichen Umgang mit Drogen im Allgemeinen sowie gegen die missglückte Strategie des Drogenkriegs ausgesprochen, und dabei seine fundierte Meinung zum Thema für die Ewigkeit festhalten lassen. So kommen ziemlich konstruktive Kommentare von Günther Jonitz zum Tragen, der sich bereits 2004 für eine Freigabe von Cannabis während der Diskussion um die Geringe Menge in Berlin aussprach. Seither fordert der angesehene Facharzt für Chirurgie ein auf Wahrheiten basierendes Handeln, weshalb der Chef der Berliner Ärztekammer weiterhin für eine liberale Cannabispolitik eintritt. Alkohol ist gefährlicher als Cannabis und Rausch gehört zum Menschengeschlecht einfach dazu – dass ist die Meinung von Günther Jonitz.

 

Dabei wäre die Freude am Rausch auch selbst nichts Verwerfliches, solange der Lebensalltag darunter nicht leiden würde. Man könne die Leistungsfähigkeit eines Menschen nicht pauschal anhand seines Konsumverhaltens beurteilen. Der Unterschied zwischen einem Feierabendjoint oder einer Flasche Rotwein existiere beispielsweise für ihn schon lange nicht mehr, da er dank eines befreundeten Drogenrichters – der als Hardliner bekannt war – eine Menge über die Alltagstauglichkeit von Marihuana gelernt habe. So sieht Günther Jonitz nun nicht nur in der portugiesischen Drogenpolitik das aktuelle Paradebeispiel für verbesserte Zustände im Umgang mit Substanzgebrauch, er ist auch der Meinung, dass in Deutschland seit dem „01. März der große Umschwung in der Cannabisfrage stattgefunden hat. In wenigen Jahren wird das Verständnis in der Gesellschaft angekommen sein, dass keine chaotischen Zustände ausbrechen werden, wenn die wirksame Medizin Marihuana letztendlich für den Freizeitkonsum legalisiert würde. Dies wäre seiner Meinung auch der richtige Schritt, um jugendliche Gehirne vor den möglichen Schäden des Cannabiskonsums schützen zu können. Denn nach dem Informationsstand des Präsidenten des Berliner Ärztekammer stiegen die Zahlen der schweren Psychosen unter Heranwachsenden, bei denen dann auch die Selbstmordrate steigen würde – trotz der aktuellen Prohibition.

 

Klar sieht Günther Jonitz auch die Gefahr, dass sich der Konsum der Cannabisprodukte spürbar erhöhen könne, sollte die Pflanze von der Verbotsliste in den nächsten Jahren gestrichen werden. In den USA wäre es, wie in Portugal, feststellbar gewesen, dass sich neben den Konsumentenzahlen auch die negativen Folgen kurzfristig erhöht hätten. Eine steigende Unfallrate, wie sie auch nach der Wende – dank PS starken Westautos – feststellbar war, müsste als möglicher Kollateralschaden vorhergesehen und bestmöglich zu verhindern versucht werden. Dennoch seien alle drohenden Gefahren wesentlich fortschrittlicher, als den gescheiterten Drogenkrieg aufrechtzuerhalten, dessen diskriminierenden Handlungsweisen tagtäglich selbst beim Führerscheinrecht durchgesetzt werden. „Das ist noch mal ein Skandal für sich“, sagt Günther Jonitz – Chef der Berliner Ärztekammer – und fordert aufgrund der fehlenden Standards ein Amnestiegesetz für kiffende Autofahrer in Berlin, welches den Betroffenen unter den richtigen Umständen sogar den Führerschein zurückbrächte. Er selbst hofft spätestens zu seiner Pensionierung in etwas moderneren Zeiten leben zu dürfen, obwohl er bislang noch nie Cannabis ausprobiert hat.

 

Weniger Verkehrstote in den US-Bundesstaaten nach der Cannabislegalisierung sowie eine ausbleibende Kiffermanie trotz der legalen Verfügbarkeit der törnenden Hanfprodukte sollten dem ausgebildeten Facharzt und Präsidenten seiner Zunft die angebrachten Argumente zukünftig noch etwas leichter von der Zunge gehen lassen. Fehlen nur noch stichfestere Daten über die tatsächlichen Gefahren für menschliche Gehirne.

 

Wahrheit und Pflicht.

6 Antworten auf „Chef der Berliner Ärztekammer weiterhin für eine liberale Cannabispolitik

  1. Frank

    Tja, die sind leider in unserem Land in der Unterzahl !! Hoffe auch noch immer, daß Sie sich vermehren…

  2. Rainer Sikora

    In manchen Gegenden ähnelt die Verfügbarkeit von Cannabis einer Freigabe,in anderen Gegenden kann es mitunter sehr schwer sein an was ranzukommen.Man könnte längst über die bei einer Freigabe auf uns zukommenden Folgen und Situationen bescheid wissen.Man will nicht freigeben und findet immer weitere Auflüchte und fadenscheinige Gründe um zu verhindern oder aufzuschieben.

  3. U-G

    Das sind die richtigen wichtigen Schritte mit einer Signalwirkung aus der Berliner Ärztekammer für die Grünen und Sozialdemokraten hierzulande, den deutschen Cannabiskonsumenten aller Art zu entkriminalisieren.

    So viele Bundesstaaten in den Verunreinigten Staaten von Am-Erika, haben sich vom Schmutz befreit und bis heute haben über die Hälfte das Cannabis teil-bzw. vollkommen Legalisiert.

    Ich bin fest davon überzeugt das, wenn Cannabis hierzulande legalisiert sein sollte, es auch schwarze Schafe geben wird, aber 95% der Konsumenten High-Tech-Gras wollen, Qualitäts-Kontrolliert so wie die Kontrollen von Imbissbuden.

    Das Komische was durch die Video-Texten-Medien ging war, immer mehr kleinere Brauereien schießen auf den Bier-Markt, obwohl immer weniger deutsche Bundesbürger Bier konsumieren.

    Den Fortschritt in der Medizin, den Fortschritt als sogenannte Demokratie von Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung sind nur teilweise Realität. Verbote, Züchtigung und Bevormundung sind an der Tagesordnung.
    Ich/Wir „Kiffer sind im großen und ganzen ein friedliches Individuum, werden aber als Kriminelle Subjekte in der Öffentlichkeit präsentiert, die nur Blödsinn und Randale im Kopf hätten.

    Mir zum Beispiel hat das Straßenverkehrsamt vor 8 Jahren den Führerschein eingezogen, weil ich mit 5 Gramm Skunk-Mix von der Zoll-Union erwischt wurde Cannabis für den Eigenkonsum einzuführen.
    Null Punkte in Flensburg, Null Verkehrsdelikte im Straßenverkehr (außer Geschlechtsverkehr satirisch gemeint) konnte man mir vorwerfen.
    Dennoch 1000€ Geldstrafe und „Führer“-schein Entzug war die Folge der Sonntagsfahrt mit Blau-weißen-Himmel.
    Normal müsste „Führerschein“ in „Fahrzeuglenkerschein“ umbenannt werden, meiner Meinung nach, liebes Straßenverkehrt-Amt.

    Nehmen wir doch mal Israel als Beispiel.
    Was geht denn da ab?
    Schießen die alten Leute, die mit Cannabis behandelt werden mit Panzerfäusten in die Palestinensischen Region???
    Nein, ihnen wird geholfen.
    Vielleicht könnte das Hanfjournal mal beim Generalkonsulat der Israelis anrufen und nachfragen, ob sie denn eine Drehgenehmigung für eine Woche bekommt und sich Umsehen und die Menschen Interviewen darf, wie sie so mit den Konsum umgehen bzw. kranke Patienten behandeln.

    Ein Leben lang keine Schale in der Hand. S04 4ever.
    Ich bin Ruhrpottkanake!!!

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