Sonntag, 22. Januar 2017

Geheimtipp im Rotlichtviertel

 

Von Christian Rausch

 

 

Ach, wer kennt es nicht, das gute, alte Rotlichtviertel in Amsterdam? Die wunderschönen Grachten, die pittoresken Brücken und die kleinen Boote, mit denen wohlhabende Niederländer Bier und andere Alkoholika trinkend durch ihre Heimatstadt tuckern. Manchmal rauchen die Bootsfahrer auch ein Tütchen, aber das bildet eher die Ausnahme. Natürlich ist inzwischen in Amsterdams Rotlichtviertel die Gentrifizierung eingekehrt. Was des einen Unglück und Niedergang ist des anderen Zauberwort und Allheilmittel. Aber es ist, wie es ist. Und so entstehen in der sündigen Rotlichtmeile immer mehr Galerien, neue Shops, teure Restaurants, aber auch Fastfood-Ketten wie FEBO breiten sich zusehends aus. Dennoch gibt es ihn noch, den alten Charme der Amsterdamer Altstadt und die berühmt-berüchtigten Schaufenster, in denen Liebesdienerinnen aus allen Herrenländer freizügig bekleidet um die Gunst der zahlenden Kundschaft aus aller Herren Länder buhlen.

 

Wenig erfreulich für den „alten Amsterdam-Kenner“ ist, dass sich das Rotlichtviertel mit all seinen Bars, Läden und Coffee-Shops immer mehr zur Abzocker-Zone entwickelt hat. Die Preise sind überall überteuert und gute Qualität ist selten bis nie zu finden. Das fängt bei den Magic Truffles in den Smart-Shops an, die zu horrenden Preisen feil geboten werden und kaum die gewünschten Effekte zeitigen, geht über die beim indisch-pakistanischen Shop erworbene Dose Heineken für knapp 3 € weiter und endet bei den deutlich überteuerten, selten frischen und meistens ziemlich miesen Produkten diverser Coffee-Shops. Wer erinnert sich bei diesen modernen Unsitten nicht noch gerne an die alten Zeiten, als um den Amsterdamer Nieuwmarkt herum die harte Drogenszene (vor allem Koks und Heroin) ziemlich aktiv war und selbst hartgesottene Rotlichtbesucher und „normale Kiff-Touristen“ einen weiten Bogen um die Gegend machten, da sie fürchten mussten, dass ein Junkie ihnen eine blutige, angeblich mit Hepatitis C und AIDS verseuchte Nadel an den Hals hielt, um sich an der Börse der Touristen – inklusive viel Bargeld und reichlich Kreditkarten – zu bereichern? Aber damals war die Gras- und Hasch-Qualität in den dortigen Coffee-Shops auch noch besser – Harte-Drogen-Scene hin oder her.

 

Die alten Zeiten sind definitiv vorbei, aber es bleibt bei der Feststellung, dass die meisten Coffee-Shops in der Gegend der alten Kirche (Oude Kerk) hauptsächlich auf das Laufgeschäft mit spanischen, italienischen, französischen, britischen und natürlich auch deutschen Kunden ausgerichtet sind. Dementsprechend teuer sind wie gesagt die Preise und die Qualität der Ware lässt auch häufig genug zu wünschen übrig. Da ist es doch schön, dass es auch Lichtblicke und Geheimtipps gibt. Der Coffeeshop „Greenhouse Effect“ gehört eindeutig dazu. Er befindet sich direkt am Nieuwmarkt und ist in einem freundlichen weiß gestrichen. Das Interieur ist schlicht und einfach, aber gemütlich. Die Musik variiert zwischen modernem Rap und alten 70er-Jahre-Klassikern. Schön ist, dass es eine Terrasse gibt, auf der man bei gutem Wetter die erworbenen Produkte genießen kann. Im Gegensatz zu den meisten anderen Coffee-Shops dieser Gegend hängen im „Greenhouse Effect“ auch zahlreiche Locals rum, was immer ein gutes Zeichen ist und für den Laden sowie die Produkte spricht. Und tatsächlich, die Produktpalette des „Greenhouse-Effects“ kann sich sehen lassen und die Preise sind für die Amsterdamer Innenstadt mehr als fair.

 

So kostet zum Beispiel ein Space-Cake (Vanille, Schokolade, Banane) 4,5 € das Stück. Und in jedem der lecker schmeckenden, saftigen Rührkuchen befindet sich mindestens ein Gramm Gras- und Haschgemisch (überwiegend Gras). Zunächst war ich skeptisch, doch ich wurde schnell eines Besseren belehrt, denn anderthalb bis zwei Space-Cakes reichten vollkommen aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Bei anderen Shops habe schon drei bis vier dieser Dinger konsumiert und war deutlich weniger breit. Auch die vorgerollten Joints (zwischen 3,5 € und 7 €) sind wirklich jeden Cent wert. Die Super-Polm-Tüte für 3,5 € verleiht auch dem Gewohnheitsuser für ein bis zwei Stunden einen angenehmen Flow und über den Greenhouse-Effect-Special-Joint (eine geheime Grasmixtur für denselben Preis) lässt sich dasselbe behaupten.

 

Auch die günstigen Hasch- und Grassorten wie schwarzer Afghane oder Skunk sind qualitativ hochwertig und auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Dabei werden die Preise günstiger, je mehr Gramm man erwirbt. Der Kaffee ist stark, der Tee erlesen und auch die nichtalkoholischen Kaltgetränke lassen keine Wünsche offen. Last but not least zeichnet sich das „Greenhouse Effect“ durch eine chillige Atmosphäre, cooles und fachkundiges Personal aus. Die Dealer nehmen sich bei der Beratung Zeit und versuchen tatsächlich, die Kundenwünsche und Bedürfnisse zu eruieren und befriedigen. Hier geht es nicht nur um den schnellen €€€ wie in vielen anderen Shops, sondern um zufriedene Gäste respektive Konsumenten und es geht auch darum, dem besonderen Produkt gerecht zu werden und ihm zur Ehre zu gereichen. Und dieses Ziel scheinen die Betreiber des „Greenhouse Effects“ erreicht zu haben, denn alle User mit denen ich mich hier unterhalten habe, brachten ihre umfassende Zufriedenheit über den Coffee-Shop zum Ausdruck. Zu guter Letzt wird das „Greenhouse Effect“ auch von zahlreichen Niederländern frequentiert, die ansonsten eher dazu tendieren, Coffee-Shops außerhalb des Amsterdamer Zentrums und abseits des touristischen Massentrubels aufzusuchen.

 

Und so habe ich hier auch schon manches spannende Gespräch mit Niederländern geführt, das mir in anderen Coffee-Shops dieser Gegend entgangen wäre. Und W-Lan ist inzwischen auch in dieser Location eine Selbstverständlichkeit. Aber aufgrund des freundlichen, offenen und kommunikativen Publikums gerät man im „Greenhouse Effect“ gar nicht so leicht in Gefahr, stoned, isoliert und anonym an seinem Handy rumzufummeln, um sich in den kalten Welten des World Wide Web zu verlieren. Das ist doch einfach schön. Kurzum, das „Greenhouse Effect“ ist noch ein echter Geheimtipp im Rotlichtviertel Amsterdams, der allen Amsterdam-Coffee-Shop-Touristen ans Herz gelegt sei. Ihr werdet sehen, dass ihr nicht enttäuscht werdet.

 

 

2 Antworten auf „Geheimtipp im Rotlichtviertel

  1. elmo

    2015 Chocolope im Greenhouse Effect am Nieuwe Markt gekauft.
    Roch geil! War aber komplett verschimmelt mit dickem Flaum.
    Bei der Rückgabe dieses 13,50 € Euro-Spaßes gabs als Antwort zwar kein Geld zurück aber den Tipp,
    den schimmel einfach abzureiben. „Greenhouse Effect“ ist einfach nur teurer Dreck.

    Geht zu den Best Friends. Da gibts klassische Sorten (nich immer nur scheißhaze) und die Beratung ist top.

  2. E.B.

    Anderthalb bis zwei Space-Cakes mit mindestens 1g Cannabis? Na hoffentlich nimmt das kein Neuling als Maßstab. Was ergäbe das, 6-10-fach überdosiert? Oder geht’s hier um wirkstoffarme Ernteabfälle?

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