Montag, 20. März 2017

“Lommbock”-Stars werben für Legalisierung von Cannabis

 

Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz reden Tacheles – in der „Bild am Sonntag“

 

 

Bild: Archiv

 

Am Donnerstag ist offizieller Kinostart der Kifferkomödie „Lommbock“. Nach 15 Jahren wird die Geschichte der beiden Klischeekiffer fortgeschrieben – und es darf tüchtig gelacht werden, wenn „Kai und Stefan“ zu den Wurzeln ihres Cannabis-Lieferservice „Lammbock“ zurückkehren und sich aufs Neue im Geflecht ihrer Tollpatschigkeiten verheddern.

 

Auf dem Tourplan zur Promotion des Streifens stand auch ein Interview der Hauptdarsteller mit der „Bild am Sonntag“. Kein leichter Termin für Promis aller Art, denn wer einmal im Aufzug der Bildzeitung nach oben fährt, kann je nach Belieben des Fahrstuhlführers auch ganz schnell wieder nach unten bzw. nach ganz unten befördert werden.

Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz haben sich jedoch nicht abschrecken lassen und frei weg von der Leber das gesagt, was längst alle wissen, aber nicht jeder wahrhaben will. Und so sahen sich die Bildzeitungsleser zum Sonntagsfrühstück gezwungen, sich eine Meinung zu bilden – über die Cannabislegalisierung.

 

Moritz Bleibtreu erklärte in kurzen, einfachen Sätzen, dass das Kiffen längst nicht mehr das „Flair des Verbotenen“ hat. „Mittlerweile ist Gras eine Droge, die gesellschaftlich mindestens genauso akzeptiert ist wie Alkohol“, sagte der 45-jährige Schauspieler. Auch glaube er nicht, „dass irgendeine Mutter in einer Großstadt sich heute massive Sorgen macht, wenn ihr 16-Jähriger einen Joint raucht“.

Doch so richtig treu bleiben wollte sich Bleibtreu nicht. Jedenfalls schafften es die Bildzeitungsredakteure, dem Mimen unschöne Worte zu entlocken. Keinesfalls wolle Bleibtreu das Kiffen verharmlosen: „Drogen sind immer noch Mist.“ Doch zugleich gab er zu bedenken, dass die Menschen schon immer ein Bedürfnis nach Rausch gehabt hätten, „egal durch was“. „Wenn für den Konsum und Erwerb nicht äußerst drakonische Strafen eingeführt werden, werden Drogen immer ein Teil unserer Gesellschaft sein.“ Alles miteinander abgewogen ergibt für Bleibtreu nur eine Lösung: „Ich halte eine Liberalisierung der Cannabis-Politik definitiv für den gesünderen Weg, mit der Droge umzugehen.“

 

Schauspielerkollege Lucas Gregorowicz (40) stieß ins selbe Horn: „Wenn eine Legalisierung bedeutet, dass die Verteufelung und Tabuisierung von THC abnimmt, dann ist das gut.“

Auf die Frage, was die Lommbock-Spaßkiffer von der Gesetzesänderung halten, kranken Menschen Medizinalhanf zu gewähren, reagierten die Schauspieler etwas pikiert, da sie diesen Schritt selbstverständlich begrüßen. „Die Frage ist obsolet“, kürzte Bleibtreu ab. „Der medizinische Nutzen ist längst nachgewiesen. Das ist so, als ob wir über Aspirin diskutieren würden.“

6 Antworten auf „“Lommbock”-Stars werben für Legalisierung von Cannabis

  1. Fred

    Mittlerweile ist Gras eine Droge, die gesellschaftlich mindestens genauso akzeptiert ist wie Alkohol“, sagte der 45-jährige Schauspieler

    Recht hat er. Ich fuhr vor ein paar Wochen mit dem letzten Zug nach Hause und nahm einen “verdächtigen “Geruch war. Hinter mir drehte sich jemand einen Joint mit frischem Gras. Der ganze Zug roch wie ein Coffeeshop. Den Fahrkartenkontrolleur interessierte es nicht, andere Fahrgäste eben so wenig. Fehlte eigendlich nur noch munteres Sortenraten.

  2. ADHSPatient

    Meine Vermutung ist, dass dieser Film Kifferklischees bedient.

    Genau die Klischees, die eine Legalisierung erschweren.

    Ob dieser Film in diesem Sinne einen Dienst für die Legalisierungsbewegung leistet
    oder einen Bärendienst, da bin ich für das Erste sehr skeptisch.

    Ohne den Film gesehen zu haben ist das vielleicht nicht fair, aber wenn ich schon lese der Film handele von “Spaßkiffern”, dann kann ich mir die Stoßrichtung gut vorstellen.

    Und der Trailer bestätigt mich eher in dieser Befürchtung.

    Im Mainstream würde das nur wieder das Bild vom verblödeten Kiffer zementieren.

    Nahezu alle Cannabiskonsumenten sind im Alltag vollkommen unauffällig.

    Bleibtreus Aussage “Drogen sind Mist.” ist auch wahnsinnig differenziert (Sarkasmus). Schon mal darüber nachgedacht, dass viele “Drogen” in der Medizin leben retten Herr Bleibtreu?

    Sie sind für die Legalisierung also nur weil sie gegen drakonische Strafen sind. Das ist in etwa so als ob man nur für die Legalität von Homosexualität ist, weil man gegen drakonische Strafen ist. Man hat also überhaupt nicht verstanden worum es geht.

    Die Botschaft die endlich ankommen muss ist, dass absolut nichts verwerfliches daran ist seine Freizeit nach eigenem Belieben zu gestalten, so lange man niemandem Dritten damit schadet.

    Es geht um Freiheit.

  3. Kommindenbus

    Ich denke du hast das Statement von Bleibtreu nicht richtig gedeutet. Vielleicht auch geschuldet durch den kurzen zusammengefassten Artikel.

    Ich denke mit “Drogen sind Mist” meint er einfach dass Drogen generell für den Menschen nicht gut sind. Ohne auf eine bestimmte Droge einzugehen. Weil Drogen oft in Zusammenhang mit Sucht oder schlimmen folgen stehen.
    Er meint damit sicher nicht dass “Drogen” bzw. in diesem Fall eher als “Medizin” Leuten zu Heilungszwecken dient. Das steht ja auf einem anderen Blatt Papier. In diesem Zusammenhang würde ich es persönlich auch nicht als Droge bezeichnen.

    Der erste Lammbock Teil ist gewollt extrem überzogen und man sollte das Thema diesbezüglich einfach mit Humor nehmen. Der zweite Teil wird sich dementsprechend einreihen.

    Deinen letzten Satz finde ich aber sehr sehr gut. Wenn man niemanden schadet sollte es jedem freistehen wie er seine Freizeit verbringt.

  4. ADHSPatient

    @Kommindenbus
    Er begründet die Meinung Cannabis sollte legalisiert werden ausschließlich damit, dass nur drakonische Strafen Drogen aus der Gesellschaft bannen könnten (was noch nicht einmal stimmt, wie zahlreiche Länder mit drakonischen Strafen bewiesen haben…).

    Und die Äußerung “Drogen ist Mist” bezieht sich logischerweise auf die Art Freizeitkonsum um die es auch in dem Film geht.

    Das hört sich für mich wie ein Alibistatement an, damit er bei besorgten Eltern mit Kindern besser ankommt, und seine Vorbildfunktion einschließlich Beliebtheit wahrt.

    Ich glaube noch nicht mal, dass er an dieses Statement selber glaubt, ich denke es ist einfach nur ein Allgemeinplatz, damit er nicht als Drogenverherrlicher im Mainstream wahrgenommen wird und weiterhin als seriöses Mitglied in Talkrunden mit weichgewaschenen Moderatoren a la Markus Lanz auftreten kann.

    “Drogen sind Mist” ist eine nach Stand der Wissenschaft dämliche Aussage, die ich von Menschen wie unserem beauftragten Drogengenie Marlene Mortler und ihren konservativen Horden erwarte, aber nicht von einem jungen dynamischen Schauspieler, der sich in die Materie genug vertieft haben müsste, um zu wissen, dass es einfache Aussagen wie diese sind, weshalb zahllose Menschen eingebuchtet und verfolgt wurden, die niemandem etwas Schlimmes getan haben.

    Ein geistreicher Satz der auch von Anslinger oder Reefer Madness stammen könnte.

    Ich weiß, dass Bleibtreu ein Sympathieträger ist, und man ihm deswegen wohlgewogen ist und ihn dementsprechend interpretiert, weshalb es auch insgesamt gut ist, dass er sich für die Legalisierung äußert anstatt dagegen.

    Aber seine Argumentation ist feige und dumm.

    Tut mir leid, aber es ist so.

    Ich stimme dir übrigens zu, dass mein letzter Satz in meinem vorigen Kommentar sehr sehr gut war.

    🙂

    Humor

  5. Rainer Sikora

    Es gibt einige einflußreiche Leute die so lange für Legalisierung stimmen, bis es ernsthaft wahr werden könnte.Länger nicht.

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