Montag, 6. Februar 2017

Coffeeshops – Segen und Fluch zugleich

 

Holland in der Zwickmühle

 

 

 

Seit über vierzig Jahren tolerieren die Niederländer den Kleinstverkauf von Marihuana und Haschisch in Coffeeshops. Doch was unsere Nachbarn in den vier Jahrzehnten nicht hinbekommen haben, ist die generelle Legalisierung, die allen Beteiligten vom Hanfgärtner bis zum Kiffer Rechtssicherheit verschafft. Coffeeshopbetreiber können ein Lied davon singen, dass die halbherzige Regelung, die Abgabe von Kleinstmengen über die Shops zu dulden, aber die nötige Zulieferung der großen Mengen strafrechtlich zu verfolgen, Flickschusterei ist. Mehr denn je tanzen die Eigner und Lieferanten auf einem Hochseil ohne Netz und doppelten Boden.

 

Das Katz- und Mausspiel zwischen Polizei und Hänflingen ist ein nicht enden wollender Krimi, und jeden Tag bemühen sich von Friesland bis Limburg unzählige Vertreter des Gesetzes, um das verkorkste Coffeeshopsystem ad absurdum zu führen. Die Prohibitionisten bremsen das Business mit verwaltungs- und strafrechtlichen Vorschriften aus, wo sie nur können. Die derzeit beliebteste Schikane ist, den Warenbestand der Coffeeshops bis aufs Mikrogramm genau zu wiegen und bei der geringsten Überschreitung der zulässigen 500 Gramm mit hohen Geldbußen und Entzug der Gewerbeerlaubnis zu reagieren. Der Coffeeshop „Nemo“ in Rotterdam und das „Liberty“ in Hardwijk sind aktuelle Opfer dieser Willkür.

 

Doch die einen sagen hü, die anderen wieder hott. Wie das Informationsportal „Kein Wietpas!“ bereits Mitte Januar berichtete, verfolgt die Gemeinde Den Helder in Nordholland ganz andere Pläne. Die drei ansässigen Coffeeshops hält der dortige Bürgermeister Koen Schuiling nicht für überflüssig, wohl aber für deplaziert, da diese auch die Kunden aus den Nachbargemeinden Texel und Hollands Kroon bedienen, die keine Shops dulden. Um eine bessere Verteilung der Shops zu veranlassen, will Bürgermeister Schuiling nun den „Noordkopraad“ der Gemeinden Hollands Kroon, Texel, Schagen und Den Helder in die Pflicht nehmen. Der Rat soll die beiden Gemeinden überzeugen, die Blockadehaltung aufzugeben und mitzuhelfen, einen vernünftigen Weg zur Versorgung der eigenen Bewohner und Touristen zu finden.

Inwieweit der Vorstoß die Provinzfürsten der Nachbargemeinden zur Solidarität zwingt, lässt sich nur schwer absehen. Vor allem auf Texel besteht kein Interesse, entspannten Wietrookern einen entspannten Inselaufenthalt zu garantieren. Willkommen sind dagegen Ballermanntouristen, die mit Bierflasche in der Hand die Fähre besteigen, während die Hanffreunde von Spürhunden angebellt und von der Polizei ihres Urlaubsvorrates beraubt werden.

 

Ob die geduldigen Holländer in absehbarer Zeit aus der Duldungs-Zwickmühle, in der sie seit 1976 stecken, herauskommen, kann heute anno 2017 durchaus bezweifelt werden. Doch haben wir Geduld mit unseren Nachbarn, die der Mitteleuropäischen Zeit noch immer um Jahrzehnte voraus sind.

4 Antworten auf „Coffeeshops – Segen und Fluch zugleich

  1. Jack

    Zum Thema Texel/Den Helder
    Nen Shop auf Texel wär zwar schön aber auch genauso unnötig den. Bei den wenigen Einwohnern wäre das klar auf Touris ausgelegt! Die meisten bringen sich ihren Vorrat aus Amsterdam Rotterdam oder von Zuhause mit (die paar die sich in den Helder eindecken sind auch durch die Weedpass geschichte noch weniger geworden weils in den Helder nichts mehr gab für Ausländer.)
    Wir sind jedes Jahr 1-2 mal auf Texel, haben uns bis vor ca 5 jahren immer in den Helder mit Rauchware eingedeckt , aber die Qualität ist so schlecht geworden das Deutsches Komerz Kraut sauberer ist. Mal im ernst nur im Aktama gibs noch halbwegs gutes kraut, im Tops würd ich nichts kaufen, überdüngt, zu früh geerntet und abgesiebt dazu unfreudlich zu Deutschen. Texel braucht keinen Shop und in den Helder sind die Shops weit am Ende der Fussgängerzone, wo sie auch niemanden stören neben bars und co, wo solln die den hin? aus dem blickfeld der gesellschaft entfernen das ist alles was die wieder wollen. Sehr sinnlos das ganze. Legaler einkauf für die Shops wär wichtiger!

  2. Rainer Sikora

    Mit Rauchgas vergiftete Anwohner wäre die Folge, die lange therapiert werden müßten.Die schulkinder wären ihrer Fähigkeit zu schreiben beraubt.Und die vielen Hanfoinspritzen.

  3. U-G

    Da kann ich nur sagen alles Käse aus „Holland“…
    Ein Vergleich zu „Cannabis total legal“ in vielen Bundesstaaten von „Am-Erika“ „Freiheitsstaatlich“ hochhängende Statue und „Deutschland“.
    Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt permanent über Ihre Medien für die Prinzipien und Werte von Gemeinsamkeiten zwischen beiden „Hochdemokratischen“ Ländern einzustehen und sie zu Verteidigen.

    Da fällt mir nur eines ein.: „Ein Käfig voller Helden“.
    Auf der einen Seite die „Freiheitskämpfer“ Hogan und die Alliierten, auf der anderen Seite Kommandant Klink, die Kalinke, der gefreite Schulz, General Burkhalter, Gestapo Chef Hochstätter und die Schäferhunde von „Stalag13″( Strafgefangenenlager).
    Ich war schon 4-mal im „Knast“ und weiß was es heißt eingesperrt zu sein.

    Wer Humor und Satire mag, der kennt diese Serie und die Darsteller.
    Wer jetzt noch etwas Fantasie besitzt und das auf die Ereignisse von Heute ummünzt, kann eigentlich nur Lachen über das absurde Verbot von Cannabis und die Drogenpolitik der Eliten.

    Nun zu den Hauptdarstellern in Realo.
    Frau Marlene Mortler die Bundesbeauftragende für Drogen und Ihre Berater, die eine „Feuerwasser Wand“ so hoch aufgestellt haben, kommt gerade mal ein Tröpfen durch, das aber schon in der Luft verpufft…

    Nicht unterkriegen lassen und weiter kämpfen für die Freiheit für uns Alle.

    Bis dann und vergesst das Lachen nicht!!!

    .

  4. Opfer

    @Jack, habe mal den Stress an der Fähre mach Terschelling erlebt, wo auch kein CS ist. Voll Scheiße das: Fähre weg, Gras weg, Urlaubslaune weg. Auf die großen Inseln gehören CS. Das nächste Mal schicke ich mein Dope mit der Post voraus.

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