Sonntag, 18. Dezember 2016

Cannabis für alle? Berlin will’s wissen

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

Wieder einmal mehr haben sich die Sozialdemokraten als zuverlässige Verräter bewährt – und das ist auch gut so … für die Hanffreunde. Ja, die Berliner Genossen sind in den Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung eingeknickt und haben das Votum der Parteibasis gegen eine Hanflegalisierung ignoriert. Und so gaben die rotlackierten Spaßbremsen grünes Licht für die linksgrüne Forderung, beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt zur kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu beantragen.

 

Den SPD-Filzläusen blieb nichts anderes übrig, als sich der Übermacht der künftigen Koalitionäre zu beugen und die Kröte zu schlucken. Wer am Futtertrog des politischen Geschäfts die Schnauze vorn haben will, muss sich nun mal mit den Schweinen reiben. Die Gier nach Macht kennt keine Moral, und faule Kompromisse heiligen alle Mittel. Gestern noch ließ der alte und neue Regierende Bürgermeister Müller den Anti-Hanf-Hardliner Frank Henkel wie einen tollwütigen Hund um sich beißen, heute setzen Pro-Hanf-Softies ihre Duftmarke in der „linksgrün versifften“ Hauptstadt der Deutschen. Erstmals in der Drogenkriegsgeschichte Berlins weht ein frisches Lüftchen, das dazu einlädt, die Fenster zu öffnen und den Laden mal kräftig durchzulüften.

 

Zwischen Spandau und Köpenick tut sich was. Man will in die Hände spucken. Der rotrotgrüne Senat will schaffe, schaffe, Häusle … und Radwege baue. Der leiseste Flughafen der Welt in Schönefeld soll in naher Zukunft unverzüglich und sofort den Lärmbetrieb aufnehmen. Und das muss er auch, um dem erhöhten Passagieraufkommen Herr zu werden, wenn Millionen Haschtouristen ins Hasch-El-Dorado an der Spree einfallen und die Haschvorräte der Apotheken vernichten.

 

Das ist der Plan. Doch, halt mal, war da nicht was mit den Berlinern? Ja, richtig: So schnell schießen die Preußen nicht. Und so wird es auch diesmal sein. Den Lippenbekenntnissen wird Untätigkeit folgen. Deshalb ist auch keine Eile geboten, sich über das zu freuen, was schon morgen im Verwaltungssumpf verschwindet, vom Amtsschimmel verdaut und schließlich als wiedergekäuter Antrag beim BfArM zur Ablehnung eingereicht wird. Zumal wohl kaum damit zu rechnen ist, dass die in der Bundesopiumstelle schlafenden Ruheständler im Dienst vor der Bundestagswahl aufwachen und gegen die Richtlinien der Regierung verstoßen werden.

 

Aber gut, allzu viel Pessimismus muss auch nicht sein. Immerhin zeigen Linke und Grüne Zähne und die unselige Repressionspolitik von CDU und SPD hat Pause. Und vielleicht kommt ja eines nahen Tages das „wissenschaftlich begleitete Modellprojekt“, das ausgelosten Probanden erlaubt, Pharmagras zu Spaßzwecken in einer der 854 Berliner Apotheken gegen Vorlage des Ausweises zu erwerben. Doch ob sich der normale Spaßkiffer zu den Glücklichen zählen will, Wucherpreise für die staatlich kontrollierte Tagesration zu zahlen, ist mehr als fraglich. Zumal es für den Hanffreund ein No-go sein sollte, Geschäfte mit Dealern zu machen, die zugleich harte Drogen im Sortiment haben. („Gras ist aus. Aber Ritalin und Togal sind diese Woche im Angebot“)

 

Nein, wie es auch kommt, der neue Senat hat bereits versagt, bevor er vereidigt ist. Die Chance, den Hanfhandel in geordneten Bahnen zu lenken, wird kläglich vertan. Das „Drogenproblem“ mittels eines „Modellversuchs“ in den Griff zu bekommen, ist hasenfüßig, kleinkariert, undurchdacht und zum Scheitern verurteilt. Das Gros der Freizeitkiffer wird sich nicht abhalten lassen, weiterhin beim Fachhändler des Vertrauens oder auf der Straße den Einkauf zu tätigen – und das noch viele Wochen, Monate und Jahre. Und ob eine der künftigen Bundesregierungen jemals auf die Idee kommen wird, die legale und praktikable Versorgung mit Hanf über Fachgeschäfte zu regeln, steht ohnehin in den Sternen.

7 Antworten auf „Cannabis für alle? Berlin will’s wissen

  1. Papa

    Das wird sich erst ändern wenn ein Kranker aus USA in D wegen seiner Arznei verhaftet wird.
    Erst dann wird die Bundesregierung umdenken wenn die mit den USA ärger bekommen.

    A hanfigs Grüssle

  2. Littleganja

    Das wird nix in Berlin, ohne Moos nix los.

    Immer noch fällt das Hanfjournal auf das Dummgelaber der Grünen und Linken rein. Wenn Anfang 2017 Weed in Deutschland auf Rezept verfügbar ist, kommt die Legalisierung so oder so. Dann gibt es wie in den USA Ärzte die sich nur auf die Verschreibung konzentrieren, die Hürden fallen nach und nach.

    Es gibt nur eine Person in Deutschland die es Legalisieren kann und die gehört einer anderen Partei an!

    Das ist genau wie die FDP es macht einfach nur Stimmen fangen am Linken Rand, das Problem wird jedoch sein das die AFD wohl mehr oder gleich viel Sitze in Berlin holen wird wie Grüne & Linke.

    Die Frage ist dann auch ob es überhaupt Sinn macht Grün oder Links zu wählen, da man damit die AFD stärkt. Vermutlich würde es mehr Sinn machen SPD Und CDU zu wählen, das die AFD nicht so viel Macht bekommt.

    Glaubt Politikern NICHT!!!!!!!!

  3. Sadhu van Hemp

    Ahoi Littleganja,

    geben wir dem linksgrünen Bündnis doch eine Chance und seien wir froh, dass der Frank Henkel (CDU) in die Wüste geschickt wurde.
    Zudem geht’s nicht nur um Gras, sondern generell um mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit. Ich zum Beispiel hoffe sehr, dass der Senat endlich etwas für Radfahrer tut.

    Gruß
    SvH

  4. 420

    @littleganja:
    Es ist super, wenn die AfD bei der Bundestagswahl viele Stimmen erhält.

    Warum?
    Hauptsächlich die CDU wird ihre Stimmen an die AfD verlieren.
    Außerdem wird die CDU nicht mit der AfD koalieren.

    Die CDU könnte so stark geschwächt werden, dass SPD, Linke und Grüne die Regierung stellen.

    Wer die Chance auf eine drogenpolitische Veränderung in Deutschland erhöhen will, muss damit Linke oder Grüne wählen und selbst aufklärerisch aktiv werden.

    Sollten die Piraten in den Umfragewerten die 5%-Hürde schaffen, könnten diese ebenfalls gewählt werden, ansonsten verschenkt man seine Stimme.

    Wer die FDP wählt, stärkt eine Schwarz-Gelbe Regierungsbildung. Da die FDP sich gegenüber dem Koalitionspartner CDU nicht durchsetzen könnte, würde weiterhin die CDU bestimmen wo es drogenpolitisch hin(ab)geht.

    Wer für die Volksparteien SPD oder CDU stimmt, stimmt gegen eine Legalisierung!

    Littleganja, an welcher Stelle haben dich die Linken drogenpolitisch entäuscht?

  5. Cookie

    @Littleganja: Selbst wenn Frau Merkel es legalisieren wollte (was sie, wie wir wissen, nicht plant), könnte sie es nicht ohne eine Mehrheit im Bundestag tun. Ich mag Frau Merkel aus ganz anderen Gründen auch nicht, aber sie ist nicht für alles (allein) verantwortlich, was passiert oder eben nicht geschieht.

    Wer es wegen was auch immer für sinnvoll erachtet, seine Stimme an eine rechte Randgruppe zu verschwenden, wird jedenfalls der Cannabis Legalisierung damit kein bisschen helfen (außer ggf. in der Form wie es 420 über mir geschildert hat).

  6. Rainer Sikora

    Und die Kinderstrümpfe mit Hanfblattlogo bei Kik habe ich auch nicht finden können.Zumindest nicht in Brake.

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