Montag, 26. Dezember 2016

Beratungsresistenz in voller Blüte

 

Lutz lernt langsam – Beratungsresistenz in voller Blüte.

 

 

Text: mze / Foto: Lutz

 

 

Ein entfernter Bekannter von Terence C. Hill wohnt in Rotterdam. Im holländischen Idyll untergetaucht, hat sich der bekennende Marihuanagenießer vor vielen Jahren ein neues Leben aufgebaut, das ihn zumindest etwas vor den drohenden Gefahren schützt, die in Deutschland beim Cannabisanbau@Home entstehen. Seit vielen Sonnenumkreisungen unserer Erde betreibt der alte Kumpel Lutz dort ein Hobby, das ihn in regelmäßigen Abständen mit frischem Cannabis beglücken soll. In seiner Zweizimmerwohnung lässt Lutz es das ganze Jahr über wachsen – Hanf gedeiht unter verschiedenen Leuchtmitteln und in den unterschiedlichsten Stadien. Doch so vielversprechend, wie die Abenteuer von Lutz in Rotterdam auch im ersten Moment klingen mögen, so wenig empfehlenswert gestalten sich die Methoden seiner Cannabisgewinnung, über die hier folgend berichtet wird. Lutz lernt langsam und zeigt oft Beratungsresistenz in voller Blüte.

 

Der Spät-68er Lutz kifft schon sein ganzes Leben lang. Von anderen Drogen hält er sich in der Regel fern. Cannabis gehört aber zum Alltag, weshalb schon viele, viele Jahre versucht wird, möglichst ertragreiche Cannabisgewächse in den eigenen vier Wänden groß zu ziehen. Da Lutz aber in vielen anderen  Aspekten seines Lebens recht wenig von den neueren Errungenschaften der modernen Technik hält, ist auch sein Growequipment diesem Lebensstil entsprechend angepasst. Nur ungern besucht der, als buchbarer Handwerker tätige, Lutz einen Growshop, oder informiert sich in aktueller Fachliteratur über neuste Erkenntnisse der Pflanzenforschung. Ein eher rudimentäres Wissen über die Eigenschaften von Cannabispflanzen und der Hang, vieles lieber selbst ausprobieren zu wollen, prägten die bisherige Tätigkeit rund um das bei ihm wachsende Marihuana. Selbst Zuchtpflanzen von Samenbanken waren Lutz längerfristig suspekt, weshalb sogar immer wieder eigene Kreuzungsversuche unter verschiedensten Fundpflanzen stattfanden. Doch kürzlich besorgte sich Lutz ein paar Super Skunk Nüsse von Sensi Seeds, weshalb dem zugezogenen Rotterdamer nach reiflicher Überlegung doch noch ein Besuch abgestattet wurde. Berichterstattung für das Hanf Journal stand an.

 

Ha Jo: Hi Lutz, wir haben uns ja ewig nicht mehr gesehen, alles aufrecht?

 

Lutz: Hey Ha-Jo, soweit so gut, ich kann jetzt immerhin nachvollziehen, warum ihr euch solange nicht mehr habt blicken lassen. Meine bisherigen Gartenarbeiten lohnten sich wohl tatsächlich wenig für einen Report im Hanf Journal. Kommt aber erst einmal rein und genießt die neue Aussicht.

 

Ha Jo: Danke für die Einladung – und welch überraschende Einsicht. Man riecht es schon, du bist also wirklich weiterhin damit beschäftigt Cannabis anzubauen, obwohl die Vergangenheit selten gewünschte Ergebnisse erbrachte? Was hat dich denn überzeugt, nach vielen weniger ertragreichen Ernten, das Licht brennen zu lassen?

 

Lutz: Ja, klar baue ich noch an. Deshalb bin ich doch extra nach Holland gezogen. Auch wenn ich die letzten Jahre hier wenig persönliche Kontakte mit Mitmenschen aufbauen konnte, fühle ich mich hier einfach wesentlich sicherer. Daher hatte ich hier bisher auch keine Probleme, meine Möglichkeiten auszunutzen, auch wenn diese weiterhin stark beschränkt sind – finanziell vor allem.

 

Ha Jo: Heißt, du versuchst immer noch mit dem geringsten Einsatz und unter Eigenbau-Methode Gras zu züchten? Stöhn – dann bin ich mal gespannt was uns heute erwartet, obwohl der Duft vor deiner Türe eigentlich recht vielversprechend roch… wenn auch an unpassender Stelle.

 

Lutz: Riecht man das? Oh, ich merke das wohl nicht mehr, da ich den ganzen Abend in der Wohnung bin und herum löte – in zweifacher Hinsicht.

 

Ha Jo: Ja, man riecht das sogar ziemlich – schon im Treppenhaus – ein Stockwerk unter dir beginnt es. Du wirst also wohl noch immer kein abgeschlossenes Growzelt mit Kohlefilter verwenden, wenn man diese Tatsache überdenkt?

 

Lutz: Ne, das brauch ich nicht. Ich nutze weiterhin einen ganzen Raum meiner Wohnung für die Blütephase. So hab ich mega viel Platz für die Plants. Steckis züchte ich dagegen nun im Badezimmer, ich hab mir nämlich endlich einmal Zuchtsamen besorgt.

 

Ha Jo: Na dann zeig doch einmal, was du genau machst, wenn du der Meinung bist, dass deine Growmethoden wirklich verbessert wurden. Nach den letzten Gesprächen, hatten wir die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, dass verschiedene Hinweise auch nur ansatzweise hängenbleiben.

 

Lutz: Zuhören tu ich schon, wenn ich mich mal über Cannabisanbau unterhalte. Mein Problem war und ist in erster Linie die fehlende Kohle. Da am Ende eines Monats so wenig Geld übrig bleibt, muss ich jede Investition extrem abwägen. Als ich anfangs in Growshops ging, wurde mir einfach auch zu viel Quatsch aufgeschwatzt, so dass ich teils mit unnötigen Mittelchen daheim saß, aber nicht mehr wusste, was die nächsten Tage auf dem Esstisch landen sollte. Dadurch versuchte ich eine ganze Weile eigene Experimente, die meist – wie ihr schon richtig bemerkt habt – leider bereits wenig erfolgversprechend starteten.

 

Ha Jo: Du hast teilweise wirklich merkwürdige Arbeit betrieben. Wenn ich mich recht entsinne, hast du sogar versucht eigene Kreuzungen aus unterschiedlichsten Hanfpflanzen zu ziehen. Entstand da jemals etwas von Bedeutung?

 

Lutz: Nicht wirklich – natürlich machte manche Sorte etwas high, doch nachdem ich mich endlich wieder einmal traute Zuchtsamen zu besorgen, gingen auch mir die Augen auf. Bei Sensi Seeds kaufte ich Super Skunk und nun bin ich wie von den Socken. Man kann sich bei den potenten Samen darauf verlassen, dass potentes Marihuana entsteht, selbst wenn die Anbaubedingungen nicht ideal sind – oder eben wie bei mir. Bei schlechtem Ausgangsmaterial, kann man dagegen wohl noch so perfekte Bedingungen schaffen, dass Ergebnis kann dennoch niemals mithalten. Das habe ich Beispielsweise seit eurem letzten Besuch gelernt. Auch in Sachen Dünger und Substrat bin ich endlich schlauer geworden und setze nun erstmals auf Markenprodukte. Meine Pflanzen stehen jetzt in Plagron-Erde und werden mit Plagron-Dünger versorgt. Steckis bekommen aber erst ab dem Übergang in die Blütephase Dünger, da die Erde vorher genügend Nährstoffe enthält.

 

Ha Jo: Was nimmst du denn von Plagron genau?

 

Lutz: Das sind die lila Fläschchen namens Alga Grow und Power Roots. Ich mische die immer genau nach Herstellerangaben zusammen.

 

Ha Jo: Heißt, dass du weiterhin den EC- und pH-Wert nicht durch Messgeräte ermittelst und stufenweise erhöhst?

 

Lutz: Ne, die Messgeräte kosten ja viel Geld und ich sehe die Ergebnisse ja auch an den Blättern. Die Pflänzchen fühlen sich seit dem Umstieg auf Qualitätserde und kommerziellen Dünger schon wesentlich wohler. Ich versuche auch an allen möglichen Stellen auf Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen einzugehen und das von mir bereitgestellte Angebot fein zu justieren.

 

Ha Jo: Erscheint etwas schwierig, wenn nach Herstellerangaben gedüngt wird und der EC-Wert nicht bekannt ist. Es ergibt beim Züchten von Marihuana auch Sinn, den Wert während des Wachstums zu erhöhen – das wirkt sich dann auf die Potenz aus, wenn man es richtig macht. Messgeräte sind mittlerweile auch nicht mehr wirklich teuer. Oft gibt es Kombinationen, die ganz einfaches Arbeiten ermöglichen.

 

Lutz: Mh – damit kenne ich mich nicht aus. Aber schau, das saftige Grün unter der Lampe, sieht doch gesund aus.

 

Ha Jo: Stimmt, deine Pflanzen machen zumindest einen gesunden Eindruck. Warum hast du aber noch immer keine weiße Folie an allen Wänden angebracht? Wir berichteten einst über die Reflexionsfähigkeiten verschiedener Materialien und weiß ist wirklich am besten. Orca Grow Film das Optimum. Warum besorgst du dir nicht ein paar günstige Bahnen und lässt sie einfach vor dem Growbereich von der Decke herunterhängen? So steht hier nahezu alles offen und viel, viel Licht wird einfach ungenutzt in die Umgebung verstrahlt.

 

Lutz: Dafür hab ich ja jetzt die alten Spiegel hingestellt. Siehst du – die lassen sich auch recht einfach abputzen, was ebenso wichtig für eine Reflexion ist, oder?

 

Ha Jo: Äh, schätzungsweise ist eine reine Oberfläche immer von Vorteil. Orca Grow lässt sich aber ebenso feucht abwischen und bleibt nach dem Erwerb auch erst einmal lange sauber. Spiegel werden dagegen besonders die einzelnen Hotspots deiner Lampe reflektieren und für keine breitgefächerte Lichtbestrahlung bei allen Pflanzendamen Sorge tragen.

 

Lutz: Meinst du also, das ist nicht so gut?

 

Ha Jo: Nein, insgesamt nicht. Während die normale Wand nicht einmal in frischem Weiß erstrahlt, hängt auf der zugänglichen Seite deines Grows ein blaues, Licht fressendes Tuch als Abdeckung. Die verteilten Spiegel werden den größten Teil des Lichts in unterschiedlichen Winkeln an einzelne Ecken konzentrieren und nur bei großem Glück nochmal genau auf deinen Hanf treffen. Du könntest deine Ausbeute nach dem Ausradieren dieser Störfaktoren nicht nur beim Licht erhöhen…

 

Lutz: Ja? Ich muss gestehen, dass ich weit glücklicher wäre, wenn ich meinen kompletten Konsumbedarf selbst produzieren könnte und mir den Gang zum Coffeeshop sparen würde. Doch da ich nicht genug herstelle, gehe ich zu oft in die geduldeten Verkaufsstellen. Das Geld fehlt mir dann anschließend aber wieder, wenn ich etwas an den Anbaubedingungen verbessern möchte, die mehr Cannabis zum Ergebnis hätten. Dieser Teufelskreis wird mir grade etwas bewusster.

 

Ha Jo: Du solltest wirklich über die Lichtausbeute nachdenken. Deine Siemens-400Watt-Lampenfassung müsste alle acht Wochen mindestens die Menge Cannabis produzieren können, die  man sogar als Dauerkonsument für ganze zwei Monate benötigt. Die Ein-Gramm-pro-Watt-Regel sollte zumindest als ungefährer Richtwert betrachtet werden.

Platz hast du ja genug und mit der Steckizucht scheinst du ja jetzt auch  ein erfolgreicher Eigenversorger in Sachen Nachwuchs zu sein. Dreh also nicht nur an den vermeidlich gefühlten Stellschrauben bei den Cannabis-Mädels, sondern sorge für eine greifbare kostengünstige Verbesserung der Lichtverhältnisse. Ein kompletter Vorhang aus reflektierendem Material könnte dann möglicherweise auch den strengen Gerüchen im Treppenhaus etwas entgegenwirken – vielleicht. Damit nimmst du gleichzeitig etwas Gefahrenpotential aus der Luft – für dich und deine möglicherweise ebenso anbauenden Nachbarn.

 

Lutz: Mh – danke für die Hinweise. Da die vergangenen Tune-Ups schon wirklich eine Menge Vorteile mit sich brachten, grübel ich mal nach, wie ich das in Zukunft handhaben werde. Die Argumente sind ja nicht ganz falsch. Es fehlt mir aber einfach auch hier der Austausch mit den Menschen, die Erfahrungen über Cannabisanbau teilen wollen. In einem Growshop wäre ich dagegen wieder äußerst skeptisch, ob ich dem Verkäufer trauen kann. Bücher versuchen auch immer wieder Equipment anzupreisen.

 

Ha Jo: Gibt es denn dafür noch etwas, was wir gratis von dir lernen können?

 

Lutz: Ich hoffe doch. Beispielsweise spüle ich meine Pflanzen vor der Ernte in der letzten Blütewoche mit klarem Wasser, gebe aber immer etwas Essig hinzu, damit der pH-Wert sinkt. Auch empfehle ich immer ordentlich zu arbeiten und Schmutz sofort zu entfernen. Eine saubere Umwelt wird auch von Cannabis geschätzt.

 

Ha Jo: Essig treibt aber auch den EC-Wert etwas nach oben, nur so als letzten Hinweis von unserer Seite. Dennoch danken wir sehr für deine Zeit und hoffen, dass wir bei unserem nächsten Besuch wieder ein bisschen Fortschritt feststellen dürfen und dann sogar vielleicht einmal etwas von deiner Ernte zum Probieren übrig ist. Hab großen Dank, Lutz!

 

 

Nach diesem Grow-Bericht heißt es für unsere Leser wohl erstmalig aus den unterschiedlichsten Gründen: nicht nachmachen!

2 Antworten auf „Beratungsresistenz in voller Blüte

  1. fred vom jupiter

    Gegen eigene Kreuzungs”versuche” ist doch nichts einzuwenden. So sind viele der geilsten Sorten entstanden. Die Zeiten, wo so genannte professionelle Züchter aus ganzen Gewächshäusern voller Cannabis-Pflanzen die vielversprechendsten Phenotypen für die weitere Zucht auswählen konnten, sind auch seit Jahrzehnten vorbei. Die züchten doch auch alle nicht mehr wirklich. Da wird nur noch geselfed und feminisiert. Ist doch alles Grütze! Da sind eigene Kreuzungen aus regulärem Saatgut um Längen besser und in praktisch jedem Fall der überteuerten, genetisch verkrüppelten Fem-Scheiße vorzuziehen

  2. Miggal

    Da kann ich Fred vom Jupiter nur zustimmen. Mit ein bisschen liebe zum Detail sollte es jedem abitionierten grower möglich sein tolle Sorten zu kreieren. Vernünftige Genetik als Ausgangsmaterial ist dabei natürlich ein Muss. Dabei kann es sich aber sowohl um eine schöne samenfeste Landrasse die man zB beim Trekking im Annapurna Gebiet findet als auch um die Angesprochene Skunk von S.S. handeln. Eine Kreuzung aus beiden wäre sicher auch nicht zu verachten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.